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Faschistische Sprüche: Feingefühl

Hartmuth_Staffler_Wahl_2008.jpgDie Firmen Tchibo und Esso haben in Deutschland eine gemeinsame PR-Aktion gestoppt, bei der mit dem Slogan "Jedem den Seinen" an Tankstellen für verschiedene Kaffees geworben wurde. Gegen den Slogan gab es Proteste, weil er in ähnlicher Form ("Jedem das Seine") im Gittertor des KZ Buchenwald eingearbeitet war. Obwohl ich das KZ Buchenwald mehrmals besucht habe, wäre mir die Ähnlichkeit der beiden Sprüche nicht aufgefallen.

Ich kann aber verstehen, dass Überlebende bzw. Angehörige von Opfern,
die mit diesem zynischen Spruch verhöhnt wurden, sich daran stoßen. Es
ist daher begrüßenswert, wenn die Werbekampagne aus Respekt vor den
56.000 Menschen, die von 1937 bis 1945 im KZ Buchenwald ermordet wurden
(weitere 7000 Menschen starben von 1945 bis 1950 unter kommunistischer
Herrschaft in dem zum "Speziallager Nr. 2" umbenannten KZ) gestoppt
wurde.

So viel Feingefühl würde man sich auch in Südtirol wünschen, wo
immer noch vor faschistischen Denkmälern offiziell Kränze niedergelegt
werden und sämtliche italienischen Parteien einschließlich der Grünen
intellektuelle Bocksprünge vollziehen, um die markigen Sprüche des
faschistischen Diktators Mussolini ("credere, obbedire, combattere") zu
rechtfertigen.

von Hartmuth Staffler, Brixen, SÜD-TIROLER FREIHEIT

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8 Kommentar(e)

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1

@Markus Anton
Ich spreche hier nicht von Kollektivschuld, sondern von einer allgemein in Südtirol schlechten Aufarbeitung der NS-Zeit über Rolle die viele Südtiroler im Dritten Reich spielten.

Man kann von Südtirol und Österreich weder von Kollektivschuld noch von Kollektivopfertum sprechen.

Dass Österreich aber als "Opferland" durchgegangen ist war ein politisch gewiefter Schachzug, dessen Verlogenheit in Österreich erst in den 80ziger Jahren durch die Waldheim-Affäre aufgebrochen wurde.

Österreich war schon vor dem Anschluß ans Reich durch dem austro-faschistischen Ständestaat schon stark autoritär geprägt, so dass man schon ideologisch Vorbereitet war und der Anschluß von breiten Teilen der Bevölkerung begrüßt wurde.

Nebenbei waren dann in höheren Positionen des NS-Staates Österreicher überrepräsentiert. Übrigens beteiligten sich Österreicher nicht weniger stark an Greuel wie die Deutschen aus dem "Alten Reich".

Dass man mit Gesten und Zeichen kommuniziert muss jedem klar sein. Doch ich frage mich an welches Erreignis erinnert äußerlich der Umzug der Schützen mehr? An den Umzug in der Reichskristallnacht mit der uniformierten SA die Nachts mit Fackeln in Reih und Glied durch die Straßen marschierte, oder an dem Fall der Berliner Mauer, wo Menschen freudig jolend, wild durcheinander über die Mauer stiegen, sangen und lachten und Sekt tranken?

Wenn Sie es mir nicht glauben zeigen Sie mal die Bilder des Schützenumzugs einem Bundesdeutschen und fragen Sie ihm an welchem Ereignis es ihm erinnert.

Natürlich war das nicht von den Schützen beabsichtigt, aber diese fehlende Sensibilität ist eine Folge der mangelden Aufarbeitung der NS-Zeit in Südtirol.

Wer die Geschichte

2

Erst denken, dann ggf, aufregen!
Ich denke, jeder der meint sich an diesem "Slogan" zu stören, sollte vielleicht einmal darüber nachdenken, dass es tatsächlich größere Probleme gibt, als Ähnlichkeiten dieses "Slogans" zu einem Schriftzug über dem Eingang eines KZ. Sollte man vielleicht auch Schaufeln und Stacheldrat aus unserem Blickfeld verbannen, weil beides nachweislich im Kontext zu Konzentrationslagern steht? Sollte man sich nicht vielleicht lieber dafür einsetzen Nahpalm und Phosphorbomben zu verbannen, daran sterben nämlich tatsächlich Menschen! Ich denke nicht, dass auch nur ein Mensch an einem "Slogan" oder einem dummen Wortspiel gestorben ist..Krieg ist und war nie schön, das streitet keiner ab, aber die Vergagenheit wird um keinen Deut besser, wenn man meint sich an irgendwelchen Wortspielchen hochziehen zu müssen. In diesem Sinne, erst denken und sich dann aufregen (oder es eben sein lassen).

3

Detail am Rande
Heisst das orthographisch richtig "Jedem den Seinen" oder "Jedem den seinen"??
Wenn ich mich recht erinnere, hat auch die Nokia vor Jahren mit dem Spruch "Jedem das seine" (gemeint war das Mobiltelefon) werben wollen und wurde prompt gestoppt.
Auf jeden Fall ist vom altrömischen Juristen Ulpian der Spruch überliefert, dass "Iuris praecepta sunt haec: honeste vivere, alterum non laedere, suum cuique tribuere". Dieses Zitat prangt auch vom (in der Faschistenzeit gebauten) Mailänder Gerichtsgebäude und bedeutet soviel wie "die Rechtsvorschriften bestehen darin, ehrlich zu leben, niemandem zu schaden und jedem das Seine zukommen zu lassen".

4

09.November
Der neunte November im Jahre 1989 zum Beispiel steht für die Freiheit und Demokratie, die in einem geteilten Land nur deswegen wieder möglich wurden, weil die Bürger in einem fernbestimmten Land die Civilcourage bessen haben, für die eigenen verbrieften Menschenrechte Dank der damals veränderten geopolitischen Lage in Europa auf die Strasse zu gehen und diese Rechte auch laut und deutlich von der eigenen Staatsmacht zu fordern. Nicht viel anders als die Südtiroler Schützen heute bei der Tirol patriotischen Kundgebung in Bozen am 08.November 2008. In Respekt vor der Geschichte aber auch in Verantvortung für das deutschsprachige Land Tirol südlich des Brenners haben die Schützen diese Großkundgebung gegen Relikte des Duce-Faschismus und gegen andere Arten von Faschismus geplant und veranstaltet. Die Opfer der totalitär-nationalistischen Denkweise über Generationen, die auch so lange eine glaubwürdige Beantwortung der Selbstbestimmungfrage in Süd-Tirol unmöglich machte, sind in diesem Land die Süd-Tiroler in der eigenen seit Menschengedenken angestammten näheren Heimat und nicht die Macht der Fremdbestimmung. Wer bei der Großkundgebung der Schützen in Bozen am 08. November gewesen ist, und wer die Reaktionen der auch anwesenden meistens neo-faschistischen Gegendemonstraten beobachten konnte, der konnte sich zeitgleich mit dieser Demonstration davon überzeugen, wer für Freiheit und Menschenrechte demonstriet hat und wer diese Rechte mit allen Mitteln weiterhin für die Menschen in Süd-Tirol verhindern will. Für kein Volk der Welt gilt eine theoretische Kollektivschuld, dazu noch über 60-80 Jahre lang. In diesem Zusammenhang spricht man von der Verantwortung für die Folgen, die sich aus der eigenen Landesgeschichte für alle Seiten ergeben. Es ist geradezu lächerlich oder beängstigend, je nachdem, wenn man sehenden Auges über den gestern wie heute lebendigen italienischen Postfaschismus gerade in Süd-Tirol hinweg sehen will, aber beim Opfer dieses totalitären Systems in diesem Land eine Art kollektive Schuld für die Folgen eines verbrecherischen Regimes in einem anderen Staat basteln will, der dazu noch sogar in Friedenszeiten die Süd-Tiroler nach Stricht und Faden verraten und verkauft hat. In diesem Land Süd-Tirol haben, wenn überhaupt, dann fast immer einzelne Individuen im Sinne des anderen Faschismus aus dem Reich eine persönliche Schuld auf sich geladen, nicht aber die Süd-Tiroler als Gemeinschaft. Die NS-Wahnideologie ist im gesamten deutschsprachigen Raum so gut wie, auch in geschichtlicher Aufarbeitung, überwunden. Das kann man heute aber ganz sicher nicht vom lebendigen italienischen Postfaschismus behaupten, der weiterhin "fröhliche Zustände" gerade im eigenen Freilichtmuseum in Alto Adige feiert. Wer in Namen der Regierung in Rom am Duce-Tempel in Bozen heute Kränze niederlegt, wer unter dem Mussolini-Relief in Bozen am Gerichtplatz oder vor dem Wastl-Denkmal in Brunek ( für eine Waffeneinheit, die an unzähligen Kriegsverbrechen im 2 WK schuld war) Militärparaden immer wieder abhalten lässt, der stellt sich damit selbst ein ausreichendes Zeugnis aus, was die demokratische Reife der politischen Eliten dieses Staates betrifft. Dieser Staat ist nicht der der Süd-Tiroler. Die Parole der Schützen in Süd-Tirol lautet, unsere Heimat ist Tirol, unser Vaterland ist Österreich, wir sind ein Teil der Deutschen Kulturnation. Das Vaterland der Süd-Tiroler wurde bereits 1943 von den Alliierten einstimmig zu den Opferländern des NS-Staates gezählt, daran hat sich im völkerrechtlichen Sinne bis heute nichts verändert. Im Falle von Süd-Tirol ist Italien in erster Linie für alles verantwortlich, was an Geschichtsaufarbeitung des Duce-Faschismus bis heute nicht geschehen ist und nicht so bald geschehen wird. Auch das ist ein Grund mehr die Selbstbestimmung für das deutschsprachige Land Tirol südlich des Brenners zu fordern.

5

Die drei Geschwindigkeiten
[mir] wäre [...] die Ähnlichkeit der beiden Sprüche nicht aufgefallen.

Ja das sagt schon alles und stimme dabei Seeland vollstens zu.

Nach Kriegsende musste die Bevölkerung in Deutschland sich mit ihrer Täterrolle auseinandersetzen.

Österreich spielte das erste Opfer Hitlers und setzte sich lange nicht mit seiner Rolle als Täter auseinander. Erst in den späten 80zigern führte die Waldheim-Affäre den Dammbruch, der eine ernste öffentlichen Auseinandersetzung brachte.

Wir hier in Südtirol haben mit der Aufarbeitung total den Anschluß zum restliche deutschen Sprachraum total verloren. Wörter wie "Volkskörper" oder "völkisch", die in Deutschland nur noch in rechtsextremen Kreisen gängig sind, finden sich hier in Leserbriefen einer katholisch-konservativen Tageszeitung, ohne dass jemand dabei etwas anmerkt.

Die Südtiroler sehen sich gerne nur als Opfer die zum Spielball zweier antidemokratischer Regieme wurden.
Wenige wollen, aber von Südtiroler Täter und Kollaborateuren des Nazi-Regimes wissen. Wer kennt die Geschichte von Franz Thaler in seinem Buch "unvergessen", wo erzählt wird wie Südtiroler anderen Südtiroler bei den Nazis denunzieren.
Wer erwähnt die Verbrechen der Südtiroler gegenüber der jüdischen Gemeinde in Meran?
Und wie kann man eine Kundgebung gegen den Faschismus veranstalten, die aus einem nächtlichen Marsch mit Fackeln besteht, der einen Tag vor dem 70. Jahrestag der Reichsprogramnacht stattfindet und sich nicht der äußerlichen Ähnlichkeit bewußt sein?

6

so wie halt immer
Feingefühl wird nur von uns Süd-Tirolern der deutschen Sprache verlangt, denn die Italiener brauchen so was ja nicht, sie sind ja ihrer Meinung nach hier in "Italien", das ist immer das selbe Problem, sei es bei der Benutzung der deutschen Sprache in öffentlichen Ämtern, bei der Polizei usw.; die Deutschsprachigen hier sind für alles Zuständig, für das Feingefühl, für das gute Zusammenleben zwischen den 2 Kulturen, denn wennn wir uns für unsere Kultur einsetzen dann sind das Provokationen, nur die Italiener sind für nichts verantwortlich, weil sie leben ja hier in Italien und haben uns ja Kultur und Sprache beigebracht.
Wennn wir Süd-Tiroler unsere Kultur und Sprache auch in Zukunft geniesen wollen dann müssen einige Leute die Augen aufmachen, vor allem unser Landeshauptmann, dem hat das Geld die Sicht ja total vernebelt, leider

7

Feingefühl
"Jedem das Seine",bzw. eine erkennbare Abwandlung davon, als Werbung geht echt nicht. Jeder halbwegs denkende Mensch in Deutschland wird da sogleich von Unwohlsein bis Brechreiz befallen. Ich kann Herrn Staffler nur beipflichten, daß ein derartiges Feingefühl auch und gerade in Südtirol angebracht wäre.

8

Die Italienier sind Faschisten.
Sie sind mit dem Faschismus ins Land gekommen und verteidigen diese Diktatur heute noch.

Und die SVP läßt uns im Stich. Das ist die Wahrheit.