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Südtirol: „Era Fascista“

Ivo_Hechensteiner_Wahl_2008.jpg"Alle Denkmäler bleiben", so unlängst Minister La Russa, Ähnliches auch von Minister Bondi, dessen Lobeshymne auf die faschistischen Relikte haarsträubend ist. Das ist wohl die Antwort Roms auf unsere Hofer-Feiern. Der eisige Wind aus Rom zwingt den Landeshauptmann zu immer öfteren Bettelgängen dorthin, und immer bringt er Erfolgsmeldungen nach Hause, so auch jene, wo er Militärareale gegen Wohnungen fürs Heer eingetauscht hat.

1957 wären die Südtiroler gegen einen solchen Kuhhandel noch auf die
Barrikaden gestiegen, inzwischen gibt man sich mit der bereits
ausgereizten Autonomie zufrieden. Nun, auf dieser Erfolgsschiene
bleibend, hat der Landtag 2004 wie gehabt die Hymne (Zu Mantua in
Banden) abgelehnt, wäre den Nachfolgefaschisten ja nicht zumutbar. La
Russa kommt da der SVP ziemlich nahe, wenn er feststellt, ein Los von
Rom nach 90 Jahren sei geradezu lächerlich. Bondi setzt noch einen
drauf mit der Anmerkung, die wahren Werte im Alto Adige seien die in
Stein gehauenen Märtyrer der it. Geschichte. Geschichte trifft Zukunft
(?) (K)eine Zukunft ohne Tiroler Freiheitsbestreben, dafür aber ein
Freilichtmuseum faschistischer Denkmäler, Relikte und Straßennamen, in
memoriam an die glorreiche "Era Fascista" in unserer Heimat.

Ivo Hechensteiner
SÜD-TIROLER FREIHEIT, St. Pauls

 

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3 Kommentar(e)

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1

Lügen brauchen die Staatsgewalt
Nur die Lüge braucht die Stütze der Staatsgewalt, die Wahrheit steht von alleine aufrecht.

Diesem Zitat von Benjamin Franklin, Mitbegründer der Vereinigten Staaten von Amerika, braucht nichts hinzugefügt werden.
Roland

2

Nun wird es aus Rom bestätigt.
Die wahren Werte Italiens sind also faschistische Symbole und die Annexion und Unterdrückung fremder Völker? Ein Armutszeugnis für jeden Italiener, wenn ihr geistiger Horizont nicht weiter reicht.
Damit gibt Italien offen zu, dass es Deutsch Süd-Tirol, einen Teil Österreichs, unrechtmäßig annektiert hat.

Allein diese Aussagen müßten Durnwalder umgehend dazu bewegen, über die Selbstbestimmung mit der deutschen Opposition und Nordtirol zu diskutieren.
Doch nach der Wahlniederlage im Oktober klammert sich die SVP noch immer an der Macht und ihren verbliebenen Posten.

Die Jugend wird nicht mehr SVP wählen. Die SVP hat deshalb nur zwei Möglichkeiten: entweder ständig zu verlieren oder anzufangen an der Zukunft (Süd) Tirols zu arbeiten.

3

Selbestbestimmung 2009
Wenn ein Minister in Rom in Hinblick auf die Selbstbestimmung der Süd-Tiroler heute meint, dies zu fordern ist nach 90 Jahren Italien in Alto Adige geradezu lächerlich, dann will er damit wahrscheinlich sagen, dieser Staat hat sich eine Art von Besitzurkunde für Süd-Tirol mit der Zeit langsam "ersessen", als ob man ein annektiertes Land gegen den wiederholten und ausdrücklichen Willen der betroffenen Bevölkerung nur lang genug behalten müsste, um es auch vor dem Völkerrecht in Besitz nehmen zu können. Vor allem aber deswegen, weil die Süd-Tiroler selbst nicht ausreichend auf die Klärung der Frage der eigenen Selbstbestimmung bis jetzt lokal, national und international gedrängt haben. Dass dies zur Gänze auch in Italien möglich sein kann, das zeigen ganz deutlich die Beispiele aus der Geschichte. Die Kroaten und Slowenen in Istrien und Dalmatien haben sich aus eigener Kraft von den zweifelhaften Segnungen dieser Macht der Fremdbestimmung nach dem Zweiten Weltkrieg befreien können, aber auch die Franzosen in einigen Alpentälern um die Stadt Tende (früher Tenda) nördlich von Nizza nach einer Volksabstimmung von 1946. Nicht anders sind auch die früheren von Griechen bewohnten Dodekanes-Inseln zu ihrem Vaterland Griechenland in den Jahren 1946-48 zurückgekommen. Das Jahr 1946 ist auch das Jahr der großen Selbstbestimmung-Petition aus Süd-Tirol für die Rückkehr des Landes zum Vaterland Österreich, die bekanntlich so gut wie von allen mündigen Menschen damals in tirol südlich des Brenners unterzeichnet und dem damaligen BK Figl im Mai 1946 in Innsbruck feierlich übergeben wurde. Italien hat sich ganz einfach darüber hinweggesetzt, nicht anders als über die Bestimmungen des Pariser Autonomievertrages. Gleichzeitig aber hat sich Rom damals mit dramatischen Gesten auf die Selbstbestimmung der Italiener in der international verwalteten Freien Stadt Triest berufen, die erst 1954 zurückgekert ist, also auf ein Menschen- und Völkerrecht der ethnischen Selbstbestimmung, das Italien den Süd-Tiroler bis heute gnadenlos immer noch verweigert. Erst der Widerstand der Süd-Tiroler gegen die Maßlosigkeit Roms in seiner Südtirolpolitik der 50er und 60er Jahre hat Italien zum Umdenken in diesen Fragen bewegt. Das, was Seen von Tinte und unzählige Stunden der internationalen Verhandlungen zwischen Wien und Rom nicht geschafft haben, das haben die Männer und Frauen mit ihrem damaligen heldenhaften Einsatz für die Heimat geschafft. Sie haben größteteils für die Selbstbestimmung damals gekämpft, das Land hat dann aber bis 1992 die heute existierende herzlose und lückenhafte Autonomie als Kompromiß bekommen. Das im Völkerrecht verankerte Selbstbestimmungrecht verjährt aber weiterhin nicht und gilt ohne Zeitlimit auch für die Menschen Süd-Tiroler Herkunft, die dazu noch in der AP Bozen 3/4 der Bevölkerung stellen. Die entsprechenden völkerrechtlichen Akte ( bei der UNO und KSZE) hat auch Italien unterzeichnet und ratifiziert. Solange aber die einzig legitime Vertretung der Süd-Tiroler diese Frage Italien nicht stellt, kann Rom mit dem Hinweis auf die Zufriedenheit der Minderheit mit status quo die Forderung nach Selbstbestimmung zurückweisen. Darauf hat wieder einmal in unserer Zeit die unmißverständliche Petition der 99% der Bürgermeister aus Südtirol von 2006 an den Österreichischen Nationalrat in Wien mit der Forderung nach Selbstbestimmung hingewiesen. Als Reaktion darauf erfolgte der Gesetzesentwurf für die Selbstbestimmung der AP Bozen von Altpräsidenten Cossiga im Römischen Senat aus den Jahren 2006 und 2008. Die legitime demokratisch gewählte Vertretung der Süd-Tiroler hat aber gerade diese einmalige politische Möglichkeit nicht aufgegriffen oder bewußt verschlafen, ohne überhaupt prüfen zu wollen, wie weit man auf dieser Grundlage bei der Beantwortung der Frage der eigenen Selbstbestimmung kommen würde. Insofern hat leider der Minister in Rom recht, wenn er meint, Italien hat sich eine Besitzurkunde für Alto Adige ganz einfach langsam ersessen, was natürlich nicht so einfach ist, wenn man in der eigenen Geschichte völkerrechtswidrige Annexionen ohne Referendum betreibt oder begeht. Andere Ethnien und frühere Minderheiten haben sich das nicht gefallen lassen und sind daher schon seit Generationen frei von der Fremdbestimmung, also frühere Italiener, heutige Kroaten, Slowenen, Franzosen und Griechen und ihre Nachkommen, die ohne Fremdbestimmung aufwachsen dürfen. In Süd-Tirol kennt man gut die Filmreihe "Die verkaufte Heimat", die sich kritisch mit der eigenen Geschichte beschäftigt. Heute kann man wie es auschaut schon langsam daran gehen, eine neue Folge mit dem Namen "Die verkaufte und verschlafene Selbstbestimmung" zu drehen. Die Frage der Selbstbestimmung für Südtirol kann Rom gestern wie heute und morgen zuerst die einzig legitime politische Vertretung der Süd-Tiroler stellen und das ist die Landesregierung und der Landtag. Der kommende Reform-Parteitag der SVP wird auch in dieser Frage von großer Bedeutung sein und weitere personelle Weichenstellungen pro oder gegen die Selbstbestimmung vornehmen.