Start / Archiv / Wo geht’s hier nach „Spelunke“?
Wo geht's hier nach "Spelunke"?

Wo geht’s hier nach „Spelunke“?

Es freut mich, dass Rainer Seberich in seinem Leserbrief vom 4. April die von ihm am 11. März aufgestellte Behauptung zurücknimmt, der amtliche Name für Spiluck laute nicht „Spelonca“, sondern „Spilucca“.

Doch auf eine Sache scheint Herr Seberich auch in seinem zweiten Leserbrief zu bestehen: Cristian Kollmann „übersieht“, dass Kühebacher nicht von SPELONCA, sondern von SPELUCCU ausgehe. Dazu wird Cristian Kollmann als Sprachwissenschaftler gesondert antworten.

Was ich derweil festhalten möchte, ist Folgendes: Bei der Südtiroler Ortsnamenfrage geht es um die Siedlungsgeschichte bzw. deren Fälschung durch die Einführung willkürlich geänderter Namen. Neben der Wissenschaft ist auch die Politik gefordert, diese Geschichtsfälschung beenden zu helfen. Mit „Reinhaltung“ des deutschen Sprachgebietes – so Seberichs Vorwurf – hat dies nichts zu tun, denn so wie „Spiluck“ sind viele andere Namen in Südtirol und ganz Tirol lange vor der deutschen Siedlungstätigkeit entstanden. Aber diese Namen sind nie aus nationalistischen Überlegungen heraus geändert worden, sondern nur der Phonetik der Sprache, die jeweils dazukam, angepasst worden, während weitere Namen jeweils dazukamen. Dies ist der Unterschied zwischen natürlich entstandenen Namen und jenen, die zwecks Manipulation der Sprach- und Siedlungsgeschichte den Südtirolern auferlegt wurden.

Eva Klotz, Bozen

In Bezug auf den Leserbrief von Rainer Seberich vom 4. April möchte ich Folgendes klären:

1. Herr Seberich „übersieht“ (um bei seiner Terminologie zu bleiben), dass Kühebacher nicht eine Nebenform SPELUCCU, sondern SPELUCU (also mit einem C) ansetzt. 2. Den Ansatz SPELUCU also (und nicht SPELUCCU) habe ich deswegen „übersehen“, weil ich ihn nicht für diskussionswürdig hielt. Doch er kann hier gerne dennoch diskutiert werden: SPELUCU hätte, ebenso wie SPELUNCA (was als Wort im Unterschied zu SPELUCU im Lateinischen belegt ist), nicht zu „Spiluck“, sondern im konkreten Fall über Alpenromanisch *SPELÚGU zu Deutsch *Spiláug geführt. 3. Lauthistorisch zulässig ist nur *SPELUCC- (CC steht für Doppel-K). Daher darf der Schluss gezogen werden, dass der Ortsname insgesamt vorrömisch sein muss.

Eine Urverwandtschaft mit lat. SPELUNCA ist dennoch nicht auszuschließen. Nur kann Letzteres nicht etymologisch zu Grunde liegen – und daher schon gar nicht ein pseudoitalienisches „Spelonca“!

Cristian Kollmann, Bozen

Neue Südtiroler Tageszeitung vom 4. April 2017, Seite 5.

Zum vorausgehenden Leserbrief.

Jetzt mitdiskutieren!

Kommentare