Italien hört am Brenner auf - Tirol nicht!
Montag, 29. März 2010
strassenschild_innsbruck_bahnhofplatz.jpgEs ist unglaublich, welche engstirnige Denkweise in Südtirol bei der Straßenbeschilderung eingehalten wird: Für Italien hört am Brenner die Welt auf, vergeblich sucht man nach einen Stadthinweis nördlich des Brenners. Während immer wieder Schilder nach „Trento“ weisen, findet man in Bozen kein Schild, das nach Innsbruck oder Kufstein hinweist!

Auf diesen Misstand habe ich heute um 6.00 Uhr früh ohne Sachbeschädigung aufmerksam machen wollen, so Roland Lang. Am Bozner Bahnhofsplatz habe ich (Richtung Rittnerstraße) symbolisch stellvertretend für alle Städte in Nordtirol (Innsbruck, Kufstein, Schwaz, Hall in Tirol, Wörgl, Lienz und Imst) ein Hinweisschild für Innsbruck unter den Tafeln für die Autobahn, Meran, Trento (!), Brenner und Eggental/ Ritten angebracht.

Möge diese Aktion zum nachdenken im Landesparlament und in den Ratshäusern führen, denn Tirol hört nicht am Brenner auf und Südtirol gehört zu Mitteleuropa!

Roland Lang
Hauptausschussmitglied der SÜD-TIROLER FREIHEIT

 strassenschild_innsbruck_bahnhofplatz.jpg


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Kommentare (11)
1. 02-04-2010 11:52
 
Geschichte
Die italienische Bezeichnung Alto Adige (Hoch Etsch) für Südtirol stammt aus dem Zeitalter des italienischen Faschismus und sollte den wahren historischen und ethnischen Charakter des Landes zu verschleiern helfen. Der Name Südtirol wird von diesem heutigen Staat mehr oder weniger nur geduldet, weil es regional und international nicht anders geht und nicht, weil man in dieser Frage einsichtig geworden ist. Dazu ist das Land leider ein lebendigos Freilichtmuseum des Duce-Faschismus. Die politische Parole der Bewegung "Süd-Tiroler Freiheit" lautet aber: "Süd-Tirol ist nicht Italien", sprachlich, ethnisch und kulturell sowie geschichtlich nicht.  
 
Zwischen dem Verständnis der Demokratie und damit der Menschenrechtes auf ethnische Selbstbestimmung in der Schweiz und in Italien liegen Welten, daher kann man Schweiz und Süd-Tirol kaum in dieser Hinsicht vergleichen. Die Schweizer sind mit großer Begeisterung was sie sind, die meisten deutschsprachigen und ladinischen Bürger der Provinz Bozen sicher nicht. Süd-Tirol ist daher vielleicht immer noch mit einer Kolonie zu vergleichen, also etwas was den Eidgenossen nur schwer vermittelt werden kann, weil sie das nie gekannt haben und heute auch nicht kennen.  
 
Italien hat seit dem Beginn der eigenen Herrschaft in diesem Land um 1919 alle Versuche der Ausübung der Selbstbestimmung der Süd-Tiroler unterbunden, weil es dazu die Macht gehabt hat. In einem neuen Europa der Demokratie und der Menschenrechte wird das aber immer schwieriger. Es gibt noch einen wichtigen Unterschied zwischen beiden Ländern: Die Schweizer sind stolze Bürger ihres Landes, die Süd-Tiroler werden per se wie Untertanen von diesem Staat angesehen. Was es bis jetzt an Orientierungshilfen der Definition der ethnischen Herkunft gegeben hat, das waren Selbstbestimmung Petitionen und Meinungsumfragen, die alle weiterhin den Schluss erlauben, dass erstens Italien von der überwiegender Mehrheit der Bevölkerung in der Autonomen Provinz Bozen als Staat der ethnischen Fremdbestimmung empfunden wird und zweitens, dass der Wunsch nach der Wiederherstellung der Landeseinheit mit Nord- und Ost-Tirol immer noch mehrheitsfähig ist. Das sagt sogar der amtierende Landeshauptmann von Südtirol in einem TV-Interview des Österreichischen Rundfunks. Die Süd-Tiroler würden wahrscheinlich sich schnell von diesem Staat verabschieden, wenn man sie nur fragen wollte und die Antwort auch akzeptieren wollen würde! 
 
http://www.youtube.com/watch?v=T8vYwkp4ioI
 
Markus Anton
2. 01-04-2010 20:33
 
Geschichte
Selbstverständlich kann man die Geschichte der Entstehung der Eidgenossenschaft, nicht mit derjeniger des Alto Adige / Südtirol vergleichen. Die Schweiz ist über 700 Jahre alt und alle verschiedene Sprachgruppen haben auch die gleiche Identitätszugehörigkeit zum eigenen Staat. Das heisst dass sich alle Schweizer als Schweizer erkennen und fühlen unabhängig von der Sprache. 
In Südtirol ist dies anscheinend nicht der Fall, da es erst seit knapp 100 Jahren ein Teil Italiens ist. Auch dies wird sich wahrscheinlich mit den neuen Generationen ändern. Ich nehme mal an dass sich die jüngeren Südtiroler eher als Italiener fühlen, da sie in diesem Staat geboren wurden und die Zugehörigkeit zu Österreich doch schon so lange her ist. Schlussendlich geniesst ja das Alto Adige / Südtirol eine Autonomie, die weltweit als Beispiel friedlichen Zusammenlebens verschieder Sprachgruppen gilt. Jedenfalls habe ich mal einen Artikel darüber gelesen.  
Persönlich bin ich an diese Region nur vorbeigefahren, deshalb kann ich nicht mitreden. 
Auf jeden muss Alto Adige / Südtirol mit seinen Bergen, ein wunderschöner Ort sein! 
 
Grüsse!
 
CH
3. 01-04-2010 00:44
 
Tiroler und Schweizer
Der „geschichtliche Erfolg“ der Schweiz ist aus meiner Sicht zunächst dadurch eingetreten, daß die Habsburger aus diesem Gebiet hinausgeschmissen worden sind. Natürlich ist ein Eid ein starkes Band, das auch seinen Beitrag geleistet hat. Sodann wurde das Subsidiaritätsprinzip hoch entwickelt — eine weitere „Schlüssel“ zum Erfolg.  
 
Die Tiroler haben da leider nicht mitgezogen, mußten sogar gegen die Schweizer Krieg führen. Dann, im 16. Jahrhundert, fegten die Schweizer ihre religiösen Kultbilder hinaus (reformierte Kirche!). Sie vernichteten aber die Bilder nicht, sondern verkauften sie um gutes Geld — den Tirolern (!). Alles in allem: Sie scheinen wohl jahrhundertelang mehr Grips gehabt zu haben.
 
Jörg
4. 31-03-2010 11:17
 
Tessin/Ticino
@CH 
 
Ich sehe da kein Widerspruch. Natürlich ist der Kanton Tessin/Ticino offiziell italienisch sprachig, so wie das Land Welsch-Tirol, also die Provinz Trient das Trentino auch italienisch sprachig ist, bzw. auch größtenteils die Stadt Bozen in Süd-Tirol. Die Wahl der Amtssprache in den Kantonen erfolgt in der Schweiz als Mittel der Kommunikation in erster Linie Aufgrund von natürlichen Gegebenheiten und nicht aus nationalistischen Überlegungen heraus. Meine Bemerkung in Hinblick auf die Andersartigkeit in der Sprache und Kultur der Eidgenossen bezieht sich in diesem Zusammenhang auf die gesamte Schweiz, da die meisten Bürger dieses Landes zumindest zwei oder oft auch drei oder sogar vier Sprachen sprechen. Gerade das macht dieses Land so interessant, die gelebte Vielfalt der Kulturen und Sprachen, auch im Kanton Tessin/Ticino, wo natürlich auch relativ viele Menschen permanent leben, die eine andere Muttersprache als Italienisch haben.  
 
Die Strassenschilder muss man nicht übersetzen, die sind in ihrer Symbolsprache international verständlich. Auch die Hinweisschilder, wie Milano, Como oder Varese muss man nicht übersetzen. Es geht in diesem aufgezeigten Zusammenhang, dass die Orientierung in Richtung Italien im Tessin überall flächendeckend dadurch ermöglich wird. In diesem Themenbeitrag wird ja kritisiert, dass man in Süd-Tirol vergeblich nach einem Stadthinweis nördlich des Brenners sucht, da für Italien die Welt am Brenner aufhöre. Genau darauf hat sich mein Vergleich bezogen. 
 
Ich möchte vielleicht bei der Gelegenheit noch an die Geschichte des französich sprachigen Kantons Jura Bernois erinnern, der nach einer heftigen politischen Auseianandersetzung nach einer im Sinne der Selbstbestimmung gewonnenen Volksabstimmung 1978 gegründet und als jüngster Kanton der schweizerischen Eidgenossenschaft erst 1979 beigetreten ist. Ein vergleichbares Begehren der drei alt-tiroler Gemeinden um Cortina d.A. beim Versuch des Provinzwechsels von Belluno zu Bozen aus dem Jahre 2008 ist leider in den Mühlen der italienischen Bürokratie wohl auf Niemehrwiedersehen versandet. So viel Wert legt man in diesem Land auf demokratische Voten der Bevölkerung. In der Schweiz ist das sicher ganz anders und gerade dort ist der Schlüssel für den geschichtlichen Erfolg dieses Staates zu suchen. In Italien gibt es die La Casta als herrschende Schicht, in der Schweiz gibt es die Eidgenossen und das ist der springende Punkt und Unterschied, glaube ich. 
 
hier ein Link dazu: 
 
http://de.wikipedia.org/wiki/Kanton_Jura  
 
Ich möchte auch noch daran erinnern, dass auch die Süd-Tiroler seit 1918 seit dem Beginn der Fremdbestimmung im eigenen Land immer wieder bei passenden Gelegenheiten geschlossen die Selbstbestimmung und Landeseinheit forderten und weiterhin fordern. Zum Beispiel in der Petition mit der Forderung nach Selbstbestimmung unterzeichnet von 99% der südtiroler Bürgermeister an den Österreichischen Nationalrat in Wien aus dem Jahre 2006. Hat das vielleicht den Stiefelstaat beeindruckt, ich glaube kaum? Hier ist ein Beispiel aus dem letzten Jahr, wo man ebenfalls die Selbstbestimmung für Süd-Tirol gefordert hat, dazu im Zusammenhang der Forderung nach Entfernung der Relikte des Faschismus vom Süd-Tiroler Boden: 
 
http://www.youtube.com/watch?v=p-qjMH0cfvs
 
Markus Anton
5. 30-03-2010 23:17
 
Ticino
@Markus Anton 
Sie haben über den Kanton Tessin in der Schweiz geschrieben: 
"Die Andersartigkeit in der Sprache betrachtet man als Reichtum und Chance zugleich". 
 
Seit wann gibt es im Tessin verschiedene Sprachgruppen??? 
Amtssprache ist seit immer und je italienisch!!! Im ganzen Tessin findet man auch keine Strassenbeschilderungen auf andere Sprachen, ausser auf italienisch... 
 
Grüsse!
 
CH
6. 30-03-2010 20:56
 
Bravo Roland!
SVP-Süd-Tirol verkommt immer mehr zum Kasperlland à la Berlusconi! Die STF unternimmt wenigstens was dagegen.
 
HE
7. 30-03-2010 09:32
 
Bravo
Bravo Roland!! 
 
Als ob Brenner Brennero für beispielweise Touristen ein wichtiger Knotenpunkt zur Orientierung sein würde... 
 
Die Landesregierung sollte sich schämen. 
 
Interessant: In Innsbruck findet man Schilder nach Bozen! Ja BOZEN nicht BOLZANO!
 
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8. 29-03-2010 20:58
 
Die Tolomeis
Die Beschilderung ist Teil der Abkapselungsstrategie der Italiener. Sie wollen, dass uns nichts an unsere österreichische Identität erinnert.  
 
Jeder Italiener in Süd-Tirol glaubt, er kann es Tolomei nachmachen.
 
ff
9. 29-03-2010 16:52
 
Die Tolomeis
Beeindruckend wie schnell Sie ein Mittel gefunden haben auf diesen Misstand aufmerksam zu machen. Hoffentlich findet es Gehör bei den Mächtigen in Südtirol damit ein weiteres trennendes Detail verschwindet.
 
h
10. 29-03-2010 15:19
 
Ja nichts Österreichisches nennen...
Interessant ist auch, daß es in Südtirol kaum eine Straße nach österreichischen Städte gibts (abgesehen von der jetzt neuen Innsbrucker-Straße in Bozen). In Trient gibt es schon sehr lange die via Innsbruck, und letztens gesehen in Spini di Gardolo, di via Graz, via Salisburgo, via Vienna, via Klagenfurt, via Bregenz, via Monaco, via Kempten... OK ist zwar alles im Industriegebiet, aber sie sind erwähnt; hier (!) nicht.
 
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11. 29-03-2010 11:31
 
Die Grenzen Tirols
Das Land Tirol hört auch nicht bei der Salurner Klause im Süden der Provinz Bozen auf, sondern dieses Land geht noch viel weiter bis Ala und Rovereto in der Autonomen Provinz Trient-Welsch Tirol. Über 700 Jahre war dieses Land eine eigene Landeseinheit und Größe, bis die italienischen Irredentisten in einer für sie günstigen historischen Stunde vor mehr als 90 Jahren das Land wie man sieht dauerhaft geteilt haben. Der Rest der tragischen Geschichte dieses Landes ist einigermaßen den meisten Menschen bekannt. Der Name Tirol wurde von diesem Staat der Fremdbestimmung abgeschafft und durch eine neue aus der Zeit der Napoleonischen Fremdbestimmung entliehene Bezeichnung Haute Adige-Alto Adige-Hoch Etsch ersetzt. Die gewachsenen Tiroler Flur- und Ortsnamen wurden abgeschafft und durch neue italienische Phantasienamen ersetz. Diese gelten amtlich und in erster Linie bis heute, auch ungesehen der Tatsache, dass dieses Land immer noch zu 75% trotz massivster Italianisierung in der Geschichte bis heute immer noch deutschsprachig geblieben ist. Die deutschsprachigen und ladinischen Süd-Tiroler haben die eigene unverwechselbare nicht italienische Identität quer durch die Geschichte der Fremdbestimmung mehr oder weniger erfolgreich verteidigt. Der Name Welsch-Tirol hingegen für das Land Trentino hat sich erst in unserer Zeit einigermaßen durchgesetzt. Tirol ist also dort, wo Menschen leben, die vorgeben Tiroler zu sein, auch dann wenn sie Italienisch als Muttersprache haben. Die Jahrzehnte der Italianisierung des deutschsprachigen und ladinischen Landes Tirol südlich des Brenners kann man nicht heute so leicht ungeschehen machen, dazu ist scheinbar die Landespolitik der Provinz Bozen viel zu schwach oder zu unwillig. Heute kann man eigentlich und überhaupt von einem historischen Wunder und einer neuen Chance für das Land Tirol sprechen, wenn fast aus dem Nichts wieder das Welsch-Tirolertum im eigentlichen Süd-Tirol nämlich in der Provinz Trient/Trento zum neuen Leben erwacht. Das Land Tirol hat in seiner ganzen Geschichte schon immer auch eine italienische Seele gehabt, sie wurde aber, wie man heute sieht, vorübergehend für lange Zeit durch eine andere zugeschüttet. Wie wurde es nur möglich, dass diese in Vergessenheit geraten ist? In Italia der Irredentisten, Nationalisten, der alten und neuen Faschisten ist scheinbar weder genug Platz für Welsch-Tirol noch für Süd-Tirol vorhanden, auch unter den Bedingungen einer modernen Demokratie nicht, falls man in diesem Zusammenhang überhaupt davon sprechen könnte. Diesen Platz der eigenen ethnischen Selbstbestimmung muss man sich erst mit den vorhandenen demokratischen und friedlichen Mitteln von dieser uneinsichtigen und oft genug unbarmherzigen Macht erkämpfen. Wie man in den letzten Jahrzehnten überzeugend feststellen konnte, hat das als Resultat in der Provinz Bozen blühende Landschaften mit sich gebracht, die jetzt langsam wieder zu verdorren drohen. Ein Blick in die benachbarte Schweiz in den Bundes-Kanton Tessin/Ticino kann bei der Aufzeigung der Zukunftsperspektive für das Land Tirol sicher hilfreich sein. Dort leben Seite an Seite glücklich und zufrieden Menschen aller Sprachgruppen und das nicht erst seit gestern, sondern seit Urzeiten. Die Andersartigkeit in der Sprache betrachtet man als Reichtum und Chance zugleich. In diesem italienisch sprachigen Kanton Tessin/Ticino an der Grenze zu Italien findet man überall auch in Bellinzona, Lugano, Arosa, Locarno oder Ascona Schilder, die Orientierung in Richtung Italien den Menschen erleichtern. Davon kann man in Süd-Tirol, wenn es um allgemeine Tirol Hinweisschilder geht, weiterhin nur träumen. Der Grund dafür ist auch klar. Der Staat Italien mit den meisten Italiener lebt hier in einer gespaltenen Realität, und die hat den historischen Charakter des Landes verfälschenden Namen "Alto Adige", muß sich aber mit der realpolitischen Existenz der Autonomen Provinz Bozen vulgo Südtirol nolens volens abfinden. Aus dieser Geisteshaltung heraus ergeben sich solche Probleme, wie in diesem Themenbeitrag beschrieben, auch dann wenn das Land und nicht mehr der Staat die Verantwortung für die Beschilderung von überregionalen Staatsstrassen trägt, die Südtirol bereits vor vielen Jahren übernommen hat. Der Ball liegt also in diesem Zusammenhang heute nicht so sehr beim Staat, sondern beim Land und bei der Landesregierung in Bozen/Bolzano. Diese ist nämlich heute in erster Linie dafür politisch verantwortlich.
 
Markus Anton

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