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Leserbrief: Unseriöse Umfragen der Grünen?

Cristian_Kollmann_Wahl_2008.jpgLaut Leserbrief der Grünen vom 25. Juli wünschen sich 60% der Südtiroler eine mehrsprachige Schule. Laut Leserbrief vom 27. August, auch diesmal der Grünen, sind es plötzlich gar 80%! Man muss sich schon fragen: Wie seriös wurden solche Umfragen durchgeführt, wenn die Daten so dehnbar sind?

Außerdem: Wurden die Befragten nicht nur über die Chancen einer mehrsprachigen Schule ("Einsprachigkeit ist heilbar", "Mehrsprachigkeit macht klug"), sondern auch über deren Risiken (zweifache Halbsprachigkeit, Verlust des muttersprachlichen Gespürs, Altoatesinisierung) informiert? "Vereintes Europa", "interkulturelle Kompetenzen" – auf den ersten Blick klingt all dies zwar recht verlockend, zugegebenermaßen auch aus dem Munde der Grünen. Doch Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenz darf nie und nimmer auf Kosten der Sprache und Kultur einer Minderheit gehen! Erneut möchte ich an das Beispiel Aostatal erinnern: Aufgrund der mehrsprachigen Schule ist dort die frankoprovenzalische Identität verlorengegangen, und mittlerweile fühlen sich die Aostaner größtenteils als Italiener. Sollte uns dies nicht bereits Lehre genug sein? Sind die Grünen einfach nur naiv oder Mehrsprach-Imperialisten.

Dr. Cristian Kollmann, SÜD-TIROLER FREIHEIT, Laurein/München

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5 Kommentar(e)

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Cristian Kollmann

@ Klaus Dieter
Um eine ideologische Assimilierung der Südtiroler so gut als möglich zu verhindern, sind wir gegen die gemischtsprachige Schule. Also nicht gezwungermaßen, außer in der 1. Grundschulklasse, „weniger Italienisch lernen“, sondern insofern nicht MEHR Italienisch lernen, als Italienisch an den deutschen Schulen als zweite Landessprache ohnehin bereits unterrichtet wird, aber nicht als Unterrichtssprache zum Einsatz kommt. Das Problem ist, das gerade die sogenannten Gemischtsprachigen gefühlsmäßig zu Italien tendieren, und wenn diese dank der mehrsprachigen Schule immer mehr werden, sind die rein Einsprachigen in der Minderheit, und mit der Zeit könnte sich der Staat Italien fragen, wozu denn überhaupt noch alles zweisprachig sein muss, wenn ohnehin jeder bereits Italienisch gewissermaßen als zweite Muttersprache spricht (genau das sagen mittlerweile die Aostaner von sich selber).

Der unterschiedliche Grad der Politisierung der Schützen hängt freilich mit der ungleichen Staatszugehörigkeit Südtirols und Nord-/Osttirols zusammen. Die sogenannten freien Tiroler haben leider viel zu wenig Einblick in das, was in Südtirol tatsächlich vor sich geht. Hier wäre noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Aber die Südtiroler Volkspartei und die Grünen tun im österreichischen „Ausland“ ja immer so, als stünde mit der Sprach- und Kulturpolitik der Südtiroler ohnehin alles zum Besten.

Ihre letzte Frage im Zusammenhang einer Neuorientierung im Stadt-Land-Gefälle verstehe ich leider nicht, auch nicht, worauf Sie sich mit „hiesig“ beziehen. Auf Deutschland? Meinen Sie, dass man in ländlichen Gebieten in Deutschland mehr zu traditionellen Werten zurückkehrt? Was Südtirol betrifft, so ist auf jeden Fall festzustellen, dass die städtischen Gebiete und Orte, wo mehr Italiener und Gemischtsprachige wohnen, auffällig mehr altoatesinisiert sind als dörfliche Gegenden. Dort hat sich die Tiroler Idenität besser erhalten, was auch an den Dialekten erkennbar ist.

2

sprache
sie schreiben:
Je mehr die Südtiroler mit der italienischen Sprache vertraut werden (...), um so leichter ist es, sie auch ideologisch zu assimilieren, ..."

Was ist ihrer meinung nach also die bildungspolitische konsequenz? weniger italienisch lernen?

Eine andere Frage:
denken sie nicht auch, dass gerade die zugehörigkeit süd-tirols zum italienischen staat die kräfte des "bewahrenden" im besonderen mobilisiert, siehe etwa den unterschied im grad der politisierung der schützen hier und nördlich des brenners?
im übrigen sehe ich in punkt auf die kulturelle "neuorientierung" der hießigen bevölkerung ein großes stadt-land-gefälle, sie auch?

3

Umvolkung
Altoatesinisierung = Umvolkung

Als Bundes-Deutscher versteht man diesen Begriff besser als Umvolkung. Das war vor 60 Jahren Hitlers Lieblingsthema.

Heute findet dieser Prozess im Süden Tirols leider noch immer statt.

4
Cristian Kollmann

Zum Begriff „Altoatesinisierung“
Der Begriff „Altoatesinisierung“ steht für ein südtirolspezifisches Phänomen der Assimilierung: Die subtile, d. h. langsame aber sichere Gewöhnung der Südtiroler an das Konzept des „Alto Adige“. In dieses Konzept passt – Name ist Programm – der Begriff „Alto Adige“, dessen Funktion bis heute darin besteht, jeden Bezug zu Tirol zu leugnen. Die Zugehörigkeit zu Italien, die Siamo-in-Italia-Mentalität, die faschistischen Symbole sollten als selbstverständlich hingenommen werden. Die Südtiroler werden zu Altoatesinen, d. h. zu Bürgern, die verunsichert sind, weil sie nicht mehr genau wissen, wo sie sprachlich und kulturell hingehören. Je mehr die Südtiroler mit der italienischen Sprache vertraut werden (Sprache ist ja nicht nur Sprache, sondern Mittel zum Zweck, da sie auch Mentalität und Lebensgefühl vermittelt), um so leichter ist es, sie auch ideologisch zu assimilieren, d. h. wenn es darauf ankommt, würden sich die Altoatesinen (= die vorwiegend italienisch fühlenden Südtiroler) wahrscheinlich für Italien entscheiden. Die Altoatesinisierung ist gewissermaßen die Vorstufe zur Italianisierung als oberstes Ziel Ettore Tolomeis und des italienischen Faschismus. Die Italianisierung wäre dann erreicht, wenn die deutsche und ladinische Sprache im „Alto Adige“ praktisch nur mehr als Folklore und als Sprache der Alten, der Hinterwäldler, empfunden würde.

Im Aostatal ist die Italianisierung praktisch im Abschluss begriffen. Zu dieser Situation im Aostatal hat ein Vielfaches die mehrsprachige Schule beigetragen, die unter dem Deckmantel „der perfekten Zweisprachigkeit“ eingeführt worden war. Mit derselben wissenschaftlichen Begründung für eine „scuola plurilingue in Alto Adige“ wollen die Verdi-Grünen-Vërc, aber auch die italienischen Parteien, egal ob rechts oder links, die Altoatesinisierung im Gebiet des heutigen Südtirols vorantreiben und damit letztendlich die Italianisierung erwirken.

5

nachfrage
was verstehen sie denn genau unter dem begriff "Altoatesinisierung"?