150 Jahre Italien: Ein mißtönender Mißbrauch der Musik
Dienstag, 10. Mai 2011
Hartmuth_Staffler_Wahl_2008.jpgAm Samstag, 15. Mai, findet im Innenhof der Brixner Hofburg ein Konzert des Kammerorchesters „I Solisti Veneti“ statt, das von der Gemeinde Brixen angeblich mit 5000 Euro unterstützt wird. So sehr das Konzert des ausgezeichneten Orchesters zu begrüßen ist, so sehr ist zu bedauern, dass es in übelster Weise für nationalistische Zwecke mißbraucht wird. Die Flugblätter, die auch mit dem Wappen der Stadt Brixen und des Landes Süd-Tirol für das Konzert werben, sind in den Farben der italienischen Trikolore gehalten, zudem findet das Konzert laut diesen Flugblättern zur Feier eines „150-Jahr-Jubiläums der italienischen Einheit“ statt.

Tatsächlich wurde vor 150 Jahren ein italienisches Königreich ausgerufen, mit dem Südtirol und die Stadt Brixen nicht das Geringste zu tun hatten. Dieses Königreich ist am 2. Juni 1946 mit einem Referendum, an dem sich alle Italiener beteiligen konnten, wieder abgeschafft worden. Die Südtiroler hatten als Nicht-Italiener auch damit nichts zu tun, sie waren zum Referendum nicht zugelassen.

Es ist daher eine Provokation der einheimischen Bevölkerung und historisch gesehen ein Unsinn, wenn dieses von der Gemeinde Brixen mitinanzierte Konzert die angeblich vor 150 Jahren erfolgte Einigung Italiens feiern soll, es sei denn, man wollte wirklich die damals erfolgte Einigung ohne Tirol und die anderen unrechtmäßig erworbenen Gebiete feiern, was aber nicht der Fall zu sein scheint. Damit wird die normalerweise völkerverbindende Musik vollkommen mißbräuchlich in den Dienst des Nationalismus gestellt, und das mit den Geldern der Gemeinde Brixen und des Landes.


Hartmuth Staffler

Gemeinderat der Süd-Tiroler Freiheit Brixen

 


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Kommentare (3)
1. 11-05-2011 17:39
 
Zu "Italienern" genötigt
Die Süd-Tiroler müssen sich klar werden, dass sie durch die Zugehörigkeit zu Italien ständig von Italien ethnisch und kulturell unterdrückt und zu "Italienern" genötigt werden. 
 
Das ist keine Zukunft für einen Süd-Tiroler.
 
ff
2. 11-05-2011 15:24
 
Brixen zwangsbeglückt
Dem aufmerksamen Beobachter fällt auf, daß Brixen hinsichtlich der Italianisierung besonders "beglückt" wird. Sei es, weil die dortige SVP schon die Wende hin zur normalen Territorialpartei macht, sei es, weil die Italiener vorort cleverer vorgehen als anderswo. 
Die Zukunft der ehemals deutschen Bischofsstadt schaut düster aus...
 
Libertad
3. 11-05-2011 11:01
 
Zum fremdschämen!
Hier ist ein Beispiel dafür, wie das Ausland die Geschichte Italiens sieht, z.B. die des italienischen Duce-Faschismus, an der das Königreich Italien nicht unwesentlich beteiligt war, ganz im Gegenteil. Erst dann, als die Niederlage der Faschisten und Nazis sich im Zweiten Weltkrieg klar abgezeichnet hat, hat dieses Land theatralisch 1943 die Fronten gewechselt, und tut vor allem nach 1945 nach Außen hin bis heute so, als ob Faschismus keine italienische Erfindung gewesen wäre.  
 
Dass dem nicht so ist, davon kann man sich auch heute tagtäglich leider im sehr lebendigen Freilichtmuseum des Duce-Faschismus der Marke Alto Adige in Süd-Tirol in der letzten Kolonie Italiens bei Bedarf überzeugen, jetzt auch in Brixen bei den Versuchen der nationalistischen Umfärbung der Geschichte, wie in diesem Themenbeitrag beschrieben.  
 
Ein empfehlenswerter Beitrag eines Radiosenders aus Deutschland aus letzter Zeit beschäftigt sich mit der Geschichte Italiens, und diese Sendung kann man Nachhören (Lautsprecher anklicken) oder Nachlesen. Aus dem Anlass des 75. Jahrestages eines "erfolgreichen faschistischen Giftgaskrieges" in Äthiopien und der Eroberung der Hauptstadt dieses Landes Addis Abeba am 05. Mai 1936 widmete also ein sehr renommierter öffentlich-rechtlicher Radiosender einen Beitrag der Bewältigung der Geschichte des Faschismus in Italien, die leider auch die von Europa ist. Im Stiefelstaat selbst hat man kaum daran erinnert, auch in Süd-Tirol nicht, obwohl das Alpini-Denkmal in Bruneck von 1938 an den Giftgaskrieg in Afrika und den damit errungenen Sieg bis heute leider die Nachwelt in obszöner Weise erinnert. Dort werden nämlich immer wieder Kränze auch von offizieller Seite niedergelegt und Paraden abgehalten, daher gerade deswegen sollte man sich jetzt der wahren Geschichte erinnern. 
 
Seit zirka einem Jahr gibt es ein neues neumodisches Wort im deutschsprachigen Raum, nämlich "fremdschämen". Mit diesem Begriff kann man vielleicht die Gefühle beschreiben, die alle aufrechten Europäer beseelen, die die Geschichte aber auch die Gegenwart des Stiefelstaates betrachten und zu beschreiben versuchen: 
 
 
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/1451394/
 
Markus Anton

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