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Gastbeitrag: Die faschistischen Denkmäler in Südtirol

guenter_andergassen_350.jpgWas uns in der augenblicklichen Südtirolsituation bedrückt, ist die Aussage Dr. Durnwalders, wonach man das so genannte "Siegesdenkmal" wohl stehen lassen müsse. Woher hat Dr. Durnwalder die Kompetenz zu dieser absurden Feststellung, die besonders bei den Südtiroler  Schützen vom "8. November 2008" und ihren vielen Anhängern große Enttäuschung zur Folge hatte, einer Kundgebung  mit diszipliniertestem Gang mit Fackeln durch die Bozener Altstadt Richtung Relief am Finanzgebäude mit dem Kriegsverbrecher Mussolini, der an Hunderttausenden Giftgastoten in Äthiopien in den Jahren 1935 bis 1941 und zudem an Hunderten von Hinrichtungen koptischer Mönche Schuld trägt – in einem von ihm vom Zaun gebrochenen Krieg!

Mussolini, der zudem für die italienischen Rassengesetze aus dem Jahr
1938 voll verantwortlich ist mit allen bösen Konsequenzen für Italien
selbst, was in diesem Fall keinem Hitler, selbst Kriegsverbrecher
erster Ordnung, in die Schuhe geschoben werden kann.

All dies mit dem Hintergrund obiger Kundgebung der Schützen und ihrer
konsequenten Forderung nach Schleifung aller faschistischen Denkmäler,
beinhaltend auch die Lügen-"Beinhäuser" in Mals, Gossensaß und Innichen.

Und man komme uns nicht etwa mit "Denkmalschutz", denn wenn diese
faschistischen Relikte Kunstwerke sind, dann sind  Michelangelo und
Donatello und Ghirlandaio noch Masaccio und Leonardo  nicht Kunst …
Kein Grund zur Aufbewahrung dieser protzigen steinernen Monstren, die
nur  aus Provokation und Beleidigung der Südtiroler erzeugt wurden, als
latenter psychischer Terror  an den Einheimischen! wie er noch ins Jahr
2009 hinein dauert!

Es gibt zudem keinen einzigen Grund, dass auch nur eines dieser
Monstren stehen bleiben soll. Man könnte sie allenfalls abbauen und
weit weg von Südtirol aufstellen, wo die Ewig-Gestrigen ihre Kränze
deponieren mögen, um sie dort in einem kitschigen Friedhof von
Kriegsresten aufzubewahren, wenn lokale Italiener nichts dagegen haben.

In kürze gibt es eine Demonstration von Schützen gegen den
"Kapuziner-Wastl" in Bruneck,
der als Telnehmer der Alpini im
Äthiopienkrieg sein Standbild bekam – im Äthiopienkrieg (!),  den man
sogar Südtirolern als unter Zwang Einberufenen in die Schuhe schieben
wollte. Wir wissen aber, dass Südtiroler gegen diesen Krieg opponierten
und sogar das Übel einer Desertion auf sich nahmen, um nicht in diesen
ungerechten Krieg hineingezogen zu werden.

In der Folge gab es jene absurde Äußerung des Landeshauptmannes, wonach
man jenes so genannte "Siegesdenkmal" stehen lassen könne, wenn man auf
ergänzenden Tafeln Erklärungen dazugebe.

Ich frage Sie nochmals, Herr Landeshauptmann, woher Sie die Kompetenz
haben, von der Schleifung jenes so genannten "Siegesdenkmals" aus dem
Jahr 1928, das alle Südtiroler beleidigt, Abstand nehmen möchten.
Wollten Sie den Willen aller jener brechen, die so einhellig und ohne
zu zögern die vollständige Schleifung der faschistischen Relikte
verlangten?

Insbesonders jenes "Siegesdenkmals" mit seinen
faschistischen Liktorenbündeln, und den Pseudo-Mussoliniköpfen ringsum,
und vor allem jener sattsam bekannten Inschrift, wonach man den
Menschen hier eine ihnen fremde Sprache gebracht habe, die niemand
wollte,  und eine neue Gesetzgebung  aus dem faschistischen Codice
Rocco mit den Unterschriften Mussolinis und Viktor Emanuels aus dem
Jahr 1929, einem Land, das traditionsgemäß seine eigene gültige
Gesetzgebung hatte ebenso wie eine eigene Kunst und Kultur heimischer
Tradition, eine Gesetzgebung im übrigen, die letztlich der Verurteilung
hunderter von brutalst gefolterten Südtirolern diente aus den 60-er
-Jahren, die gegen das faschistische Italien, das immer noch als
solches existierte, mit Anschlägen protestierte, weil es für sie keinen
anderen Weg mehr gab. Jenes "Siegesdenkmals" also, das mit erklärenden
Tafeln auf das Unrecht der Faschisten und des Siegesdenkmals hinweisen
sollte …

Herr Landeshauptmann! Was sollte wohl auf den erklärenden Tafeln
stehen, vielleicht, dass der Sieg Italiens kein Sieg war, oder unsere
Namen zu Recht sogar auf Friedhöfen italienisiert werden hätten soll
en, Tafeln, die Italien etwa zwischen dem Marsch auf Rom aus dem Jahr
1922 bis zum Jahr 1944 mit all dem folgenden Unrecht der Faschisten an
unserer Heimat freisprechen sollten!?! Kein Italiener von Verantwortung
an der Macht hat bisher noch die Verantwortung für jene faschistischen
Delikte oder gar der brutalen Folterungen gegen Südtiroler in den
60er-Jahren übernommen und sich dafür entschuldigt!

Sollte eine jener Tafeln am Ende auch noch jenen Kriegsverbrecher
Mussolini freisprechen, der hoch zu Ross auf jenem Relief nach
Äthiopien reitet, wo er mehrere Hunderttausende mit sein 
Giftgasangriffen ermorden ließ oder koptische Mönche hinrichtete, ganze
Landschaften mit Gift verseuchte und vieles dergleichen mehr. Sollte
eine dieser Tafeln   gar die Rechtfertigung des "Siegesdenkmals"
erbringen?  Herr Landeshauptmann, bitte verabschieden Sie sich von dem
Gedanken der Tafeln um das Denkmal herum. Stimmen Sie endlich mit ein
in das Verlangen nach Schleifung aller, aller faschistischen Denkmäler.

In gewissen Kreisen spukt der Gedanke noch herum, man könne  vielleicht
die Denkmäler als "Mahnmäler" umdeuten. Absurderes gibt es gar nicht.
Denn wer sollte eigentlich gemahnt werden, doch wohl die Südtiroler
selbst am wenigsten, denn sie hatten den Faschismus unseligen Gedenkens
zu ertragen. Mahnung an faschistisch orientierte Italiener, die sich
über solche "Mahnungen" überhaupt ins Fäustchen lachen. Im ganzen
deutschen und österreichischen Bereich gibt es kein einziges
Nazidenkmal mehr im 21. Jahrhundert. Bei uns aber stehen diese 
faschistischen Monstren haufenweise herum und feiern fröhliche
Urständ!!!

Herr Landeshauptmann Dr. Durnwalder: Nehmen Sie Abstand vom
"Taferlgedanken", der nicht nur kontraproduktiv sondern auch falsch ist!

Mussolini wollte mit seinem Faschismus mit Gewalt eine Neuauflage des
Impero Romano der Antike – nach 1922 und seinem "Marsch auf Rom".

Ihnen, Herr Landeshauptmann zur gefälligen Belehrung:

Kein römischer Feldherr aus der Antike wäre je auf den abstrusen
Gedanken gekommen, eigene Gefallene auszugraben, um sie in erobertes
Land zur Demonstration zu bringen und dort beerdigen zu lassen.

Kein römischer Feldherr hätte noch bis ins zweite nachchristliche
Jahrhundert einem eroberten Land sein Latein an die Stelle etwa auch
der Kultursprache Griechisch aufgezwungen wie  die Faschisten mit
unserer Muttersprache umgegangen sind.

Kein römischer Feldherr hätte je einen Triumphbogen errichtet, um seine
siegreichen Heere durchmarschieren zu lassen wie mit dem Titusbogen aus
dem Jahr 70 für des aus Jerusalem nach der Zerstörung des Tempels nach
Rom zurückkehrenden Heer.  Dies "zum bloßen Durchmarsch"
und zur gefälligen Belehrung des Landeshauptmannes Dr. Durnwalder und
seines Bozener "Siegesdenkmals", wo keine "siegreichen Heere je
durchmarschiert sind und das als solches seine Namensberechtigung
verloren hat.

All das eher zur Belehrung und Berichtigung auf einer entsprechenden Tafel (?)

Zum Schluss noch die Versuche mit der "Umdeutung" der faschistischen Denkmäler als "Mahnmäler".

Aber bitte ersparen Sie, Herr Landeshauptmann, uns diese Absurdität!
Denn: wer hätte denn – bitte – ermahnt werden sollen, etwa gar die
Südtiroler selbst, die durch den Faschismus größtes Leid zu ertragen
hatten, oder gar italienische Faschisten, so etwas "Böses" nicht etwa
ein zweites Mal zu tun, oder faschistoid eingestellte Italiener?!?

Sie, die Tafeln, könnten nur Unwahres beinhalten als Beitrag zur weiteren Verfälschung der Geschichte!!!

Kein Südtiroler braucht solche  "Mahnmäler!, die bestenfalls an das Böse erinnern.

Mit den besten Empfehlungen an Sie, Herr Landeshauptmann! Und alle
guten Wünsche für ein gründliches Umdenken in Sachen "Faschistische
Denkmäler in Südtirol". Nur eine radikale Schleifung ist eine ehrliche
Lösung für einen "demokratisch orientierten Staat!!!

Prof. Dr. Günther Andergassen
Innsbruck/Bozen

Noch immer müssen wir feststellen, dass es aus dem Norden Tirols unter dem neuen Landeshauptmann Dr.
Günther Platter nicht ein einziges Wort der Solidarität gibt für das
Südtiroler Verlangen nach Schleifung aller faschistischen Denkmäler und
Relikte aus jener unseligen Zeit. Es kommt die Frage auf, ob der
Nordtiroler Landeshauptmann "Südtirol" aus seiner Politik vielleicht
nicht überhaupt ausgeklammert hat!?!

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1 Kommentar

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Durnwalder ist eine Schande
Durnwalder ist eine Schande für (Süd) Tirol.

Ich vermisse hier die Kommentare.
Bei so einer Arroganz und faschistischen Gesinnung ihres Landeshauptmannes sind wohl die meisten Südtiroler sprachlos.
Durnwalder sollte zurücktreten. Die Südtiroler brauchen keinen Landeshauptmann, der ihnen immer wieder in den Rücken fälllt, sei es mit Siegesdenkmal oder bei den Ortsnamen.

Süd-Tirol hätte viel mehr ohne Durnwalder erreichen können. Durnwalder schaufelt uns eher das Grab, als dass er für Tirol etwas tun würde.