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Leserbrief: Eigentor

eva_klotz_500_landtag.jpgFranco Bernard, Andreas Fink und Valentino Liberti von den Grünen bzw. der Bürgerliste werfen in ihren Leserbriefen vom 6. Oktober dem ehemaligen Landestoponomast und Sprachwissenschaftler MMag. Dr. Cristian Kollmann "fanatische Intoleranz" gegenüber den Jungen Grünen vor, und dass er deren Kampf gegen Rechtsextremismus ins Lächerliche ziehen wolle. Die SÜD-TIROLER FREIHEIT bleibt dabei: Die Tatsache, dass die Grünen den italienischen Faschismus verharmlosen, verdient keine Toleranz!

Außerdem: Niemand von der SÜD-TIROLER FREIHEIT will den Kampf gegen
Rechtsextremismus ins Lächerliche ziehen, im Gegenteil: Im Unterschied
zu den Grünen meinen wir es mit diesem Kampf sehr ernst, denn die
Grünen sind inkonsequent und unglaubwürdig. Zum Kampf gegen die
"rechtsextreme Plage" gehört nämlich auch der Kampf gegen das
faschistisch belastete Namengut, denn dieses ist bis heute der
Nährboden für nationalistisches und faschistisches Gedankengut! Herrn
Kollmann aufgrund dieser seiner Haltung in die Nähe von Nazis und
Faschisten zu rücken, ist nicht nur paradox, sondern grenzt schon an
Rufschädigung. Die Grünen bzw. die Bürgerliste haben sich damit nur ein
Eigentor geschossen. Und das ist gut so!

Lt. Abg. Dr. Eva Klotz, SÜD-TIROLER FREIHEIT

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6 Kommentar(e)

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1

Die Opfer schützen, nicht die Täter
Herr Fink,
Sie dürfen nicht Äpfel mit Birnen vergleichen und dann alles in einen Topf werfen.

Nazi-Deutschland ist Geschichte. Die Konzentrationslager stehen ausnahmlos in ländlichen Gebieten und nicht mitten in der Stadt. Deutsche Fussballfans feiern nicht in Konzentrationslagern und ihre Siege nicht auf dem Rücken ihrer ausländischen Mitbewohner. Und vor allen Dingen, die Opfer der Lager sind seit 60 Jahren frei.

In Süd-Tirol ist Geschichte Gegenwart. Es steht das Siegesdenkmal mitten in Bozen und die Süd-Tiroler sind immer noch von Italien annektiert (ohne Volksabstimmung!). Das Siegesdenkmal ist der Paradeplatz des italienischen Militärs und gleichzeitig Partyplatz für italienische Nationalisten und Neo-Faschisten.
Die Opfer brauchen keine erniedrigende Erinnerung (zumindest nicht in Südtirol) und die Täter darf man nicht auch noch belohnen, indem man ihnen ein solches „Denkmal“ genehmigt.

Ich halte eine Diskussion über ein beleidigendes und denunzierendes „Denkmal“ für inakzeptabel.
Italiener und Italien sind keine Richter über unsere Kultur und über unsere Selbstbestimmung. Freiheit und Respekt gegenüber anderen Kulturen sind ein Grundrecht und dürfen nicht zum Gegenstand von Diskussionen werden.

„Opfer von Hitler und Mussolini zu würdigen.“

Wenn Sie die Opfer von Hitler und Mussolini würdigen wollen, dann treten sie für die Selbstbestimmung der Südtiroler ein!

2

"Warum bemühte man sich in den letzen Jahrzehnten, die Konzentrationslager sowohl in Deutschland als auch in Österreich zu rekonstruieren und beispielsweise für Schulklassen zugänglich zu machen? Damit die Jugend aus Fehlern lernen kann, indem sie direkt mit der Geschichte konfrontiert wird. "

Deswegen bin ich auch froh, dass zumindest die Mauer des Bozner Durchgangslager entsprechend gewürdigt wird und dass regelmässig Schulklassen nach Dachau fahren dürfen. Das Siegesdenkmal oder das Mussolinirelief oder auch die Beinhäuser reihe ich in die Kategorie Geschichtsverfälschung und Volksbeleidigung ein. Vor allem, wenn ein Spagnolli davor auch noch mit den Alpini feiert. Leute aufwachen!

Das Alto Adige ist eine eindeutige Assimilierung der Sprache und mir rutscht es leider auch immer wieder raus. Aber ich bemühe mich zumindest, heute und in Zukunft Sudtirolo zu verwenden. Wo ein Wille, da ein Weg!

3

Antwort
1.) Lieber Herr Morat!

Zu Recht - in Deutschland wurden nach dem Krieg, d.h. aber GLEICH nach dem Krieg, alle nazistischen Objekte entfernt. Bei uns ist das leider nicht geschehen.
Nun aber sind wir in der Position - oder wären es zumindest -, dass wir die Geschichte kritisch aus der Distanz der vergangenen Jahre betrachten und aufarbeiten können.
Gegenfrage: Warum bemühte man sich in den letzen Jahrzehnten, die Konzentrationslager sowohl in Deutschland als auch in Österreich zu rekonstruieren und beispielsweise für Schulklassen zugänglich zu machen? Damit die Jugend aus Fehlern lernen kann, indem sie direkt mit der Geschichte konfrontiert wird.
Daher kann es auch nur unser Anliegen sein, aus dem Siegesdenkmal einen Ort zu machen, der diese Zeit (Faschismus, Nazismus, Option, ecc.) darstellt, mit Opfern und Tätern. Als Lehre für kommende Generationen. Nur so werden wir dieser unserer leidvollen Geschichte gerecht - indem wir sie weitergeben.

Zu den Namen: Für Sie werden die Tolomei'schen Namen nie aus ihrem historischen Kontext befreit sein, ebenso wenig wie für mich.
Für viele andere aber sind sie einfach Namen, ohne faschistischem Bezug. Oder wollen Sie etwa allen, die den Namen "Alto Adige" verwenden, unterstellen, Faschisten zu sein?! Wohl kaum.

2. Liebe/-r "ff"!

Sie haben Recht: In dieser Form ist das Siegesdenkmal intolerabel. Aber wenn Sie meinen Beitrag durchgelesen hätten, wüssten Sie, dass es mein Anliegen ist, es UMZUGESTALTEN, durch nötige Zu- und Umbauten ein MUSEUM daraus zu machen, um die Opfer von Hitler und Mussolini zu würdigen, die Täter aufzuzeigen und die Jugend zu sensibilisieren.

Diese Relikte stehen immer noch da, weil a) die SVP in all den Jahren nichts unternommen hat, und b) keine sprachgruppenübergreifende Diskussion zu dem Thema angestrebt wurde, bzw. eine Diskussion mit allen Sprachgruppen an einem Tisch. Wenn die Initiativen von einer rein DEUTSCHSPRACHIGEN Partei ausgeht, die immer an der Grenze zum Anti-Italianismus agiert, kann kein Dialog fruchten.

Mit freundlichen Grüßen,
Andreas Fink - BürgerListeCiviche

4

Ich sehe hier nicht, dass sich Herr Fink objektiv mit dem Faschismus und der Tiroler Geschichte auseinander gesetzt hätte.
Das Siegesdenkmal ist eine Beleidigung für jeden Süd-Tiroler und für das gesamte deutsche Volk.
Wenn man bei diesem Marmorhaufen von historischer Bedeutung spricht, dann ist das Hohn und Spott auf die Rechte und die Existenz der deutschen Tiroler. 200000 Tiroler auf europäischer Ebene ohne Volksabstimmung zu verschachern, ist keine Meisterleistung, sondern ein Versagen europäischer Politik.
Süd-Tirol ist als Kriegsbeute von Italien annektiert worden. Dass Mussolini und heute Italien diesen imperialistischen Akt noch mit einem „Denkmal“ verherrlicht, ist eine Schande, wie es sie auf der ganzen Welt kein zweites Mal gibt.

Zu 2.3.) Die Realität bei den Ortsnamen ist wohl eher eine andere: Die damalige totalitäre faschistische Staatsmacht zwang einer wehrlosen Minderheit Tolomeis erfundene Orts- und Flurnamen auf.
Leider hat sich dieses absurde Fälscherwerk durch die Uneinsichtigkeit und vielleicht auch Systematik Italiens bis heute halten können.
Allerdings denke ich, dass die Süd-Tiroler noch immer gegen dieses Fälscherwerk sind und keine fanatisch-rassistische Beschmierung ihrer Heimat wollen.

Zu 3.3) Herr Fink, Sie widersprechen sich selbst. Warum stehen Siegesdenkmal, Beinhäuser und Ortsnamen noch immer da, wenn angeblich faschistische Relikte keine faschistisches Gedankengut fördern?

5

"Eine Entfernung kommt nicht in Frage, da es ein - trauriger - Bestandteil unserer Geschichte ist. "

...warum wurde in Deutschland alles geschleift und in grossen Teilen Italiens ebenfalls, Herr Fink? Hatten nicht alle "ihre" traurige Geschichte?????
Sie widersprechen sich....

"Man kann also mit Recht sagen, dass diese Namen - natürlich befreit aus ihrem historischen Kontext - zum Kulturgut vieler Menschen geworden sind."

Diese Namen werden nie aus ihrem historischen Kontext befreit sein. Was reden Sie für einen Stumpfsinn daher!

Fink, Sie schiessen nur Eigentore...bei einer Antifa 2 Jahre dabei zu sein, ist zwar lobenswert, aber kein Persil-Schein.

6

Liebe Frau Klotz!

Es betrübt mich, solche Worte gerade von Ihnen zu hören.

Drei Punkte:

1.) Nirgendwo wird in unserem LB Herr Kollmann in die Nähe rechtextremistischen Gedankenguts gestellt.

2.) Weder Grüne noch Bürgerliste verharmlosen den italienischen Faschismus, und ich verbitte mir diese Unterstellung.

3.) Ich bin seit zwei Jahren in der Antifa aktiv tätig und kann Ihnen versichern, mich mit allen Facetten des Phänomens Rechtsextremismus genauestens auseinander gesetzt zu haben:
3.1) Faschistische Relikte gehören entfernt, außer sie haben eine historische Bedeutung. Daher fordern wir die Umgestaltung des Siegesdenkmals zu einem Museum für Zeitgeschichte, indem dann auch das Mussolini-Relief Platz hätte. Eine Entfernung kommt nicht in Frage, da es ein - trauriger - Bestandteil unserer Geschichte ist.
3.2) In der Ortsnamensgebung ist die Sache eine andere: Während ich persönlich auch die historische Lösung bevorzuge und verwende, kann unser Blick nicht an der Realität vorbei gehen: Vor allem in der italienischen Sprachgruppe - und das weit über Südtirol hinaus - haben sich die tolomei'schen Namen eingebürgert, da sie es mittlerweile gewohnt sind, sie zu gebrauchen. Man kann also mit Recht sagen, dass diese Namen - natürlich befreit aus ihrem historischen Kontext - zum Kulturgut vieler Menschen geworden sind. Es ist leider so, und es kann weder geleugnet noch rückgängig gemacht werden.
3.3) Die Aussage, dass das "faschistisch belastete Namengut [...] bis heute der Nährboden für nationalistisches und faschistisches Gedankengut" sei, ist komplett falsch und zeugt von großer Unkenntnis. Glauben Sie ernsthaft, es gäbe mehr Faschisten, weil auf den Tafeln "Alto Adige" steht? Beileibe nicht - die Ursachen für rechtsextremes Gedankengut liegen an ganz anderen Stellen.
Und diese gilt es in erster Linie zu bekämpfen.

Mit freundlichen Grüßen,
Andreas Fink - BürgerListeCiviche