Heimat ist nicht verkäuflich!
Freitag, 20. Januar 2012

roland-lang-im-schnee_2011.jpgMich zumindest schreckte es auf, als ich davon hörte: Ein Mitglied der Landesregierung schlug vor, Südtirol solle sich freikaufen. Allerdings wurde bereits bei näherer Betrachtung des Vorschlages jedem klar: Nicht freikaufen wollte der Landesrat, sondern nur Kompetenzen, Zuständigkeiten, gewisse Arbeiten sollten von Rom an Bozen übergehen. Von frei und Freiheit konnte also nicht die Rede sein. 

Aber wie kann jemand auf solche Gedanken kommen? Südtirol soll sich freikaufen? Schmeiße einfach einen Koffer mit Geld hin, alles ist käuflich? Eine Frau oder ein Mann, eine Waffe oder Heroin- alles käuflich? Unsere Heimat, unsere Sitten, unsere Ehre, solche Werte kann man doch nicht kaufen. Unser Landl ist nicht Kilometer mal Kilometer ist Fläche und dann  wird pro Quadratkilometer das Lösegeld bezahlt. Und dann auch noch für eine Teilfreiheit, die jederzeit dem nationalen Interesse zum Opfer fallen kann.
Diese Gefühlskälte gegenüber unserer Heimat lässt erschauern.

Der bekannte Moderator Sepp Forcher hat den Begriff Heimat in der Kronenzeitung kürzlich so formuliert:
„Das ist für mich sehr einfach: Heimat ist Familie, Freunde und Österreich mit Südtirol.“  
Und diese Werte kann man nicht kaufen, Herr Landesrat!

Roland Lang
Obmann des Südtiroler Heimatbundes


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Kommentare (7)
1. 23-01-2012 12:53
 
@ Barbara Klotz
So lange, so wie jetzt, viele Optionen der Beantwortung der Frage der Selbstbestimmung für Süd-Tirol nebeneinander existieren, so lange werden die Gegner ein ziemlich leichtes Spiel haben, diese gegeneinander permanent auszuspielen. Viele Menschen in ST verwechseln dazu den Weg zur Ausübung der eigenen ethnisch-politischen Selbstbestimmung mit einer geraden Straße oder gar mit einer Autobahn, in Wirklichkeit ist das ein sehr steiniger Weg über schmale Bergpfade und Bergpässe, wo man noch so leicht politisch ausrutschen kann, daher braucht man gerade hier erfahrene Bergführer und eine Schutzmacht, die über die Wanderer wachen und sie ans Ziel sicher führen.  
 
Diese Frage hat aber noch nie so intensiv die Menschen in ST beschäftigt, wie gerade jetzt in diesen Monaten und Jahren. Die heute geführte Debatte hat so richtig im Mai 2006 mit dem Vorschlag des ehemaligen italienischen Staatspräsidenten Cossiga zum Referendum über eine Zukunft des Landes ohne oder mit Italien begonnen. 
 
Wir erinnern und noch genau warum das so war, im Frühjahr des gleichen Jahren gab es eine große Selbstbestimmung Petition der 99% der Süd-Tiroler Bürgermeister an den Österreichischen Nationalrat in Wien, die dort feierlich übergeben wurde. In Europa der EU der heutigen Zeit kann man so etwas als Staat nicht auf sich sitzen lassen. Für mich ist das der Grund, warum die Machteliten in Italien beschlossen haben, diese Petition mit dem zum damaligen Zeitpunkt unrealistischen Referendumvorschlag zu Selbstbestimmung in ST des Altpräsidenten Cossiga zu beantworten, wohl wissend, dass die SVP diesen postwendend ablehnen wird, was auch geschehen ist, und wenn nicht, dann bei den vielen darin vorgesehenen Option wird es sowieso keine Mehrheit für die Änderung des heutigen Status quo geben, also es kann nach diesem Kalkül nur Weiterverbleib bei Italien für ST drinnen sein. Man wollte damals in dieser Frage eine Art Schattenboxen inszenieren, was Rom auch blendend gelungen ist, aber die Selbstbestimmung-Debatte, die zuerst einmal von Rom losgetreten wurde, geht natürlich bis heute weiter. 
 
Über diese so wichtige Frage wird man hier, wenn überhaupt dann nur einmal in einer Volksabstimmung irgendwann entscheiden können, und damit gibt man zugleich de facto das Selbstbestimmungsrecht aus der Hand, denn man kann nicht so oft abstimmen, bis ein Ergebnis einer der Seiten passt. Heute kann diese Abstimmung kaum im Sinne einer der Lösungsansätze gewonnen werden, weil weder die SVP noch die Schutzmacht der Süd-Tiroler dieses Vorhaben unterstützen wollen. Das geht vielleicht einmal in 10 bis 20 Jahren in einer Vollautonomie in der EU wie Färöer oder in Quebec in Kanada, dass man immer wieder zu dieser Frage die Bürger befragen will und auch kann, aber kaum in Italien.  
 
Für mich persönlich ist es wirklich ein Rätsel, wie ein westlicher demokratischer Staat wie Italien, der auch allgemein akzeptiert und respektiert werden will, mit dem Stigma weiter leben kann, ein Land wie Süd-Tirol einmal annektiert zu haben und permanent das Recht auf Selbstbestimmung des betroffenen Volkes weiter ohne Zeitlimit zu vergewaltigen, siehe z.B. Parteiprogramme der Parteien der Süd-Tiroler mit der SVP angefangen, wo es klipp und klar drinnen steht, Italien hat das Land annektiert und von seinem Vaterland Österreich gewaltsam abgetrennt, dieser Staat ist eine Macht der Fremdbestimmung und die Frage der Selbstbestimmung ist weiterhin nicht beantwortet. Die Auffassungen zu dieser Frage der anderen Parteien der Süd-Tiroler sind auch hinlänglich bekannt. 
 
Die modernen zivilisierten Staaten in Europa hüten sich davor, jemals in solche Dilemmas zu kommen, wie Italien in ST, und wenn schon wie in Spanien oder GB, dann hat das sehr weit reichende historische Gründe, warum es dort vergleichbare Beispiele der Minderheiten gibt. Gerade dort musste niemand die Autonomie wie in ST in einem de facto Bürgerkrieg erkämpfen, sondern diese ist aus freien Stücken den betroffenen Ländern gewährt worden, weil sich das so in zivilisierten und demokratischen Ländern gestern wie heute gehört, von einem Freilichtmuseum des Faschismus wie damals wie heute in ST schon ganz zu schweigen. Die erreichte sehr bescheidene Autonomie in ST wurde dazu allgemein in Italien über viele Jahre als eine Art außen- wie innenpolitischer Betriebsunfall angesehen, heute will man es, weil es nicht anders geht, lokal wie international als Erfolg verkaufen.  
 
Da trennen die Süd-Tiroler von Autonomien in anderen Staaten der EU wirklich Welten. Heute dürfen diese sogar mit Zustimmung des jeweiligen Staates über die eigene Selbstbestimmung abstimmen, wenn sie das wünschen, wie z.B. in Schottland. Seit wenigen Tagen gibt es eine interessante und bestätigte Meldung, dass sogar die konservative Regierung in Madrid mit Baskenland über alles auch über seine Selbstständigkeit reden will, vorausgesetzt die ETA hört nicht nur mit Gewalt auf, sondern sie löst sich völlig auf. In Süd-Tirol hingegen wird immer wieder der gleiche alte Käse von der allerbesten Autonomie verkauft und von der SVP als Argument verwendet, warum die Selbstbestimmung für dieses Land nicht notwendig ist.  
 
So gesehen kann sich die Opposition nur auf Grundlagenarbeit in dieser so wichtigen Frage konzentrieren, denn entscheiden kann in dieser Frage etwas nur eine Partei an der Macht, sprich die Landesregierung in Bozen. Die vielen heute im Umlauf befindlichen Optionen der Selbstbestimmung beinhalten sogar die Gefahr, dass diese Problematik bis zur Unkenntlichkeit zerredet wird und die Selbstbestimmung wie schon immer niemals über die Phase der Debatte hinauskommt. Ich fürchte dazu, bevor die SVP an die Politik der Selbstbestimmung für das eigene Land in eigenen Reihen denkt, wird Padanien eine konkrete Wirklichkeit und ST von Italien als die letzte Insel der Unterwürfigkeit in Norden dem Rest-Stiefelstaat erhalten bleiben. Lediglich die politische Arbeit der STF stimmt mich in dieser Frage sehr optimistisch, denn nur diese Partei hat nach meiner Überzeugung die richtigen Antworten auf die Herausforderungen der Selbstbestimmung in der heutigen Zeit, die SVP hingegen nur zum Teil, dort wo es um die Absicherung des Erreichten geht, aber das kann doch nicht in der Wahrnehmung der verbrieften Rechte der Süd-Tiroler der Weisheit letzter Schluss sein.  
 
Ein Nachweis der Qualität der Demokratie und der politischen Kultur des Landes Süd-Tirol liegt für mich auch darin, dass Italien nicht einmal in diesem permanenten Duce-Freilichtmuseum sowie in diesem Polizei- und Überwachungsstaat die anderswo selbstverständliche Debatte zu solchen Themen ohne weiteres aushält, sondern diese lediglich duldet, weil man sie in Europa der EU der Menschenrechte und der Demokratie sowieso nicht verhindern kann. Die Fakten sprechen hier aber vor allem für die Kenner dieser Problematik eine ziemlich klare Sprache und ein jeder von uns möge dies für sich selbst beantworten, wie und ob das Land Süd-Tirol in Italien wirklich frei ist, falls man die Antwort auf diese Frage der eigenen Selbstbestimmung als Person und als ganze Ethnie für notwendig halten wollte.
 
Markus Anton
2. 23-01-2012 09:32
 
Der Weg zur Freiheit
Die einen wollen die Selbstbestimmung, die anderen Rückkehr zu Österreich; wieder andere den Freistaat, und schließlich gibt es die Regierungspartei, die will die Vollautonomie. 
Das sollten wir mal genauer analysieren bzw. auseinanderklauben: 
Vollautonomie der SVP= Verbleib bei Italien 
Freistaat= Unabhängigkeit und Eigenstaatlichkeit Südtirols 
Rückkehr zu Österreich= Option, die am wenigsten Anhänger finden würde 
Selbstbestimmung= eine demokratische Willensbekundung des Volkes, mit mehreren Optionen: Verbleib bei Italien, Rückkehr zu Österreich, Eigener Staat Südtirol. 
Cossiga hatte in seinem Entwurf sogar noch eine 4. Möglichkeit vorgesehen, und zwar Angliederung an Deutschland. 
 
Südtirol hat die Autonomie und seinen Sonderstatus nur deshalb, weil es jahrhundertelang Tiroler-, und damit zu Österreich gehörendes Land war. Die internationalen und bilateralen Verträge fussen darauf. 
 
Der 1. Schritt ist die Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes,  
der 2. dann die Präferenz zwischen den verschiedenen Möglichkeiten. 
 
Also bitte nicht Kraut und Rüben mischen! 
 
Alle deutschen Oppositionsparteien sprechen sich zwar für die Loslösung von Italien aus, aber nicht alle haben verstanden, dass der Weg dahin die Selbstbestimmung ist!
 
Barbara Klotz
3. 21-01-2012 15:14
 
preis
für die SVP hat eben alles seinen Preis: auch die Heimat. Wenn man nur genug in die Parteikasse spült und davon profitiert würde man jeden einzelnen Gipfel verkaufen und die Leute gleich mit.  
Soviel zum Thema Heimatliebe.
 
stefan
4. 21-01-2012 13:49
 
Das ist wohl wahr, Roland Lang.
wir müssen uns eingestehen, daß es Menschen gibt, die dies nicht so sehen. Die keinen Zugang haben zur Bindung an Werte.  
 
Damit sind wir bei einem wesentlichen Unterschied zwischen Menschen angelangt, welcher die Menschheit immerwährend in Auseinandersetzungen halten wird: 
 
was dem einen "wertvoll" ist, das sagt dem anderen garnichts. 
 
 
Da taucht - ich nenne es mal so - der "Internationalismus" auf, gespeist durch überhebliche Selbstüberschätzung, wonach der Mensch - also man selber - alles planen und versorgen könne, die eigene Intelligenz dazu ausreichend sei, sich sämtliches Fühlen und Handeln, also auch das wertgebundene Handeln des Menschen transparent machen zu müssen, zu können. 
 
Darin verbirgt sich in Form eines Paradoxon der Widerspruch, an dem die eine Hälfte der Menschheit scheitert und sich gleichzeitig legitimiert fühlt, der anderen Hälfte ihren Willen aufzubrennen. 
 
Man kann, was man zwar nicht erkennen kann, dennoch einplanen wollen, nur weil man zu dämlich ist zu akzeptieren, daß es etwas zu geben scheint, was man selber offenbar nicht erfasst.  
 
Daß diese Internationalisten scheitern, das ahnen wir gerade angesichts des sich entfaltenden Kollapses von Europa. Was nur deswegen nicht erkannt wird, weil es sehr langsam abläuft. Es ist halt keine bedingungslose Kapitulation, der wir hier entgegentreiben.  
 
Wir haben es mit Einsichts-Trägern zu tun, die freiwillig niemals ein Jota von ihren "Überzeugungen" aufgeben würden. 
 
Das ist alles durchaus vergleichbar mit historischen Zäsuren, aber auch mit der akuten Süd Tirol-Problematik. 
 
Man muß dem „Menschen vor Ort“ so viel "Autonomie" (hahaha), wie nur möglich zubilligen. Subsidiarität wurde dies mal genannt.  
 
Europa hätte nur eine Chance als Zusammenschluß der vielfältigen Regionen und Kulturen gehabt. Denn genau dadurch hebt sich Europa von allen anderen Regionen dieser Welt ab, das wäre seine eigentliche Option auf den Erfolg gewesen. 
 
Das wäre die Chance für Süd Tirol, udn irgendwann für Tirol insgesamt gewesen. 
 
Das ist vertan worden. 
 
Sowohl auf der Süd Tiroler Ebene, die vor Jahren das Fenster des Aufbruchs Europas für sich unbedingt hätte nutzen müssen. 
 
Unbedingt.  
 
Unbedingt. 
 
Nun kollabiert auch die europäische Ebene, unter der prinzipiellen Uneinsichtigkeit all jener, die ich als Internationalisten bezeichne, und die alles für planbar, für machbar halten. 
 
Die daher alles für eine Frage eines Preises halten.  
 
Ohne – das betone ich hier ausdrücklich - jemals verstanden zu haben, worauf Geld, worauf sein Funktionieren überhaupt beruht. 
 
Ich sag es mal mit Kant: 
 
Wert: das ist, was keinen Preis hat. 
 
Werte haben keinen Preis.  
 
Es gibt viel, was keinen Preis hat. Die Rolle des Geldes dabei ist vielen schlichtweg nicht geläufig. 
 
Die Werteebene des Menschen wird häufigst als Metapher verwendet, über die man zwar schwätzt, weil mann dann "wertig" klingt, die sich deswegen jedoch dem Sprecher nicht erschließt. 
 
(Noch schlimmer ist es mit dem begriff der "Würde") 
 
Wenn die Freiheit Süd Tirols also einen "Preis" haben sollte, dann sollte man ihn überweisen.  
 
Ich hatte scherzeshalber hier bereits thematisiert, ob man Süd Tirol dann nicht an irgendeinen Hedge-Fond verkaufen sollte. Mit dem, was die Süd Tiroler erwirtschaften wäre eine hervorragende Rendite zu erzielen.  
 
Vielleicht sollte man dem Herrn Widmann mal ein paar Adressen nennen.  
 
Allerdings: man müßte dann den Flughafen in Bozen ausbauen. Hedgefond-Manager reisen mit dem Flugzeug. Vorzugsweise mit dem eigenen.  
 
Auch dafür wäre die Bahn in Bozen bereits zu kurz. Da haben wir ja nochmal Glück gehabt.
 
EEkat
5. 21-01-2012 13:25
 
Heimat ist nicht käuflich
Bei aller Ehre und Bewunderung für alljene, die sich für Gerechtigkeit, Wahrheit und Freiheit betreffend den südlichen Teil Tirols einsetzen und arbeiten; eine durchaus edle und erstrebenswerte Sache. Ein Sprichwort sagt: Einheit macht stark; aber wo ist denn diese Einheit? Die einen wollen die Selbstbestimmung, die anderen Rückkehr zu Österreich; wieder andere den Freistaat, und schließlich gibt es die Regierungspartei, die will die Vollautonomie. 
Wäre es nicht günstiger, wenn sich zumindest die Freigeister zusammenschlössen, dann könnten sie stärker auftreten, als wenn jeder/jede sein/ihr eigenes Süppchen kochte? 
Vielleicht könnten wir über diesen Vorschlag wenigstens nachdenken oder?
 
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6. 20-01-2012 11:31
 
Ein Spruch
von mir, frei nach Eugen Roth einem deutschen Lyriker und Humoristen: 
 
 
Der Widmann erhofft sich fromm und still,  
dass die SVP endlich das kriegt,  
was er für Süd-Tirol will,  
bis diese dann dem Sparzwang voll erliegt,  
und zum Schluss nur das will,  
was sie von Rom kriegt, und was sie kriegt,  
das ist allen sonnenklar,  
das ist die Vollautonomie sogar.  
Die SVP-Märchenstunde ist nun aus  
und alle Kinder gehen brav Nachhaus.
 
Markus Anton
7. 20-01-2012 09:56
 
Saft-Autonomie
Die SVP will in diesem Saftladen bleiben und nennt es dann noch "Vollautonomie". 
 
Was da überhaupt autonom sein soll?
 
ff

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