Interview mit Gemeinderat Stefan Zelger im Traminer Dorfblatt
Samstag, 24. April 2010
stefan_zelger_grw_tramin_2010_650.jpg Das Traminer Dorfblatt schaltete im Zuge der Gemeinderatswahlen eine Interviewreihe mit Gemeindereferenten und Gemeinderäte der verschiedenen Parteien. Der bisherige Fraktionssprecher Stefan Zelger sprach mit dem Traminer Dorfblatt über die Arbeit der SÜD-TIROLER FREIHEIT, die finanzielle Situation der Gemeinde, das Thema Dorfentwicklung, Bauprojekte und die Aussichten bei den Gemeinderatswahlen am 16. Mai. Lesen Sie im Folgenden das Interview mit Stefan Zelger von der SÜD-TIROLER FREIHEIT Tramin.

TD: Wenn Sie auf die letzten fünf Jahre der Legislaturperiode zurückblicken, wo war die SÜD-TIROLER FREIHEIT besonders aktiv und was war Ihr größter Erfolg?
Als Oppositionsvertreter war es unsere vordergründige Aufgabe die Verwaltung zu kontrollieren und unsere eigenen Schwerpunkte durch Anträge und Anfragen zu setzten. Ein Hauptanliegen war uns die Volkstumspolitik, wo wir in Sachen Toponomastik, Gedenkjahr oder Mussolinis Ehrenbürgerschaft einige Ausrufezeichen setzten konnten. Auch die Entlastung von Familien mit kleinen Kindern war uns ein Anliegen, wo wir mehrmals versuchten bei den Tarifen, etwa den Mülltarifen, etwas zu machen, womit wir leider scheiterten. Der Ensembleschutz und die Erhaltung des Dorfbilds waren uns ebenfalls besonders wichtig. Diesbezüglich stellten wir in der Baukommission und im Rat eine mahnende Stimme dar. Herauszuheben als Erfolg ist auf jeden Fall die Klärschlammthematik, wo wir gemeinsam durch sachliche Argumente, gute Medienarbeit und ein entschlossenes Auftreten die Verbrennungsanlage verhindern konnten. Das hätte ich angesichts der Stimmung im Land nicht für möglich gehalten.
 
TD: Bei welchen Tätigkeiten waren Sie mit den Ergebnissen nicht zufrieden?
Im Rückblick bin ich der Meinung, dass vor allem die wirtschaftliche Entwicklung, und teilweise der Umgang mit dem Dorfbild, nicht in Ordnung waren. Zu letzterem spreche ich vor allem die geplante Bebauung des Angers im Dorfzentrum an, wo meiner Meinung nach wenig Sensibilität für das Dorfbild gezeigt wird. Das Projekt das entstehen soll passt nicht ins Zentrum, davon sind wir überzeugt. Auch in Sachen wirtschaftliche, vor allem touristische, Weiterentwicklung haben wir Aufholbedarf. In den letzten Jahren wurde zwar viel diskutiert, es wurde an einem Weinlehrpfad gearbeitet, einem Erkundungspfad durch das Dorf Namens „Traminer Geschichten“ und andere Sachen; jedoch wurde leider nichts fertig gestellt. Zuletzt wurde das Projekt „Tramin 2020“ ins Leben gerufen um in diese Richtung zu arbeiten. Da werden wir als Opposition in Zukunft verstärkt ein Auge drauf werfen.
 
TD: In den letzten Jahren hat die Gemeindeverwaltung viele Großprojekte umgesetzt. Einige behaupten dass zu viel gebaut wurde. Was ist Ihre Meinung?
Ich möchte nur für die vergangene Legislatur sprechen in der ich Mitverantwortung getragen habe und da finde ich nicht unbedingt, dass zu viel gebaut wurde. Die großen Bauvorhaben waren, bzw. sind die Mittelschule und die Wasser- und Abwasserleitungen. Beides sind Infrastrukturmaßnahmen die notwendig wurden. Durch den gleichzeitigen Bau einer neuen Bibliothek konnten die jetzige und die Mittelschulbücherei zusammengelegt werden. Die Gemeinde gewinnt durch Freiwerden der alten Bibliothek außerdem tolle historische Räume, die verschieden genutzt werden können. Die Trinkwasserleitungen sind alt und löchrig. Insgesamt gehen durch die alten Rohre 11 Liter pro Sekunde verloren. Das ist eine unfassbare Zahl, gerade in einer Zeit wo das Wetter unberechenbarer und Wasser wertvoller wird. Ich verstehe die Bedenken der Bürgerinnen und Bürger. Die Bauvorhaben waren leider teuer, aber eben notwendig.
 
TD: Auch das Thema Dorfentwicklung scheint ein wichtiges Anliegen der Bürger zu sein. In welchen Bereichen sollten Ihrer Meinung nach in Zukunft die Arbeitsschwerpunkte bezüglich Dorfentwicklung gesetzt werden?
Auch in Sachen Dorfentwicklung müssen die finanziellen Umstände, sprich die Schulden, berücksichtigt werden. Ich bin dafür Tramin als Wirtschaftsstandort durch kleine aber kontinuierliche Schritte voran zu bringen. Dorfverschönerung, Erhalt des Dorfbildes usw. sind Schritte, die wenig kosten, leicht umsetzbar sind und langfristig wirken. Das Internet sollte verstärkt genutzt werden und ganz Tramin, allen Vereinen, Verbänden usw. ein einheitliches Erscheinungsbild nach Außen gegeben werden. Im Mittelpunkt von allem sollte der Gewürztraminer, das historische Dorf, Natur und Landschaft und auch nicht zu unterschätzen der Kalterer See stehen. Dazu braucht es aber die Anstrengung aller. Die Gemeinde könnte die Federführung übernehmen und wo möglich finanzielle Unterstützung, aber nicht die ganze Arbeit.
 
TD: Sie haben jetzt zusammen mit Ihren Parteikollegen mehrere Jahre in der Gemeindeverwaltung mitgearbeitet und damit unser Dorf auch mitgeprägt. Bei den nächsten Wahlen treten Sie wieder mit vier Kandidaten an. Welches Ziel haben Sie dabei und was möchten Sie für die Bürger bewegen?
Bei den letzten Wahlen sind wir mit vier Leuten angetreten und konnten alle vier in den Gemeinderat bringen. Diesen riesigen Erfolg zu wiederholen wird natürlich schwierig, deshalb legen wir uns betreffend unserer Ziele auch nicht auf eine Anzahl von Mandaten fest. Unser Anliegen ist, dass im Gemeinderat auch in den nächsten Jahren eine wachsame Opposition sitzt, die nicht nur nörgelt sondern sich auch einbringt. Vor allem in Sachen KVA haben wir bewiesen, dass in essentiellen Fragen der ganze Rat zusammenhält, jeder seinen Teil leistet und alle für Tramin arbeiten. Tiroler Werte, Tradition und Bodenständigkeit sind meiner Meinung nach das Fundament auf denen diese Arbeit beruhen sollte, ohne dabei den Blick für die Zukunft zu versperren und gleichzeitig offen für Innovationen zu bleiben. Edmund Stoiber hat es einmal mit dem Spruch „Laptop und Lederhose“ zusammengefasst, das gefällt mir.
 
TD: Die Finanzsituation der Gemeindeverwaltung ist derzeit angespannt. Auf der anderen Seite wünschen sich die Vereine viele verschiedene neue Projekte. Wie soll das gehen?
Die Vereine sind die Träger unseres kulturellen, sportlichen und auch wirtschaftlichen Lebens. Ganz viele Traminerinnen und Traminer, auch ich selber, sind in Vereinen aktiv. Entsprechend muss und wird ihnen auch in Zukunft entgegengekommen werden, das ist keine Frage. Gleichzeitig muss man aber mit den Vereinen offen reden und auch ihnen die angespannte finanzielle Situation erklären, ehrlich sagen was möglich ist und was nicht, und entsprechend auf Gesamtlösungen setzten. Wenn in Zukunft größere Geldmengen investiert werden, dann sollen nach Möglichkeit auch mehrere Vereine davon profitieren, damit gemäß dem alten Sprichwort mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden können.
 
TD: Herr Zelger, herzlichen Dank für das Interview!
 
Zur Person: Stefan Zelger, Jahrgang 1984, Gelernter Tischler, nach einigen Jahren im Beruf Erlangung der Matura in der Abendschule, zur Zeit Student der Wirtschafts- und Politikwissenschaften, Gemeinderat, Mitglied der Schützenkompanie und des Hauptausschusses der SÜD-TIROLER FREIHEIT.

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