Start / Leserbriefe / Leserbrief: Steinacher-Buch – Proselytismus

Leserbrief: Steinacher-Buch – Proselytismus

hartmut_staffler_500.jpgHubert von Wenzl weist in einem Leserbrief darauf hin, dass die katholische Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreichen auch prominenten Nazis zur Flucht verholfen hat, wie Gerald Steinacher in seinem wertvollen Buch "Nazis auf der Flucht" darlegt. Da sich Steinacher zum Teil auch auf meine Vorarbeiten stützt, möchte ich der Gerechtigkeit halber anfügen, dass es der damaligen katholischen Kirche in Südtirol in erster Linie nicht um den Schutz von Nazis ging, sondern um die Rückgewinnung bzw. Neugewinnung von Kirchenmitgliedern.

Dies geht auch daraus hervor, dass keineswegs nur deutsche Nazis,
sondern auch italienische Faschisten sowie Kommunisten aller
Nationalitäten wohlwollend in den Schoß der Kirche aufgenommen wurden.
Auch um Juden hat sich die katholische Kirche eifrig bemüht, wobei z.B.
die Kreuzschwestern im Brixner Krankenhaus die Notlage mancher
Patienten ausnutzten. Es handelt sich daher eindeutig um Proselytismus,
eine aus damaliger Sicht verdienstvolle Tätigkeit.

Hartmuth Staffler, Landtagskandidat der SÜD-TIROLER FREIHEIT, Brixen

Jetzt mitdiskutieren!

Kommentar hinzufügen

Diese E-Mail ist schon registriert. Bitte benutzen Sie Das Login-Formular oder geben Sie eine andere ein.

Sie haben nicht das korrekte Login oder Passwort eingegeben

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

5 Kommentar(e)

Neueste zuerst
nach Bewertung Neueste zuerst Älteste zuerst
1
Günther Morat

Vielen Dank für Ihre Antwort, Herr Staffler, anscheinend habe ich Sie echt falsch verstanden.

2
Hartmuth Staffler

Stellungnahme
Gerne nehme ich zum Leserbrief des Herrn Morat Stellung. Ich glaube, wir sollten zwei Dinge auseinanderhalten. Das erste sind die auf jeden Fall entschieden zu verurteilenden Verbrechen des Nationalsozialismus und anderer menschenverachtender Systeme wie Faschismus und Kommunismus. Dass die Kirche, und nicht erst in der Zeit des Nationalsozialismus, an der Judenverfolgung mitschuldig war, ist bekannt. Papst Johannes Paul II. hat sich dafür auch entschuldigt. Ich habe in meinem Buch "Krummstab und Krummnase" (mit Vorwort von Federico Steinhaus) auf die diesbezügliche Verantwortung vor allem der Christlichsozialen verwiesen.
Andererseits darf man aber nicht leugnen, dass einfache Geistliche und Ordensleute nach dem Krieg ohne zu fragen jedem geholfen haben, der Hilfe brauchte. Diese Hilfe ist auch (aber nicht nur) Verbrechern zuteil geworden. Auch die Kirche sieht heute diese Form von Proselytismus mit anderen Augen.
Ich habe keineswegs Nazis, Faschisten, Kommunisten und Juden in einen Topf geworfen. Wir wissen, dass nach dem Zweiten Weltkrieg die Fluchtwege und auch die Fluchthelfer von Opfern und Tätern oft die gleichen waren. Deswegen sind aber doch diese Menschen nicht gleich.Ich wollte jedenfall mit meinen Hinweisen in keiner Weise irgendwelche Verbrechen entschuldigen - ich bin im Kampf gegen Nationalsozialismus und Faschismus immer an vorderster Front - sondern nur im Interesse der geschichtlichen Wahrheit eine Ergänzung anbringen. Wenn das falsch verstanden wurde, täte es mir leid.

3
Günther Morat

Erinnerung.....
Eine Stellungnahme wäre nett, Herr Staffler. Danke im voraus!

4
Günther Morat

Eine Stellungnahme wäre nett, Herr Staffler. Danke im voraus!

5

De facto sind die Aktionen der damaligen katholischen Kirche zurückzuweissen, oder Herr Staffler?

Waren Nazis und Faschisten auch leidtragend? Geben wir es doch zu. Viele Südtiroler Grossväter (also vor 2 Generationen) haben gewaltig Dreck am Stecken. Ich glaube dass sich so mancher Wohlstand einiger Familien in Südtirol auf die Machenschaften von damals zurückführen lässt. Manches wurde aus Archiven weggeschafft, verbrennt....wenig wird in den sogenannten "archivi della vergogna" aufgefunden. Ich teile Ihre Meinung der Rehabilitierung von Teilen der damaligen Amtskirche überhaupt nicht. Es kann nicht eine Entschuldigung sein, neue Schäfchen ins Haus zu holen, in dem man Nazis und Faschisten zur Flucht verhalf.

Ich würde auch nicht Kommunisten und Juden in einem Topf werfen. Die Kirche wusste sehr wohl über die Judenverfolgung bescheid....nicht umsonst veröffentlichte Papst Pius XI. die Enzyklika "Mit brennender Sorge". (auch wenn sie zuwenig Druck verursachte). Und ich denke, dass man auch Bescheid wusste, was mit Kommunisten, vor allem deren Funktionären geschah.

Proselytismus unter diesen Umständen ist nichts anderes als ein bis heute nicht geahndetes Verbrechen an der Menschheit.