Im Gedenken an ein Südtiroler Schicksal: Bekenntnis und Tod des Josef Mayr-Nusser
Montag, 28. Dezember 2009
mayr_nusser.jpgDer Südtiroler Heimatbund zum Gedenkjahr Josef Mayr-Nusser: Im Jahre 2010 jährt sich zum 100. Male der Geburtstag eines außerordentlich mutigen Südtirolers, dessen Handlungsweise ob ihrer Kompromisslosigkeit bis heute diskutiert wird. Der am 27. Dezember 1910 auf dem Nusserhof in Bozen geborene Josef Mayr-Nusser war ein tief religiös geprägter Mensch.

Mit 24 Jahren wurde er erster Diözesanführer der Katholischen Jugend des deutschen Anteils der Diözese Trient. Der Leiter der Jugendarbeit der Katholischen Aktion war damals der katholische Priester Josef Ferrari, der vor allem nach 1945 sein Leben nicht nur in den Dienst der Bewahrung des Glaubens, sondern auch des Volkstums und der Wiederaufrichtung des deutschen Schulwesens in Südtirol stellen sollte.

Der geistig von seinem Vorbild Ferrari geprägte junge Mayr-Nusser folgte bei der Option von 1939 dem Vorbild von Josef Ferrari und Kanonikus Michael Gamper und optierte nicht für die Auswanderung, sondern betätigte sich im „Andreas Hofer Bund“ gegen die Umsiedlungspropaganda.

Im Jahre 1942 heiratete er Hildegard Straub, die ihm den Sohn Albert schenkte.

Am 5. September 1944 wurde Mayr-Nusser zum Wehrdienst einberufen und kam zusammen mit etwa 80 weiteren Südtirolern nach Konitz bei Danzig. Dort erfuhren er und seine Kameraden, dass sie zu einer Einheit der Waffen-SS kommen sollten.

Für Mayr-Nusser war diese Situation offenbar mit innerer Not verbunden. Er wäre bereit gewesen, den Wehrmachtseid zu leisten. Er war aber nicht bereit, den SS-Eid zu leisten, in welchem Adolf Hitler persönlich (und nicht nur als oberstem Militärbefehlshaber) die Treue geschworen werden musste. In dem Eid hieß es nämlich: „Ich schwöre Dir, Adolf Hitler, als Führer des Reiches, Treue und Tapferkeit. Ich gelobe Dir ... Gehorsam bis in den Tod, so wahr mir Gott helfe.“

Mayr-Nusser erklärte nun, er könne die Ableistung dieses Eides - im Gegensatz zu dem Wehrmachtseid - nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. (Margareth Lun: „NS-Herrschaft in Südtirol)“

Vergeblich versuchten ihn die Vorgesetzten davon abzubringen. Mayr-Nusser beharrte auf seiner Weigerung und begründete sie auch schriftlich. Damit legte er sich frontal mit der Macht des Regimes an.

Er wurde nun von der Geheimen Staatspolizei wegen „Wehrkraftzersetzung“ interniert und es wurde seine Überweisung in das Konzentrationslager Dachau verfügt.

Auf dem von Fliegerangriffen und Stillständen unterbrochenen Transport nach Dachau verstarb Mayr-Nusser an Erschöpfung, Hunger und Schwäche. Als der Zug am 24. Februar 1945 in Erlangen ankam, war er tot. Er wurde zunächst in Erlangen bestattet, im Jahre 1958 wurden seine sterblichen Überreste nach Bozen überführt, wo der sterbenskranke Josef Ferrari zunächst die Gebeine Mayr-Nussers in einem kleinen Sarg zutiefst erschüttert übernahm und eine Nacht bei sich behielt. Dann wurden die sterblichen Überreste in der Propsteikirche aufgebahrt und später in Lichtenstern am Ritten beerdigt.

Mayr-Nussers Handlungsweise wird bis heute teilweise kontrovers diskutiert, manche meinen, er hätte mit Rücksicht auf seine Frau und sein Kind nicht derart bedingungslos handeln sollen.

Doch wer vermag sich nachträglich wirklich in seine Gefühlswelt und in seine damalige Gewissensnot versetzen? Seine moralische und religiöse Integrität und auch sein Bekennermut stehen außer Zweifel. Seine persönliche Wahl zwischen einer grundlegenden Überzeugung und der Rücksichtnahme auf seine Lieben muss nicht von jedem geteilt werden. Sie ist aber als mit größter Tragik verbundene Gewissensentscheidung mit tiefem Respekt zur Kenntnis zu nehmen.

Mayr-Nusser ist nicht nur moralisches sondern auch formalrechtliches Unrecht geschehen.

Er war rechtlich nicht verpflichtet gewesen, zu seiner Einziehung zur SS Ja zu sagen. Immerhin hatte er nicht grundsätzlich den Wehrdienst und den Wehrmachtseid verweigert, sondern die Zuteilung zur SS und einen politischen Eid auf einen Mann, den er wohl moralisch verabscheute.

Bis heute erinnert uns sein Schicksal daran, in welch schreckliche Situation Faschismus und Nationalsozialismus die Südtiroler gebracht hatten, als sie das Volk einschließlich seines Klerus in verfeindete Lager von „Bleibern“ und „Optanten“ zerrissen und die Landeskinder in imperialistische Kriege von Äthiopien bis Russland geschickt hatten, in Kriege, welche kein Südtiroler gewollt hatte.

Im Gedenken an Mayr-Nusser sollten wir alle die Überzeugung an die Jugend weitergeben, dass äußere Freiheit mit Gewissensfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie eine untrennbare Einheit bilden.

Zu Mayr-Nussers 100. Geburtstag werden auch Leute zu seinem Gedächtnis leichtfertig ihre Stimme erheben, die in der täglichen Praxis das dauernde Einknicken gegenüber unrechtmäßigen Anmaßungen der Staatsmacht predigen. Es bedarf aber nicht der opportunistischen Lippenbekenntnisse bei wohlfeilen Sonntagsreden, sondern des praktizierten aufrechten Ganges. Das ist mit unendlich viel weniger Opfermut möglich, als Mayr-Nusser ihn gezeigt hat. Wer diese vergleichsweise bescheidene Zivilcourage heute vermissen lässt, sollte es sich nicht anmaßen, über Mayr-Nusser und sein Opfer zu sprechen und sich womöglich noch politisch auf ihn zu berufen.

Roland Lang
Obmannstellvertreter des Südtiroler Heimatbundes

 


Aufgerufen: 512 | Drucken

Artikel kommentieren

Kommentar schreiben
  • Bitte orientieren Sie Ihren Kommentar am Thema des Beitrages.
  • Die hier veröffentlichten Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Bewegung SüD-TIROLER FREIHEIT - Freies Bündnis für Tirol wieder.
  • Die Bewegung SüD-TIROLER FREIHEIT - Freies Bündnis für Tirol distanziert sich in jedem Fall von ehrverletzenden, jugendgefährdenden, rassistischen und extremistischen Inhalten.
  • Persönliche Angriffe und/oder Diffamierungen werden gelöscht.
  • Das Benutzen der Kommentarfunktion für Werbezwecke ist nicht gestattet. Entsprechende Kommentare werden gelöscht.
  • Bei Fehleingaben laden Sie diese Seite bitte neu damit ein neuer Sicherheitscode generiert werden kann. Erst dann klicken Sie bitte auf den 'Senden' Button.
  • Der vorgenannte Schritt ist nur erforderlich, wenn Sie einen falschen Sicherheitscode eingegeben haben.
Name:
E-mail:
Titel:
BBCode:Web AddressEmail AddressLoad Image from WebBold TextItalic TextUnderlined TextQuoteCodeOpen ListList ItemClose List
Kommentar:

Sicherheitscode:* Code
Ich möchte NICHT per e-Mail über weitere Kommentare zu diesem Artikel informiert werden.

Powered by AkoComment Tweaked Special Edition v.1.4.6
AkoComment © Copyright 2004 by Arthur Konze - www.mamboportal.com
All right reserved

 
< zurück   weiter >
Advertisement

Aktueller Hinweis

  • Aktuelle Aktion!

Kontakt

  SÜD-TIROLER FREIHEIT - Bewegung
St. Josef am See 74 | 39052 Kaltern
Mail: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Tel. 338 33 448 39

   
  SÜD-TIROLER FREIHEIT - Landtag
Südtirolerstraße 13 | 39100 Bozen
Mail: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Tel. 0471 98 10 64

 

Aktionen

 

youtubelogo.jpg

flickr_logo.jpg

facebook-logo-289-751.jpg

 

E-Mail - Verteiler

Pressemitteilungen
Wöchentliche Zusammenfassung



Seiten durchsuchen

PayPal Spenden

Ihre Online Spende für den
Werbekatalog der
SÜD-TIROLER FREIHEIT
Summe
Währung