Leserbrief: Gedenkjahr 2009 - Dornenkrone
Dienstag, 26. August 2008
stefan_zelger_2.jpgNächstes Jahr jähren sich zum 200. Male die Aufstände der Tiroler unter Andreas Hofer gegen Napoleons bayrisch- französische Besatzungstruppen. Dieses historische Jubiläum wird am 20. September 2009 mit einem großen Festumzug abgeschlossen. Wie schon bei den Umzügen 1959 und 1984 in Innsbruck werden auch diesmal wieder tausende Tirolerinnen und Tiroler der Taten ihrer Vorfahren gedenken. Doch eine schwergewichtige Teilnehmerin wird diesmal wahrscheinlich nicht direkt zugegen sein: Die Dornenkrone.

Die Stahlkonstruktion wiegt knapp 650 Kilogramm und ist ein stilles und beeindruckendes Symbol für die Zerreißung Tirols. Die Landeshauptleute von Süd- und Nord-Tirol, und leider auch der Landeskommandant der Nord-Tiroler Schützen, haben sich bereits gegen eine Mitführung ausgesprochen. Der Festumzug steht unter dem Motto „Vergangenheit trifft Zukunft“ und was steht besser für diesen Denkspruch als die Dornenkrone? Tirols und vor allem Süd-Tirols jüngere Vergangenheit war geprägt von Krieg, Leid, Zerreißung, Faschismus und Nationalsozialismus. Zwar hat sich natürlich vieles in unserem Land seither deutlich verbessert, doch blieb die Zerreißung nach wie vor bestehen. Die Dornenkrone ist die beste Ausdrucksform dafür. Sollte sie nächsten Herbst nicht mitgeführt werden bleibt zu befürchten, dass die Gedenkfeier für die Helden von Anno 09 zu einem reinen Trachten- und Tourismusumzug verkommt. Jeder soll selber darüber entscheiden, ob dies wirklich im Sinne jener Frauen und Männer von damals wäre?

Stefan Zelger
Hauptausschussmitglied, Landtagskandidat und Gemeinderat der SÜD-TIROLER FREIHEIT in Tramin

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Kommentare (10)
1. 16-08-2009 09:49
 
Differenzierte Sichtweise
ich finde, man sollte die frage der dornenkrone und des festzugs nicht reflexartig betrachten, es kann ja nicht sein, dass man gefühle von basken oder inuit, nicht aber von südtirolerInnen nachvollziehen \"darf\". habe das auch so geschrieben siehe 
 
http://www.ceiberweiber.at/index.php?p=news&area=1&newsid=419 
 
übrigens hat mich das buch von astrid kofler über die frauen in den bombenjahren sehr beeindruckt, hab es mal auf meiner webseite vorgestellt. 
 
freiheit ist doch eigentlich etwas, das alle menschen sich wünschen, man darf es nicht lächerlich machen. es lässt sich nicht alles ändern, das herrschende mal beschlossen haben, aber betroffenheit darüber ist legitim.
 
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2. 19-09-2008 11:08
 
dornenkrone
ich bin passeirer jahrgang 56 und habe noch am rande das leiden meiner eltern und südtiroler mitgekrigt und wage desshalb zu behaubten,dass die dornenkrone sehr wohl als symbol angebracht ist.
 
3. 28-08-2008 15:48
 
Dornenkrone
In allen Landesteilen Tirols soll einfach eine Umfrage durchgeführt werden was die Tiroler wollen... 
 
Wär das nicht die einfachste und fairste Lösung? 
 
Das Volk soll entscheiden, schließlich betrifft es jeden einzelnen Tiroler egal ob südlich oder nördlich des Brenners!
 
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4. 28-08-2008 13:15
 
dornenkrone
also mir gefällt am besten die aussage des herrn helmut gaidaldi lt. tt v. 27.08.08, der traut sich wenigstens das kind beim namen zu nennen.
 
cb
5. 28-08-2008 07:35
 
Wini
Hat die Dornenkrone ausgedient ? 
Zu zweitenmal bat die Tiroler Tageszeitung ihre Leser, via Internet eine " Frage der Woche" zu beantworten. 
Soll die Dornenkrone beim Gedenkjahr 2009 getragen werden, lautete diesmal die Frage der Woche, die 65 % der Teilnehmer bejahen, 26 % sind gagegen. Hier das komplette Ergebnis der Onlinebefragung. 
65 % Ja, sie ist ein Sypol der Landeseinheit 
26 % nein, die Dornenkrone hat ausgedient. 
10 % inst mir egal.  
 
Auszug aus der TT vom 25. August 2008 
Und wieder einmal sind Politiker und Schützenkommandanten ( Sarntein ) gegen 65 % der Bevölkerung. Kein Wunder wenn sie nicht mehr gewählt werden.
 
Ing. Winfried Matuella
6. 26-08-2008 20:24
 
Befürworter
Ich finde wir sind es unseren Helden einfach schuldig. Die Dornenkrone ist ein Zeichen für erlittene Schmerzen, Folter und Tod und symbolisiert die Einheit Tirols. Ihre Taten und ihr Engagement sollten niemals vergessen werden.
 
Manuel
7. 26-08-2008 16:09
 
Nordtiroler Schützen - Dolchstoss
Für mich stellt das Mitführen der Dornenkrone ein eindeutiges Bekenntnis zur Einheit Tirols dar, d.h. zur längst überfälligen Abspaltung Südtirols von Italien und zur Wiedervereinigung mit Nordtirol unter österreichischer oder eigener Flagge. 
 
Dass die heutigen Landeshauptleute als Politiker dagegen sind, ist nicht weiters verwunderlich. Die wollen sich ja schliesslich nicht um ihre Existenz, Rang und viel Geld bringen.  
 
Dass die Nordtiroler Schützen ebenfalls dagegen stimmen, das ist enttäuschend, unerklärlich.  
 
Bravo Südtiroler Schützen, bravo Herr Bacher, Ihr seid die wahren Patrioten. Ich hoffe, Ihr wählt alle die STF!
 
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8. 26-08-2008 15:04
 
Dornenkrone
Von den Gegnern der Dornenkrone aus den offiziellen Reihen hört man, die Dornenkrone als christliches Symbol solle nicht für politische Zwecke mißbraucht werden und man solle andere Symbole für die Einheit Tirols verwenden. 
 
Ich bin schon gespannt, was dann wirklich mitgetragen werden darf. Da könnte ich mir Spruchbänder wie "Freiheit für Süd-Tirol", "Ein Tirol" usw. vorstellen. 
 
Ich bin schon gespannt, ob derartiges toleriert wird.  
 
Ich kann mich noch an 1984 erinnern, als dem Landeshauptmann Wallnöfer die Tränen gekommen sind, als Schützen aus allen Landesteilen beim Umzug vorbeimarschiert sind. Das war schon beeindruckend. 
 
Was könnten wir Tiroler nicht alles erreichen, wenn wir alle dahinterstehen würden!
 
armin
9. 26-08-2008 11:14
 
Dornenkrone und Landeseinheit in Tirol
Im Vorfeld dieser gesamt Tiroler Kundgebung müsste es allen Beteiligten klar sein, dass dieses Fest nicht nur Trachten- und Folkloreumzug werden sollte, wo die Regie die Choreographen der beiden Tiroler Landesregierungen führen, sondern eine Kundgebung von allen Tirolern in ihrer ersten Tiroler Landeshauptstadt. Man muss in dieser bestimmten ideologisch-politisch überladenen Frage der Dornenkrone nicht immer einer Meinung sein, aber es müsste doch in einer Demokratie zulässig sein, dazu in einem immer noch geteilten Land Tirol, wo diese Tatsache von vielen Menschen als eine nie verheilen wollende und schmerzende Wunde empfunden wird, dass mit dem Tragen der Dornenkrone dem seelischen Leiden des Geteiltsein der gleichen ethnischen Volksgruppe in Süd-Nord-Ost Tirol bei so einem wichtigen gesamt Tiroler Anlaß unmißverständlich Ausdruck verliehen wird. In Anbetracht der Teilung des Landes und der ganzen tragischen Geschichte in Tirol zwischen Salurn und Kufstein in den letzten 90 Jahren müsste man beiden Landespolitiken in Innsbruck und in Bozen für das bereits politisch Erreichte dennoch sehr dankbar sein. Es ist auch heute noch sehr lange nicht selbstverständlich, dass es de facto zwei politisch autonome Tiroler Landesregierungen gibt und dass sie gemeinsam Seite an Seite bei offiziellen Anläßen auftreten dürfen. Das war unlängst auch so, als in der Tiroler Landeshauptstadt beide Landesregierungen repräsentiert durch beide Tiroler Landeshauptleute in Namen von ganz Tirol an in vielen Bereichen der Gesellschaft aus Süd-Nord-Ost-Tirol verdiente Bürger hohe Tiroler Verdienstorden gemeinsam verliehen haben. Wer vielleicht dabei war, konnte sich sehr eindrucksvoll davon überzeugen, dass in dieser Feierstude alle Tiroler von Salurn bis Kufstein trotz Teilung ein vereintes Volk waren und immer sein können, wenn man das nur politisch zulässt. Man kann also schon heute die Einheit der deutschsprachigen Tiroler in der Politik für die Bürger sichtbar leben, wenn man es in Bozen und Innsbruck nur will. So gesehen befindet sich das geteilte Land Tirol heute in politischer Hinsicht dennoch Lichtjahre von der Zeit vor der Autonomie entfernt und der damals herrschenden allgemeinen Situation in Süd-Tirol. Damit ist natürlich noch nicht die völlige Landeseinheit wiederhergestellt, so lange es noch eine Dank der EU allein unsichtbar gewordene Teilungsgrenze am Brenner gibt, und so lange die AP Bozen Südtirol von Rom in Italien mit diesem Land eigenen Gesetzen regiert wird, und so lange in Süd-Tirol italienisches Militär stationiert wird. Dass es nicht so sein und bleiben muß, das zeigen eindrucksvoll Beispiele der zur Gänze entmilitarisierten Autonomien in anderen EU-Ländern, z.B. auf den von ethnischen Schweden bewohnten zu Finnland gehörenden Aland Inseln oder auf den Dänischen Färöerinseln, wo sogar die direkte Vollzugsgewalt der Polizeikräfte der jeweiligen Regierung der Autonomie direkt unterstellt ist. Heute sagt man oft, die AP Bozen darf sich bereits zu 90% verwalten und regieren, aber all die wichtigsten Bereiche der Gesellschaft, wo die Fremdbestimmung in Süd-Tirol am effektivsten sichtbar ist und wirken kann, nämlich die Italienische und damit nicht Süd-Tiroler Justiz, Finanzverwaltung, Exekutive und Militär bleiben noch weiterhin zu 100% in der Hand der Macht der Fremdbestimmung, die den Süd-Tirolern gegen ihren ausdrücklichen Willen vor fast 90 Jahren gewaltsam von Italien aufgezwungen wurde. Dagegen haben die menschen im südlichen Tirol bei entsprechenden historischen Gelegenheiten auch in Form von Petitionen protestiert, das letzte mal im Jahre 2006 in der Selbstbestimmungpetition in Namen der gesamten Süd-Tiroler Bürgermeister an den Österrreichischen Nationalrat des Vaterlandes in Wien. Die gesamt Tiroler Kundgebung in einigen Wochen in Innsbruck ist gerade jetzt kurz vor dem Andreas Hofer Jahr 2009 eine sehr wichtige und einmalige historische Gelegenheit für alle Tiroler zwischen Salurn und Kufstein ihren festen und unerschütterlichen Willen zur Landeseinheit für alle Mächte dieser Welt gut sichtbar demokratisch zu demonstireren. Das Tragen der Dornenkrone in diesem patriotischen Zusammenhang müsste daher erlaubt sein, auch wenn dies ausdrücklich von beiden Tiroler Landesregfierungen aus bestimmten politischen Überlegungen nicht gern gesehen wird. In einer reifen Demokratie müsste auch das zulässig sein und diesen sichtbaren Widerspruch und Protest müsste man auch als Landespolitik zur Kenntnis nehmen. Die Tiroler sind in der ganzen Welt als mutige Menschen bekannt, daher darf man sich dabei nicht von möglichen Reaktionen aus Rom einschüchtern lassen, wenn es um gemeinsame Ziele für Tiroler Einheit geht, wenn auch manche Wege dorthin sich von denen der beiden Landesregierungen deutlich unterscheiden. Die Tiroler in Süd-Nord-Ost sind ein geteiltes aber immer noch Ein Volk, die gemeinsamen Kundgeungen bleiben dennoch demokratisch und sind daher auch in der Form zulässig, wie sich das die Süd-Tiroler Schützen vorstellen. Die Kundgebung im September in Innsbruck sollte aber in erster Linie ein Fest der Tiroler trotz der nie aufzuhörenden Teilung sein. Das dies auch ein Fest der Einheit sein kann, dafür müssen aber alle Tiroler zwischen Salurn und Kufstein sorgen und aus diesem Anlaß so zahlreich wie nur möglich erscheinen und sichtbar Flagge zeigen, dass dies eben ein Fest des immer noch geteilten Landes Tirol sein kann, wo der politische Wille zur Einheit in Tirol in allen nur möglichen Formen und Bereichen der Gesellschaft und der Landespolitikern sichbar wird.
 
Markus A.
10. 26-08-2008 10:23
 
Nostagiker
Man sieht also dass es auch in den deutschen Reihen Nostalgiker gibt und trotzdem wird dieses Wort meistens nur für den sogenannten Postfaschisten gebraucht, obwohl bekanntlich AN sich vom Faschismus öffentlich entfernt hat.
 
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