Kritik an Schulexperiment
Montag, 7. Juni 2010
hartmuth_staffler_2009_650.jpgKritik an einem Schulexperiment, das an der deutschen Grundschule in Milland ab dem kommenden Herbst geplant ist, äußert der Brixner Gemeinderat der Süd-Tiroler Freiheit, Hartmuth Staffler, in einer Aussendung. Das Projekt gefährde den muttersprachlichen Unterricht und sei ein Schritt hin zur gemischten Schule, die der kulturellen Selbstständigkeit der Süd-Tiroler den Todesstoß versetzen würde.

In einer der beiden ersten Klassen der deutschen Grundschule Milland soll ab Herbst der Italienischunterricht von einer auf vier Wochenstunden erhöht werden. Davon sollen zwei Stunden Sprachunterricht sein und zwei Stunden fremdsprachlicher Unterricht in anderen Fächern. Diese Stundenverschiebung, die zu Lasten des Deutschunterrichtes geht, ist anscheinend im Rahmen der neuen Schulautonomie möglich.

Die Landtagsabgeordneten der Süd-Tiroler Freiheit, Dr. Eva Klotz und Sven Knoll, haben bereits eine Anfrage im Landtag eingebracht, um diesen Aspekt zu klären. Volkstumspolitisch sei das Experiment auf jeden Fall abzulehnen, erklärt Gemeinderat Hartmuth Staffler. Etwa die Hälfte der Eltern der einzuschulenden Erstklassler haben sich für das Experiment entschieden. Die Eltern hätten sicher im guten Glauben gehandelt, ihren Kindern aber einen schlechten Dienst erwiesen, meint Staffler.

Eine Schwächung des Deutschunterrichtes sei nicht zu verantworten, da die Beherrschung der Schriftsprache ohnehin rückläufig sei und vor allem die Achtung vor unserer Sprache zurückgehe. Die Verstärkung des Italienischunterrichtes auf Kosten des Deutschunterrichtes sei außerdem ein erster Schritt zu einer gemischten Schule. Die Beispiele Aosta oder Elsaß, wo die französische bzw. die deutsche Sprache beinahe vollständig verloren gegangen sind, sollten den Eltern zu denken geben.

Hartmuth Staffler
Brixner Gemeinderat der SÜD-TIROLER FREIHEIT


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Kommentare (5)
1. 08-06-2010 07:14
 
Verarmung der dt. Sprache
Dass Sprachen eine "Bereicherung" sind, sagen gerade die Süd-Tiroler. 
Die Süd-Tiroler sind gerade die, die im deutschen Sprachraum (fast) am wenigsten Hochdeutsch sprechen bzw. sprechen können.  
Die Italienischunterricht führt deshalb nur weiter zu einer Vernachlässigung und Verarmung der deutschen Muttersprache.
 
ff
2. 07-06-2010 19:36
 
Deutsch
Bin mit Hrn. Stafflers Ansatz einverstanden. Allerdings ist Deutsch nicht nur in Südtirol rückläufig, sondern überall, wo noch deutsche Kulturreste bestehen — denn mehr als ein Rest ist es in Deutschland auch nicht mehr. Mögen andere sich zu den Gründen dafür äußern. Der deutsche Wortschatz schrumpft fortwährend, und die deutsche Schreibschrift, ja sogar die Frakturschrift, können immer weniger Deutsche lesen. Und wie ist es mit dem Englischen? Die meisten english native speaker können Shakespeare nicht mehr verstehen, weil ihr Wortschatz dazu zu klein geworden ist. Was heute als „Schlüssel zur Welt“ gilt, ist keine englische Sprache mehr, sondern ein teils trivialisiertes, teils fachspezifisches, englisch klingendes Proletenlatein.
 
Jörg
3. 07-06-2010 13:04
 
Fremdsprachen
@ Michele Lupoli 
Es stimmt vollkommen, dass jede zusätzliche Sprache, die man lernt, eine Bereicherung ist. In unserer spezifischen Südtiroler Situation ist es allerdings so, dass die Beherrschung der deutschen Standardsprache rückläufig ist, weil man auch im öffentlichen Leben immer mehr zum Dialekt übergeht. Italienisch lernen unsere Kinder aber hauptsächlich als Hochsprache kennen. Die Folge davon ist eine ähnliche Entwicklung wie in Aosta und im Elsaß: Die Muttersprache reduziert sich auf einen nur privat verwendeten Dialekt, die einzige beherrschte Hochsprache wird Italienisch bzw. Französisch. 
@ Hermann Taber 
Gegen die Motorsportveranstaltung am Domplatz habe ich bereit direkt bei den Verantwortlichen protestiert. Da die Veranstaltung (wohl aus Angst vor Reaktionen) kaum publik gemacht wurde, war es mir im Vorfeld nicht möglich, eine öffentliche Stellungnahme dagegen abzugeben. Ich werde aber das Thema weiter aufmerksam verfolgen
 
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4. 07-06-2010 12:19
 
Fremdsprachen
Zum obigen Thema bin ich voll und ganz auf eurer Seite. 
Aber Kollege Staffler ich vermisse deinen Protest bei dieser sinnlosen Krachmacherei auf dem Brixner Domplatz. Wir treten ein für VOLK und HEIMAT ,da ist solch eine Veranstaltung noch dazu mitten in der Stadt absolut abzulehnen . 
Denn bekanntlich Ist Lärm eine der Gefährlichsten Krankheitsverursacher 
Auch wenn das Thema hier leider noch nicht erkannt wurde erwarte ich mir von unseren Vertretern schon mehr Einsatz. 
HT
 
Hermann Taber-Schenna
5. 07-06-2010 11:17
 
English @primary school
Ich finde diese Gedanken und Ängste unangebracht. Die Muttersprache bleibt für immer Deutsch und geht nur unter wenn sie nicht mehr im privaten sowie öffentlichen Leben gesprochen wird. 
 
Es ist meines Erachtens eine Bereicherung für uns SüdTiroler, dass wir von Kindesbeinen an zwei Sprachen lernen und nutzen können! 
Fakt ist, dass man leichter andere Sprachen erlernen kann, wenn man früh genug damit anfängt. 
 
Wichtiger fände ich es aber mehr Englisch und weniger Italienisch den kleinen Kindern beizubringen. 
 
Englisch ist nämlich der eigentliche Schlüssel zur Welt, um nicht den Anschluss zu verlieren.
 
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