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Gesetzentwurf Ortsnamen: wissenschaftlich fundiert und nicht faschistisch belastet

photo_pk_toponomastik.jpgDer von der Landtagsabgeordneten der Bewegung SÜD-TIROLER FREIHEIT, Dr. Eva Klotz, eingebrachte Gesetzentwurf zur Regelung der Ortsnamen, welcher auf der wissenschaftlichen Arbeit des Sprachexperten und Namenforschers Dr. Cristian Kollmann beruht, wird am 26. Juni, der voraussichtlich letzten Sitzung der 1. Gesetzgebungskommission dieser Legislatur, behandelt. Im Rahmen der Pressekonferenz am 25. Juni wurde der Gesetzentwurf von Dr. Eva Klotz vorgestellt.

Dr. Cristian Kollmann erläuterte diesen  aus sprachwissenschaftlicher und namenkundlicher Sicht, während Sven Knoll die politische Notwendigkeit der Abschaffung der erfundenen italienischen Namen  darlegte, da diesen bis heute die imperialistische Absicht der Italienisierung Süd-Tirols zu Grunde liegt.

Der Gesetzentwurf sieht die Abschaffung der faschistischen Dekrete aus den Jahren 1923, 1940 und 1942 vor sowie die amtliche Anerkennung und Verwendung all jener ladinischen, deutschen und italienischen topographischen Namen, welche nachgewiesenermaßen in Dokumenten überliefert und nicht dem Fälscherhirn Tolomeis entspringen. Es handelt sich um 100 deutsch- ladinisch- italienische Doppel- bzw. Dreifachnamen, darunter all jene, die nach Heiligen benannt sind, sowie um 96 Mehrfachnamen für Pässe, Täler, Gebirge und Gewässer.

Die Bewegung SÜD-TIROLER FREIHEIT spricht von einer sehr großzügigen Lösung, da auch solche italienische Benennungen anerkannt würden, welche früher nie amtliche Gültigkeit hatten, sondern lediglich als Exonyme von den italienischen Nachbarn benutzt worden waren. (Exonym- Beispiel Florenz für  Firenze, Mailand für Milano, Stoccarda für Stuttgart, Berlino für Berlin usw.).

Vor Inkrafttreten der faschistischen Dekrete gab es nur 29 amtliche italienische Bezeichnungen, z. B. Bolzano, Egna, Salorno usw. Wir sind bereit, 200 italienische Bezeichnungen amtlich festzulegen. Das klare, unumstößliche Kriterium: keine faschistisch belasteten Namen haben offizielle Gültigkeit! Alle anderen Namen aber, die irgendwo in früheren Dokumenten auftauschen, werden akzeptiert. Namen wie Spelonca (für Spiluck), Laste Basse (Unterplatten), Ferrara (Schmieden, Prags) würden damit die offizielle Gültigkeit verlieren, denn bis zum heutigen Tag sind offiziell nur die im "Prontuario" von Ettore Tolomei enthaltenen (echten) italienischen und die ca. 8000 italienisch klingenden Falschnamen  gültig.

Außerdem ist zu unterscheiden zwischen amtlichem Gebrauch und dem nichtoffiziellen, vor allem mündlichen und privaten Gebrauch: da soll es weiterhin jeder halten, wie er will. Wir wissen jedoch, dass gebildete Italiener, die das Kulturverbrechen Tolomeis und der Faschisten verabscheuen, die natürlich gewachsenen, faschistisch nicht belasteten Namen bereits heute auch in privaten Gesprächen verwenden. Bei entsprechender Aufklärung, so wagen wir zu hoffen, werden die Italiener verstehen, dass ihnen nichts genommen wird, sondern dass ihnen mit der Vermittlung der geschichtlichen Wahrheit der Zugang zum unverfälschten kulturellen Erbe unseres Landes ermöglicht wird.

Unterlagen in PDF-Format:

– Pressepapier (hier klicken)

– Anlage A (hier klicken)

– Anlage B (hier klicken)

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3 Kommentar(e)

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1
achim.baden-württemberg

Elsass
Markus A.

Auch im Elsass und in Lothringen gab und gibt es viele idiotische Namensgebungen. So tauften die Nazis die Stadt Nancy in Nanzig um.
Die Franzosen ihrerseits änderten den Ortsnamen Ober-Rot in Haut-Rot (wann, das weiss ich nicht), im Zuge der elsässischen Kulturwelle in den 1970ern änderte man den Ortsnamen in Ottrott.
Ob die tolomeischen Namen weiterbenützt würden ? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Ich kenne kaum einen Ostdeutschen, der noch von Karl-Marx-Stadt spricht, wenn er Chemnitz meint.

2

Ich wollte lei euch erinnern, dass der erste Schritt waere den historischen Namen zumindestens aemtliche Gueltigkeit verleihen, was bis heute noch net passiert ist...
Danach werden mir weiter reden koennen!

3

Süd-Tiroler Ortsnamen
In der EU von heute haben geschichtlich vorbelastete Flur- und Ortsnamen nichts verloren. Man kann allerdings den Italienern nicht vorschreiben, wie sie die einzelnen Orte benennen wo sie auch leben und immer leben werden. Sie sollten sich in Süd-Tirol willkommen fühlen, aber auch versuchen die andere Seite in diesem Punkt zu verstehen. Das sei ihnen freigestellt, wie sie im Alltag die Orte benennen, aber dort wo sie kaum wohnhaft sind, oder wo der Prozentsatz der Italiener z.B. unter 10% liegt, dort sollte man flächendeckend auch offiziell auf alle erfundenen Flur- und Ortsnamen aus Tolomeis "Prontuario" gänzlich verzichten. Es ist ein europäischer Lösungansatz, der flächendeckend in der EU praktiziert wird, dass nur dort mehrsprachige Flur- und Ortsnamen verwendet werden, wo unterscheidbare Sprachgruppen gemeinsam in einem Ort leben. Die notwendige Prozentgrenze liegt meistens zwischen 10% und 25% der anderssprachigen Bevölkerung. Nicht einmal in dem so sehr sprachlich umgedrehten Land Elsass hat man zu keinem Zeitpunkt der Geschichte die historisch gewachsenen Ortsnamen entfernt und durch Phantasienamen ersetzt, das muss doch was heissen. Das sollte auch für das Land Süd-Tirol in Zukunft gelten, sogar nach der einmal hoffentlich gelungenen Selbstbestimmung des Landes.