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Leserbrief – Entschädigung: Wann Süd-Tirol?

stefan_zelger_200.jpgNach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa will der italienische Staat 5 Milliarden US- Dollar als Entschädigung an Libyen bezahlen. Mit Investitionen in die libysche Infrastruktur will sich Italien für 31 Jahre Kolonialzeit, von 1911 bis 1942, entschuldigen. Sicherlich mehr als eine lobenswerte Geste, doch drängt sich zwangsläufig die Frage auf, ob der italienische Staat mit verschiedenerlei Maß misst? Süd-Tirol litt jahrzehntelang am Faschismus, an der von Italien mitinitiierten Option und der offensichtlichen Majorisierungspolitik bis 1972. Einige Süd-Tiroler dürfen noch immer nicht in ihre Heimat zurück. Kein Vertreter des Staates hat sich je dafür entschuldigt!

Deutschland und Österreich haben sich des Öfteren für den Holocaust
entschuldigt und richtigerweise Milliarden an Entschädigungen bezahlt.
Die australische Regierung entschuldigte sich unlängst für die
Verbrechen an den Aborigines, der damalige Vizepremier Gianfranco Fini
im September 2002 für die Rassengesetze die unter Mussolini erlassen
worden waren. Alle richtige und wichtige Schritte zur Aufarbeitung und
Bewältigung der eigenen Vergangenheit. Schaut man aber nach Süd-Tirol
bietet sich ein anderes Bild des scheinbar reuigen italienischen
Staates! Faschismus, Option, Majorisierungspolitik, Folter der
politischen Häftlinge, Vertreibung,… niemand hat sich je für die
Verbrechen in Süd-Tirol entschuldigt, geschweige denn Entschädigungen
gezahlt. Die vom faschistischen Italien beschlagnahmten Grundstücke und
Schutzhütten wurden nie zurückgegeben, einige Freiheitskämpfer der 60er
Jahre leben immer noch im Exil, viele litten und leiden ihr ganzes
Leben an den brutalen Folterungen der Carabinieri und sind noch immer
körperlich gezeichnet. Vergangenheitsbewältigung in Süd-Tirol heißt
Siegesplatz statt Friedensplatz, Tolomei statt Wissenschaft,
Renovierung des Siegesdenkmals statt Schleifung oder Abbruch,
Stinkefinger des Ministerpräsidenten anstatt ausgestreckte Hand zur
Versöhnung! Wenn es der Staat mit seiner Versöhnungstour ernst meint,
sollte er langsam auch in Süd-Tirol anklopfen.

Stefan Zelger
Hauptausschussmitglied, Landtagskandidat und Gemeinderat der SÜD-TIROLER FREIHEIT in Tramin

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3 Kommentar(e)

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1

Befreiung für Süd-Tirol
Italien sollte dann auch Entschädiungszahlungen für die unrechtmäßige Besetzung und Annektion des deutschen Süd-Tirol leisten. Entschädigungen für 90 Jahre Kolonialzeit.

Autonomie ist eine Krücke und keine Befreiung
Man kann nicht jemandem alle Rechte nehmen, dann davon nur 50% zurückgeben und behaupten, jetzt hast du ja wieder 100%.

Glaubt jemand wirklich halb Bayern würde sich von Tschechien annektieren lassen und dort gerne mit einer tschechischen Autonomie leben.
Aber anscheinend sind einige Süd-Tiroler noch stolz auf so einen ethnischen Schwachsinn.

2
Hans Peter Mair

...die Autonomie ist auch eine Entschädi
Da hast Du absolut recht! Eine Entschuldigung und die Begnadigung würd ich mir aber schon wünschen. Ansonsten haben wie die Autonomie die uns viel gegeben hat. Ich denke man kann einen so maroden Staat nicht noch weiter in die Knie zwingen. Mich wundert eh wo der das Geld für Libyen hat!?

3

Entschädigung...
aber Hallo, Ihr habt doch das angeprangert, jetzt zahlt Italien an Gadaffi, was ich eh falsch finde!
Der Despot hat genügend "Soldi di petroglio", aber das Volk wird nie etwas davon sehen!
Übrigens: Gadaffi hält immer noch zu Unrecht zwei Schweizer fest, weil die Polizei von Geneve (Genf)
Ginebra, seinen Sohn Hanibal verhaftet hatte und er 500 Tausend sFR Kaution zahlen musste,
weil er seine Angestellten gequält hat. Und Papa Gadi rächt sich so!
Also zu Südtirol, rechtens ist es Italien, so langsam verstehe ich aber, dass Ihr alle Oesterreicher
seid und nur Papier-Italiener.
(Nicht wertend gemeint)! Auch dass die Freiheitskämpfer noch nicht amnestiert worden sind finde ich eine bodenlose Sauerei.
Es gilt jetzt Verhandlungen (ohne Stinkefinger), zu führen, wie es weitergehen soll! Denn viele hier lebende Italiener, finden ihr sollt dorthin gehören wo Eure Kultur gelobt, TIROL!!!
Fragt sich nur was mit den Italienern geschehen soll, die dort assimiliert sind und anständig funktionieren!
Ich finde die Kirche und die Mafia,haben mehr Schaden angerichtet als die "Puster Buam".
Trotzdem ich bin Italiener und liebe das land engagiere mich,
sofern Rocca, Fraktion Davare (Laste)(BL) auch weiterhin zu Italien gehört und nicht auch noch nach Austria will.