Vor 95 Jahren: Italien erklärt Österreich den Krieg - Ab 23. Mai 1915 wird Tirol Kampfgebiet
Donnerstag, 20. Mai 2010
tir_1915_05_24_1_object_120234.pngVor 95 Jahren, am 23. Mai 1915, erklärte das Königreich Italien dem Kaiserreich Österreich-Ungarn den Krieg. Trotz vertraglich zugesicherter Neutralität, der Bereitschaft Österreichs, italienische Gebiete einschließlich Welsch-Tirols Italien zu überlassen, war Rom unersättlich, stellt Roland Lang von der SÜD-TIROLER FREIHEIT fest. Als die Entente auch das deutsche Süd-Tirol anbot, unterschrieb der römische Gesandte am 26. April 1915 den Londoner Geheimvertrag, der einen Kriegseintritt Italiens gegen Österreich vorsah. Am 23. Mai 1915 erklärte Italien Österreich den Krieg!

Kriegstreiber wie Gabriele d`Annunzio und die italienische Propaganda gaukelten der Jugend vor, dass sie für die Wiedererlangung der „unerlösten Gebiete“ des Trentino und Julisch Venetiens in den Kampf ziehen würden. Auch Benito Mussolini forderte den Krieg!

In Wahrheit aber wurde die Jugend Italiens für das imperialistische Ziel der Eroberung nichtitalienischer  Gebiete auf die Schlachtbank geführt, denn Österreich hätte Italien alle italienischen Gebiete zum Preis der Neutralität überlassen.

So starben mehr als 600.000 Italiener im Gebirge und in der Hölle des Karstes. Sie traten mit den sehnsüchtigen und patriotischen Liedern ihrer Heimat auf den Lippen zum Sturm gegen das "barbarische" Österreich an und fielen für eine Lüge im Kampf gegen eine Fiktion.

Kaiser Franz Josef erklärte in seinem Manifest "An meine Völker" am 23. Mai 1915:

Der König von Italien hat Mir den Krieg erklärt. 
Ein Treubruch, dessengleichen die Geschichte nicht kennt, ist von dem Königreich Italien an seinen beiden Verbündeten begangen worden. Nach einem Bündnis von mehr als dreißigjähriger Dauer, während dessen es seinen territorialen Besitz mehren und sich zu ungeahnter Blüte entfalten konnte, hat uns Italien in der Stunde der Gefahr verlassen und ist mit fliegenden Fahnen in das Lager unserer Feinde übergegangen. Wir haben Italien nicht bedroht, sein Ansehen nicht geschmälert, seine Ehre und seine Interessen nicht angetastet, wir haben unseren Bündnispflichten stets getreu entsprochen und ihm unsern Schirm gewährt, als es ins Feld zog, wir haben mehr getan: Als Italien seine begehrlichen Blicke über unsere Grenzen sandte, waren wir, um das Bündnisverhältnis und den Frieden zu erhalten, zu großen schmerzlichen Opfern entschlossen, zu Opfern, die Unserem väterlichen Herzen besonders nahegingen. Aber Italiens Begehrlichkeit, das den Moment nützen zu sollen glaubte, war nicht zu stillen, und so muß sich das Schicksal vollziehen. …..“

Mit der Kapitulation am 3. November 1918 wurde Südtirol dann „erobert“. Italienische Truppen rannten vor den erstaunten  Augen österreichischer Soldaten zum Brenner. Die Fremdherrschaft und der Opfergang des südlichen Tirols begann …!

Roland Lang
Leitungsmitglied der SÜD-TIROLER FREIHEIT



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Kommentare (6)
1. 23-05-2010 07:33
 
Wenn einer das Selbe tut und meint ist e
Wenn Markus Athon von barbarischer Anexion und der ganzen Gschicht drum herum schreibt, hat er natürlich recht! Aber dieses gabnze ´es war einmal und wenn sie nicht gestorben sind....´ hat noch eine ganz andere tiefgreifendere Seite. Beispiel: Heute liest man von Napoleon und von Bayern die Tirol bestzten etc. aber man schreibt nie von der Phalangs die das ganze geheim steuern. Das war schon bei den berühmten Musketieren so, und ist es bis heute. Es gibt ein Europäschier Amerikanischer Geheimbund, der von angezettelten Kriegen, Wirtschaftslobby und Konzernmacht, auch in den Kirchen, wenn es sein muss auch mal Revolution. Als Erzfeind ihrer Ideale gegen die Christen, wurden systematisch die Muslime in Masse als Gegenpol der Christen hergekarrt, im Stiele des Geheimbundes der Idale von einem Weltvolk der Globalisierung ist unsere Gesellschaft gesteuert, nur merken wir es nicht. etc. Sie ziehen in allen Bereichen der Gesellschaft die Fäden. Napoleon war einer von denen aber auch ein Monteglass der in Bayern den König gegen die Tiroler diplomatisch schon Jahre vorher als Berater, dann im Feld gegen eigen Brudervolk verbluten ließ. Wenn ein Student den Ferdinat murkste, das war nur ein dummer Fanatiker, der der ihn aufgestachelt hatte, das war die stille Macht. Für höchste Politiker in der ganzen Eu die da drinnen sitzen gibt es in Wahrheit keinen Staat. Wenn z. B. Tiroler dort dabei sind und Italiener auch und noch beide nach aussen in der gegnerischen Politik, sind sie in wirklichkeit die dicksten Freunde, denn für die gelten die Ideale dieser EU Gang zu vertreten, nicht die Südtiroler, statt für sie wohl  
gemerkt; ein billiges Miniaturgebilde der Südtiroler in der EU. Und es ist nur eine Frage der Zeit, ähnlich es der SVP erging, bis nach aussen patriotisch gebende Männer und Frauen aus diesem Geheimgebilde in die Südtiroler Freiheit eintreten,wenn sie es nicht schon sind, nach aussen diesen Idealen dienend aber in Wahrheit geheim und zwiespältig den Idealen dieser Geheimgang hoffieren.
 
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2. 22-05-2010 14:20
 
Kriegsparteien
...und diese Besatzungsmacht besetzt immer noch das österreichische Süd-Tirol. 
 
...und seit den Gemeinderatswahlen wissen wir offziell, dass die Südtiroler(!) Volks Partei diese Besatzungsmacht vertritt.
 
ff
3. 21-05-2010 11:53
 
@ homunculus
Ich möchte gerne in diesem Zusammenhang zu Ihren interessanten Ausführungen noch etwas wissenswertes hinzufügen. Die Insel Korsika mit der von ihr besiedelten Ethnie, die weder französisch noch italienisch war oder ist, die sehnte sich im Jahre 1919 oder vor allem später im Zweiten Weltkrieg nach dem 10. Juni 1940 (Kriegserklärung des Königreich Italien an das Nachbarland Frankreich zum Zwecke der territorialen Annexion) so sehr nach dem Stiefelstaat, wie auch die deutschsprachigen,ladinischen aber auch zum Großteil Welsch-Tiroler im November 1918 sich nach diesem Staat gesehnt haben. Die Korsen sind dazu ziemlich ident mit den Sarden und beide Völker betrachten sich weder als Franzosen noch als Italiener, sondern in erster Linie eben als Korsen oder als Sarden, abgesehen von der gegenwärtigen Staatsangehörigkeit. Dennoch ist die Zugehörigkeit der beiden Inseln zu den jeweiligen Staaten historisch gewachsen und man kann sie nicht so ohne weiteres verändern.  
 
Im Falle von Süd-Tirol ist das anders, da dieses Land als Folge einer barbarischen Eroberurgsgier und Annexionslust des Stiefelstaates von seinem eigenen sprachlichen, kulturellen und ethnischen Vaterland 1919 gegen schon damals international gut gekannte und geltende Völkerrecht auf ethnische Selbstbestimmung gewaltsam abgetrennt wurde, zu dem es über 600 Jahre gehörte. Das faschistische Italien des Duce versuchte bis zum Zusammenbruch dieses Regimes 1943 nicht nur die deutschsprachigen Süd-Tiroler zu italianisieren, sondern auch die italienischsprachigen Welsch-Tiroler im Trentino. Nach den eindeutigen Worten des italienischen Politikers und Staatsmanns dieser Jahre Alcide Degasperi zu urteilen, hätten weder die deutschen noch die italienischen Süd-Tiroler jemals in einer freien Abstimmung mehrheitlich für Italien als ihren Staat bis zum Pariser Autonomievertrag 1946 abgestimmt. Heute ist das natürlich anders, aber auch hier sagte zum Beispiel in den letzten Monaten und Jahren wiederholte Male der amtierende Landeshauptmann von Südtirol Luis Durnwalder, dass nach entsprechender Vorbereitung von sechs Monaten auch heute die meisten Süd-Tiroler in der Provinz Bozen also mehrheitlich für Österreich und gegen Italien als Staatsmacht im eigenen Land abstimmen würden. Von der durchaus möglichen 2/3 Mehrheit für die Selbstbestimmung überhaupt ganz zu schweigen. Er nennt immer als Alternative der Selbstbestimmung nur die Rückkehr des Landes Südtirol zu Österreich und nicht die Option eines Freistaates, die es meiner Meinung nach objektiv gesehen auch nicht gibt.  
 
Der notorische Geschichts- und Ortsnamenfäscher in Süd-Tirol und "Vordenker" des Duce-Faschismus Ettore Tolomei, der soviel Leid dem Land Tirol gebracht hat, der meinte Anfang der 20er Jahre kurz nach der Annexion, die ethnische Umfärbung würde nur einige Jahrzehnte in Süd-Tirol dauern. Später in den 30er Jahren stellte er resignierend fest, die Treue zu Tirol und Österreich sei vom Brenner bis Salurn, und sogar noch weiter südlich, bei den Menschen so stark und die Ablehnung von Italien als Staat mit einer anderen Sprache und Kultur sei in diesem "widerspenstigen Gebirgsvolk" dermaßen tief verwurzelt und festgefahren, dass es Italien nicht einmal in 100 Jahren gelingen wird, Alto Adige dauerhaft zu italianisieren. Wie sehr er ausnahmsweise Recht gehabt hat, das wissen wir alle heute, schade nur dass später der Stiefelstaat auf ihn nicht gehört hat, sondern den alten Wahnsinn der ethnischen Umfärbung des Landes bis in die späten 70er Jahre sogar zum Preis eines de facto Bürgerkrieges geführt hat. Erst die nach so viel Leid, durch die Arbeit unzähliger Tintenburgen und Diplomatenschweiß der Österreicher, mit Blut und Tränen der Süd-Tiroler ab 1972 bis 1992 hart erkämpfte Autonomie brachte eine gewisse Beruhigung der Lage. Dass diese heute gelebte Autonomie bereits von Italien 1946 Süd-Tirol der bella figura in Europa wegen hoch und heilig versprochen und natürlich bis 1972 nicht eingehalten wurde, das ist für die politische Kultur des Stiefelstaates für alle Zeiten charakteristisch und sollte auch immer vor allem für die Regierungspartei SVP und die internationale Schutzmacht der Südtiroler Interessen das Vaterland Österreich eine dauerhafte Mahnung sein. Italien verfolgte und verfolgt weiter in seiner Südtirol Strategie die Politik des geringsten Widerstandes und macht immer das, was zum gegebenen historischen Zeitpunkt an weiterer Italianisierung des Landes gerade möglich ist. Ich glaube, da sollte man sich keine Illusionen machen, dass diese Einstellung der politischen Eliten in Italien sich jemals ändern wird.  
 
Was noch Korsika und Frankreich betrifft, so erklärte der Duce fast genau vor 60 Jahren am 10.Juni 1940 dem Nachbarland im Westen den Krieg, weil er geglaubt hat, so ähnlich wie im Ersten Weltkrieg, sein Land würde durch richtige Bündnisse, die momentane Schwäche des Gegners schamlos nutzend, große territoriale Gewinne erzielen. In seinem Wahn wollte der Benito Mussolini gleich halb Frankreich seinem Reich anverleiben. Nicht nur das, er wollte Italien als neue Kolonialmacht vor allem in Afrika sehen und aus diesem Grund auch die meisten Kolonien des Nachbarlandes nach dem "Endsieg" unter seine Kontrolle bekommen. Durch die militärische Unfähigkeit hat der Duce damals sein Land Italien, dazu an der Spitze seiner realen auch militärischen Macht, nur der Lächerlichkeit in der Welt preisgegeben. Der Überfall Mussolinis auf das geschwächte Frankreich hat im Süden in der und um die Stadt Nizza nur eineinhalb Tage gedauert, bis die aus dem Hinterhalt agierenden Angreifer von überraschten wenigen französischen Einheiten zurückgeschlagen werden konnten. Ähnlich war das Kriegsglück dem Agressor- und Kriegsverursacherland Italien auch in Griechenland und am Balkan gewogen, da auch diesmal eine andere "verbündete Macht" zumindest vorläufig bis 1943 das Kriegsgeschenen zugunsten vom Königreich Italien beeinflusst hat. Nur den Krieg gegen schwache Entwicklungsländer in Afrika konnte der Duce einigermaßen und nur auf Abruf für sich entscheiden, zum Preis zu ungeheueren Verlusten und Greueltaten an einheimischer Bevölkerung, die ihresgleichen in der modernen Geschichte suchen. Diese grauenhafte Geschichte des Duce-Faschismus ist in Italien niemals in der Form verarbeitet worden, wie z.B. die Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland. Davon zeugen auch heute unzählige Relikte aus dieser Zeit am Süd-Tiroler Boden, vor denen dieser verkommenen Ideologie auch im Namen des Staates immer wieder aufs Neue in zivilen und militärischen Paraden oder bei Kranzniederlegung der amtierenden Minister aus Rom, wie unlängst wieder einmal vor dem Duce-Tempel in Bozen, oder vor anderen Denkmälern der Schande aus dieser Epoche ungeniert gehuldigt wird. Auch darin kann man aus gesamt Tiroler Sicht einen zwingenden Grund sehen, die Beantwortung der Frage der ethnischen Selbstbestimmung der deutschsprachigen und ladinischen Süd-Tiroler in der Provinz Bozen ohne Zeitlimit anzustreben. Einem Staat, der noch nie bewiesen hat, dass er sich seiner faschistischen Vergangenheit stellen will, dem kann man auch sicher nicht in seiner Minderheitenpolitik vertrauen. Der wird nämlich in allen Zeiten seine nationalistischen Interessen weiter verfolgen. Die Qualität der Autonomien in Friaul oder im Aostatal, aber auch in der Nachbarinsel von Korsika in Sardinien sind Nachweise genug dafür. Nur in der Provinz Bozen allein gibt es noch eine Autonomie, die heute diesen Namen in einem modernen Europa verdient, die Frage ist nur, wie lange noch?
 
Markus Anton
4. 21-05-2010 08:20
 
Korsika
@Wolfgang Beer:  
 
Hinischtlich Korsika bestand politisch eine gänzlich andere Ausgangslage: Frankreich als Gegenüber war eine Siegermacht mit der es sich Italien nicht vertun wollte, war man doch auf das Wohlwollen Frankreichs schon hinischtlich des Aostatals und eben auch Südtirols angewiesen. Hier wollte man keine Missstimmung riskieren (früher gab es Missstimmungen, wenn man bedenkt, dass das Königreich Italien einst bis Grenoble ging). Letztlich ist es auch leichter dem unterlegenen Kriegsgegener etwas wegzunhehmen, als einem Gewinner.  
 
Nicht, dass Italien Korsika (und noch andere Mittelmeerinseln) nicht wollte, es war nur politisch weder mach- noch durchsetzbar. 
 
Grüße aus IBK
 
homunculus
5. 20-05-2010 14:19
 
Lehren aus der Geschichte
Am Ende des Ersten Weltkrieges sind für die von Italien zu erlösen geglaubten Gebiete (Terre irredente) weit über 700 tausend Soldaten in Uniformen des italienischen Königs gefallen, dazu ohne nennenswerte Gebietseroberungen, eher im Gegenteil. Zum Schluss stand die Armee des Österreichischen Kaisers tief in Italien. Es sind also bis November 1918 ungefähr so viele Soldaten für Italien bei der Eroberung fremder Länder und Ethnien im Krieg gefallen, wie es, nach dem Krieg durch einen Friedensvertrag erzielt, an Neubürger größtenteils gegen ihren ausdrücklichen Willen "erobert" werden konnten. Ein Hinweis darauf ist die geschlossene Petition der Südtiroler Gemeinden von 1919 an US-Präsidenten Wilson gegen die sich abzeichnende Fremdbestimmung Italiens. Dazu gehörten aber auch neben Süd-Tirol solche Länder wie Istrien und Dalmatien, die meisten schon damals von Kroaten und Slowenen besiedelt waren, die bei der nächsten historischen Auseinandersetzung im Zweiten Weltkrieg die alten Konflikte fortgeführt und entschieden haben. Der Preis für Italien war nach 1945 bis 350 tausend schuldlos aus der eigenen Heimat vertriebene Italiener, weil dieses Land nicht fähig war, 1919 eine ethnisch korrekte Grenze zu ziehen.  
 
Der Erste Weltkrieg ist 1918 auf allen Seiten an Erschöpfung der Menschen und des Materials in sich implodiert. Entscheiden wurde er in oder für Italien allein durch Eingreifen der USA in das Kriegsgeschehen. Eines der Kriegsziele der damalige Alliierten Mächte war die Durchsetzung des Selbstbestimmungsrechtes für viele zum damaligen Zeitpunkt fremdbestimmte Völker Europas, die für dieses Recht über Jahrhunderte unermüdlich gekämpft haben. Auch daran ist die k.u.k. Österreichische Monarchie als multinationaler Staat zerbrochen. Das schon damals gut gekannte und nach 1919 breit praktizierte Völkerrecht auf ethnische Selbstbestimmung fand aber ausgerechnet keine Anwendung in Tirol in seinem deutschsprachigen südlichen Teil. Italien forderte für die im Krieg getanen Dienste entsprechende Belohnung, und das war auch die vermeintliche "natürliche Abwehrgrenze" am Brenner gegen eine echte Supermacht und nach dem Ersten Weltkrieg zum Kleinstaat degradiertes Österreich. Anderswo in Europa wurde aber schon damals dem Menschenrecht auf ethnische Selbstbestimmung zum Durchbruch geholfen, z.B. im Burgenland zugunsten von Österreich, aber auch in Süd-Kärnten, nur in Süd-Tirol schuf man mit dem Vollzug der Annexion einen für die Neuzeit ungeheueren Präzedenzfall der Nichtbeachtung dieses Völkerrechtes, als man die über 600 Jahre gewachsene Landeseinheit in Tirol und damit in Österreich einseitig und ohne Not aus reiner Annexionsgier und Ausnützung der Schwäche des Gegners zerbrochen hat. Diese von Italien 1918/19 und wiederholt 1946 gewählte Vorgangsweise der Nichtbeachtung des Völker- und Menschenrechtes auf eigene ethnische Selbstbestimmung, nämlich ein Land zu annektieren, das weder italienisch war, noch etwas mit Italien anfangen konnte oder wollte, war und ist meines Erachtens einmalig in der Geschichte Europas des 20.Jahrhunderts und war leider in der Geschichtsforschung nachgewiesen für anderen Ländern und Diktatoren beispielgebend bei ihren Eroberungszügen. Die weitere Geschichte der Unterdrückung und Fremdbestimmung in Süd-Tirol nach 1918 bis in die späten 70er Jahre hinein, der Kreuzweg der Süd-Tiroler und der drohende ethnische Todesmarsch ist gut bekannt. Erst die nach einem von Italien provozierten zähen und langen politischen Kampf erreichte Autonomie, wie sie in groben Zügen im Pariser Autonomie-Vertrag festgelegt wurde und wie man sie heute kennt, sicher dem Land vorläufig eine tragfähige Perspektive der bescheidenen politischen Selbstverwaltung. Die unbeantwortete Frage der Selbstbestimmung der Süd-Tiroler wird aber immer im Wege einer konfliktfreien Zukunft des Landes für alle Sprachgruppen stehen, so lange sie unbeantwortet bleibt.  
 
Eine moderne Zeit, in der wir vermeintlich leben, würde auch moderne Antworten auch in derartigen Fragen voraussetzen. In Italien war und ist das wie immer anders, aber auch deswegen, weil die offizielle Landespolitik der Süd-Tiroler im eigenen Land innerhalb der Autonomie dies oft genug ohne höhere Not zulässt. Andere Autonomien in Europa sind da viel weiter und entweder haben sie so oder so durch Wiederherstellung der Landeseinheit oder Selbständigkeit ihre geschichtlichen Fragen der Selbstbestimmung in den vergangenen 20 Jahren demokratiepolitisch meistens friedlich und glaubwürdig zufriedenstellend beantwortet, oder sie streben gerade in unserer Zeit danach weiter, wie z.B. in Schottland, Flandern oder Katalonien. Ob auch jemals in den nächsten Monaten oder Jahren auch die das Land Südtirol regierende SVP die Notwendigkeit der Beantwortung dieser Frage im Interesse der Zukunft der Bürger der Provinz Bozen einsieht, das ist eine Frage, die diese Partei nur selbst beantworten kann. Die deutschsprachige Opposition des Landes scheint schon lange eine Antwort gefunden zu haben.
 
Markus Anton
6. 20-05-2010 13:24
 
Lehren aus der Geschichte
Wieso hat sich der italienische Drang, "unerlöste" Gegenden zu "erlösen", nicht auf Korsika gerichtet ?
 
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