Siegesdenkmal: Offener Brief an Landtagspräsident Dieter Steger
Donnerstag, 2. September 2010

sieges_denkmal.jpgSehr geehrter Herr Steger, scheinbar haben Sie keine Ahnung, was außerhalb Südtirols mit den Denkmälern der Diktaturen geschieht. Wie anders könnten Sie sonst in der Zeitung folgendes erklären: „Ich bin grundsätzlich gegen eine Schleifung von Kulturdenkmälern, da sie Zeugen einer Zeit sind. Schleifungen passieren nur in diktatorischen Ländern …“!

Dass Sie als deutscher Landtagspräsident das Siegesdenkmal mit seinen beleidigenden Inschriften als „Kulturdenkmal“ bezeichnet, Herr Steger, ist ein Skandal. Auf die „Kultur der Unterdrückung“ der Tiroler in ihrer Heimat hätten Ihre wie meine Großeltern sicher gerne verzichtet!
Bereits  Ihre Aussage „von nicht gerechtfertigten Tolomei- Namen“ hat gezeigt, dass sie mehr als mangelnde Geschichtskenntnisse haben.

Scheinbar verfolgen Sie, Herr Landtagspräsident, auch die Geschehnisse in Europa nicht. Denn viele Staaten, die Diktaturen abschütteln konnten, haben deren Relikte beseitigt. Darunter Staaten wie Ungarn, Deutschland, Estland, Polen und Spanien. Sind diese Staaten, die kommunistische bzw. faschistische Relikte beseitigten, in Ihren Augen „diktatorische Staaten“? Ist Bundeskanzlerin Merkel in ihren Augen eine „Diktatorin"?


Bezirkssprecher Lorenz Puff von der SÜD-TIROLER FREIHEIT hat kurz im Internet nachgeschaut und möchte Ihnen, Herr Steger, folgende Seiten zur Geschichtslektüre und Information empfehlen:


Ungarn:
http://www.sts.tu-harburg.de/


Saddam 2003:

http://de.academic.ru/pictures/dewiki/83/SaddamStatue.jpg

 
Estland:

http://www.berlinonline.de/

 
Lenin in Berlin (steht jetzt im Museum)

http://de.wikipedia.org/wiki/Lenindenkmal_%28Eisleben%29

 
Denkmäler in der EX-DDR

http://www.goethe.de/kue/arc/dos/dos/zdk/de204232.htm

 
Ehemaliges Lenindenkmal in Berlin - Der Abriss begann am 8. November 1991:

http://de.wikipedia.org/


Lenindenkmal:

Armenien: Eriwan (Hauptstadt, nach der Unabhängigkeit beseitigt)

 
Aserbaidschan:

Baku (Hauptstadt, nach der Unabhängigkeit beseitigt)

 
Georgien:

Tiflis (Hauptstadt, nach der Unabhängigkeit beseitigt)

 
Litauen:

Alle Statuen wurden nach 1991 abgebaut und einige davon später im Grutas-Park neu aufgestellt. Sie waren alle während der Zeit der Sowjetunion errichtet worden und standen unter anderem in Vilnius  (in der Hauptstadt gab es mindestens zwei Statuen, von denen eine neben einer Statue des Vorsitzenden der Litauischen Kommunistischen Partei Kapsukas stand), Kaunas, Klaipėda, Šiauliai, Jonava, Druskininkai, Jurbarkas (der Jurbarkaser Lenin ist jetzt Teil einer Installation im Europos Parkas von Vilnius).

 
Bulgarien: Hauptstadt Sofia, 1991 abgebaut

 
Deutschland:

Berlin:

Eine 19 Meter hohe Statue von Nikolai Tomski aus Granit wurde 1970 auf dem Berliner Leninplatz (heute Platz der Vereinten Nationen) aufgestellt. Sie wurde 1992 entfernt und außerhalb Berlins gelagert. Über eine Wiederaufstellung wird diskutiert, bisher ist es jedoch noch zu keinem konkreten Ergebnis gekommen.

 
Eine Büste von Lenin ist noch zu sehen auf der Mauer des ehemaligen Schwimmbades der Russischen Botschaft in der Behrenstrasse.

 
Eine lebensgroße Leninfigur befindet sich auf dem Betriebsgelände einer Recyclingfirma in Berlin-Kreuzberg

 
Dresden, 1974 wurde ein steinernes Lenindenkmal, gestaltet von Grigorij Jastrebenetzki, mit zwei begleitenden Arbeiterfiguren auf dem Wiener Platz aufgestellt und von Hans Modrow eingeweiht. Die Büsten des 1992 demontierte Ensembles präsentierte der Künstler Rudolf Herz 2004 im Rahmen seiner Aktion Lenin on Tour nochmals in Dresden.

 
Rumänien:

Bukarest (aufgebaut vor der Casa Presei Libere im April 1960, abgerissen im März 1990)

 
Polen:

Krakau, 1989 abgerissen

 
Andere:

 
2010 Georgien

http://www.welt.de/

26.08.2010-Turkmenistan: „Turkmenbaschi“-Denkmal wird abgerissen

http://news.orf.at/stories/2011120/
 
2010 Stalins Geburtsstadt Gori reißt Denkmal ab

http://diepresse.com/

 
Wichtig – Spanien 2009 - Abriss faschistischer Denkmale wird per Gesetz verordnet!

http://politik-gesellschaft-europa.suite101.de/

 

Selbstverständlich ist die Liste nicht vollständig!

Mit Tiroler Grüßen


Roland Lang

Leitungsmitglied der SÜD-TIROLER FREIHEIT

Lorenz Puff

Bezirkssprecher der SÜD-TIROLER FREIHEIT


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Kommentare (5)
1. 07-09-2010 07:16
 
Die Idee, das Denk- zum Mahnmal umzugestalten, könnte sich zum Trojaner für Südtirol entwickeln. Es wird den Italienern Tür und Tor öffnen, das Ding ein weiteres Mal zu nutzen. Nämlich dafür, damit noch ihre Rolle bzw. Lebenslüge, als die der "Faschos light", die sich selbst "befreiten" (gegenüber den teuflischen Deutschen) darzustellen. Und sich somit ein Stück weit aus der Verantwortung zu relativieren. Das Denkmal ist aber, mit wenigen Erklärungen die dort anzubringen wären, bereits ein Mahnmal. Umso eindrucksvoller, je mehr man es original erhält. Und zwar für Besatzung, Unterdrückung,Ausbeutung, Entrechtung und Erniedrigung Südtirols durch Italien. Sonst nichts. Völkermorde an Armeniern, Juden oder Indianern haben darin nichts zu suchen. Wenn erstmal alle Südtiroler Schulklassen busweise zum Schämen und Gruseln da durchgeschleust werden, so wie das in Deutschland an ähnlichen Stätten geschieht, ist es nur noch ein kleiner Schritt, bis jede unliebsame konservative Haltung mit der Faschokeule in Grund und Boden gehauen wird.
 
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2. 05-09-2010 07:58
 
armer steger
wenn er so was von sich geben muss....entweder in der Geschichtsstunde in der Oberschule nicht aufgepasst oder vom Landesluis das so eingeimpft bekommen, damit man den zukünftigen Koalitionspartner auf Landesebene (PDL) nicht vor den Kopf stößt..... 
Die Allierten haben in ganz Deutschland und Österreich sofort nach Einmarsch 1945 alle Denkmäler, ng ALLER Faschodenkmäler und Zeichen. Wer immer nur nachgibt bekommt noch eine reingehauen als Dank...das sollte Herr Steger auch mal überlegen..und welchen Dank hat die SVP für ihren Schmusekurs seit Jahren??? Stinkefinger von Berlusconi und Biancofiore sowie pol. Eiszeit zwischen Rom und BOzen....das würde mir auch zu denken geben..... 
Diese Schandmäler sind eine Belidigung für jeden deutschen Südtiroler und verhöhnen unsere Geschichte udn auch die unseres Heimatlandes Österreich (da das Schandmal auf ehemaligen Denkmal für die Kaiserjäger aufgebaut wurde).
 
stefan
3. 03-09-2010 08:30
 
Jetzt schon Pilgerstätte für Faschios
L.- Präsident Steger und einige Exponenten der Stadt- SVP hofften mit ihrem Schmusekurs mit den Neofaschisten auf noch mehr italienische Wählerstimmen, da sie zu Recht befürchten müssen, bei Neuwahlen zum Parlament und Senat nicht mehr die 40% zu erreichen. Dann nämlich würde kein Einziger nach Rom kommen. OH Gott, wie schrecklich.... 
Nein, im Gegenteil: 
Endlich hätten sie Zeit, Gewissenserforschung zu betreiben, den Wählerwillen der deutschen/ladinischen Bevölkerung zu erkunden und sich um das eigene Volk zu bemühen. Was für eine schöne Vorstellung!!! 
Die unerträgliche Schleimerei nützt so und so nichts, denn Urzí hat ihnen sofort widersprochen, und es ist jetzt schon klar, daß das Siegesdenkmal als Pilgerstätte der Faschios nicht nur bleibt, sondern noch aufgewertet wird. 
Wusstet Ihr, daß in der Krypta bereits ein Museum besteht? 
Museum der faschistischen Ära für neofaschistische Pilger. 
 
Die Nichtzusammenarbeit mit dem Schlechten gehört ebenso zu unseren Pflichten wie die Zusammenarbeit mit dem Guten. 
 
Mahatma Gandhi
 
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4. 02-09-2010 22:42
 
Jetzt schon Pilgerstätte für Faschios
Herr Steger sollte das Wort ganz langsam lesen. DENK MAL ! ! !
 
Pichler Gerhard
5. 02-09-2010 19:09
 
Problem Geschichtskenntnisse
Das Problem ist, dass solche Leute wie der Landtagspräsident etwas sagen, ohne die Situation vorher zu analysieren. Man sagt in dem Fall einfach irgendwelche Sachen aus dem Bauch heraus, ohne die Realität in Europa zu kennen oder in dem Moment abzurufen. Das ist alles andere als professionelles poltisches Gechick und weit entfernt von fundamentalen Geschichtskenntnissen, die man in so einem Amt in Südtirol schon haben sollte.
 
Steffl

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