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Die derzeitige politische Situation in Südtirol aus der Sicht des Südtiroler Heimatbundes

sepp_mitterhofer.jpgDas Jahr 2008 war hauptsächlich von zwei Wahlgängen – den Parlamentswahlen im Frühjahr und den Landtagswahlen in Südtirol im Herbst – geprägt. Beide Male hat die stärkste Kraft im Lande, die Südtiroler Volkspartei (SVP), starke Einbußen erleiden müssen. Nach den ersten Wahlen ging das Wehklagen los, und sie suchten natürlich nach Schuldigen innerhalb der SVP. Sie fanden aber keinen und so versuchten sie unter den Fehlern und Missbräuchen, welche ihnen die Opposition hauptsächlich im Wahlkampf vorgeworfen hatte, etwas „Brauchbares“ herauszufinden, um das Gesicht trotzdem einigermaßen zu wahren.

Die Opposition sprach von Arroganz, Machtmissbrauch, von Postenschacher, Vettern- und Freunderlwirtschaft, Verschandelung der Landschaft durch Protzbauten und übermäßigen Bau von Liften, mangelndem Demokratieverständnis u.a.m. Die Regierungspartei versuchte zwar, einiges wieder wettzumachen mit finanziellen Unterstützungen in verschiedenen Bereichen wie Familie, mittelständigen Betrieben, welche durch die Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten waren. Sie hatte aber nicht begriffen, dass man mit solchen Maßnahmen und in fünf Monaten nicht wieder gutmachen kann, was sie in vielen Jahren verabsäumt hatte. Die Volksnähe ist der SVP verloren gegangen. Sie ist auf die Wünsche und Schwierigkeiten der Bürger nicht mehr eingegangen und hat zu selbstherrlich regiert. So war es vorauszusehen, dass sie bei den Landtagswahlen die zweite Niederlage einfahren würden.

Sie haben dann auch die Stimmenmehrheit verloren (41,1%) und konnten nur mit den Stimmen der Italiener die Mandatsmehrheit, also 18 Sitze im Landtag, retten. Danach hat der Kampf bei der Bildung der Landesregierung um die noch wärmeren Sessel begonnen, wer was wird und welche Kompetenzen erhält. Ein Macht- und Intrigenspiel, das mit Idealismus und Einsatz für Volk und Heimat wenig zu tun hat.

Was dem Heimatbund gar nicht gefällt, ist die Tatsache, dass man jetzt hergeht und jene Italiener belohnen will, welche der SVP das 18. Mandat – also die absolute Mehrheit im Landtag – gerettet haben, indem man ihnen die Mitgliedschaft anbietet. Das ist ein absoluter Bruch des Autonomiestatutes und dadurch wird der Pariser Vertrag auf den Kopf gestellt! Er ist nämlich abgeschlossen worden zum Schutz der deutschen und ladinischen Bevölkerung in Südtirol vor Überfremdung, damit wir unsere Identität und Kultur weiter erhalten können. Wenn die SVP im Lager unseres „politischen Gegners“ auf Stimmenfang geht und sie auch erhält, dann ist etwas faul in dieser Partei, dann hat sie als ethnische Partei ausgedient und das Recht, das Südtiroler Volk zu vertreten, verspielt!

Die Sieger der Landtagswahlen 2008 waren die Südtiroler Freiheitlichen mit 5 Mandaten und die Süd-Tiroler Freiheit – Freies Bündnis für Tirol mit 2 Landtagsabgeordneten. Sie sind beide aktive Mitglieder des Heimatbundes. Man sieht, die abgewanderten Wähler der SVP sind zu den patriotischen Parteien übergegangen. Das ist ein gutes Zeichen. Zu den Verlierern der Wahl gehört neben der SVP auch die Union für Südtirol; sie hat nur mehr ein Restmandat erreicht. Erfreulich am Wahlausgang ist auch, dass die Grünen mit ihrer Vermischungspolitik ebenfalls einen Sitz im Landtag eingebüßt haben.

Die wirtschaftliche und volkstumspolitische Lage in Südtirol ist alles andere als rosig. Die Finanzkrise macht sich jetzt auch bei uns bemerkbar; wenn auch noch in abgeschwächter Form. Aber manche Unternehmen haben schon bereits Entlassungen und Kurzarbeit angekündigt. Die Politiker reden schon lange vom Sparen, nur bei den eigenen Gehältern merkt man nichts davon. Italien ist das Land mit der größten Staatsverschuldung in der EU; es wird von Wirtschaftskrisen und Skandalen gebeutelt wie kein anderes Land in der EU und wir sind auf Gedeih und Verderb mit den Rahmenbedingungen seiner Gesetze verbunden. Da kann uns auch die Autonomie nicht weiterhelfen, vielleicht etwas verzögern. Der Chef des Unternehmerverbandes Christoph Oberrauch hat gesagt, unser Pech sei, dass wir zu diesem maroden Staat gehören! Der Wohlstand in Südtirol gehört der Vergangenheit an. Anstatt vorzusorgen, hat man in Protzbauten wie Flugplatz in Bozen, Mobilitätszentrum in Pfatten, Thermen in Meran, Museum für moderne Kunst in Bozen usw. investiert. Die oft gepriesene Bürgernähe hat man nur bei Sonntagsreden praktiziert, es wurde einfach über die Köpfe der Bürger hinweg regiert.

Die Volkstumspolitik hat in der offiziellen Südtirolpolitik keinen großen Stellenwert mehr. Diesbezüglich gehen wir im Lande einer düsteren Zeit entgegen. Die Regierungspartei hat das Gespür dafür verloren. Ihr Schwerpunkt liegt bei Kompetenzen, Geldbeschaffung und Verwaltung. Sie sieht oder will die vielen Anzeichen der Assimilierung, wie Annäherung der zwei verschiedenen Mentalitäten z.B. im Bereich Sport, Schule, Kindergarten, Mischehen, sowie im Alltagsleben nicht sehen. Wenn der Trend in diesem Tempo weitergeht, dann haben wir nur mehr 10 – 15 Jahre Zeit; danach bekommen wir bei einer Abstimmung keine Mehrheit mehr. Dann sind die vielen Opfer des Freiheitskampfes bei der Landesverteidigung von 1915-1918, gegen den Faschismus sowie in den fünfziger und sechziger Jahre umsonst gewesen. Wer will und kann das verantworten?

Allerdings gibt es bei uns seit einigen Jahren auch erfreuliche Anzeichen und das ist die Jugend! Sehr viele Jugendliche kommen mit der offiziellen Südtirolpolitik nicht mehr zurecht, sie fühlen sich nicht mehr angesprochen, weil sie keine Visionen bietet, es dreht sich alles nur mehr um das goldene Kalb! Wenn es auch nicht die Mehrheit der Jugend ist, aber es sind sehr viele, welche bei den patriotischen Verbänden und Parteien Zuflucht suchen. Sie sind unsere große Hoffnung, weil bei ihnen nicht der Materialismus im Vordergrund steht, sondern der Schutz der Heimat und die Tiroler Kultur!

Die überparteiliche Arbeitsgruppe für Selbstbestimmung, übrigens vor ca. 3 Jahren vom Südtiroler Heimatbund gegründet, arbeitet aktiv an der Verwirklichung ihres Zieles: „Weg von Italien“! Der Weg ist schwierig und sehr mühsam, aber für dieses Ziel lohnt es sich zu kämpfen. Wir sind uns im Klaren, dass alle deutschen Parteien im Lande, einschließlich der SVP, zusammenarbeiten müssen, sonst ist es nicht durchführbar. Das ist nämlich ein Anliegen aller Südtiroler, deshalb müssen wir alle an einem Stick ziehen. Wir haben mit der SVP im vergangenen Jahr bereits Gespräche in diese Richtung geführt, aber sie ist noch nicht reif, sie schwimmt noch zu sehr im Fahrwasser der Autonomie. Aber auch sie wird durch die Entwicklung im Lande einsehen müssen, dass der Weg der Autonomie volkstumspolitisch und wirtschaftlich in den Abgrund führt. Die römische Politik muss und wird uns dabei allerdings zu Hilfe kommen, denn der italienische Staat hat sein Ziel, uns Südtiroler zu italienisieren, nie aufgegeben! Wenn wir und unsere Kinder als Tiroler südlich des Brenners weiterleben wollen, bleibt uns nur ein Weg: „Los von Italien durch Selbstbestimmung!“

Der Südtiroler Heimatbund wünscht seinen Mitgliedern, Sympathisanten und Landsleuten ein gesegnetes Weihnachtsfest, alles Gute im neuen Jahr, in erster Linie Gesundheit und viel Erfolg in unserem Bemühen, der Freiheit unserer Heimat ein Stück näher zu kommen!

Sepp Mitterhofer
i.A. der Bundesleitung des SHB

Quelle: www.suedtiroler-freiheitskampf.net

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Im Würgegriff der Politik
Das Gebiet Südtirol ist ein Opfer des 1. Weltkrieges und der europäischen Machtpolitik. Zuerst wurde das Gebiet verschachert und verkauft, und heute schlagen gewisse Politiker noch immer Kapital aus diesem Unrecht.
Dieses Land ist steht seit 90 Jahren im Würgegriff der Politik und Politiker. Eine Schande für den Frieden und für das Völkerrecht in Europa.

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So sicher wie... ( K. M. Gamper)
Der große Patriot aus Süd-Tirol, der Moses dieses vom Vaterland abgetrennten kleinen Tiroler Volkes, der Kanonikus Michael Gamper sagte einmal kurz nach 1918/19 und ganz am Anfang dieser Fremdherrschaft in Süd-Tirol:

"So sicher wie auf Regen Sonnenschein folgt, so sicher wird auf die Einsargung Tirols (südlich des Brenners) dessen Wiederauferstehung folgen. Wenn sich die Tiroler (in der AP Bozen) nicht selbst aufgeben."

Nach den schrecklichen Erfahrungen unter dem italienischen Duce-Faschismus erhofften sich die Menschen aus diesem Land nach der Befreiung von beiden Faschismen von der freien Völkergemeinschaft wenigstens ein wenig geschichtliche Gerechtigkeit. Sie forderten von der freien Welt und von Italien eine demokratische Klärung der Selbstbestimmungfrage für die eigene seit Menschengedenken angestammte Süd-Tiroler Heimat, die sich nach dem Ersten Weltkrieg als Kriegsbeute zufällig am falschen Ort zwischen Italien und Österreich und zur falschen Zeit der Geschichte befand. Aus diesem Grund unterzeichneten so gut wie alle Süd-Tiroler 1946, Da-Bleiber wie Optanten, trotz massivster sogar gewaltsamer Behinderung durch die italienische Verwaltung, die berühmte Selbstbestimmungpetition an das Vaterland Österreich mit der Forderung nach der Wiederherstellung der Landeseinheit in Tirol in seinem deutschsprachigen Teil zwischen Salurn und Kufstein. Diese Petition wurde feierlich im Mai 1946 dem damaligen Bundeskanzler der Zweiten Republik in Innsbruck Leopold Figl überreicht. Gerade dieser Politiker, der für seine christlich-soziale und Österreich patriotische Überzeugung im KZ Dachau gefangen war und diese Zeit nur knapp überlebte, setzte sich wie kein anderer Politiker in diesem land für die Sache der Selbstbestimmung der Süd-Tiroler Landsleute ein. Die eigene Selbstbestimmung hat den Österreichern die Völkergemeinschaft und die Allierten nach dem Krieg spätestens seit dem Staatsvertrag von 1955 geschenkt. Aber schon im Jahre 1945 kurz nach der Einstellung der Kampfhandlungen widmete sich dieses noch so kleine und politisch so bedeutungslose, mit eigenen Sorgen überladene wiederauferstandene Vaterland Österreich auch der Frage des Wohlergehens der Tiroler südlich des Brenners und der Selbstbestimmung in Süd-Tirol. Aus diesem Grund haben z.B. fast alle Optanten, die einmal Süd-Tirol verlassen haben und die Italien nicht zurückkehren ließ, gerade in diesem Vaterland Österreich die alte und die neue Heimat gefunden. Gerade diese an die 50 Tausend Süd-Tiroler haben Österreich auf die Problematik der Selbstbestimmung für die eigene verlorene nähere Heimat nach 1945 nachhaltig und sehr erfolgreich bis zum heutigen Tage sensibilisiert. Der BK von damals Leopold Figl glaubte, die Selbstbestimmung für das Land Tirol südlich des Brenners muß und wird früher oder später kommen, die freie Welt darf einfach nicht zulassen, dass ein ganzes Volk weiterhin dieser Art von unbarmherzigen bis 1972 oft sehr brutalen Fremdherrschaft ausgesetzt wird. Er rechnete damals damit, die Süd-Tiroler Landespolitik wird gemeinsam mit dem Vaterland Österreich die Frage der Selbstbestimmung nach 1945 in den nächsten 10 bis 20 Jahren zur Gänze klären können. Es kam aber ganz anders. Schon bald hat man gesehen, wieviel die Autonomieversprechen im Pariser Vertrag zwischen Rom und Wien wirklich wert waren. Dabei hat Italien damals die Allierten um das gleiche Recht auf die Selbstbestimmung für die Italiener in der bis 1954 international verwalteten Freien Stadt Triest angefleht, das es im eigenen seit 1946 direkten Machtbereich diesem kleinen Tiroler Volk, in einer seiner zahllosen 130 Provinzen wie vor Jahr und Tag erbarmungslos verweigerte. Seit der patriotischen Kundgebung auf der Burg Sigmundskron von 1957 ging es aber endlich aufwärts in der Selbstbestimmungfrage auch in Süd-Tirol. Der Widerstand gegen die Maßlosigkeit der italienischen Politik Roms in diesem Land und gegen die Fortsetzung der alten Italianisierungpolitik mit der Brechstange, nur mit anderen Methoden und diesmal unter dem Mantel einer Demokratie, konnte in den 50er und 60er Jahren erfolgreich diese unhumane Politik beenden und vorläufig zum Stillstand bringen. Im Jahre 1952 sagte Kanonikus Michael Gamper sinngemäß, dieses Land Italien schickt uns Süd-Tiroler sehenden Auges auf einen ethnischen Todesmarsch. Dank dem Einsatz des patriotischen Widerstandes, Dank der Diplomatie des Vaterlandes aber auch Dank der damaligen klugen Politik der SVP konnte ab 1972 bis 1992 die bereits 1946 im Pariser Vertrag versprochene Autonomie für Südtirol endlich mit über 40 Jahren Verspätung umgesetzt werden. Vor wenigen Wochen sagte der heutige und amtierende Landeshauptmann Luis Durnwalder im Bozner Landtag im Dez. 2008 sinngemäß, Südtirol befindet sich am Ende der Geschichte und am Anfang einer neuen Zukunft und einer neuen politischen Periode, dieses Land hatte in den letzten 16 Jahren, also seit 1992 eine Entwicklung durchgemmacht, für die manche Länder Jahrezhnte brauchen würden, und hat endlich zu sich selbst zurück gefunden. Südtirol ist also danach erst jetzt im Jahre 2008 aus seiner einstigen von Rom dem Land verordneten politischen Ohnmacht langsam aufgewacht und zu neuen Kräften gekommen. Auch oder gerade in der SVP gibt es starke politische Kräfte, die nicht nur im patriotischen Flügel dieser Partei, über die Frage der Selbstbestimmung für das Land ernsthaft nachdenken. Es waren vor allem diese Kräfte und Spitzenpolitiker dieser Partei, die im Jahre 2006 alle SVP-Bürgermeister, d.h. so gut wie alle in Südtirol, dazu bewegt haben, eine Selbstbestimmungpetition an den Österreichischen Nationalrat in Wien zu verfassen, zu unterzeichnen und diese in Wien im Mai 2006 in einer Art Staatsakt dem Nationalrat aller Österreicher zu übergeben. Italien reagierte daraf mit dem bekannten Selbstbestimmunggesetz für Südtirol im Römischen Senat des Altpräsidenten Cossiga. Dieser Gesetzesentwurf wurde noch einmal nach den Wahlen in Italien 2008 wieder erneuert und den Wünschen aus Südtirol angepasst. Das bedeutet, dass es heute sogar eine gesetzliche Grundlage bereits in Italien selbst für diese noch so lange ersehnte Klärung der Selbstbestimmungfrage gibt. Diesem Gesetzesentwurf müsste aber natürlich einmal die Regierung in Rom zustimmen und diesem Rechtsakt auch einmal Rechtskraft verleihen. Ohne Gegenleistung aber wir wahrscheinlich niemand in Rom über die Modalitäten der Klärung der Selbstbestimmung nachdenken wollen, das war bei der Klärung der Frage der Deutschen Einheit auch nicht anders gewesen. Der amtierende Landeshauptmann von ST meinte auch einmal sinngemäß, sollte Italien nicht nur dem Schein nach, sondern auch in Wirklichkeit, diese Klärung der Selbstbestimmungfrage demokratisch in einer Volksabstimmung politisch ermöglichen, dann ist er der Meinung, dass nach einem halben Jahr der Vorbereitung der Bevölkerung die absolute Mehrheit der Südtiroler klar im Sinne der Selbstbestimmung und der Rückkehr zum Vaterland Österreich stimmen würde. Diese Möglichkeit wird es aber nicht geben, wenn die SVP nicht bald keinen klaren Selbstbestimmungkurs in der Landespolitik selbst wählt. Heute und morgen kann Italien auf so eine Politik der Autonomie, die einer Kraftprobe mit Rom gleichen würde, ganz sicher nicht einfach so antworten, wie das vor 1943 oder zwischen 1948 und 1972 in Südtirol der Fall war. Dazu sind die Demokratie und Menschenrechte viel zu stark im Rechtssystem der EU verankert. Von der italienischen Seite kann man sich allgemein ohnehin sicher keine große Nachsicht in dieser Frage erwarten. Dass die sichtbarsten Zeichen der Teilung in Tirol zwischen Süd-Nord und Ost bereits verschwunden sind, das hat man nicht Italien, sondern einzig und allein Europa zu verdanken. Der Stiefelstaat befindet sich in der Europäischen Gemeinschaft, was sein Verständnis des Selbstbestimmungrechtes der Völker im eigenen Staatsgebiet betrifft, irgendwo zwischen Süd-West Europa und der Arabischen Liga. Auch Spanien hatte einmal wie Italien eine lange faschistische Vergangenheit gehabt, trotzdem fragt niemand dort z.B. in Katalonien danach, ob dieses Land spanisch genug heute wäre. In ganz Spanien sind auch alle faschistischen Relikte aus der Franko-Zeit entfernt worden. Das letzte noch existierende Franko-Denkmal wurde gerade in diesen Tagen in der baskischen Stadt Santander entfernt. Nicht so in Süd-Tirol, hier darf weiterhin der Duce vom Relief mit erhobener Hand wie vor Jahr und Tag am Gerichtplatz in Bozen grüssen, das Militär gerade dort Paraden abhalten. Am Duce-Tempel lassen die italienischen Minister Kränze niederlegen, am Alpinidenkmal in Bruneck wird der Tradition dieser Waffeneinheit auch offiziell gehuldig, die im Zweiten Weltkrieg an Massenmorden und Kriegsverbrechen ohne Ende an der Zivilbevölkerung schuld war. Da ist das offizielle Italien nach bevor unbelehrbar, und am rechen Auge blind. Diese Relikte stehen unter "Denkmalschutz", sie werden um teures Geld gehegt und gepflegt, damit nur kein Süd-Tiroler in der eigenen näheren Heimat so bald vergisst, wer nach 1918 als Eroberer in dieses geteilte Land Tirol zum ersten mal der Geschichte gekommen ist und wer allein hier das Sagen hat. Europaweit gab es schon immer und es gibt nach bevor Ethnien, die ebenfalls wie die Süd-Tiroler nach eigener Selbstbestimmung streben. In den letzten 20 Jahren konnten fast alle fremdbestimmten Ethnien und Länder in diesem angeblich demokratiepolitisch so sehr unterentwickelten Osten und Süd-Osten Europas die Frage ihrer Selbstbestimmung überzeugend und zufriedenstellend klären. Von der Wiederherstellung der alten Landeseinheit auch im Beuteland des Zweiten Weltkrieges 1990, bis zur vorläufig letzten gelungenenen Selbstbestimmung in Kosovo im Feber 2008. Manche dieser gewesenen Autonomien haben oft genug aus einer ziemlich aussichtlosen Position heraus diese Selbstbestimmung gemeinsam mit ihrer politischen Führung angestrebt und diese auch zum Schluß bekommen. Wir können nur daraus lernen, dass die Ausicht auf Erfolg einer Selbstbestimmung heute nicht im realen Kräfteverhältnis zwischen beiden Kontrachenten liegt, sondern einzig und allein im Galuben an die mögliche praktische Umsetzung dieses Menschenrechtes in der eigenen näheren Heimat. Wer hätte sich damals noch vor 20 Jahren denken können, dass das kleine Estland, Montenegro einmal das Recht auf die eigene Selbstbestimmung bekommen werden, morgen vielleicht noch solche Länder wie Abchasien, Süd-Ossetien, Russisch-Krim, Trans-Istrien? U.a. darüber wird gerade hinter den diplomatischen Kulissen in Genf in der Schweiz verhandelt. Auch in West-Europa in den Ländern der alten EU gibt es offene Fragen der Selbstbestimmungen, so in Schottland, Katalonien, Baskenland, Flandern aber auch in Süd-Tirol. All diese Länder mit Ausnahme der AP Bozen führen seit Jahren einen klaren politischen Kurs in Richtung der Ausübung der Selbstbestimmung. In Belgien kann womöglich sogar 2009 nach der Europa-Wahl im Juni wieder einmal ernsthaft über die Möglichkeit der Belgischen Scheidung nachgedacht werden, diesmal aber mir realen Grundlagen. Für 2011 hat bereits Schottland eine Volksabstimmung im eigenen Land zu Selbstbestimmung bereits fix eingeplant, um 2010 ist das auch in Katalonien und Baskenland angedacht. In diesem Jahr konnte eine Dänische Autonomie, die Insel Grönland in einer freien Abstimmung im November 2008 den Weg der Selbstbestimmung frei und unbehindert wählen und wird gerade auf deren Vollzug von Kopenhagen organisatorisch vorbereitet. Man denkt daher jetzt auch wieder über so eine Möglichkeit auf den dänischen Färöer-Inseln im Nordatlantik intensiv nach. Wird in absehbareer Zukunft in einem alten Land der EU einer dieser Autonomien die Selbstbestimmung gelingen, am ehesten in Schottland oder Flandern, dann wird das große politische Folgen für alle anderen offenen Fragen der Selbstbestimmungen in der EU selbst haben. Die AP Bozen ist nicht nur eine aus heutiger Sicht bescheidene Autonomie, sondern eindeutig seit Pariser Vertrag ein Subjekt des Völkerrechts vor der UNO, dazu noch mit der österreichischen Schutzmacht an der Seite. Die Geschichte der letzten 90 Jahre der Femdbestimmung muss oder kann gerade die frei gewählte legitime politische Führung der Süd-Tiroler in Hinblick auf diese allgemeine politische Entwicklung in Europa der letzten Jahre und Jahrzehnte weiter denken. Aus dieser Verantwortung wird die Landespolitik im wohlverstandenen Interesse des deutschsprachigen Landes Tirol südlich des Brenners niemand entlassen wollen. Die Selbstbestimmung ist weiterhin auch in Südtirol möglich, wenn, nach Kanonikus Michael Gamper, die Südtiroler sich nicht selbst ohne höhere Not aufgeben! Die Selbstbestimmung ist weder links noch rechts, sie kennt nur überzeugende historische, ethnische, sprachliche und kuturelle Argumente, warum sie stattfinden sollte. Die allgemeinen internationalen politischen Voraussetzungen dafür waren für das Land Tirol südlich des Brenners gerade um das Andreas Hofer Jahr 2009 noch nie so günstig wie jetzt. Man muss es nur verstehen und auch in der Landesregierung neues wagen wollen. Die kommenden Jahre werden nach allen politischen und wirtschaftlichen Prognosen für instabile Länder der EU wie Italien ziemlich turbulent sein. Es bleibt nur zu hoffen, dass wenigsten für diesen Fall die politische Führung des Landes einen Plan B haben würde, wenn es im Stiefelstaat einmal chaotische Zustände geben sollte. Gerade unlägst hat ein Minister der heutigen Regierung in Rom alle vor einem drohenden Staatsbankrott gewarnt. Die Süd-Tiroler sind nicht freiwillig zu diesem Staat gekommen, sie sind geradezu mit diplomatischen Betrug und Verrrat sowie mit Gewalt seinerzeit in diesen fremden und ungewollten Staat hineingezwängt worden. Daran hat sich nach dem Willen der Großmächte dieser Welt bis heute nichts geändert oder nicht ändern dürfen, trotz Pariser Vertrag und trotz der mit Blut, Leid und Tränen erkämpften bescheidenen Autonomie bis 1992. Die heutige Herausforderung der Politik liegt auch bei der Sicherung des erreichten allgemeinen Wohlstandes, dieser wird aber in diesem chaotischen Staat mehr und mehr ramponiert. Das Selbstbestimmungrecht ist ein erstes und wichtigstes Menschenrecht und es verjährt auch nie, solange die legitime politische Führung den Willen hat, diese Frage der eigenen Macht der Fremdbestimmung auch hörbar und sichtbar zu stellen. Dabei ist diese Forderung nach der Klärung der Selbstbestimmungfrage relativ bescheiden, im Vergleich zu dem, was Italien in dieser langen Zeit seit 1918 an nicht zu wiedergutmachenden Unrecht dem Land Süd-Tirol angetan hat. Wenn man sich durch Wohlstand und Geld dieses Recht auf eigene Selbstbestimmung abkaufen und blenden lässt, und das langfristige politische Ziel der Selbstbestimmung aus dem Sinn verliert, dann verliert man früher oder später ganz sicher beides, zuerst den erreichten Wohlstand, später auch jede weitere Möglichkeit der Klärung der Selbstbestimmungfrage. Wahrscheinlich werden gerade die kommenden Jahre darüber entscheiden, je nachdem ob und welche Linie der Selbstbestimmung die SVP und die Landesregierung wählen werden, ob das Land jemals in die Reichweite der eigenen so lange aufgeschobenen Selbstbestimmung kommen wird. In dieser Frage sind wir alle, die an ein gemeinsames ungeteiltes Vaterland glauben und festhalten wollen, nur unserem Schöpfer allein, sowie dem eigenen Vaterland, den eigenen, unseren Landsleuten, uns selbst und vor der Geschichte die andgültige Rechenschaft schuldig, und ganz sicher nicht vor den Mächten der Fremdbestimmung. Wir können die Geschichte nicht ungeschehen machen, aber wir können unsere gemeinsame Zukunft im Sinne der Selbstbestimmung neu gestalten, wenn wir es nur gemeinsam wollen!