Podiumsdiskussion in Schlanders
Donnerstag, 6. März 2008
podiumsdiskussion_schlanders.jpgDie ARBEITSGRUPPE FÜR SELBSTBESTIMMUNG organisierte am vergangenen Freitag 29. Februar, eine Podiumsdiskussion in Schlanders, zum Thema: „Süd-Tirol wohin? Unkontrollierte Zuwanderung – schleichende Italienisierung – oder Selbstbestimmung?".

An die 130 Interessierte, darunter sehr viele junge Leute, waren zur Podiumsdiskussion ins Vereinshaus Karl Schönherr nach Schlanders gekommen, um sich über die politischen Zukunftsperspektiven für Süd-Tirol zu informieren und beteiligten sich zahlreich an der anschließenden Diskussion.

Eröffnet wurde der Podiumsdiskussion von den 4 Referenten, welche mit 10minütigen Kurzreferaten ihre Sichtweise der Süd-Tirolpolitik darlegten. 

· Sven Knoll (Vertreter der SÜD-TIROLER FREIHEIT) machte auf die wirtschaftlichen und politischen Probleme aufmerksam, die durch die Zugehörigkeit Süd-Tirols zu Italien entstehen und verwies dabei auf die Notwendigkeit einer raschen Selbstbestimmung. Die Assimilierung führt unweigerlich zum Verlust der Identität, und es ist daher nur mehr eine Frage der Zeit, bis Süd-Tirol endgültig assimiliert und italienisiert ist. Das Selbstbestimmungsrecht noch weiter hinauszuzögern wäre daher unverantwortlich, da man in 15 oder 20 Jahren eine Abstimmung nicht mehr gewinnen werde. Das Beispiel Kosovo hat gezeigt, wie einfach es ist, die Unabhängigkeit zu erreichen. Süd-Tirol muss daher endlich Schritte in die Wege leiten, um sich von Italien zu verabschieden. 

·  Thomas Winnischhofer (Vertreter des SCHÜTZENBUNDES) verwies in seinem Referat auf die Situation anderer Minderheiten und kam dabei zum Schluss, dass diese oft weitaus aktiver für ihre Rechte einstehen und sich nicht immer alles Gefallen lassen, so wie dies in SÜD-TIROL vielfach der Fall ist. Basken, Schotten und Katalanen setzen konkrete Schritte für ihre Unabhängigkeit, nur Süd-Tirol tut nichts. Besonders kritisierte er auch das leidige Problem des Sports, da Süd-Tiroler Athleten für Italien antreten müssen und diese immer wieder genötigt werden, mit der Trikolore zu schwingen. Dies trage in hohem Maße zur Assimilierung bei, da Sportler eine große Vorbildfunktion in der Gesellschaft ausüben und Identifikationsfiguren sind. 

· Pius Leitner (Vertreter der FREIHEITLICHEN) referierte über das Problem der unkontrollierten Einwanderung und den damit verbundenen Veränderungen und Gefahren für unsere Gesellschaft. Auch kritisierte er das Verhalten der Südtiroler Volkspartei, die in vielen Belangen zu wenig Profil zeigt und beispielsweise die offizielle Anerkennung der Tiroler Landeshymne im Landtag abgelehnt hat. Er bezeichnete auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Italiens als schädlich für Süd-Tirol, da sich immer mehr Menschen verschulden müssen, um die Lebenshaltungskosten zu decken. 

· Karl Zeller (Vertreter der SÜDTIROLER VOLKSPARTEI) bezeichnete in seinem Referat das Selbstbestimmungsrecht als unveräußerliches Menschenrecht, zu dessen Einforderung es aber einen konkreten Anlass brauche. Länder wie Slowenien, Montenegro und Kosovo seien nur deshalb unabhängig geworden, weil sie unterdrückt wurden und die wirtschaftliche Lage desolat war. Er zeigte sich auch davon überzeugt, dass es keine fortschreitende Assimilierung in Süd-Tirol gebe. 

In der anschließenden Diskussion, kam immer wieder die Forderung auf, neue Perspektiven in der Süd-Tirolpolitik aufzuzeigen und endlich eine Loslösung von Italien anzustreben. Auch äußerten viele Zuhörer ihr Unverständnis über das Verhalten der Südtiroler Volkspartei in volkstumspolitischen Fragen. Die Ablehnung der Landeshymne war dabei ebenso Gegenstand der Diskussion, wie das noch immer ungelöste Toponomastikproblem. 

ARBEITSGRUPPE FÜR SELBSTBESTIMMUNG

Sepp Mitterhofer / Sven Knoll / L.Abg. Dr. Eva Klotz / L.Abg. Pius Leitner/ Oswald Ellecosta/ Dr. Egon Kühebacher / Paul Bacher / Peter Ploner / Dr. Luis Zingerle / Roland Lang

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Kommentare (9)
1. 12-03-2008 14:11
 
Moralische Aspekte in der Politik
Re.: Georgos Egger. Ich verstehe sehr gut die moralischen Postulate, die Sie in Ihren Postings zum Ausdruck bringen. In der praktischen Politik sollte dies auch viel mehr eine Rolle spielen. Leider ist das in praktischer Politik nur zu wenig der Fall. Es war im "Nürnberger Prozess" gegen das deutsche Reich und sicher auch gegen die serbische Großmachtpolitik unter Milosevic so. Moralische Kriterien werden jedoch häufiger mißachtet als beachtet. In zwangloser Aufzählung: Was hat der Palästinenser verbrochen, der aus der Heimat verjagt wird und dessen Land gestohlen wird? Was können die Tibeter dafür, dass ihnen das Selbstbestimmungsrecht verweigert wird? Warum darf Bhutan selbstständig bleiben und wurde die Selbstständigkeit von Sikkim durch Indien mit Gewalt beendet? Und so weiter. Die Hauptstadt von Tibet Lhasa hat zwischenzeitig nur noch ca.40% tibetanische Einwohner, 60 % sind chinesische Zuwanderer. Da ist Lhasa doch noch besser dran als Bozen, wo die Südtiroler nur noch 22% ausmachen! Es gibt unzählige Beispiele der Verletzung von moralischem Verhalten in der Politik. Die Geschichte ist voll davon! Leider sind auch die Probleme sehr vielschichtig und nicht mit Schwarz/Weiß Betrachtung zu lösen. Zwei weitere Beispiele aus diesem Forum: 1.) Kosovo. Noch um die Zeitenwende nach dem zweiten Weltkrieg waren Serben und Albaner im Kosovo etwa gleich stark. Dann begannen sich viele Kosovo-Serben auf den Höfen der verjagten donauschwäbischen Bevölkerung breitzumachen. Gleichzeitig änderten sie damit auch die ethnische Zusammensetzung der Wojwodina auch zum Nachteil der dort die relative Mehrheit stellenden Ungarn. Mit dem Fortzug dieser Serben aus dem Kosovo setzte eine beispiellose Geburtenschlacht der albanischen Bevölkerungsgruppe ein. Jede albanische Frau fünf, sechs Kinder! Heute (2008) stellen die Albaner 90% der Einwohner des Kosovos. 2.) Schmunzeln muss ich immer wenn es um die Einwohner von Triest geht. Unzählig waren die Denkschriften, die die ehemalige Zone A zu Italien bringen sollte. Was wurde nicht alles vorgebracht! Italienisch, Slowenisch. Bevor Österreich-Ungarn die Stadt zu ihrem Kriegshafen gemacht hatte, sprachen die Ureinwohner dieses Fischerdorfes einen rätoromanischen (ladinischen) Dialekt.  
Ich könnte noch viel mehr Beispiele aufzählen, will es aber dabei bewenden lassen. Für Südtirol gibt es nur einen Weg der weg von Italien führt: Das beharrliche Arbeiten an den Zielen der Unabhängigkeit, das Werben in der Bevölkerung für diese Ziele, bis eines Tages eine Mehrheit aktiv dafür ist. (Im Völkerecht: Eine verhältnismäßig beträchtliche Anzahl!)
IP: 87.180.92.190
 
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2. 08-03-2008 23:15
 
Annexion
@Tisner Ander: „Südtirol war dem Königreich Italien im Londoner Geheimabkommen für den Kriegseintritt versprochen worden und nach dem verlorenen Krieg wurde die Kriegsbeute eben eingefordert. So einfach war das!“ 
 
Nein, so einfach war das nicht, weder rechtlich noch auf sonst eine Weise. Bei Menschen ist überhaupt nichts einfach, und in der Politik erst recht nicht. Das spätere „Südtirol“ wurde von Italien besetzt und annektiert. Es war ja nicht etwa ein Geschenk von England und Frankreich an Italien — dazu hätte Tirol deren Eigentum sein müssen —, sondern die Eingliederung erfolgte lediglich unter Nichtverhinderung seitens dieser Staaten, die Italien für seinen Schwenk zu den Alliierten das zugesagt hatten. Wer aber hätte diese Annexion sonst noch verhindern können? Im Hintergrund stand einerseits die Revanchepolitik Frankreichs gegen Deutschland (u. a. Tirol keinesfalls zu Deutschland) und die Heimzahlungspolitik Italiens gegen Österreich für dessen Einmischung unter Metternich gegen die italienische Einigungsbewegung. Die USA waren weder rechtlich noch moralisch verpflichtet, mit diesem Vorgang einverstanden zu sein, doch selbstverständlich hätten sie niemals militärisch dagegen eingegriffen. Politisch wurden sie von den europäischen Kriegsgewinnern eben übertölpelt.
IP: 80.109.167.201
 
Georgos Egger
3. 08-03-2008 22:16
 
Keine „Verschwörungstheorie“
Daß die Wilson–USA nicht völlig mit dem einverstanden war, was England und Frankreich sich in Versailles und St. Germain leisteten, ist keine „Verschwörungstheorie“, sondern bekanntes historisches Faktum. Immerhin reichte die Verärgerung der USA dazu, daß sie sich für Jahre beleidigt aus Europa heraushielten. Auch hatten England und Frankreich es in erster Linie dem Kriegseintritt der USA zu verdanken, daß sie nach Kriegsschluß die Verlierer in einem solchen Ausmaß demütigen konnten. Erst Roosevelt brach diese Isolation der USA wieder auf (um 1933).
IP: 80.109.167.201
 
Georgos Egger
4. 08-03-2008 15:49
 
Keine Verschwörungstheorien bitte!
Leider halten sich in den Selbstbestimmungskreisen immer wieder irgendwelche Verschwörungstheorien! Dies ist für eine objektive Geschichtsbetrachtung völlig unnötig. Man sollte sich einfach einmal an den Gedanken gewöhnen, dass die Siegermächte den Verlierern, dazu noch germanischer oder slawischer Volkszugehörigkeit keinen fairen, den Status quo ante wahrenden Frieden zubilligen wollten. Wenn man so will, sollte es immer ein Status quo minus sein. Südtirol war dem Königreich Italien im Londoner Geheimabkommen für den Kriegseintritt versprochen worden und nach dem verlorenen Krieg wurde die Kriegsbeute eben eingefordert. So einfach war das! Es bringt hier nichts darüber zu spekulieren ob in Paris, London oder Washington Leute mit mangelhaften Geographie-Kenntnissen gesessen hätten. Das war objektiv nicht der Fall. Ein Beispiel hierfür nach dem zweiten Weltkrieg: Als der unfähige Österreichische Aussenminister Gruber zu den Südtirolverhandlungen nach Paris fuhr, nahm er den Geographen Dr. Thalhammer mit. Hier glaubte Gruber irgendjemanden belehren zu können. Die Gesprächpartner waren jedoch alle sehr gut in das Thema eingearbeitet. Hätte er lieber Eduard Reut-Nicollussi mitgenommen! Und auch Elsass-Lothringen mußte auch ohne jegliche Volksabstimmung abgetreten werden. Warum sollte sich der Sieger Frankreich einem ungewissen Ausgang unterwerfen?
IP: 87.180.110.128
 
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5. 08-03-2008 11:54
 
Zukunft
Ob bei Italien oder bei Oesterreich ewiggestrig währt nicht lange: Macht eine Tolomei Gasse und einen Klotz -Platz, somit ist allen Erinnerung getan. 
Es gibt genügend Probleme als dass stets zurückgeschaut werden muss, das fördert nur den Extremissmus!
IP: 81.221.197.93
 
6. 07-03-2008 21:02
 
Deutsch-Tirol
Marci Ausführungen ist ja durchaus zuzustimmen. Mir ist sowieso lieber, nicht von "Tirol" und "Südtirol" zu reden, sondern von Deutschtirol und Welschtirol. Jeder müßte verstehen, was damit gemeint ist.  
Was allerdings die USA-Amerikaner betrifft, einschließlich Weißes Haus, so halte ich sie auch heute noch weithin für reichlich naiv, und weil sie nach dem Einmarsch in Innsbruck 1945 dachten, sie befänden sich in Stuttgart, traue ich ihnen für das Jahr 1920 auch keine bessere geografische Kompetenz hinsichtlich Europa zu. Wilson war möglicherweise recht guten Willens, und damals hatten die Amerikaner schon gemerkt, daß sie in anderen Dingen (Versailles) von Frankreich und England verschaukelt worden waren; und das hatte sie berechtigterweise verärgert. Daß sie sich daher einem Druck dieser Länder beugten, wäre für die USA beschämend gewesen, und ich denke, das hätten sie auch nicht getan, wenn sie in der Sache Tirol nicht auch hintergangen worden wären. Die Folge dieses europäischen Siegerverhaltens war die Splendid Isolation der USA.
IP: 80.109.167.201
 
Georgos Egger
7. 07-03-2008 08:03
 
Unsere Kultur
Ettore Tolomei hatte damals Landkarten gefälscht. Das ist bekannt. 
Er war es, der Tirol als nicht existent darstellte und einfach italienischklingende Ortsnamen erfunden hatte. Innsbruck sollte z. B. Pontena heissen. 
 
Es ist so, dass diese enthnisch-nationalistischen Hasskonstrukte gegen die Deutschen in Süd-Tirol heute leider angenommen werden. 
Durnwalder selbst ist der größte Vertreter dieser kulturellen Säuberung. 
 
Man muss einfach mal festhalten, dass der erste Schritt zur Auslöschung der deutschen Namen und Kultur, die Erfindung und Einführung von neuen (italienischklingenden) Ortsnamen ist. Das hat Tolomei gemacht.  
Wenn man jetzt diese Einführung nicht verurteilt und wieder abschafft, wird sich mit der Zeit das Italienisierungsprogramm Tolomeis und der Faschisten durchsetzen. Das verstehen die meisten Süd-Tiroler nicht.
IP: 62.206.43.50
 
Peter
8. 07-03-2008 01:59
 
Wilson und Süd-Tirol bis heute
Das mit der von Ettore Tolomei gefälschten Landkarte von Tirol aus der Zeit um 1900 ist zwar wahr, aber das ist trotzdem ein Ammenmärchen, dass gerade die Spitzenpolitiker im Weissen Haus und in London es nicht gewusst hätten, dass damals vor 1918 in Süd-Tirol zwischen Brenner und Salurn fast keine Italiener gelebt haben. Der Tolomei war ein verblendeter Nationalist, ein "Vordenker" und Wegbereiter des italienischen Faschismus und ein notorischer Fälscher der Geschichte, der Geographie (Prontuario) und sogar des Sports, da er vorgab Gipfel an der heutigen Grenze Italiens (Vetta d´Italia) zu Österreich erstbestiegen zu haben, die nachweislich von anderen Menschen lange vor ihm bezwungen wurden. Vielmehr waren die USA aufgrund des diplomatischen Drucks aus London und Paris den Italienern im Wort, sie für den damaligen Betrug und Verrat an Österreich-Ungarn im Ersten WK von 1915 mit Annexionen Süd-Tirols ohne Volksabstimmung zu belohnen. Das war auch schon damals um 1918-21 eine übliche Prozedur des Völkerrechtes, dass man bei Grenzänderungen oder Gebietsansprüchen fremder Staaten, die betroffene Bevölkerung selbst im Sinne der Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes nach ihrem Willen gefragt hat. So hat es damals in ganz Europa auf Wunsch vor allem der USA und des amerikanischen Präsidenten Wilson die vielen berechtigten Selbstbestimmungabstimmungen gegeben, z.B. in Nord-Deutschland, heute Syd-Slesvig in Süd-Dänemark, Oberschlesien und Süd-Ostpreussen, in Süd-Kärnten und Burgenland in Österreich, Irland 1921 usw. Nur in Süd-Tirol und im SHS-Königreich Jugoslawien nicht, weil man Italien von der Seite der Siegermächte den diplomatisch geheim versprochenen Preis für die getanen Dienste "auszahlen" musste, und so ist das heutige Land Süd-Tirol zu Italien gekommen und auf die leidvolle "via dolorosa" von der freien und demokratischen Welt geschickt worden. Übrigens, der Zusammenhalt der gesamt-tiroler Bevölkerung nach der neuen Grenzziehung von 1918-20 zwischen Trentino und Deutsch-Südtirol war lange Zeit noch relativ gross und die mentale Trennlinie zwischen Trentino-Welschtirol und Süd-Tirol ist erst später entstanden, vor allem in der Zeit des Duce-Faschismus und der erzwungenen Option, als über 80% der Süd-Tiroler damals nach 1939 gegen Italien optiert haben. Nach dem Zweiten WK hat Rom dann behauptet, es gäbe nur noch ca 15 Prozent deutsche Süd-Tiroler in Alto Adige in Italien im Sinne der Staatsangehörigkeieit, obwohl sich Italien damals vor den Allierten auch verpflichtet hat, die Option zurückzunehmen und ihre Folgen rückgängig zu machen. Also, zuerst hat man den Menschen eine Fremdherrschaft in der eigenen näheren Heimat, in einem Land damals sogut wie ohne Italiener mit Betrug und Gewalt aufgezwungen, sogar wider schon damals übliche Selbstbestimmungsrecht der Völker, man hat dem Land Süd-Tirol 1920 eine grosszügige Autonomie versprochen, was dann kam, das war Italianisierung mit Brachialgewalt und beispiellose Unterdrückung in der faschistischen Duce-Zeit bis 1943. Durch seine Teilnahme am Zweiten WK hat Italien auch als Folge seiner Agressions- und Bündnispolitik das Land Süd-Tirol bis Mai 1945 direkt oder indirekt in die kriegerischen Handlungen einbezogen. Man hat die Menschen mit dieser faschistischen Politik fast in den Wahnsinn getrieben, sodass die meisten sogar die eigene Heimat verlassen wollten, das wertvollste was man als Mensch überhaupt im Leben hat, um endlich in Ruhe und weg von diesem Regime leben zu können. Nach Ende des Krieges 1945 meinte man in Italien und bei den Freideskonferenzen, nicht wir, sondern die Süd-Tiroler sind an allem schuld, daher sie verdieden die Selbstbestimmung gar nicht. Das Königreich Italien hat die Menschen in Süd-Tirol nach 1920 auf einen ethnischen Todesmarsch geschickt, und das ohne einen erkennbaren Grund und irgendein Verschulden auf der Seite der Süd-Tiroler selbst. Diesen aufgezwungenen Marsch hat erst der Widerstand der Süd-Tiroler unter bürgerkriegsähnlichen Zuständen der 50er und 60er Jahre gestoppt, und Rom musste endlich die Autonomie erlauben, die man in Paris 1946 den Süd-Tirolern, dem Vaterland Österreich und vor dem Rest der Welt hoch und heilig versprochen hat. Dafür brauchte Italien aber weit über 40 Jahre lang Zeit bis 1992, und diese Autonomie ist heute immer noch oft genug halbherzig und unvollständig. Im Pariser Autonomievertrag von 1946 hat man zum ersten mal von einem abgesteckten Territorium der Süd-Tiroler im heutigen Sinne gesprochen, und nach Sigmundskron von Nov. 1957 wurde das auch eine fixe politische Grösse. Das alte Land Deutsch-Tirol befand sich seit Urzeiten als Paßland auf beiden Seiten des Brenners und unter Südtirol verstand man vor 1918 eigentlich nur das Land Tirol ab Völs, Bozen, Salurn, Kaltern, Tramin, also im geographischen Sinne, bis hin an die Berner Klause bei Rovereto, wo die damalige Grenze der Österreichischen Monarchie und die des ungeteilten Landes Tirol seit über 600 Jahren bis 1918 war. Nach dieser Teilung, die man in ganz Tirol und im Rest Österreichs damals und eigentlich auch heute immer noch, als eine noch nie dagewesene geschichtliche Niederlage und Katastrophe empfunden hat, musste man erst einen neuen Namen für das deutschsprachige Land Tirol südlich des Brenners finden, daher heisst langsam seit 1920 das Land Tirol südlich des Brenners eben Südtirol. Das Königreich Italien konnte zwischen 1912 und 1920 mehrere nicht italienische Gebiete in seiner Nachbarschaft mit ähnlichen Methoden wie bei Süd-Tirol annektieren, die auch nie von Italienern bevölkert waren, so die griechischen Dodekanes-Inseln mit der Insel Rhodos und später nach dem Zusammenbruch der Österreichischen Monarchie, die von Slawen bewohnten Länder Istrien und teilweise auch Dalmatien und Deutsch-Südtirol. Allerdings etlang der Adriaküste lebten bis Zara/Zadar in Dalmatien vorwiegend Italiener, die später aus ihrer angestammten Heimat bis nach 1945 von den Tito-Partisanen gewaltsam vertrieben wurden, im Hinterland lebten aber mehrheitlich Kroaten und Slowenen. Die Griechen und die Jugoslawemn haben sich von dieser unwillkommenen Fremdherrschaft Italiens nach dem Zweiten Weltkrieg nach grausamen kriegerischen Auseinandersetzungen und nach Abhaltung der Selbstbestimmungreferenden befreien können. Die gelungene Selbstbestimmung der griechischen Dodekanes-Inseln von Italien und die Rückkehr zum Vaterland Griechenland nach 1945/46 wird gerade in ihrer Bedeutung für Selbstbestimmung Süd-Tirols übersehen und meistens völlig vergessen, dabei ist Griechenland auch ein Teil von Europa, genauso wie Österreich. Das Land Süd-Tirol hat bis heute diese Möglichkeit der Klärung der Frage der Selbstbestimmung nie bekommen, obwohl die Süd-Tiroler in der Petition von April 1946 an das Vaterland Österreich, damit auch an die Allierten, an die freie und demokratische Welt, die Völkergemeinschaft um dieses Menschenrecht angefleht haben. Vor fast zwei Jahren 2006 hat eine neue Selbstbestimmungpetition diesmal der 99 Prozent der südtiroler Bürgermeister an den Österreichischen Nationalrat in Wien an die Verweigerung dieses ersten Menschenrechtes für das Land und Volk der AP Bozen Südtirol bis heute durch Italien erinnert. Die Landespolitik und Landesregierung in Bozen befinden sich daher vor eigener Bevölkerung in politischer und moralischer Verantwortung die Klärung dieser Frage mit friedlichen und demokratischen Mitteln in einem Europa freier und selbstbestimmter Völker nach Kräften zu fördern und zu unterstützen, zu dem auch Italien und das Österreichische Vaterland gehören. Andere Völker in Ost und West auf unserem Kontinent zeigen es mit ihrer Politik deutlich, dass Selbstbestimmung politisch möglich ist, dort wo sie geschichtlich, ethnisch, sprachlich und kulturell auch begründet ist. Man würde meinen, das alles trifft auch im Falle von Süd-Tirol zu, und Selbstbestimmung als politisches Ziel befindet sich dazu in fast allen Programmen der Parteien der Autonomie der 3/4 Bevölkerungsmehrheit der AP Bozen Südtirol, vor allem aber der regierenden Edelweisspartei.
IP: 195.3.113.176
 
Markus A.
9. 06-03-2008 19:00
 
Sache der Moral
Im gymnasialen Geschichtsunterricht, den ich in der Gesamttiroler Hauptstadt Innsbruck genießen durfte, lernten wir, daß nach dem Ersten Weltkrieg Italien den Amerikanern (Wilson) eine gefälschte Landkarte vorlegte, auf der alle deutschtirolerischen topografischen Bezeichnungen bis zur späteren Brennergrenze hin auf Italienisch wiedergegeben waren. Auf diese Weise führte Italien die USA hinters Licht, denn Wilsons Administration war bestrebt, die nationale Landzuteilung gemäß der Volkszugehörigkeit der Bewohner zu regeln. Auf diese Weise getäuscht, stimmten die USA der Brennergrenze zu.  
Gemäß einem Minimum an Moral müßte dieser Sachverhalt alleine einen hinreichenden Grund darstellen, das Selbstbestimmungsrecht endlich auszuzüben (vgl. die ausweichende und für mich in keiner Weise nachvollziehbare Stellungnahme der SVP).
IP: 80.109.167.201
 
Georgos Egger

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