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Übermalter Wegweiser (Bild: Neue Südtiroler Tageszeitung)

Ferkelei fängt bei Tolomei an!

Georg Lezuo kritisiert die Übermalung von Orts- und Flurnamen auf Hinweisschildern (Leserbrief vom 7. Juni). Die Akteure sind für Herrn Lezuo, so wörtlich, „Individuen, die eine Koexistenz mit einem anderen Idiom nicht ertragen können“, „arme Würstchen“ und „Ferkel“.

Herr Lezuo, der offenbar Lehrer ist, sollte der Sache schon genauer auf den Grund gehen, bevor er urteilt. Es stellt sich nämlich die Frage: Um welche Orts- und Flurnamen handelt es sich genau? Geht es wirklich nur um die Koexistenz mit einem anderen Idiom? Keineswegs, denn: 1. Es wurden nicht italienische, sondern, sondern faschistische und daher pseudoitalienische und manipulative Namen übermalt! 2. Daraus ergibt sich, dass die Übermal-Aktion nicht gegen die Koexistenz mit einem anderen Idiom, sondern gegen die bis heute sichtbare Existenz einer imperialistischen Ideologie gerichtet ist, die bedauerlicherweise allzuoft verharmlost und relativiert wird!

Mich wundert es, dass Herr Lezuo als Lehrer offenbar eines vergessen hat: Die Ferkelei fängt bei Ettore Tolomei, den Erfinder des „Alto Adige“, an! Unsere modernen Ferkel sind wenn schon all jene Politiker, die bis heute, sei es aus Mitläufertum, sei es aus Unwissenheit, Südtirol flächendeckend mit Tolomeis Ferkeleien besudeln und besudelt lassen und uns diese als Kulturgut, als sprachliche Bereicherung sowie als Beitrag zur ethnischen Befriedung verkaufen wollen. Ob Herr Lezuos Schüler über all dies Bescheid wissen? Und ob Herr Lezuo sich ebenso aufregen würde, wenn Hakenkreuze übermalt würden?

Cristian Kollmann

Leserbrief in der Neuen Südtiroler Tageszeitung vom 7. Juni 2018, Seite 5.

 

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