Landesversammlung 2008: Ansprache der Lt. Abg. Dr. Eva Klotz
Sonntag, 28. September 2008
landesversammlung_2008_klotz.jpg Liebe Mitglieder, Freunde und Ehrengäste der SÜD-TIROLER FREIHEIT! Zunächst große Freude darüber, dass so viele Mitglieder, Freunde und Gäste zur  Versammlung gekommen sind. Das ehrt uns sehr und zeichnet dieses Treffen mehr aus als lange Reden und Selbstdarstellungen. Wir haben so viele Idealisten und Persönlichkeiten bei uns, sie unterstützen unsere Anliegen  und kämpfen in ihren Ländern für die Ziele, die uns verbinden. Im Mittelpunkt stehen auch unsere Kandidatinnen und Kandidaten für die Wahlen in einem Monat: alle bringen Einsatz, alle machen mit Freude mit, alle sind bereit zu wachsen. Sie verdienen unsere besondere Aufmerksamkeit!

Deshalb kann ich mich kurz fassen: Unser Programm liegt auf, es ist so klar, von Idealen und Weitsicht geprägt, dass es keiner langen Ausführungen bedarf. Es ist uns ernst mit dem, was darin geschrieben steht. Wir alle stehen dazu, und das einigt uns und gibt uns ein Stück innerer Freiheit! Jedem Blendwerk erteilen wir eine klare Absage. Wer Inhalte hat, klare Ziele, und diese glaubwürdig vertritt, hat Demagogie und Proleten- Gehabe nicht nötig! Niveau ist uns wichtig, weil wir einen langen Weg vor uns haben und nicht billiges Strohfeuer inszenieren!

Vor eineinhalb Jahren haben wir unsere Bewegung mit einem hohen Anspruch an uns selbst und an die Politik gegründet: der Einsatz für unser Freiheitsziel soll im Vordergrund stehen, so wenig Strukturen als möglich, keine Lähmung durch langatmige Sitzungen, keine Schwerfälligkeiten und vor allem keinen Personenkult. Deshalb brauchen wir keinen Obmann und keine Obfrau, keine Parteiämter oder Pöstchen und vor allem kein ideologisches Aufpeitschen!

Unsere Vorsätze und Vorstellungen sprechen für sich, wir haben uns daran gehalten, und das hat sich sehr bewährt: Unser rechtlich Verantwortlicher, Werner Thaler, erledigt mit Hilfe vieler, auch junger Leute, das meiste Organisatorische, alle sind freudig und flott unterwegs, gewinnen Freunde und Unterstützer für ein Ziel, das weit über Wahlen und Alltagssorgen hinausreicht.

Wir sehen es nicht als vordergründige Aufgabe, bei allen Wahlen mit eigenen Listen anzutreten, aber es war von Anfang an klar, dass wir die Legitimation für unsere politische Arbeit wollen: einen starken Wählerauftrag für starke Ideale! Diesen Auftrag wollen wir übernehmen, je größer der Zuspruch, desto mehr werden wir bewegen können!

Es muss sich etwas bewegen, wenn Süd-Tirol nicht langsam, aber sicher eine ganz gewöhnliche italienische Provinz werden soll. Es gibt keinen Bereich, in dem die römische Bevormundung nicht spürbar wäre: Im Schulbereich haben wir das letzthin durch die x-ten Reformen und Änderungen zu Reformen erlebt! Das Land Südtirol kann nur bei der Verwaltung und den Stellenplänen der Lehrer eigene Wege gehen, sonst ist es an die Vorgaben aus Rom gebunden. Im sozialen Bereich hat es wenig Spielraum, weil die meisten Zuständigkeiten bei Rom liegen, so wie im Wirtschaftlichen, das wesentlichen Einfluss auf die Gestaltung der Sozialpolitik hat. Wenn man bedenkt, dass ein Unternehmer für 1000 Euro, die er seinem Arbeiter auszahlt, ganze 1200 Euro an Steuern und Sozialabgaben zahlt, dann versteht man auch, warum es in beiden Bereichen, im unternehmerischen wie im Sozialen kriselt. Und wir reden nicht nur von der Kaufkraft! Italien steht in der europäischen Reihung weit hinten, und die Aussage des bekannten Unternehmers und Wirtschaftssprechers Christoph Oberrauch, dass unser Hauptproblem die Zugehörigkeit zu Italien ist, ist nicht weniger wahr geworden, sondern wird täglich in den Nachrichten bestätigt: In diesem Staat hat Südtirol auch wirtschaftlich keine Zukunft. Worauf warten wir in Südtirol dann eigentlich noch?

Die Mehrheitspartei ist entweder zu faul oder zu fett geworden, um mit ganzer Kraft ein ganzes Ziel zu wollen und anzugehen. Oder man hat in Rom wieder einmal ein deutsches Ehrenwort gegeben, an der staatlichen Zugehörigkeit Südtirols zu Italien nicht rütteln zu lassen. Die Verheißung Durnwalders: So lange ich etwas in diesem Land zu sagen habe, kommt die Selbstbestimmung nicht, ist anders nicht zu verstehen! Das bedeutet, dass er letztlich die Interessen Italiens vertritt! Aber was hat er im Gegenzug von Rom bekommen? Den Verzicht auf die Freiheit kann es nicht wert sein! Wenn Durnwalder die Übernahme der Steuerhoheit gemeint hat, so hat es vor wenigen Tagen eine klare Abfuhr gegeben: Die Verhandlungen zum Steuerföderalismus haben nur kleine Spielräume aufgetan, sagt Finanzlandesrat Werner Frick. Keine Rede von Steuerfindungsrecht, das Um und Auf einer echten Autonomie!

Es gäbe Hunderte von Beispielen dafür, wie kurzsichtig und engstirnig die Politik der heutigen politischen Führungsspitze in unserem Land ist, und die Kräfte werden täglich dafür verbraucht, auf den jeweils jüngsten Streich aus Rom zu reagieren. Da muss Schub aus dem Volk kommen, damit sich oben etwas bewegt. Ohne Druck von unten werden die Verantwortlichen am derzeitigen politischen Schlendrian nichts ändern! Aber in Südtirol hat es schon zu viele Opfer einer falschen Politik gegeben, und da denken wir besonders auch an die 60er Jahre! Zu viel ist vor allem in den letzten Jahren unter die Räder des Machtdenkens und der Großtuerei geraten. Die Schönfärberei einer Autonomie, die bezüglich Recht auf Gebrauch unserer Muttersprache täglich außer Kraft gesetzt wird, bindet uns immer enger an Italien! Italien aber wird immer die Interessen des Staates in den Vordergrund stellen und nicht den Erhalt der deutschen und ladinischen Volksgruppe. Weil unsere Existenz in diesem Staat niemals gesichert ist, gibt es nur eine Lösung: Weg von diesem Staat, Los von Rom! Dafür lohnt es sich, mit allen demokratischen Mitteln zu kämpfen. Wir lösen damit nämlich auch viele unserer täglichen Probleme! 
 
Wir alle werden uns in diesen Wochen noch mit ganzer Überzeugung für eine ganze Sache ins Zeug legen! Wir sind nicht ein kleines Trüppchen Selbstläufer. Wir sind eine lebhafte, selbstbewusste, weltoffene Schar! Und es verbindet uns diese Aufgeschlossenheit und die Tatsache, dass nicht Ideologien oder Parteizwecke ganz oben stehen, sondern Ideale! Wir legen Wert auf ein  Toleranzdenken mit klaren Grenzen, wir beurteilen Menschen nicht nach ihrer Lebensweise, ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit, sondern es zählt, ob jemand bereit ist, für unser gemeinsames Ziel etwas zu tun. Und es werden besonders unter Jungen immer mehr!
 
Wir alle geben unser Bestes, jeder und jede an seinem, ihrem Platz, mit eigenem Temperament und Stil. Es geht um ein großes Ziel: Unser Land von Italien frei zu machen und für die nächsten Generationen die Existenz in einer landschaftlich noch einigermaßen intakten Tiroler Heimat zu sichern!

Dass wir auf dem richtigen Weg sind und auch in Europa viele Freunde und Gleichgesinnte haben, zeigt die Anwesenheit so vieler Ehrengäste aus Norden und Süden, aus Osten und Westen, weit über unser Land hinaus. Es ist eine Freude, unter solchen Vorzeichen zu arbeiten! Packen wir es an! Danke allen!

Dr. Eva Klotz, Landtagsabgeordnete der SÜD-TIROLER FREIHEIT

landesversammlung_2008_klotz.jpg


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Kommentare (2)
1. 30-09-2008 21:22
 
In den letzten Monaten hab ich eftermols geschrieben lei um einige Artikeln zu kritisieren. Diesmal muss ich aber auch gestehen, dass ich ganz einverstanden bin!!!
IP: 87.9.108.149
 
fabivS
2. 29-09-2008 00:21
 
Einmalige Chance für Süd-Tirol
... so gesehen war die Gründung der Süd-Tiroler Freiheit vor 1,5 Jahren ein einmaliger Glücksfall für das Land und seine Selbstbestimmung. Ich persönlich unterstüze voll und ganz die Ziele der STF, da diese politische Bewegung die einzige im ganzen Land ist, die sich ohne Unterlaß mit friedlichen und demokratischen Mitteln für die Selbstbestimmung des Landes einsetzt. Mir gefällt die gewählte klare Symbolsprache der STF besonders gut. Daran muss man meiner Meinung nach unbedinngt festhalten. Klare Botschaften in klarer Sprache und mit klar verständlichen Symbolen einer Partei erleichten sehr die Kommunikation mit der Aussenwelt und helfen die Wähler noch effizzienter zu erreichen. Man müsste vielleicht noch klären, ob die Süd-Tiroler Freiheit die Abkürzung SF oder STF wählt, damit man sich auch in dieser Frage auskennt. Das Land hat jetzt eine ähnliche Parteien-Farbenlehre wie das Vaterland Österreich, nämlich die Schwarzen SVP, die Roten STF, die Blauen FP, die Orangen UfS und die Grünen. Wenn es mit der STF in politischen Umfragen so schell weiter aufwärts geht, kann man für die LW in einem Monat und für die Zukunft der Bewegung nur optimistisch sein. Tiroler Mander, schaut euch das an, was eine einzige zierliche Dame an Schwung in der Politik in diesem Land Süd-Tirol seit Jahrzehnten zusammenbringt und nimmt euch ein gutes Beispiel daran, zum Wohle des Landes Tirol zwischen Salurn und Kufstein!
IP: 195.3.113.168
 
Markus Anton

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