Quim Arrufat: Beispiel für jungen, modernen Freiheitskampf
Donnerstag, 27. Mai 2010

quim_arrufat.jpgEin zahlreiches und sehr interessiertes Publikum war gestern beim Vortrag von Quim Arrufat, dem jungen Katalanen, der auf Einladung der überparteilichen Arbeitsgruppe für Selbstbestimmung über die Unabhängigkeitsbewegung in seinem Land berichtet hat. 

Innerhalb kurzer Zeit ist es in Katalonien mittels selbst verwalteter Volksbefragungen gelungen, 40 % der Bevölkerung für die Unabhängigkeit Kataloniens zu gewinnen. Dies auch dadurch, dass man mit großem Einsatz den Zuwanderern das Katalanische, vor allem die Sprache und die bodenständige Kultur näher bringt und sie für modernen, demokratischen katalanischen Patriotismus begeistert.
Überall in Katalonien gilt das Katalanische als erste Amtssprache, und wer sich weigert, die Sprache zu lernen und zu sprechen, muss mit Unverständnis und Abweisung rechnen.
Quim Arrufat hat vor allem den jungen Zuhörern in Bozen ein sehr sympathisches und menschliches Beispiel für demokratischen, aber  entschiedenen und selbstbewussten Kampf für Ideale wie Freiheit und Gerechtigkeit vermittelt!

Lt. Abg. Dr. Eva Klotz

27. 5. 2010


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Kommentare (7)
1. 29-05-2010 12:41
 
In Katalonien arbeitet aber nicht die größte Landespartei gegen das eigene Land. In erster Linie müssen sich unsere "Patrioten" gegen die Volkspartei zur Wehr setzen nicht gegen Zuwanderer. Und dann bleibt natürlich nicht genug Geduld für "siamo in Italia" Diskussionen mit Italienern, Albanern oder Anderen. Würden alle Südtiroler an einem Strang ziehen sähe meines Erachtens die Situation mit Zuwanderern ganz anders aus.
 
h
2. 28-05-2010 22:37
 
Du scheinst immer noch nicht den Punkt ganz begriffen zu haben: bei uns ist leider Selbstbestimmung immer nur ein Thema fuer ueberfoerderte Schuetzen und Patrioten. Da das gesamte Schuetzenbund etwa 1% der Bevoelkerung ist, dann stellt man sich die Frage wie dies gelingen kann.  
Man solle, eben wie di Katalaner machen, die ganze Geschichte den Leute und ich meine *allen* Leute naeher bringen. Man muesse Loesungen finden die fuer *alle* gut sein koennen. "Los vom Rom" koennen wohl alle bei uns sagen: da braucht man kein Held, aber ohne Inhalt ist es nicht genug. 
 
Wieso sollte ein Zugewanderter oder ein Italiener weg wollen? Weil Suedtirol immer "italienischer" wird und dies gefaellt in mancher Patriot nicht? woasch wia's ihmene wurst isch? 
Wieso sollen die Ladiner eine neue Staatsgrenze durch ihre Taeler akzeptieren? Immer wegen solche Bierbudl-Patrioten? 
 
Wieso werden die Informationsaktionen immer von der gleichen Leute gefuehrt und fuer das gleiche Waehler-Target?  
Welcher Selbstbestimmungsbefuerwoerter bringt bei uns Traditionen und Kultur den anderen Mitbuerger naeher? 
 
Nur ich, dass ich weiss. Viele mochte-gerne-Patrioten geben sich mit einem "Los vom Rom"-Laibele schon zufrieden...
 
fabivS
3. 28-05-2010 18:47
 
@fabivS
Was an meinem posting für dich merkwürdig ist oder sein könnte ist für mich nicht ganz nachvollziehbar ... aber das macht ja nichts ... der Inhalt meines postings bleibt dennoch richtig ... und ehrlicher Patriotismus ist für manchen eben gar etwas sehr Fremdes ... Ps.: Und keine Angst, wir "Fremden" hier in Innsbruck greifen "euer Land" schon nicht an ... ich denke, das schafft bei "euch" so manch einer selber, wenn er immer "italienischer" wird ... da braucht es keine "Fremden" aus Innsbruck ... aber das macht ja auch nichts ... . 
 
Guten Abend aus Innsbruck
 
homunculus
4. 28-05-2010 15:58
 
@fabivS
Interessant waere fuer mich zu wissen was man in Innsbruck ueber unser Land so bescheidt woasst dass man mit solche Sicherheit darueber reden kann... aber macht nichts. 
 
Vielleicht solltest du selber die Erfahrung machen: also, wenn einmal zu einem Festl bei uns kimmsch, dort wirst du sicherlich (ist halt immer so) am Bierbudl ein paar Patrioten mit rotem Adler auf dem schwarzen Hemd finden; Wenn auch solche Sprueche wie "Ein Tirol" oder "Dem Land Tirol die Treue" drauf stehen, magst du kein Zweifel mehr haben.  
Dann Probier ihnen mal *hoeflich* auf italienisch anzureden; etwa so: "Salve ragazzi, come va stasera?" dann schau mal was passiert... 
 
Wenn du dann daheim kommst, schreib mir ruhig weiter ueber den "grossen Einsatz" der Tiroler Patrioten "ihre Sprache und Kultur den Zugewanderten naher zu bringen" und schaugmor ob mir dechtersch fa dn Katalanen epps gscheids drlernen kanntn...
 
fabivS
5. 28-05-2010 08:14
 
Unterschied Katalonien
@fabivS: 
 
Der Unterschied zwischen Katalonien und Süd-Tirol besteht erstens darin, dass Spanien von außen einen viel demokratischeren Umgang zu einer Minderheit hat und jene anerkennt und nicht zu verändern versucht und zweitens vorallem darin, dass die örtliche Politik IN Katalonien und somit von innen ihre eigene Identität und Kultur schützt, fördert und VORALLEM nicht VERWÄSSERT, so wie dies die SVP in Süd-Tirol macht. Dort hat man manchmal als Außenstehender den Eindruck, dass die SVP einem vorauseilenden Gehorsam gehorcht und versucht zur allgemeinen Befriedung nach Süden italienischer zu sein als die Italiener selbst - eine denkbar schlechte Ausgangslage also, um die eigene Tradition, Kultur und Ethnie zu stärken und zu fördern und sie auf den Schritt der Unabhängigkeit vorzubereiten, welchen die SVP wahrscheinlich meines Erachtens schon längst aufgegeben hat. 
 
Grüße und guten Morgen aus IBK
 
homunculus
6. 27-05-2010 14:38
 
Unterschied Katalonien
>mit großem Einsatz den Zuwanderern >das Katalanische, vor allem die >Sprache und die bodenständige Kultur >näher bringt und sie für modernen, >demokratischen katalanischen >Patriotismus begeistert 
 
Genau das Gegenteil was in Suedtirol passiert...  
Da bleibt die Selbstbestimmung ein Thema fuer Aktivisten und Schuetzen. Nicht nur den Zugewanderten wird gar nichts naeher gebracht, sondern auch den Italienern nicht... und sie sind schon seit a Weilele hier im Land!
 
fabivS
7. 27-05-2010 13:30
 
Katalonien und Süd-Tirol
Bitte nicht vergessen, nach dem Fall des faschistischen Franco-Regimes 1975 hat das neue demokratische Spanien dem Land Katalonien und Baskenland die heute dort gekannte und gelebte Autonomie innerhalb des Königreiches aus völlig freien Stücken gewährt, dazu Zug um Zug mit Rechten ausgestattet, von denen die Autonome Provinz Bozen Südtirol auch heute noch nur träumen kann, wie z.B. die eigene der Autonomie unterstellte Katalanische oder Baskische Landespolizei, eigene Judikatur, Regelung der Frage der Toponomastik, also des offiziellen und nicht nur geduldeten Gebrauchs der Katalanischen Sprache, sowie der Orts- und Flurnamen, Finanzhochheit, Landesmedien, Gebrauch der Katalanischen Sprache als erste Sprache des Landes in den Schulen etc. Dieses Land hat seine heute gelebte Autonomie von Spanien nach 1975 aus tiefster demokratiepolitischer Überzeugung heraus erhalten, ohne Bürgerkrieg ähnliche Zustände wie seinerzeit in Süd-Tirol und ohne das ewige Gezerre, und niemand in Madrid in der Zentralregierung denke nur im Traum daran, diese Menschenrechte der Autonomie für Katalanen in irgendeiner Form einzuschränken, so wie im Fall der Südtiroler Autonomie dies der Fall in Rom vom Anfang an war und weiterhin ist. 
 
In Katalonien oder in Spanien terrorisiert auch niemand die Katalanen mit faschistischen Fetischen, Denkmalen, oder Relikten aus dieser Zeit, ganz im Gegenteil, so gut wie alle derartige Erinnerungen an die Zeit der Unterdrückung sind aus dem öffentlichen Bild berreits vor Jahren zur Gänze verschwunden, zuerst aber gerade in Katalonien und im Baskenland. Welcher Kontrast entsteht dabei im Vergleich zum Duce-Jurasic Park Alto Adige vulgo Südtirol!  
 
Das demokratische Spanien überlegt seit Jahrzehnten schon, wie kann es den Minderheiten politisch noch weiter entgegenkommen, bis sie mit und in diesem Staat zur Gänze zufrieden sind, und nicht wie in Italien wie man eine Scheinautonomie verwaltet, z.B. in Aostatal, Sardinien oder Friaul, bis sie irgendwann so verwaschen ist, dass man sie nicht mehr so gut erkennt und daher entsorgt. So gesehen hat Katalonien das Glück, trotz aller noch vorhandenen Probleme mit dem spanischen Staat, dass es als historisch gewachsene Region dieses Landes bereits über so viele Rechte der Autonomie verfügt, dass es sich frei nach eigenem Ermessen entwickeln kann. In einem neuen Europa der EU, der gelebten Demokratie und Menschenrechte, wo die alten Staatsgrenzen immer mehr an Bedeutung verlieren, wird es vielleicht sogar einen neuen Staat mit dem Namen Katalonien als Teil des Königreich Spanien nach dem Beispiel des vereinigten Königreichen von Großbritannien einmal geben können. In Süd-Tirol hingegen scheint scheinbar weiterhin der politische Stillstand das politische Geschehen in den Autonomiefrage zu beherrschen. Das geben sogar unumwunden immer wieder etliche Spitzenpolitiker der SVP zu, wenn sie sagen, die "dynamische Autonomie ist in Südtirol tot". Die rot-weiß-rote politische Bewegung der Süd-Tiroler Freiheit wird aber Gott sei Dank aus der Opposition heraus ohne Zeitlimit dafür sorgen, dass die Ideale der Tiroler Landeseinheit und der ethnischen Selbstbestimmung in diesem Land weiterhin hochgehalten werden. Dank diesem beispielhaften patriotischen Einsatz für die Selbstbestimmung des Landes Süd-Tirol gibt auch schon heute eine klare friedliche und zur Gänze demokratisch legitimierte Perspektive einer von der Fremdbestimmung freien Zukunft des Landes, das mit der bekannten politischen Parole der STF "Süd-Tirol ist nicht Italien", auch wie das Land Katalonien mit zulässigen Methoden für die Freiheit auf eigene ethnische Selbstbestimmung kämpft. In Spanien ist es schon selbstverständlich geworden, wenn jemand sagt oder schreibt, Katalonien ist nicht Spanien, ethnisch, kulturell aber auch sprachlich nicht.  
 
Beide Länder eint gestern, heute und morgen der Wunsch nach der Beantwortung der so oft schon gestellten eigenen Frage der ethnischen Selbstbestimmung, bis sie endlich einmal hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft zufriedenstellend für die meisten Menschen in diesen Ländern beantwortet werden kann.  
 
WE SHALL OVERCOME! 
 
http://www.youtube.com/watch?v=GUjGejeqU1s
 
Markus Anton

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