Kaiserjägerdenkmal sei eine „unnötige Provokation“!
Freitag, 27. Januar 2012

ivo_hechensteiner_500.jpgDiese Aussage machte nicht etwa der Nachfolgefaschist Urzí, sondern unser Landeshauptmann Luis Durnwalder. Diese Aussage kann man so nicht stehen lassen, sie stellt eine nicht nachvollziehbare Ungeheuerlichkeit dar, gerade im Gedenken tausender Südtiroler Kaiserjäger, die den Verrat Italiens mit dem Leben bezahlen mussten.

Hat der Landeshauptmann keinen Großvater gehabt, der die Heimat an der Südfront verteidigen musste, oder eine Großmutter, die, weil alle wehrfähigen Männer im Alter von 17 bis zu 70 Jahren eingezogen waren, Haus und Hof unter unsäglichen Opfern halten musste?

Dazu kam noch, dass hunderte Südtiroler um Haus und Hof kamen, weil nach Kriegsende zu allem Elend Italien die Südtiroler wirtschaftlich abwürgte und als Draufgabe hunderte Hektar Gründe den Bauern enteignete, um Kasernen, Wehr- und Industrieanlagen zu bauen.

Wer provoziert also mehr, der die Südtiroler verachtende Faschistentempel oder das von Blut und Tränen getränkte, von den Faschisten am selben Platz zerstörte, halbfertige Kaiserjägerdenkmal?

Die oben gemachte Aussage kann man nicht kleinreden. Nimmt man die Äußerung dazu, dass man das sinkende Schiff Italien nicht verlassen wird, hat man die Bestätigung, dass an der preußischen Romtreue der SVP nicht zu rütteln ist.

Ein Trostpflaster bleibt noch: Die Liberalisierung Montis macht aus der Vollautonomie einen wertlosen Papierfetzen.

GR Ivo Hechensteiner
St. Pauls


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Kommentare (13)
1. 30-01-2012 16:16
 
@ Hartmuth Staffler
Vielleicht haben Sie noch ohne Absicht vergessen zu erwähnen, dass die im 20. Jhdt. von Italien entfesselten imperialistischen Angriffskriege unvorstellbares Leid über andere Länder und Völker sowie auch über die eigene Bevölkerung gebracht haben. 
 
Allein im Ersten Weltkrieg an der Front zu Österreich sind zirka 660 tausend italienische Soldaten gefallen, von Verwudneten und materiellen Schäden ganz zu schweigen. Man fragt sich für was, für Länder die gar nicht von italienischer Seite "erlöst" werden wollten und die bis heute noch darunter sehr leiden?  
 
Das gilt ebenso für ganz Tirol vom Brenner über Salurner Klause bis nach Rovereto und Ala, genauso für Triest, Gorizia, Istrien oder Dalmatien.  
 
Die in allen Zeiten sehr Österreich treuen italienischen Triestiner sagten z.B. 1918 unisono, geht Österreich von hier, dann wird in unserem Hafen bald Gras wachsen und wird werden Not leiden. So ist es auch gekommen. In diesem Raum herrschte Österreich Jahuhderte lang bis 1918, ohne auf Widerspruch zu stossen. Italien gelang aber hier ein sonderbares Kunststück, nämlich bereits nach über 20 Jahren der eigenen Herrschaft hat man dieses Land größteteils verspielt und die Italiener, die über unzählige Generationen als italienische Österreicher in ihrer angestammten Heimat glücklich und zufrieden gelebt haben, wurden allersamt vom neuen Nachfolgestaat vertrieben. Dazu hat noch nur um Haaresbreite Italien 1945 beinahe auch Triest oder sogar Udine an Tito-Jugoslawien verloren. Triest ist erst aufgrund einer Abstimmung 1954 wieder an Italien zurückgegeben worden. Die Tito-Partisanen haben zuerst dieses Gebiet in dem von Italien dort begonnen Krieg besetzt, von dort haben sie nicht die Italiener vertrieben, sondern die Engländer, und diese Schlacht wieder einmal für das in allen Zeiten äusserst unfähige italienische Militär gewonnen. Gegen Ende des ersten Weltkrieges war das auch nicht anders, dieser wurde von der amerikanischen Armee in Europa und damit auch für Italien gewonnen. 
 
Die Schwäche des Nachbarlandes nutzend hat Italien sogar Frankreich im Juni 1940 überfallen, um "aus dem Mittelraum auszubrechen". Die rund um die Stadt Nizza erlittene Niederlage war für Duce in Anbetracht der Kräfteverhältnisse so vernichtend, dass man sie bis heute im Stiefelstaat verschweigt, dieser imperiale Eroberungszug dauerte nämlich dort nicht einmal zwei Tage, denn die wenigen überraschten Franzosen kamen mit der italienischen Herausforderung dieser Art leicht zurecht.  
 
Ähnliches berichtet uns die Geschichtsschreibung des Zweiten Weltkrieges vom Balkan, wo auch andere Freunde Roms, die man sich je nach politischer Grosswetterlage aussuchte, die von diesem staat entfesselten Kriege für Italien vorübergehend "gewonnen" haben. 
 
Die aus reiner imperialer Eroberungsgier entfesselten Kriege in Afrika, dazu gehören auch die vielen Giftgaseinsätze gegen gegenerische Soldaten aber auch Zivilisten, sind ein eigenes Kapitel.  
 
Dieser furchtbaren eigenen Geschichte hat sich Italien meiner Meinung nach noch nie oder nicht ausreichend gestellt und sie wie andere Völker und Länder in Europa aufgearbeitet, dazu gehört auch die ohne ersichtlichen Grund erfolgte Annexion des deutschsprachigen Landes Tirol südlich des Brenners gegen den bis heute noch eindeutig feststellbaren Willen der betroffenen Bevölkerung, die ebenfalls in der neueren Geschichte an Vergleichsbeispielen erfolglos sucht. Derartige Akte der Umenschlichkeit setzten oder setzen noch fast ohne Ausnahme totalitäre Regime. In Süd-Tirol versucht nach meiner Auffassung Italien bis heute mehr oder weniger erfolglos, die eigene Auffassung von der Geschichte und der Gegenwart durchzusetzen. Dazu gehören leider bis heute all die gehegten und gepflegten Relikte des Duce-Faschismus am Süd-Tiroler Boden aber auch die frei erfundenen italienischen Flur- und Orts- Phantsienamen in der Provinz Bozen. Es besteht dennoch ein Grund zur Zuversicht, denn keine Fremdbestimmung kann für immer andauern, denn der Freiheitswille der Menschen und der Drang danach ist viel stärker als alles andere in der Welt. Sogar die letzten über 20 Jahre sind randvoll mit solchen Beispielen der gelungenen Selbstbestimmungen gerade aus Europa.
 
Markus Anton
2. 29-01-2012 15:05
 
Wolfgang Schimank
Die SVP sagt gebetsmühlenartig, dass sich keine Volksgruppe benachteiligt fühlen soll. Wenn es wirklich so wäre, dann müßten entweder alle Denkmäler geschliffen werden oder es müßte ein neues Kaiserjägerdenkmal errichtet werden (getreu dem Motto von Friedrich dem Großen "Ein jeder soll nach seiner Facon selig werden!"). 
Nun ist es aber so, dass das Kaiserjägerdenkmal der bei der Verteidigung gefallenen Soldaten gedenkt. Das Siegesdenkmal soll aber an die italienischen Soldaten erinnern, die beim Überfall auf Südtirol ihr Leben gelassen haben. Obendrein werden die Opfer verhöhnt. -Das zu errichtende Dokumentationszentrum hat nur eine Alibifunktion. Dadurch soll der Abriß verhindert werden. 
Es ist schon sehr traurig, was die SVP ihren eigenen Landsleuten zumutet. 
Zuerst könnte man denken, dass die Aussage des Landeshauptmannes ein Ausrutscher ist. Aber sein "Aufruf" an die Südtiroler, Italien finanziell zu unterstützen (Aufruf zur Nibelungentreue!) zeigt, dass die SVP und die Landesregierung treue Vasallen Roms sind. -Man sollte bedenken, dass die Südtiroler nicht darum gebeten haben, Bestandteil Italiens zu sein! 
Desweiteren frage ich mich, ob Herr Durnwalder keine Großeltern hatte, die unter dem italienischen Faschismus gelitten haben.
 
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3. 29-01-2012 13:33
 
Objektiv zur Kenntnis nehmen
@joggl 
Italien hat am 23. Mai 1915  
 
UNS ÖSTERREICHER/SÜD-TIROLER 
 
den Krieg erklärt, 
Tirol bis ins Inntal besetzt und bis zum Brennerpass annektiert. 
Dieses Kriegsverbrechen sollte man objektiv zur Kenntnis nehmen. 
 
Deutsch Süd-Tirol wurde als österreichisches Kronland und Kriegsbeute bzw. Belohnung an rücksichtslos gegen jede Vernunft an Italien verschachert.
 
Gesamttiroler
4. 29-01-2012 11:11
 
Zum Thema Verrat
@ joggl 
Es ist eine unumstößliche Tatsache (für Hobby-Historiker ebenso wie für Profis), dass Italien am Pfingstsonntag des Jahres 1915 Österreich und damit unser Tirol angegriffen hat und nicht umgekehrt. Natürlich kann man einen Vertrag kündigen, aber die schwierige Situation eines ehemaligen Bundesgenossen auszunutzen und ihn zum Zwecke der Gebietseroberung anzugreifen, wird nun einmal üblicherweise als "Verrat" bezeichnet. Man könnte auch die Wörter "Gemeinheit", "Hinterfotzigkeit", "Charakterlosigkeit" usw. verwenden. Italien hat übrigens im Laufe seiner unrühmlichen Geschichte ausschließlich Angriffskriege geführt (z.B. 1911 gegen die Türkei (mit folgendem Bürgerkrieg unter Einsatz von Giftgas in Libyen bis 1933), 1935 gegen Äthiopien (massiver Giftgaseinsatz), 1936 gegen Spanien, 1939 gegen Albanien, 1940 am 10. Juni Kriegserklärung an Frankreich und England, am 28. Oktober Überfall auf Griechenland, 1941 am 23. Juni Kriegserklärung an die Sowjetunion. Und zur italienischen "Kultur" gehört eben auch, dass man die eigenen "Heldentaten" im Umbringen von Frauen und Kindern glorifiziert, die Gefallenendenkmäler der Gegner aber zerstört.
 
Hartmuth Staffler
5. 28-01-2012 14:28
 
...
@peter und wolfgang 
 
über recht und unrecht hab ich nicht urteilen wollen. 
natürlich haben die italiener aus eroberungstechnischen gründen die seite gewechselt, daran zweifle ich nicht. nur ist halt die darstellung des verrats wie ihn herr hechensteiner formuliert zu einfach und als solcher falsch. 
und dieses historische faktum muss man einfach objektiv zur kenntnis nehmen, auch wenn man mit der politischen lage in südtirol bzw. italien nicht zufrieden ist.
 
joggl
6. 28-01-2012 10:48
 
Nicht nur...
Nicht nur Soldaten der Kaiserjägerregimenter haben mit dem Leben bezahlt, auch Stand- und Landesschützen, und noch viele andere Angehörige verschiedener Truppenkörper. 
 
Das nur zur Klarstellung.
 
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7. 28-01-2012 10:47
 
Neo-Faschismus in Südtirol
Für die SVP ist unsere Süd-Tiroler Kultur wohl zu einer lästigen Provokation geworden. 
Derart machtverwöhnt, selbstherrlich und realitäts- und demokratieblind regiert die Volkspartei bereits in Südtirol, dass sie nicht mal mehr unsere Geschichte respektiert. 
 
Nicht verwunderlich wäre, wenn die Volkspartei auch unsere Orts- und Flurnamen und unsere deutschen Sprache als Provokation ansehen würde. 
Das nennt man einen glatten Kniefall vor dem Neo-Faschismus in Südtirol.
 
Gesamttiroler
8. 28-01-2012 08:04
 
müßig
Ich glaube es ist müßig heute noch um den Grund des Vertragsbruches Italiens zu diskutieren. 
@joggl: ich als Freizeithistoriker bin der Meinung (und nicht nur ich) dass Italien rein aus eroberungstechnischen Gründen den Dreibund aufgelöst hat und sich mit dem Londoner Geheimvertrag slawische Gebiete an der Adria gesichert hat, die aus dem Zerfall des KUK-Imperiums herausschauen würden.  
Soviel zum Thema Bündistreue. Reine Eroberungsgedanken bewegten Italien auf die im Nachhinein gesehen richtige Seite. 
Dass dabei auch wir Südtiroler Opfer dieser Strategie wurden ist für unser Land wohl nicht die Sternstunde seiner Geschichte, kann aber 100 Jahre später viell. wieder ausgeglichen werden, indem Südtirol dem Vorbild und Mut Schottlands folgt und endlich seinen Zukunft selber in die Hand nimmt: was anderes als ein eigenständiger Staat kann das Ziel sein in Anlehnung an der Schweiz mit einer 3 sprachigen Bevölkerung und einer direktdemokratischen Verwaltung?
 
peter80
9. 27-01-2012 16:54
 
Geschichte nach Art der SVP
Verzeiht die provokante Frage: Aber wie lange wird es noch dauern, bis der Gebrauch der deutschen Sprache (wieder) als Provokation empfunden wird? Mit so duckmäuserischen Politikern wie Herrn Durnwalder darf man sich das zu recht fragen. 
 
@ joggl 
Wo bleiben die Fakten, die Ihre These untermauern?! 
Aber geben Sie sich keine Mühe. Selbst wenn Sie (teilweise) Recht hätten, man kann aus einem Vertrag aussteigen bzw. ihn brechen, aber das rechtfertigt noch lange nicht, dass man dem ehemaligen Verbündeten in den Rücken fällt und Krieg gegen ihn führt. Und wenn Sie sich noch so winden und die Tatsachen verdrehen wollen. Die Annektion Süd-Tirols bleibt Unrecht. Das müssten Sie (als angeblicher Fachmann) doch am besten wissen? Oder sind in Wirklichkeit nicht doch eher Sie der Möchtegern-Historiker?
 
Wolfgang K.
10. 27-01-2012 13:44
 
...
Ich störe mich an der Phrase "Verrat Italiens". Dies ist eine historische Vereinfachung. Denn die Italiener waren durch zahlreiche Vertragsbrüche der Österreicher nicht mehr verpflichtet Verträge einzuhalten, weshalb Verrat eine Tatsachenverdrehung ist. 
 
Ich höre schon wie eine Horde von Freizeit-historikern jetzt meine Aussage zu zerreißen versuchen werden. Aber wer objektiv den Lauf der Geschichte beobachtet kann so leid es mir auch für euch tut, die Verläufe zum Beginn des 1. Weltkriegs nicht so darstellen, wie es Herr Hechensteiner gerne tut.
 
joggl
11. 27-01-2012 13:37
 
Man kommt da einfach nicht weiter.
Reden nützt da nichts mehr. Die große Wortlosigkeit zwischen den Ansichten, die in Süd Tirol anlässlich der Option offen ausbrachen sind weiterhin vorhanden und werden weiterhin gepflegt. 
 
Wie kann man unter dem Vorwand der Aufarbeitung und Dokumentation von Geschichte das Siegesdenkmal herausstellen wollen, die Ruinen, auf denen dieses Siegesdenkmal errichtet wurden jedoch übergehen. 
 
Das hat mit Geschichte nichts, mit Gängelung durch Fälschung der eigenen Geschichte schon eher zu tun. Erstaunlich, wer da in dieser Weise sich äußert, und auf wie viel Duldung durch seine Anhänger er dabei rechnen kann. Das dies Süd Tiroler Mitbürger auch provozieren könnte ist offenbar nicht zu erwarten. Das hat man im Griff. 
 
Die gesteuerte Zerrissenheit der Süd Tiroler macht sie anfällig, und dies erst macht sie zu Opfern der eigenen Leute.Schlimm, wenn man sich eingestehen muss, an wem man scheiterte. 
 
Am Ende wird ein freies Süd Tirol stehen, da bin ich mir sicher, auch wenn es nicht aus eigener Kraft herbeigeführt wurde.
 
EEkat
12. 27-01-2012 13:31
 
Man kommt da einfach nicht weiter.
Der LH ist meines Erahtens nicht mehr tragbar.
 
Markus
13. 27-01-2012 12:26
 
Das wahre Gesicht
Das wahre Gesicht der SVP. 
http://img4web.com/view/78NHQH
 
Demokrat

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