Ein großer Freund Südtirols: Nachruf auf Primar und Nationalrat a.D. Dr. Otto Scrinzi
Dienstag, 3. Januar 2012
otto_scrinzi_parlament.jpgIn der Nacht vom 1. auf den 2. Jänner 2012 ist in Kärnten ein Mann verstorben, dem Südtirol viel zu verdanken hat. Der österreichische Primar und Nationalratsabgeordnete a.D. Dr. Otto Scrinzi ist 93 Jahre alt geworden. Er hatte ein erfülltes Leben hinter sich, welches von der Liebe zu Südtirol und von selbstlosem Einsatz für Volk und Heimat geprägt war.

Scrinzis Südtiroler Eltern hatte es 1918 nach Lienz verschlagen. Der junge Bursch verbrachte seine Schulferien zumeist bei den Großeltern in Branzoll bei Bozen und in Petersberg. Er half während der Faschistenzeit seinem Onkel, einem aus dem Schuldienst entlassenen Lehrer, bei der Durchführung des heimlichen deutschen Schulunterrichts.

Scrinzi trug zusammen mit Freunden deutsche Bücher über die Berge nach Südtirol und half bei dem Aufbau der „Katakombenschulen“ mit.
Als in Österreich in der Zeit des Ständestaates die Demokratie abgeschafft wurde und die Staatsführung mit Mussolini paktierte, schloss sich der junge Innsbrucker Student Scrinzi den illegalen Nationalsozialisten an.

Wie viele seiner Landsleute erwartete auch Scrinzi, dass dem Anschluss Österreichs die Befreiung Südtirols folgen würde. Diese Hoffnung wurde durch den Pakt Hitlers mit Mussolini und durch das schreckliche Optionsabkommen bitter enttäuscht. Ein innerer Bruch mit der NS-Parteilinie war die Folge. Als Leiter des karitativen „Reichsstudentenwerkes“ in Innsbruck vergab Otto Scrinzi Förderungen an Südtiroler Studenten, verbunden mit der Auflage, nicht für Deutschland zu optieren, sondern in Südtirol zu verbleiben. Zu den derart Geförderten gehörte auch der spätere SVP-Politiker Friedl Volgger.

Durch diese und ähnliche Tätigkeiten geriet Otto Scrinzi in das Visier der Gestapo, Einvernahmen und auch einige Tage Haft waren die Folge. Seine Einrückung zur Wehrmacht nach seiner Promotion zum Doktor der gesamten Heilkunde rettete ihn vor weiterer Bespitzelung und Verfolgung.

Als Truppenarzt diente Dr. Scrinzi auf dem Balkan und an der Eismeerfront, um nach dem Krieg Primararzt in Kärnten, Landtagsabgeordneter und 1966 Nationalratsabgeordneter und Südtirolsprecher der Freiheitlichen Partei Österreichs zu werden. Weitere politische Funktionen: Mitglied in der Beratenden Versammlung des Europarates, Delegationsmitglied bei den Vereinten Nationen.

In einer großen parlamentarischen Rede wies Scrinzi im Jahre 1969 darauf hin, dass die „Paket“-Autonomielösung schwerwiegende Mängel aufwies: Von dem Fehlen einer einklagbaren Verankerung bis hin zur ungelösten Ortsnamensfrage. Die weitere Entwicklung hat der damaligen Kritik des Abgeordneten Scrinzi Recht gegeben.

Auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik blieb Dr. Scrinzi seiner Heimat Südtirol verbunden.

Als Kurator der „Laurin-Stiftung“, der nach Einstellung der „Stillen Hilfe“ größten Südtirol-Stiftung, half Dr. Scrinzi Jahrzehnte hindurch, Hunderte von Bauernhöfen und gewerblichen Betrieben durch großzügige Umschuldungen aus unverschuldeten Notlagen zu retten.

Dazu kamen kulturelle Förderungen, die Dorfgemeinden, kirchlichen Organisationen, Schützenkompanien, Musikkapellen und Vereinen zugute kamen.

Ein besonderer Schwerpunkt war die Schaffung und Dotierung von Assistentenstellen und die Vergabe von Stipendien für Südtiroler an der Innsbrucker Universität. Auch Zuschüsse an Institute und Bibliotheken wurden gewährt.

Die Stiftungstätigkeit führte Dr. Scrinzi immer wieder in die alte Heimat Südtirol und auch zu bewegenden Begegnungen mit ehemaligen Freiheitskämpfern der Sechzigerjahre.

Im Februar 2003 ehrte der Südtiroler Schützenbund Dr. Scrinzi mit dem Ehrenkranz.

In seinen Lebenserinnerungen „Politiker und Arzt in bewegten Zeiten“ schrieb Scrinzi: „Für mich persönlich war diese Auszeichnung eine Art zweiter Einbürgerung in meine Heimat, aus der meine Familie nach vielhundertjähriger Ansässigkeit 1918 ausgebürgert worden war.“
Diese Ehrung hat Dr. Scrinzi mehr gefreut als die vorher erfolgte Verleihung des Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich.

In seinem letzten Lebensabschnitt musste Dr. Scrinzi noch erleben, dass die italienischen Behörden die offenbar ungeliebte Stiftungstätigkeit zu kriminalisieren versuchten. Eine Tätigkeit, über die Dr. Scrinzi in seinen Lebenserinnerungen schrieb:

„Diese meine Altersarbeit und die Möglichkeit, für meine Landsleute manch Gutes tun zu können, waren Erfüllung für mich, die Wiederbegegnung mit einer seligen Kindheits- und Jugendliebe. Und wären es nur diese Jahre ..., dann hätte mein Leben einen Sinn gehabt.“

Mir war es vergönnt, Dr. Otto Scrinzi in Südtirol persönlich kennen zu lernen und mir seine persönliche Freundschaft zu erwerben. Mit Dankbarkeit denke ich an ihn zurück!
 
Roland Lang

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Kommentare (3)
1. 07-01-2012 19:28
 
Klarstellung
Otto Scrinzi war nicht Assistent am "Rassenbiologischen Institut" in Innsbruck, sondern noch als Student und als wissenschaftliche Hilfskraft Assistent am neugegründeten "Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene" an der medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck. Für den NS-lastigen Titel dieses Institutes war nicht er verantwortlich, sondern die Professorenschaft der Universität. 
Sein Forschungsthema war im Rahmen der Humangenetik die Untersuchung der in dem Werk "Genie und Irrsinn" aufgestellten These des italienischen Wissenschaftlers Lombroso, wonach es einen Zusammenhang zwischen geistiger Erkrankung und künstlerischem Schaffen geben solle. Die Arbeit wurde nicht abgeschlossen, weil die Unterlagen vor Fertigstellung bei einem Luftangriff auf die Innsbrucker Kliniken zerstört wurden. 
Das ist nachzulesen in Scrinzis Lebenserinnerungen "Politiker und Arzt in bewegten Zeiten" (Graz-Stuttgart 2003, S. 72 f).  
In diesem Buch kann man auch nachlesen, dass Otto Scrinzi zusammen mit Freunden gegen die NS-verordnete Option und Abwanderung der Südtiroler gearbeitet und allein im Jahre 1939 nicht weniger als zehntausend Bücher für den Katakombenunterricht über die grüne Grenze nach Südtirol gebracht hat. Dort ist auch nachzulesen, dass ihn dies beinahe in das KZ gebracht hatte. Man kann in Scrinzis Erinnerungen auch nachlesen, dass er die im Krieg erlebte NS-Ostpolitik samt Herrenmenschendoktrin zutiefst ablehnte und er die an der Klagenfurter Heil- und Pflegeanstalt während des Krieges verübten Euthanasiemorde, die erst nach dem Krieg bekannt worden waren,  zutiefst verabscheute. Das ist nicht die Haltung eines "unbelehrbaren Nazi".  
 
 
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2. 06-01-2012 07:52
 
aha
also hier werden lobeshymnen auf einen nazi gesungen? dahin bewegt sich die bewegung südtiroler freiheit? ah so. mein vorschreiber hat ja interessante sachen in seinem artikel stehen. werden die ignoriert? ahja, der nazi war ja ein ösi. dann ist es ja weniger schlimm
 
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3. 05-01-2012 08:58
 
Scrinci Biografie
In Scrinzi Biografie gibt es aber auch problematische Punkte die man erwähnen sollte: 
Er war nicht nur SA-Sturmführer, HJ- und NSDAP-Mitglied, sondern Assistent am Rassenbiologischen Institut in Innsbruck und hat sich auch nach 1945 nicht vom Nationalsozialismus distanziert. Das er selbst den Ösetrreichern zu weit rechts war belegt sein Wahlergebnis bein den BP-Wahlen 1986 mit 1,2%. Außerdem nahm er mehrmals an Veranstaltungen der Deutschen Volksunion (DVU) teil.
 
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