Zweifelhaftes Totengedenken: Gefallene-von-Nassiriya-Platz in Bozen
Montag, 29. März 2010

bild_5.pngAls zweifelhaften Umgang mit dem Totengedenken bezeichnet der Landtagsabgeordnete der SÜD-TIROLER FREIHEIT, Sven Knoll, die Benennung eines Platzes in Bozen in „Gefallene-von-Nassiriya-Platz“.
So schmerzhaft der Verlust der getöteten Soldaten für die Angehörigen auch sein mag, ist es nicht gerechtfertigt, nun den Heldenmythus vom gerechten Krieg zu stilisieren, der den Anschein erweckt, als ob das Gedenken an diese Toten mehr wert sei, nur weil es sich um italienische Soldaten handelt.
Erlaubt sei aber auch die Frage, was Süd-Tirol mit diesem Krieg eigentlich zu tun hat, das die Benennung eines solchen Platzes in Bozen rechtfertigen würde?
 

Es darf zudem nicht vergessen werden, dass Italien sich freiwillig an diesem Krieg beteiligt hat und den Tod italiensicher Soldaten somit billigend in Kauf genommen hat.
Auch sollten die unzähligen Opfer der irakischen Zivilbevölkerung nicht außer Acht gelassen werden, die mit Hilfe der Beteiligung Italiens an diesem Krieg ums Leben kamen.
Wer erinnert an diese Menschen?

Das italienische Militär hat zudem selbst in Vergangenheit immer wieder menschenverachtende Verbrechen begangen. Erinnert sei nur an den Tod von bis zu 700.000 unschuldigen Zivilisten in Äthiopien, die von Italien mit Giftgas brutal umgebracht wurden.
Keine Straße, kein Platz und keine Tafel erinnert an diese Gräueltat. Im Gegenteil, die Via Amba-Alagi-Straße in Bozen und das Alpini-Denkmal in Bruneck glorifizieren auch noch diesen Völkermord.

Sind all diese Toten weniger wert, nur weil es sich nicht um Italiener handelt?

Solange Totengedenken nur einseitig geschieht und zur Kriegsverherrlichung missbraucht wird, ist die Benennung eines Platzes in Bozen in  „Gefallene-von-Nassiriya-Platz“ strikt abzulehnen.


L.-Abg. Sven Knoll

 


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Kommentare (8)
1. 03-04-2010 00:09
 
Es sei auch zu erwähnen, dass die Schreibung des Toponyms "Nassiriya" nicht der gängigen deutschen oder standardisierten Transkription entspricht. Richtig wäre entweder "Nasiriya" oder "Nassirija".
 
renegade
2. 31-03-2010 19:09
 
@ff
bitte benutze das wort "faschismus" bzw. "faschisten" nicht so unüberlegt und für jede kleinigkeit, damit verliert das wort nämlich ganz seine schlimme bedeutung.. man sollte mit solchen dingen bedachter umgehen..
 
johann d
3. 31-03-2010 13:30
 
Nassirya
Diesen Anschlag, der 19 Menschenleben vernichtete, als hochnotpeinliches Ereignis zu bezeichnen ist unverschämt.
 
Leeroy
4. 31-03-2010 12:51
 
Nassirya
@Leeroy 
Dann wäre die Straßenbezeichnung ja noch peinlicher, oder?  
Können Sie sich vorstellen, daß die Gemeinde Eppan, woher Di Pauli kommt, dem hochnotpeinlichen Ereignis auch noch einen Straßennamen widmet?
 
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5. 30-03-2010 09:07
 
Nassiriya
Auf die Frage von Herrn Knoll, was Südtirol mit diesem Krieg zu tun kann folgendes gesagt werden: 
der Kommandant (oder einer der Kommandanten) der in der Luft gejagten Carabinierikaserne war ein Südtiroler, nämlich Baron von Pauli (der militärische Rang des selbigen entgeht mir jetzt). Ihm wurden schwere Fehler in den Sicherheitsvorkehrungen vorgeworfen, der mit Sprengstoff und Benzin beladene LKW der Attentäter hätte nie so ungehindert in die Kaserne reinrasen dürfen.
 
Leeroy
6. 29-03-2010 21:13
 
Imperialistische Arroganz
Da wollen sich die Faschisten in Bozen wieder mal mit militärischen Greueltaten brüsten und die Stadt weiter verwalschen.  
Einfach widerlich, arrogant und imperialistisch.
 
ff
7. 29-03-2010 19:05
 
ST - letzte Italienische Kolonie!
Damit ist wieder einmal von diesem Staat der Fremdbestimmung in Süd-Tirol klipp und klar der Nachweis erbracht worden, dass es sich bei der Autonomen Provinz Bozen um eine Kolonie und um ein Freichlichtmuseum des Duce-Faschismus in Wirklichkeit handelt. Die offizielle Landespolitik der SVP ist scheinbar wie Wachs in den Händen der Verwalter der Italianità in Bolzano in der letzten Kolonie des Stiefelstaates und kann oder will dem nichts entgegensetzen.  
 
Mann stelle sich nur einmal die Situation vor, in einem Land nördlich der Brennergrenze würde es eine Stadt geben, wo von einem Gebäude der staatlichen Verwaltung wie in Bozen mit Duldung des Staates ein Ver-Führer mit erhobener Hand grüßt, dazu mit dem Spruch Ein Reich, ein Volk, ein Führer, was dem italienischen Pendant am Gerichtsplatz mit dem Duce-Relief in der Landeshauptstadt von Südtirol entspricht. Beziehungsweise man denke da auch an den Duce-Tempel am Siegesplatz in Bozen, an die Existenz der die Geschichte des Landes grob verfälschenden Beinhäuser des "angeblichen" Nachweises der Italianita des Alto Adige, von Geafallenen des Ersten Weltkrieges, die niemals am süd-tiroler Boden damals gefallen sind, und nicht zuletzt auch an den Kapuzinerwastl in Bruneck. Es ist ein Denkmal für Divisione Pusteria des Duce aus dem Jahre 1938, mit dem der fragwürdige Einsatz der Alpini an einem Agressionskrieg gegen ein Entwicklungsland in Afrika mit Millionen von Toten und aus heutiger Sicht unzähligen Kriegsverbrechen von diesem Staat bis zum heutigen Tage mit offiziellen Kranzniederlegungen und Paraden vor allem des Militärs gewürdigt wird. So will man sich in Italien selbst einreden, dass der Duce-Faschismus scheinbar doch nicht so schlimm gewesen sei, wie das immer im Ausland behauptet wird. Man stelle sich auch vor, irgendwo in Europa wäre das möglich, dass man zum Beispiel, so wie jetzt gerade in Süd-Tirol in Bozen, ein Platz nach den gefallenen Helden von Stalingrad benennt. Was ist dann der nächste logische Schritt in diesem Staat und damit in seiner Kolonie Alto Adige, eine Umbenennung der Drususalle in Bozen in Ducealle vielleicht?  
 
In einem normalen Land mit reifer politischer Kultur der Demokratie und der Menschenrechte wäre so etwas zur Gänze sicher undenkbar. Nur in Italien werden die Uhren scheinbar gerade jetzt zurück gestellt und der Duce-Faschismus auf eine unerträgliche Art und Weise immer mehr relativiert. Dass das wieder einmal gerade die Süd-Tiroler verunglimpft und beleidigt, das scheint wieder einmal den Entscheidungsträgern in diesem Staat völlig egal zu sein, das kennt man auch zur Genüge aus der Geschichte der Kolonien, von denen es heute fast keine mehr gibt. Dennoch Europa und die Welt sollten darüber so breit wie möglich informiert werden, was sich in dieser letzten Kolonie Italiens Alto Adige vulgo Südtirol im Umgang mit den Fragen des Gedenkens der Geschichte der Weltkriege mit politischem Segen von ganz oben ohne Unterlass abspielt, damit die Verteidiger der Italianità des Alto Adige irgendwann einmal keine Ausrede finden, so wie kurz nach der Befreiung im April und Mai 1945 von beiden Faschismen, sie hätten wieder einmal von nichts gewusst. Die Schuldigen an Verbrechen des Faschismus, das waren immer die anderen. Wer aber heute immer noch trotz besseres Wissen dieser verkommenen Ideologie mit den entsprechenden Denkmälern huldigt, der macht sich eindeutig vor der Gegenwart und der Geschichte dieses Landes politisch und ideologisch mitschuldig.  
 
Es ist auch aus dieser Sicht ein Grund mehr, warum gerade die Autonome Provinz Bozen von Europa der EU, der freien und der selbstbestimmten Völker von heute und morgen, die eigene ethnische und politische Selbstbestimmung mit allem Nachdruck anmahnen soll und auch darf. Vielleicht erst dann werden die Denkmäler der Schande und der Lüge irgendwann aus dem öffentlichen Bild des Landes verschwinden. So ähnlich werden diese Zeugnisse des lebendigen Duce-Faschismus auch vom amtierenden Landeshauptmann von Südtirol klassifiziert, nämlich sinngemäß als italienische Denkmäler der Lüge, wie man sich beim folgenden Link der Süd-Tiroler Schützen aus der Videogalerie überzeugen kann. Den Film findet man in der Videogalerie ganz unten der angegebenen Seiten in einem Fenster von Youtube:  
 
http://www.schuetzen.com/ 
 
 
 
An die Geschichte und an das Ende des Faschismus in Italien im Jahre 1945 erinnert der großartige Film "1900, Gewalt, Macht, Leidenschaft" oder auf englisch "One upon the time in Italy" (glaube ich) von Bertolucci aus dem Jahre 1976. Man kann auch auf Yuotube viele Auszüge aus diesem großartigen Film ansehen, hier ein Hinweis auf eine der besten Szenen aus diesem meisterwerk. Auf so einen Tag der süd-tiroler Befreiung, wie der 25. April, warten bis heute im Jahre 2010 die Menschen in der Provinz Bozen, was zumindest die unzähligen Relikte des italienischen Duce-Faschismus betrifft, in der letzten Kolonie Italiens leider immer noch vergebens! 
 
http://www.youtube.com/watch?v=P3liVqQei9o&feature=response_watch
 
Markus Anton
8. 29-03-2010 18:07
 
SCHANDE
Wie wärs denn mit "Sepp-Kerschbaumer-Platz"? Es gäbe genügend Tiroler Helden, die es verdient hätten, erwähnt zu werden.  
 
Die italienischen Besatzer tanzen den Südtiroler munter weiter auf der Nase herum.
 
MICHAEL

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