Klausurtagung der Landesregierung: Autonomie ist keine Zukunftsperspektive für Süd-Tirol
Donnerstag, 26. Januar 2012

sven_knoll1.jpgAngesichts der Tatsache, dass die Süd-Tiroler Landesregierung inzwischen schon Notstands-Klausurtagung einberufen muss, um über die gezielte Missachtung des Autonomiestatutes durch die Regierung Monti zu beraten, sollte der Bevölkerung und der Politik zu denken geben, dass die Autonomie nicht länger imstande ist, Süd-Tirol eine gesicherte Zukunft zu gewähren. Es bedarf daher neuer Zukunftsperspektiven, die über die Autonomie hinausreichen, so Sven Knoll, Landtagsabgeordneter der SÜD-TIROLER FREIHEIT.

Die Süd-Tirol-Autonomie war eine akzeptable Übergangslösung, die dem Land durch den Fleiß der Bevölkerung einen respektablen Wohlstand beschert hat. Sie ist jedoch nicht dazu geeignet, das Hauptproblem Süd-Tirols -nämlich die Zugehörigkeit zum italienischen Staat- zu lösen. So lange Süd-Tirol zu Italien gehört, so lange ist die Zukunft Süd-Tirols ungewiss und die Politik mit einem täglich Kampf um den Erhalt der Rechte beschäftigt. Dieser endlose Kampf ist nicht nur kräfteraubend, sondern hindert Süd-Tirol langfristig auch in seiner wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung.

Nur weil sich die SVP eine Zukunft Süd-Tirols ohne Italien nicht vorstellen kann, heißt das nicht, dass diese deswegen nicht realisierbar sei.
Bestes Beispiel dafür ist ganz aktuell Schottland. Dort wird ein Selbstbestimmungsreferendum vorbereitet, um sich vom Vereinigten Königreich abzuspalten. Weder in Großbritannien, noch in der EU ertönt dagegen ein Aufschrei, sondern die Abhaltung eines Selbstbestimmungs-Referendums  in Schottland wird von allen akzeptiert.

Wenn Schottland mittels Selbstbestimmung seine Freiheit erlangt und andere europäische Regionen wie Katalonien folgen, wird die SVP in arge Argumentationsschwierigkeiten kommen, warum die Selbstbestimmung in ganz Europa möglich ist und nur Süd-Tirol mit Italien untergehen soll.


L.-Abg. Sven Knoll
SÜD-TIROLER FREIHEIT

 


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Kommentare (13)
1. 30-01-2012 22:54
 
@ Sepp Lintner
Die Geschichte von Elsass ist eine andere als die von Süd-Tirol. Frankreich ist es scheinbar gelungen, dieses Land und sein Volk im eigenen Staat und in der "Grande Nation" dauerhaft zu integrieren, was in Italien in ST sicherlich bis heute nicht der Fall ist. Die Geschichte des Landes Tirol südlich des Brenners erinnert vielmehr an die des Saarlandes, mit dem Unterschied, dass dieses 1957 von F. zu D. als damals 10. jüngstes Bundesland zurückgekehrt ist.  
 
Auch hier im Elsass gilt ein Grundsatz, niemand sollte gegen seinen Willen zu seinem Glück gezwungen werden, weder von D. noch von F. Scheinbar sind die Menschen dort mit ihrer Situation heute zufrieden, sonst würden sie sich von alleine laut zu Wort melden. Frankreich behandelt historisch gesehen aus der jakobinisch-zentralistischen Tradition heraus seine Minderheiten ganz anders als der Rest der Staaten in Europa. In der modernen Zeit gibt es in diesem Staat die Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners in Hinblick auf die Minderheiten, d.h. dem Staat genügt es, wenn eine Minderheit das Staatsganze nicht infrage stellt, mehr nicht, dann kann sie im eigenen Land tun und lassen was sie will.  
 
Jede ethnische Minderheit ist zuerst sie selbst ihres Glückes Schmied, und wie gesagt, man sollte ihr vielleicht nicht fertige Lösungen mit Gewalt aufzwingen. Das hat einmal Preußen und später Kaiserreich Deutschland lange genug versucht und ist historisch gesehen daran nach dem Ersten Weltkrieg wie es scheint dauerhaft gescheitert.  
 
 
Sie fragen warum Italien im Ersten oder auch Zweiten WK einen Schwenk vollzogen hat, das müsste ja allegemein bekannt sein, weil man auf der Seite der Sieger beim Verteilen der Beute wieder einmal sein wollte. Das gelang nach 1918, was nach 1945 nur schwer möglich war, mit einziger Ausnahme, nämlich von Süd-Tirol als Folge der verheerenden Wirkung der von beiden Diktauren erzwungenen Option, wo weit über 80% der St-ler gegen Italien und für das Dritte Reich nach 1939 optiert haben. Das haben die Siegermächte des Zweiten WK nicht vergessen, genauso wenig wie auch im Sudetenland, mit allen schrecklichen Folgen für die betroffene Bevölkerung. 
 
 
Ich bin persönlich der Meinung, dass man diese drei Themenkreise miteinander nicht vermischen sollte. Für die Süd-Tiroler ist bekanntlich zuerst einmal das Vaterland Österreich und das Land Tirol zuständig, für die anderen das Nachbarland der Österreicher und damit der Tiroler nämlich Deutschland. Diese zwei Länder haben trotz gmeinsamer Sprache und der Zugehörigkeit zur gemeinsamen Deutschen Kulturnation (in Europa gibt es mehrere ähnliche Gemeinschaften dieser Art, wie Englische, Franz., Scandinav. Kulturnation etc.) eine andere Geschichte und einen anderen Zugang zu Fragen des Minderheitenschutzes. Vielleicht deswegen sind die Süd-Tiroler bis heute die einzige deutschsprachige Midnerheit in Europa, die sich dauerhaft in der eigenen angestammten Heimat unter den sicher sehr schwierigen Bedingungen der Fremdbestimmung behaupten und sogar unter besonderen Umständen eine bescheidene Autonomie erkämpfen konnte.  
 
Der Status von ST vor dem Völkerrecht ist auch eindeutig ein anderer, da hier der Pariser Vertrag mit Österreich existiert, mit Vollversammlung der UNO als allerletzte Schiedsinstanz bei Konflikten um die Interpetation der verbrieften Rechte der Minderheit, und wo sogar in der Theorie gegen den Willen Roms Italien die zwingende Selbstbestimmung für Süd-Tirol vorgeschrieben werden kann, wenn die Vollversammlung der UNO einmal mit einfacher Mehrheit mit entsprechender Begründung aus Österreich oder aus ST dafür stimmen sollte. Diese grundlegende Verbesserung der Lage der St-ler hat nämlich Österreich 1946 vor allem bei den Alliierten erkämpft und mit Italien diesen Vertrag abgeschlossen. Die Geschichte seit damals bis heute ist allgemein bekannt, und wie wir wissen, sie macht niemals Pausen, sodnern sie geht weiter.
 
Markus Anton
2. 30-01-2012 21:44
 
Wie autonom ist heute Elsass
@Markus Anton, Sie kennen sich ja gut aus. Elsass hat ja früher auch zu Deutschland gehört und die sind heute noch teils deutschsprachig. Man hört nichts, dass diese Minderheit in Frankreich wieder zurück möchte. Warum heute Südtirol zwangsweise zu Italien gehört, hat meines Wissens in Elsass begonnen. 1916 wäre der 1. Weltkrieg schon fast beendet gewesen. Deutschland hat dann versucht, Elsass wieder zurück zu erobern. Unser Kaiser hat eingewilligt und das war dann der Startschuß für die Italiener Süd und Welschtirol vom Süden her anzugreifen. Dieser Stellungskrieg blieb unentschieden.  
 
Nach den Friedensverhandlungen in St.Germain begann die Tragiöde für Südtirol und Elsass verblieb bei Frankreich. Einen Krieg verlieren hat schon oft viel Unheil gebracht. Der 2.noch größere Krieg hat bis auf in Tchechien aus heutiger Sicht die Grenzen weniger verschoben. Vielleicht wissen Sie mehr, warum Italien damals den Schwenk gemacht hat?
 
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3. 30-01-2012 10:06
 
@ Scott
... und Schottland hat auch eine eigene Notenbank, autonome Verwaltung, größte Steuerautonomie, eigne Briefmarken, Postverwaltung, eigene Fahne, Wappen, Hymne, Infrastruktur-, Strassen- und Eisenbahnverwaltung, Polizei, Gerichtsbarkeit, vom Staat völlig unabhängige Kulturpolitik, Landeshochheit bei Frage der Namensgebung für Flur- und Ortsnamen, sogar traditionell eine eigene christliche Konfession, ist autonom in vielen Sportarten, hat eigne Autokennzeichen und Landesaufkleber auf Fahrzeugen "SCOT" gleichberechtigt mit "GB", eine eigene Herkunftsbezeichnung "Made in Scotland", etc. Monumente oder geschichtliche Überbleibsel des Nationalismus aus England werden in Schottland nicht geduldet. Soetwas landet dort im Museum, auf dem Misthaufen oder im Depot. 
 
 
Was hat aber im Vergleich dazu die "weltbeste Autonomie Hochetsch" zwischen Nord-Afrika und Mittel-Europa an vergleichbaren Zuständigkeiten aufzuweisen? Eigentlich dürfte man nur diesen Landesnamen verwenden, da der angestammte und daher einzig richtige Name "Süd-Tirol" nur in Vulgo-Form und dazu für inneren Gebrauch der Eingeborenen der Kolonie vom Stiefelstaat geduldet wird und damit auch infoziell für den Gebrauch zugelasssen ist. In Italien werden nicht einmal Süd-Tiroler Produkte als solche vermaktet, sondern tragen bis heute die faschistische und irreführende Bezeichnung "Alto Adige". Wenn man danach urteilen wollte, ist das ganze eigentlich nur eine italienische Mogelpackung mit verteilten Rollen, um nur noch mehr Zeit für weitere Italianisierung dieses widerspenstigen Landes und seines Volkes zu gewinnen, mehr nicht.  
 
Wie eine echte Autonomie aussieht, dazu eine in einem modernen Staat der EU, die einem Land von diesem Staat ohne Bürgerkrieg aus völlig freien Stücken gewährt wurde, davon kann man sich in Europa nicht nur in Schottland bei Bedarf überzeugen. Vorausgesetzt, man träumt vor allem in der Politik nicht autistisch von etwas weiter, was gar nicht in der Realität existiert, aber das ist eine andere Frage.
 
Markus Anton
4. 30-01-2012 04:50
 
@ Scott
Schottland hat sogar eigene Banknoten!
 
scott
5. 27-01-2012 14:22
 
Grüße
Auch die Schottische Nationalpartei (SNP) war nicht immer so erfolgreich wie zur Zeit. Aber ähnlich wie im kanadischen Quebec ab den 1970er/1980ern gibt es auch in Schottland immer mehr Bürger, die sich ihrer eigenen Geschichte und Identität bewusst geworden ist.  
 
Ich komme aus dem deutsch-dänisch-friesischen Grenzland, habe Freunde aus allen drei hier lebenden Volksgruppen und weiß, dass kulturelle und/oder administrative Autonomie nur funktioniert, wenn wirkliche gleiche Bedingungen sowohl für Mehrheit als auch für die Minderheiten gelten. Und letztendlich muss der Souverän (also die Bürger) selbst bestimmen dürfen. Von daher würde ich mich über eine Volksabstimmung in Südtirol (ähnlich wie wohl bald in Schottland oder wie auch in Südschweden/Schonen gewünscht) freuen und wünsche den Südtirolern alles Gute !! Janne
 
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6. 27-01-2012 12:31
 
@ Sepp Lintner
England war nie und ist es auch heute nicht ein Mutterland von Schottland, übrigens genauso wenig wie Italien im Falle von ST!  
 
Die Schotten mögen bedingt durch die Geschichte ihre Ursprache fast überalll im eigenen Land verloren haben, aber nicht den eigenen unverwechselbaren ethnischen Charakter und den Willen zu Selbstbestimmung. Der wacht sogar nach 300 Jahren auf und ist heute lebendiger denn je, derartige Beispiele kann man überlall in der Geschichte der Völker in Europa finden.
 
Markus Anton
7. 27-01-2012 12:19
 
@ an alle
@ an alle 
 
Das Beispiel der Selbstbestimmung aus Schottland zeigt deutlich, dass es für eine Autonomie in einem Staat der alten EU bereits seit Jahrzehnten durchaus auch realpolitisch gegen die Widerstände des jeweiligen Staates möglich ist, die eigene Selbstbestimmung auf dem friedlichen und demokratischen Wege zu betreiben und wahrscheinlich auch in absehbarer Zeit zu erreichen.  
 
Das hat bis jetzt die SVP in Süd-Tirol immer verneint, und zwar nach dem Motto, wir hätten auch so gern, aber Italien lässt uns nicht. Jetzt wird das nicht mehr so einfach sein, warum die friedliche und demokratisch legitimierte Beantwortung der eigenen Frage der Selbstbetimmung für ST nicht möglich sein sollte, das muss die Partei an der Macht in Bozen den eigenen Menschen erklären. 
 
Der heute amtierende Landeshauptmann sagte öfters bei passenden Gelegenheiten sinngemäß, man kann nicht gleichzeitig Selbstbestimmung und Autonomie verlangen, d.h. so lange sich Rom an den Pariser Vertrag mit Österreich hält, besteht für die SVP in dieser Frage kein Grund zum Handeln, sollte sich das einmal ändern, dann schaut die lage anders aus. Darüber hinaus meinte er, sollte irgendwann in der EU möglich sein, dass eine Autonomie eines Mitgliedstaates mit Zustimmung der EU Gremien ihre Zukunft auch die der Ausübung der Selbstbestimmung frei wählen darf, dann sei seine SVP die erste Partei in ST, die gefragt wird, hier politisch zu handeln. Viele habe vielleicht diese Bemerkungen des LH schon vergessen, an die man jetzt ihn erinnern darf. 
 
Heute sind diese beiden Voraussetzungen der SVP für die Politik der Selbstbestimmung in das politische Leben von ST eingetreten, nämlich, Italien hält sich aus bestimmten Gründen schon lange und grob fahrlässig nicht mehr an die Bestimmungen der Autonomie im Finanzausgleich und die Selbstbestimmung einer Autonomie auf der Ebene der EU ist durchaus vorstellbar geworden, wie wir uns jetzt davon im Falle von Schottland überzeugen können.  
 
 
Dazu gibt es noch zu bemerken, dass Schottland, im Gegensatz zu ST in Italien, die eigene Autonomie seinerzeit aus freien Stücken von London geschenkt bekommen hat, diese ist dort sicherlich nicht bedroht, aber die größte Partei dieses Landes macht dennoch eine klare Politik der Selbstbestimmung für das eigene Land.  
 
Die Ausrichtung der Selbstbestimmung der Süd-Tiroler war bis jetzt immer eine andere, als z.B. in Schottland oder Katolonien. Hier ist es immer um die Wiederherstellung der von Italien 1919 zerbrochenen Landeseinheit in Tirol in senem deutschsprachigen Teil, oder zumindest um die Rückkehr des Landes Süd-Tirol zu seinem Vaterland Österreich, vielleicht als neues 10. Bundesland.  
 
Dass dieser breite Wunsch der Bevölkerung einer Autonomie nicht ausssichtlos ist, das zeigt z.B. die Geschichte der Selbstbestimmung des Saarlandes, das ebenfalls wie ST von seinem Vaterland 1919 abgetrennt und an Frankreich angegliedert wurde. Nach einer wechselvollen Geschichte hat Paris diesem Land bereits 1956 aus freien Stücken eine Vollautonomie angeboten, diese haben die Menschen dort in einer Abstimmung abgelehnt, daher zog man daraus die einzig mögliche Konsequenz. Das war die Gründung eines neuen damals jüngsten 10. Bundeslandes der BRD und im beiderseitigem Einvernehmen seine geordnete Rückkehr zu Deutschland, was 1957 auch geschehen ist. Auch das ist nämlich die Geschichte der EU, wo ein Land wie Deutschland weder die Saarländer noch die Deutschen im Osten in einer anderen Musterautonomie im Regen stehen liess und in allen Zeiten nach Kräften sich sehr erfolgreich sogar für ihre freidliche und demokratisch legitimierte Selbstbestimmung eingesetzt hat.  
 
Nicht nur diese Beispiele von Saarland oder von Schottland beweisen uns eindringlich, dass eine Politik der Selbstbestimmung auch unter schwierigsten Bedingungen für ein fremdbestimmtes Land und sein Volk möglich ist. Vorausgesetzt natürlich, man verhält sich in dieser Frage als Politiker nicht wie ein Gartenschlauch und gibt sofort jedem Widerstand und Druck nach. Entsprechende Politik kann aber in erster Linie nur die Partei machen, die auch die Macht an der Spitze der Autonomie dazu besitzt, und dass das Ziel der Selbstbestimmung für ST weiterhin für die SVP Gültigkeit hat, davon kann man sich immer noch im Parteiprogramm dieser ehemaligen Sammelpartei der Süd-Tiroler überzeugen. Dort wird das eigene Land als integraler Teil des Vaterlandes Österreich sowie von Mittel-Europa bezeichnet, sowie in klaren Worten das Land Italien als Macht der Fremdbestimmung beim Namen genannt. Also alles klare Worte, man würde sich nur noch klare Taten von dieser Partei bei ihrer Politik der Beantwortung der gesteltlen Fragen wünschen, und dass das heute schon lange möglich ist, vielleicht nicht sofort, aber doch Zug um Zug, das zeigen uns so eindrucksvoll Beispiele aus den anderen Autonomie in Europa nicht nur der EU. Wo ein Wille dort scheinbar auch der Weg, es sei denn, dieser Wille wird von der unsichtbaren Hand der Fremdbestimmung einer Partei der Minderheit sogar mit ihrem eigenen Geld abgekauft. Wie man sieht, auch diese Politik stösst irgendwann auf ihre Grenzen. Daraus ergeben sich wieder neue Möglichkeiten für ST, die Beantwortung der eigenen Frage der Selbstbestimmung zeuerst von der SVP zu fordern.
 
Markus Anton
8. 26-01-2012 23:10
 
Zwischen Schottland und Südtirol gibt es
Bei den Schotten sind sich die Parteien fast einig für die Abtrennung vom Mutterland England. In Südtirol dagegen sind maximal 2 Miniparteien mit diesem Wunsch beflügelt. Vergleicht man den Unterschied von den Menschentypen zwischen einem Schotten und Engländer, dann sind die kaum erkennbar. Gleiche Sprache, nur die Trachten sind verschieden. 
Die Unterschiede zwischen Südtirolern und Süditalienern sind dagegen sehr markant, fast soviel wie zwischen Tag und Nacht. Verschiedene Sprachen, Kultur, Häuser und Bekleidung. 
Eigentlich sollte es eine gemähte Wiesen sein, alle Südtiroler Parteien unter einem Hut hinein zu kriegen, um es mit den Schotten gleich zu machen!
 
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9. 26-01-2012 22:38
 
visionen
@ marcus anton: im gegensatz zu Schottland haben wir leider keine an der Macht befindliche Partei, die wirklich ihrer Heimat dient und alles für diese Heimat riskieren möchte.  
Wir haben ja nur mehr Schwanzeinzieher und Jasager, die lieber mit Italien untergehn als einmal den Mut zu haben aufzustehen und sich unbequem zu machen. Auch die SNP hat klein angefangen und ist nun in der Mehrheit und Schoittland wird wahrscheinlich 2014 der erste stolze neue EU Staat innerhalb eines Mitgliedsstaates, ich hoffe es für die stolzen Schotten. 
Und dann wird die SVP zumindest diese Ausrede nicht mehr haben, man könne innerhalb der EU keine Grenzen verschieben.  
Wo ein Wille auch ein Weg, liebe Klausurrunde in REin. 
Aber eher fällt der Hochgall auf das Hotel Bergers als dass die SVP eine Haltung ähnlich der SNP einnimmt und endlich mal das Volk fragen will wie es seine Zukunft gestalten will.
 
stefan
10. 26-01-2012 20:40
 
Unterschied zu Schottland.
Südtirol ist nach dem 1. Weltkrieg als Kriegsbeute an Italien gegangen. Die Annexion Süd-Tirols war eine barbarischen Aggression und Kriegsverbrechen Italiens. Sie erfolgte ohne jeglichen völkerrechtlichen Schutz der Tiroler Volksgruppe. 
 
Der Faschismus: 
Der Faschismus unterdrückte die Südtiroler und etabliert seitens der Italiener und Italien bis heute eine Kultur der Willkür zu Lasten der Südtiroler. 
 
Die Assimilierung: 
Die Identifikation mit Italien oder die illusorische Vorstellung von einem „deutschen Italien“ hat sich in den Köpfen einiger Südtiroler bereits festgesetzt. Langfristig passt sich aber jede Minderheit dem Staat an. 
 
Die Macht, die Gehälter und die „Ins geahts guat“ Phrasen: 
Nirgendwo auf der Welt sind Politikergehälter, Machtkonzentration und Regierungsdauer so hoch und lang wie im besetzten Süd-Tirol.  
Die regierende Volkspartei will genau deshalb nur ungern von Macht, Privilegien und Italien ablassen und stellt alles als unrealistisch hin, was ihre Machtposition schwächen würde.  
Machtkonzentration widerspricht aber jedem demokratischen Geist und schadet erst recht einer Minderheit.  
 
Südtirol hat nur eine Zukunft in einem Freistaat Südtirol oder in der Tiroler Landeseinheit mit Nord- und Osttirol.
 
Gesamttiroler
11. 26-01-2012 18:12
 
@Hans
Sie sprechen mir aus dem Herzen. Die Süd Tirol -Frage ist deswegen so kompliziert, weil sie die Überwindung von zwei Bindungen erfordert. Jene von Italien, sowie jene von Österreich. Jene, die sich mit der Zugehörigkeit zu Italien arrangiert haben weil, wie sie sagen, Zugehörigkeit zu Staaten nicht so wichtig sei. Sie brauchten dafür in der Vergangenheit nur ein Scheinbekenntnis zu Österreich heraushängen, um alles in der Schwebe und damit alles beim Alten belassen zu können. 
 
Da zeigt sich nun der Pferdefuß. Man muss faschistische Denkmäler als eigene Vergangenheit pflegen und den Abriss der dabei überbauten Vergangenheit verleugnen. Kaiserjägerdenkmal.  
 
Geschichtsklitterung, die übliche Masche in Süd Tirol.  
 
Nun findet man sich aber völlig unerwartet auch im wirtschaftlichen Kulturkreis des Mittelmeeres wieder, eine Mentalitätsgrenze entlang des Brenners, die schlichtweg ignoriert wurde. Nicht nur von der SVP, sondern von allen Träumern, die Europa auf Fiktion, auf Sand gebaut haben. Der Unterschied der wirtschaftlichen Stärke der verschiedenen Länder ist das Ergebnis unterschiedlicher Mentalitäten. Diese jedoch ändern sie nicht durch Dekrete oder Verträge.  
 
Das werden die sozialistisch angehauchten Politiker Europas erst noch lernen müssen, die sich vor allem deswegen für den Menschen glauben einsetzen zu müssen, weil sie nicht akzeptieren können, ihn nicht zu verstehen. Sie lernen es auf die ganz harte Weise. Wenn überhaupt.  
 
Wobei es immer die Menschen sind, die diese Lernstunde zu bezahlen haben werden. 
 
Süd Tirol ist wieder mal im Zentrum des Geschehens. Diesmal schmerzlich, weil heuer die Fallhöhe für Süd Tirol so außerordentlich groß geworden ist. 
 
Dies in den letzten Jahren nicht berücksichtigt ja sich geradezu darüber hinweggesetzt zu haben, durch erkennbar falsches Spielen der Österreich-Karte, da liegt das Versagen des LD. Das war ja der Ansatz, der Vorwurf von Cossiga. Unterdes der LH in Innsbruck erkennen ließ, das der Zug für Gesamttirol unter Ö. abgefeiert sei, und stattdessen Folklore in den Vordergrund stellen wollte. 
 
Jener, der das Fehlen eines Morgenstern vermisst. Morgenstern: für was ? 
 
Er hat die Möglichkeit der Weiterentwicklung in einem Zeitfenster, das die EU geboten hatte, nicht wahrgenommen. Er hat die Cossiga- Option ausgeschlagen. Nicht die gebotene Pflicht akzeptiert, damals - nicht heute - dafür mit den italienischen Süd Tirolern ins Gespräch kommen zu müssen. 
 
Er hat ganz einfach das Gegeneinander-ausspielen durch seinen vermeintlichen Joker, der Intrumentalisierung einer stumpfen Österreich-Karte weiterspielen wollen. 
 
War er sich doch unlängst noch mit Fischer einig, dass der Doppelpass Zeit habe, so erweckt er nun bald schon den Anschein, hier eine alte Forderung von sich durchsetzen zu wollen.  
 
Bei dem Hantieren mit einer österr. Option ist neben Taktik auch viel Heuchelei im Spiel, viel Missbrauch von Bindungen, die instrumentalisiert werden, um sich mit eigenen Optionen des italienischen Süd Tirols durchlavieren zu können. 
 
Da sind sogar die Grünen ehrlicher.
 
EEkat
12. 26-01-2012 15:05
 
@Hans
@Markus Anton: Auf den Punkt gebracht... 
---------------------------- 
Nun, ich weiß auch nicht was bei uns das Problem ist... 
Vielleicht liegt es daran, dass die Schotten keinen \"Mutterstaat\" haben, den bei Südtirol ja ohne Zweifel Österreich darstellt. 
Wäre ganz Österreich ein Teil Italiens (Fläche von Österreich und Schottland ist ungefähr dieselbe, Bevölkerung hat Österreich (mit ~8 Mio.) eine um 3 Mio. größere), dann wäre die Sache vielleicht eine andere.  
 
In diesem Falle wäre auch die Identifikation der Südtiroler mit Restösterreich eine, welche der Form \"Das ist unser Staat\" ensprechen würde. Die aktuelle Situation entspricht nämlich jener, dass es nur einen Strang gibt den viele gutheißen, nämlich weg von Italien. Sozusagen eint diese Idee vorerst mal. 
Die Frage wohin, welche bei den Schotten schon von vornherein klar ist, ist im Falle von Südtirol offen. Und die Ungewissheit in dieser Hinsicht lässt so manch einen Zaudern. 
Mein Gefühl ist, dass die Südtiroler in ihrer Gesamtheit jene \"Knipsereigenschaften\", um es fußballerisch zu sagen, über die Jahrzehnte stark eingebüßt haben. Nämlich die Stärke Entscheidungen zu treffen und dafür gerade zu stehen, auch wenn sie kurzfristig eine Einschränkung bedeuten könnten. 
In der Autonomie sind wir ein wenig geworden wie der Frosch im Wasserglas, das auf der Herdplatte steht: In zig Jahren werden wir sagen \"hätten wir nur, als es noch ging\"
 
Hans
13. 26-01-2012 12:26
 
Beispiel Schottland
Gestern am späten Abend wurde auf dem Sender BBC Schottland aus aktuellem Anlaß der Präsentation des Fahrplanes zu Selbstbestimmung durch die Regierungspartei SNP eine Podiumsdebatte mit prominenter Besetzung und mit reger Anteilnahme der Zuhörer live ausgestrahlt. Irgendwie gliech diese Debatte fast aufs Haar denen, die auch in Süd-Tirol in letzten Monaten stattgefunden haben, wie z.B. der in Bruneck, nur das Auditorium war in Schottland viel größer. Ich habe diese TV-Debatte gestern zum Teil gesehen und würde man nach den Stellungnahmenn und Fragen der Bürger im Publikum urteilen wollen, dann unterstützt die überwiegende Mehrheit der Schotten ihre Landesregierung auf dem Wege der politischen Verwirklichung des Ziel der Ausübung der Selbstbestimmung durch diese Autonomie des Vereinigten Königreiches. Die gestern dort anwesenden Spitzenpolitiker dieses Landes am Podium haben noch einmal relativ sachlich und ziemlich unaufgeregt ihre Standpunkte allgemein verständlich erläutert. Im Publikum war das ein wenig anders, die Stellungnahmen oder die gestellten Fragen waren oft praktischer Natur sowie von scheinbar großen Sorgen geprägt, wie das neue Leben der Schotten spätestens in zwei Jahren ohne den alten Staat überhaupt einmal aussehen könnte. Meistens handelte sich dabei um Fragen der Art, wovon Schottland dann leben wird, muss oder will das Land der EU und anderen supranationalen Organisationen beitreten, wie schaut es mit den Finanzen und Währung des neuen staates aus, oder wer nach der Selbstbestimmung Bürger dieses Landes werden darf bzw. werden muss, z.B. auch die Gegner der Selbstbestimmung? 
 
Die anwesenden Politiker der regierenden SNP versuchten daher die Angst vor Veränderungen nach Kräften zu zerstreuen und versprachen, dass es für solche Fälle der Ausübung der Selbstbestimmung durch ein Land immer klare Regelwerke im Völkerrecht gibt. Die neue Schottische Staatsangehörigkeit wird danach niemand gegen seinen Willen aufgedrängt, aber die Menschen, die lang genug in diesem Land leben und ebenfalls wählen dürfen plus ihre Kinder, die dürfen natürlich wenn sie das wünschen Schotten werden. Eines hat mich dabei besodners erstaunt, dass ist die bewunderswerte Ausgewogenheit und die Unaufgeregtheit der Medien nicht nur in Schottland sondern in ganz GB, wenn darüber berichtet wird. Ganz anders als in Süd-Tirol versucht dort niemand auf Biegen und Brechen jede freie Abstimmung des Volkes um jeden nur erdenklichen Preis zu verhindern, also eine echte die Politik bindende Abstimmung, von der der weitere Verbleib Süd-Tirols bei Italien wirklich abhängen würde, oder die Befürworter der Selbstbestimmung hier dauerhaft zu vernadern. Die Debatte zu diesem Thema wird in diesem Land relativ unaufgeregt, sehr sachlich und zielorientiert geführt.  
 
Der noch gemeinsamen Staatsregierung in London gefällt diese Entwiklung in Schottland sicherlich nicht, aber sie versucht nicht durch durschschaubare unlaute politische Tricks die Selbstbestimmung der Schotten zu hintertreiben, oder mit Pazifizierung durch das Militär wie Rom in ST zu drohen, sodnern versucht sich dieser Herausforderung in vorbildlicher demokratischer Art und Weise ausschließlich mit demokratischen Mitteln zu stellen. So werden die Befürworter der Union mit GB weiterhin in Schottland nach Kräften mobilisiert und es wird bei passenden Gelegenheiten auf die lange Erfolgsgeschichte des gemeinsamen Staates hingewiesen und vor vielen Problemen wirtschaftlicher Natur gewarnt, die angeblich erst nach der möglichen Ausübung der Selbstbestimmung auf Schottland zukommen würden. Nach der TV-live-Debatte konte man im Videoabspann dieser Sendung noch sehen, wie von der gemeinsamen Fahne des UK Zug um Zug der englische Anteil mit dem roten Kruez verschwindet, und wo zum Schluß nur die blaue schottische Fahne mit dem weißen Andreaskruez übrig bleibt. In Süd-Tirol wäre so eine Videomontage mit der italienischen Fahne, wo der grüne Teil langsam wegfällt und wo zum Schluss nur Weißrot des Landes Tirol übrig bleibt, in einem Rai-Sender ziemlich sicher unvorstellbar, das hätte man sicher als "Beleidigung der Fahne" aufgefassst und rechtlich geahndet, siehe ähnliche Verfahren gegen Plakate der STF.  
 
Von dieser äusserst kultivierten demokratischen Kultur im Umgang mit eigenen Midnerheiten und Autonomien könnte sich der in allen Bereichen zurückgebliebene Stiefelstaat nicht genug Scheiben abschneiden, denn in dieser Hinsicht ist Italien fast noch ein Entwicklungsland und die weltbeste Autonomie ST ist die beste aber nur zwischen Nord-Afrika und Alpenhauptkamm in Mittel-Europa. 
 
 
Seit gestern ist dieser Fahrplan der Schottischen Selbstbestimmung auch amtlich: 
 
 
 
http://www.bbc.co.uk/news/uk-scotland-scotland-politics-16727981 
 
 
http://www.bbc.co.uk/news/uk-scotland-13326310 
 
 
 
http://www.bbc.co.uk/news/uk-politics-16473265
 
Markus Anton

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