Separatismus in Europa - Hintergrundbericht
Freitag, 31. Juli 2009

efa_europakarte_2009.jpgDie Russische Agentur für internationale Informationen "RIA Novosti" veröffentliche gestern einen interessanten Beitrag über separatistische Prozesse in Europa. Laut diesem Bericht sind gegenwärtig in Europa sowohl Integrations- als auch separatistische Prozesse im Gange. Nach Expertenschätzungen können im 21. Jahrhundert theoretisch mehr als zehn neue Staaten in der Alten Europa entstehen, so der Bericht.

Spanien

Das traditionellste Beispiel für europäischen Separatismus ist das Baskenland. In Spanien leben circa zwei Millionen Basken, die in drei Provinzen der als Baskenland bekannten Region leben. Es hat die weitestgehenden Rechte im Vergleich zu anderen spanischen Regionen, die Lebensqualität liegt über dem spanischen Durchschnitt, die baskische Sprache ist als Staatssprache anerkannt. Doch diejenigen, die eine Abspaltung von Spanien und einen Anschluss des von Basken bewohnten Gebiets in Frankreich fordern, wollen noch mehr.

Grund für den steigenden Separatismus war die Politik von Francisco Franco. Damals war es den Basken verboten, Bücher und Zeitschriften zu veröffentlichen, Unterricht in ihrer Sprache Euskera zu erteilen, den Kindern baskische Namen zu geben und die nationale Flagge zu hissen. Die 1959 gegründete Organisation ETA (Euskadi Ta Askatasuna - Baskenland und seine Freiheit) hatte ursprünglich den Kampf mit dem Frankismus als Ziel. Franco ist seit langem tot, das Baskenland ist autonom, doch damit wollen sich die baskischen Terroristen nicht begnügen. Im Kampf für die "Unabhängigkeit" mussten bereits mehr als 900 Menschen ihr Leben lassen.

Auch Katalonien, eine autonome Provinz in Nordostspanien, die ihre Nationalsprache und eigene Kultur hat, bereitet Madrid Kopfschmerzen. Die Katalanen haben ihren Unterschied zu anderen spanischen Regionen immer betont. Die Provinz genießt unter der Herrschaft der spanischen konstitutionellen Monarchie weitgehende Autonomie. Die Beziehungen zur Zentralregierung in Madrid werden durch eine Sondercharta geregelt.

In der Neubearbeitung der Charta von 2005 werden die Katalanen als separate Nation anerkannt. Doch in der Region gibt es Dutzende Parteien und öffentliche Organisationen, größtenteils linksgerichtete, die sich für eine Abspaltung von Spanien einsetzen. Ihr Ziel ist ein Referendum über die Unabhängigkeit, das sie bis 2014 versprechen.

Auch die spanische Provinz Valencia hat im Juli 2007 einen autonomen Status erhalten.

Frankreich

Frankreich hat langjährige Erfahrungen mit der Bekämpfung von Separatismus und Extremismus im eigenen Land, vor allem auf der Mittelmeerinsel Korsika. Die korsischen nationalistischen Gruppen machten Mitte der 70er Jahre durch Zusammenstöße mit der französischen Armee auf sich aufmerksam. Die größten und einflussreichsten sind die "Nationalistische Vereinigung" und "Die Bewegung für Selbstbestimmung", die beide über Kampfgruppen verfügen.

Der Status der Insel wurde in den letzten 25 Jahren zweimal, 1982 und 1990, erweitert. Dabei bekamen die korsischen Behörden immer mehr Vollmachten in den Bereichen Wirtschaft, Landwirtschaft, Energiewirtschaft, Verkehr, Bildung und Kultur. Vor einigen Jahren hatte das französische Parlament die Existenz des korsischen Volkes anerkannt. Doch später wurde diese Entscheidung als verfassungswidrig rückgängig gemacht.

In der nordwestfranzösischen Provinz Bretagne ist seit Anfang der 70er Jahre die Bretonische Revolutionäre Armee aktiv. Die Nachfahren der Kelten, die einst von den britischen Inseln an die französischen Küste auswanderten, empfinden sich nicht ganz als Franzosen oder als besondere Franzosen. Bei den Volkszählungen bezeichnen sich viele als Bretonen, obwohl sie Französisch als Muttersprache angeben.

Die Bretonische Revolutionäre Armee, die ihren Namen offensichtlich im Einklang mit der Irischen Republikanischen Armee gewählt hat, gehört zum extremistischen Flügel der nationalistischen Bewegung Emgann, die gegen die "französischen Unterwerfer" kämpft.

Italien

In Italien sind separatistische Stimmungen in den industriellen Regionen des Nordens stark ausgeprägt. Die einflussreiche "Lega Nord" hat bislang auf eine Abspaltungsforderung verzichtet und will Italien in eine Föderation umgestalten. Auch Stimmen, die eine Wiedervereinigung Südtirols mit Österreich nach dessen Übergang an Italien nach dem Ersten Weltkrieg fordern, sind zu hören.

Belgien

Belgien könnte sich mit einiger Wahrscheinlichkeit in den niederländischen sprechenden flämischen Teil und den französischsprachigen wallonischen Teil aufspalten. Die Ursache der Konfrontation zwischen den beiden Sprachgemeinschaften liegen in den Anfängen der Geschichte des unabhängigen Belgiens, als sich die Wallonen und Flamen zu einer Union gegen die Niederlande vereinigten.

Einst im Namen der Freiheit vereint, versuchen sie seit knapp 200 Jahren getrennte Wege zu gehen. Aufrufe zur Spaltung werden im Land immer häufiger laut: Das wirtschaftlich stärkere Flandern will Wallonien nicht unterhalten. Laut Umfragen schließen mehr als 60 Prozent der Flamen und mehr als 40 Prozent der Wallonen eine Spaltung Belgiens nicht aus.

Großbritannien

In Großbritannien hat sich der Mittelpunkt der separatistischen Stimmungen aus Ulster nach Schottland verschoben. Bei der letzten Parlamentswahl ging in Schottland die Nationale Partei als Sieger hervor, die einen neuen unabhängigen Staat fordert.

Regierungschef Alex Salmond sagt voraus, dass Schottland im kommenden Jahrzehnt unabhängig werden könne. Allerdings unterstützen nur 23 Prozent der Schotten die Idee der Unabhängigkeit ihres Landes (vor einem Jahr waren es noch 30 Prozent).

Dennoch hat der spätere Premier Gordon Brown, damals noch Finanzminister, in der Presse gewarnt: Wenn der vor 300 Jahren geschlossene Bund zwischen England und Schottland schwächer werden sollte, so droht Großbritannien eine "Balkanisierung".

Dänemark

Die zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln sind halbautonom und leben von den Fördergeldern der Regierung in Höhe von fast 170 Millionen US-Dollar im Jahr. Das hält die Separatisten zurück, obwohl sie noch vor knapp sieben Jahren versucht haben, ein Unabhängigkeitsreferendum durchzusetzen.

Schweiz

Auch in der ruhigen Schweiz gibt es Separatisten. Die Befreiungsfront von Jura fordert seit mehr als 30 Jahren die Unabhängigkeit des Kantons von der Eidgenossenschaft. Einst wurde das von französischsprachigen Katholiken bevölkerte Jura dem Kanton Bern angegliedert, in dem größtenteils deutschsprachige Protestanten leben. Doch die Anführer der Front sehen ein, dass die Chancen auf einen Sieg äußerst gering sind.

Serbien

Der Verband der Ungarn in der Wojwodina fordert für die autonome Region in Serbien (35 Kilometer von Belgrad entfernt) den Status einer Republik und dann eine Volksbefragung über eine Konföderation mit Ungarn. Die Vertreter des Verbandes regieren fast 70 Prozent der Region. Im März 2007 baten Wojwodina-Magyaren die EU darum, eine Mission "zur Analyse der Situation" zu entsenden. Der ungarische Anteil der Bevölkerung in der Region beträgt gegenwärtig über 40 Prozent.

Rumänien

Ein ähnliches Szenario entwickelt sich auch im rumänischen Transsilvanien, wo der Anteil der Ungarn mehr als 45 Prozent beträgt. Von 1940 bis 1945 war Transsilvanien ein Teil von Ungarn, 1919 bis 1939 gehörte es zu Rumänien und davor zu Österreich-Ungarn.

Die noch zu Ceausescus Zeiten gegründete Union für die Wiedergeburt des Ungarischen Transsilvaniens veranstaltete bereits mehrere Volksbefragungen über die Autonomie, wie zum Beispiel im März 2007 in drei transsilvanischen Landkreisen. Die dortigen Ungarn haben für eine größtmögliche Autonomie von Bukarest und selbständige Beziehungen der Region zu Budapest gestimmt.

Auch auf der italienischen Insel Sardinien sowie in den hauptsächlich von Kroaten und Slowenen bevölkerten österreichischen Provinzen Steiermark und Kärnten sind "antikoloniale" Zwischenfälle häufiger geworden. Die südalbanischen Griechen und die Bewohner der portugiesischen Azoren fordern auch immer wieder Autonomierechte.

Quelle:
http://de.rian.ru/analysis/20090730/122522273.html

 

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efa_europakarte_2009.jpg


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Kommentare (7)
1. 09-08-2009 18:45
 
Kärnten und Steiermark
Angeblich gibt es in diesen hauptsächlich von Kroaten und Slowenen bewohnten Österreichischen "Provinzen" abspaltungsversuche.  
 
1. Die Slowenen sind dort nur eine klein Minderheit von 20 000 Einwohner (Kärnten und die Steiermark haben gemeinsam 2 Millionen Einwohner) 
 
2.Die Kroaten sind im Burgenland als Minderheit anerkannt wo sie 10 bis 20% der Einwohner stellen. 
 
3.Keine dieser Minderheiten hat in den letzten Jahrzehnten jemals die zugehörigkeit zu Österreich in Frage gestellt. 
 
4.In Südkärnten gibt es Probleme wegen zweisprachiger Ortstafeln die von Teilen der deutschsprachigen Kärntner leider auch Heute noch abgelehnt werden.  
 
5.Die Burgenland Kroaten sind sehr gut in Österreich verwurzelt. Der Landwirtschaftsminster(ÖVP) und der Verteidigungsminister(SPÖ) der Bundesregirung sowie ein ehemaliger Bundeskanzler(SPÖ) sind Angehörige dieser Minderheit.  
 
So wie beim Teil über Österreich ist bei den Meisten dieser Beispiele sicher der Wusch der Vater des Gedanken.
 
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2. 03-08-2009 22:05
 
Canton et Republik de Jura, Richtigstel
@ Kurt: Als der Jura gehörte 
zum Kt. Bern, ein Tei noch heute. Es gab eine Volksabstimmung die den Kanton Jura (franz. sprechend) 
als jüngstes Bindeglied der CH Eidgenossenschaft akzeptierte. gegrundet am 1.8.1291 auf der Rütliwiese (Innerschweiz gegründet) dur URI, SCHWYZ und die Waldenkantone OB/ NIDWALDEN. 
Es kam im Jura in den 70 er Jahren zu Anschlägen gegen Bern und wir Soldaten des Bundes wurden nicht mehr bedient und mussten alles aus dem deutschsprechenden Jura holen. Die sog. Befreiungsfront die Beliers 
haben sogar einen Sprengstoffanschlag auf das Bundesparament in Bern geplant, diese Kämper wurden frühzeitig verhaftet. 
2009 Es gibt im Jura keine Strömung die ein eigener Staat werden will oder zu France. In der CH sind nähmlich alle Halb und ganz Kantone autonom, auch sprachlich. Gruss nach Tirol!!
 
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3. 03-08-2009 14:39
 
Die andere Art der Unabhängigkeitsbewegu
Ich verstehe zwar nicht, was dieser Artikel auf der Seite der Süd-Tirol-er Frei-heit aufzeigen soll. Sind etwa ihre Ansprüche nach einer Wiedervereinigung mit Österreich deshalb vertretbarer, weil in Schottland die SNP die letzten Wahlen gewonnen hat? Oder bedeutet die zunehmende Auflösung des spanischen Staatsgefüges etwa, dass Tirol seiner Wiedervereinigung ein Stück näher kommt?  
 
Eines macht der Artikel allerdings klar: es gibt europaweit einige Unabhängigkeitsbewegungen (meiner Einschätzung nach sind es noch dutzende mehr: Gibraltar, Lettgallen in Lettland, die Krimhalbinsel, usw.) und trotzdem schaffen es so viele von diesen, sich gemeinsam mit der Bevölkerung für die Unabhängigkeit eintzusetzen, ohne rechts, deutschtümlerisch oder lokalnationalistisch sein zu müssen.
 
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4. 01-08-2009 12:45
 
@ Kurt
Kommentar Kurt: 
"Dieser Artikel beweist eines. Der Autor war nie in der Schweiz und im Elsass. NIEMAND in der Schweiz will die Schweiz in der auch kleinsten Form verändern. Und im Elsass kann heutzutage kaum noch jemand deutsch...." 
 
Die Situation in der Schweiz kenne ich nicht, die im Elsass jedoch sehr gut. Dein Artikel beweißt, dass du KEINE Ahnung vom Elsass hast! Es gibt zwei gravierende Unterschiede zwischen dem Elsass und Süd-Tirol: 
 
1) Frankreich ist ein knallharter, jakobinischer Zentralstaat mit rigoroser Sprachpolitik. Minderheiten- bzw. Regionalsprachen wurden jahrzehntelang systematisch unterdrückt. 
 
2) Die Elsässer haben eine GRUNDLEGEND andere Geschichte als die Süd-Tiroler ladinischer und deutscher Muttersprache. 
 
Kurze Darstellung: 
 
Die Region Elsass-Lothringen im Herzen Europas befindet sich nach wie vor in einer ungewöhnlichen sprachlichen Situation: Aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu Frankreich seit 1945, ist Französisch alleinige Amts- und Nationalsprache. Dennoch halten sich weiterhin die beiden germanischen Dialekte Alemannisch und Rheinfränkisch im familiären Bereich sowie in kleinstädtischen- und ländlichen Gegenden. 
 
300 Jahre wechselvolle Geschichte, in deren Verlauf besonders zum Ende hin die einzelnen Sequenzen politischer Zugehörigkeit zu Frankreich oder Deutschland immer kürzer wurden, hatten verheerende Folgen für die sprachliche Situation: Innerhalb kürzester Zeit war die Bevölkerung immer wieder gezwungen, die Sprache der jeweiligen Nation, der sie gerade angehörte, zu erlernen, während die vorherige nun verboten war. So kam es, dass Kinder, Eltern und Großeltern unterschiedliche Nationalsprachen beherrschten und ihnen lediglich der Dialekt als gemeinsames Kommunikationsmittel blieb. Regierungen, die weit entfernt in Berlin oder Paris ihren Sitz hatten, ergriffen sprachpolitische Maßnahmen, die sich nicht nur auf die Bereiche Bildung, Kirche und öffentliches Leben erstreckten, sondern teilweise auch gravierend in das private Leben eingriffen. 
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg war dann die Ablehnung der Elsässer alles Deutschen gegenüber, die sehr unter der deutschen Besatzung zu leiden hatte, sehr groß, dass die Dialekte, die eng mit der Kultur der Region verbunden sind, vom Aussterben bedroht waren. Erst Ende der 60er Jahre fand eine langsame Rückbesinnung auf den besonderen doppelsprachigen Status der Region wieder statt. 
 
Heutige Situation: 
 
Selbstverständlich sind die Elsässer französische Muttersprachler und sehen sich als loyale Franzosen. Nichtsdestotrotz lernen heute fast 70 % aller elsässischen Schüler Deutsch als erste Fremdsprache. In vielen Schulen wird heute bilingualer Unterricht in Französisch/Deutsch erteilt, an den Volkshochschulen werden Elsässischkurse gegeben. Das französische Staatsfernsehen, France 3, sendet Montags bis Freitags, die Sendung "Rund um", in der nur Elsässisch gesprochen wird. Des weiteren wird an der Einführung eines elsässischen Fernsehsenders gearbeitet. Vielfach wurden bilinguale Orts- und Straßenschilder angebracht. Die Region bemüht sich, eine sprachliche- und kulturelle Brücke zwischen Deutschland und Frankreich zu sein. 
 
Der geneigte Leser mag sich gerne informieren: (Einige Links in elsässischer, deutscher und französischer Sprache) 
www.fers-elsass.org/ 
www.verdammi.org/ 
www.olcalsace.org/ 
www.liederbrunne.com/ 
www.hanau.folklore.free.fr/ 
www.heimetsproch.org/ 
www.gsw-fr.eu/ 
www.ajfe.fr/ 
 
 
PS: "S' wurd bekannt gemacht, ihr liewi Litt, elsässisch redde isch widder chic !"
 
Eric
5. 01-08-2009 12:21
 
@ Kurt
Sie haben da wahrscheinlich etwas missverstanden. Diese Karte ist keine Grundlage für irgendeine politische Bewegung, die sich überall in Europa neue Staaten zum Ziel setzen würde, dazu für Minderheiten, von denen kaum jemand etwas gehört hat, sondern das ist eine sehr fachmännisch gemacht Karte der heute noch vorhandenen ethnischen und sprachlichen Minderheiten in Europa. Also von Minderheiten, die es noch heute gibt. Im vergangenen Jahrhundert ist eine Reihe von Minderheiten in Europa verschwunden, das sollte man immer bedenken, wenn es um solche Fragen geht. Wer hat schon von der Minderheit der Liven in Lettland, der Pruzzen oder Pommeranen gehört? Die letzten Sprecher dieser Sprachen z.B. im Ostseeraum sind nicht mehr da, ihre Sprache und Kultur existiert nur noch in den Bibliotheken. Diese Liste der gerade noch existierenden Minderheiten ist sogar noch viel länger, daher ist diese Karte ohnehin sehr vereinfach gemacht, um wohl einigermaßen verständlich zu wirken.  
 
Ich gebe zu, wenn man unvorbereitet auf diese Karte schaut, ist man ein wenig überfordert. Dennoch die große Vielfalt an Sprachen und Kulturen ist unser Reichtum in Europa, aus dem wir immer schöpfen werden können. heute stellt man bedrohte Arten in der Natur unter Schutz, das sollte man schon längst in Europa auch mit manchen ethnischen Minderheiten machen, damit sie langfristig überleben können. 
 
Manche von denen sind verschwindend klein, manche haben so wie in Südtirol immer noch eine 3/4 ethnische Mehrheit innerhalb der Grenzen der Autonomie. Bei dieser Karte geht es nur um die Sprachenverteilung oder Sprachenverbreitung in Europa und nicht um Forderungen politischer Natur.
 
Markus Anton
6. 01-08-2009 09:08
 
@ Kurt
Dieser Artikel beweist eines. Der Author war nie in der Schweiz und Elsass. NIEMAND in der Schweiz will die Schweiz in der auch kleinsten Form verändern. Und in Elsass kann heutzutags kaum noch jemand deutsch und kaum jemand (noch weniger als in Südtirol) will sich vom Staat trennen
 
Kurt
7. 31-07-2009 11:35
 
Das Völkerrecht
In diesem Artikel steht es sinngemäß, man hört auch Stimmen aus Südtirol, die sich jetzt eine Neuregelung des alten Status quo der AP Bozen immer lauter wünschen. 
 
In den letzten Tagen hat man viele dieser Stimmen gehört. Eine dieser Stimmen war die Stimme des Landeshauptmann von Südtirol Luis Durnwalder, der in einem TV-Interview sagte, auch er würde bei einer Volksabstimmung zu Selbstbestimmung für Österreich stimmen. Seitdem toben und raufen sich die Altoatesini die Haare und krümmen sich vor Schmerz. Damit haben sie sicher gerade jetzt nicht gerechnet, dass ausgerechnet der für seine Pflegeleichtigkeit bekannte Landeshauptmann der AP Bozen so eine Äußerung im Sinne der Selbstbestimmung tätig.  
 
Man müsste sich auch der ganzen Tragweite so einer Äußerung bewusst werden. Allein, dass der LH von ST das heute frei sagen darf, ohne am nächsten Tag von Italien abgesetzt zu werden, allein das beweist, dass wir heute in ganz anderen und doch demokratischen Zeiten leben, wo auch Italien im bescheidenen Maße auf das Selbstbestimmungrecht der Süd-Tiroler Rücksicht nehmen muss, wenn man nicht noch unangenehmer in Europa auffallen will. 
 
Der LH sagte, er würde für Österreich stimmen, aber gleichzeitig erklärte er, warum eine Volksabstimmung so schwierig sei. Auch dann, wenn über 55% der Menschen für Selbstbestimmung und Rückkehr zu Österreich stimmen würden, würde Italien so ein Wahlausgang höchstwahrscheinlich ignorieren. Dessen bin ich mir aber nicht so sicher. Es würde wahrscheinlich darauf ankommen, wer gerade in Rom an der Macht ist und wie Europa in den Gremien der EU auf so eine Forderung aus der AP Bozen reagieren würde. Der Erfolg dieses Vorhabens ist auch davon abhängig, wer und auf welche Art und Weise zu diesem Zeitpunkt laut sich zu Wort meldet. Ich bin der Meinung, dass Europa noch sehr lange kein Verständnis für eine Selbstbestimmung der Süd-Tiroler aus deutschnationalen Positionen heraus haben wird. Das ist einfach ein unumstößliches Faktum. Es gibt auch nicht mehrere Wege zur Selbstbestimmung , sondern nur einen einzigen schmalen politischen und zeitlichen Korridor, wo zum Schluss eine reelle Wahl in dieser Frage für die Süd-Tiroler möglich sein wird. 
 
Diese Selbstbestimmungbewegung ist eine andere, als die der anderen noch fremdbestimmten Völker in Europa. Die Süd-Tiroler waren schon immer und sind auch jetzt deutschsprachige und ladinische Tiroler und damit Alt-Österreicher, die höchstwahrscheinlich nach dem Mehrheitswillen in einem wiedervereinten Land Tirol wieder leben wollen. Dieses Recht darf man sich von niemand wegnehmen oder wegreden lassen. 
 
Dem italienischen Machtanspruch im eigenen Land haben die Süd-Tiroler geschlossen immer wieder klar widersprochen. Bei der Annexion von 1919 hat sich Italien auch nicht an die Bestimmung des Völkerrechts gehalten, dass in annektierten Gebieten eine Volksabstimmung verpflichtend durchzuführen ist, also dort wo man noch nie zu diesem Staat gehört hat und dazu eine andere ethnische Zusammensetzung aufweisen kann als die des neuen Staates der ethnischen Fremdbestimmung. Diese Voraussetzungen treffen zu 100% auf die heutige AP Bozen zu. Dieses Recht war gerade schon damals nach dem Ersten Weltkrieg in Europa vor allem gut bekannt und auch sehr oft zum Wohle der davon betroffenen Völker praktiziert worden.  
 
Das neue Europa, so wie wir es heute kennen, wurde zum Großteil in den Prozessen der Selbstbestimmung geformt. Das theoretische Recht auf die uneingeschränkte Selbstbestimmung könnte man aber nur dann durchsetzen, wenn es überhaupt eine Art Völkerrechtpolizei gäbe, die diese Fragen regelt. Die zwischenstaatlichen Verträge, also Diktate der Sieger, wie man das vielleicht früher formulieren würde, die galten sehr lange auch als Grundlagen des Völkerrechts aber nur für die Parteien, die sie abgeschlossen haben. In Namen der Süd-Tiroler hat niemals jemand einen internationalen Vertrag abgeschlossen, dass man fremdbestimmt, dazu ohne Zeitlimit, werden möchte.  
 
Die Auslegung des Völkerrechts in der Selbstbestimmungfrage wird durch Anlassfälle immer wieder neu festgelegt, heute greift immer mehr die moderne Interpretation, wonach jedes Volk, das den bisherigen Staat als Fremdbestimmung allgemein empfindet, das praktische Recht hat, die eigene Selbstbestimmung mit friedlichen und demokratisch legitimierten Methoden auszuüben. Manchmal hilft die UNO oder die EU dabei mit eigenen Streitkräften. Das gibt es aber nur in seltensten Fällen, vor allem dann, wenn die Macht der Fremdbestimmung in verbrecherischer Absicht mit einer Minderheit zu bunt treibt, wie zum Beispiel in den letzten Jahrzehnten in den neuen Staaten Ex-Jugoslawiens vor ihrer Ausübung der Selbstbestimmung oder auf der Insel Timor in Asien. Die Tatsache, dass es diese Streitkraft zur allgemeinen Verfügung dennoch nicht gibt, entbindet Italien nicht von der Pflicht, sich an die Vorgaben des Völkerrechtes zu halten. Der Stiefelstaat hat so gut wie alle Rechtsakte dieser Art der UNO oder der KSZE unterzeichnet und ratifiziert, ohne nur im geringsten sich gerade in der Südtirol Frage daran halten zu wollen, sofern der Wunsch nach Selbstbestimmung in Namen der Süd-Tiroler laut und deutlich von der einzig legitimen Vertretung politisch glaubwürdig geäußert wird. 
 
Gerade jetzt haben wir so ein Fall, der Landeshauptmann hat sich in informeller Form zur Selbstbestimmung bekannt, aber auch die Aussichtlosigkeit dieses Vorhabens skizziert, weil Italien Südtirol aus freien Stücken nicht gehen lassen will. Er knöpfte in dieser Frage für die nahe Zukunft die Hoffnung an, dass gerade Europa der EU irgendwann eine neue politische Neuordnung möglich der Regionen machen wird, wo auch Italien sich ausnahmsweise daran halten müsste. 
 
Die Bestimmungen des Völkerrechtes in der Selbstbestimmungfrage gelten für alle und in allen Ländern der Welt, auch wenn es keine Macht gibt, dieses Recht uneingeschränkt durchzusetzen. Die internationalen Organisationen mit ihren Mechanismen der Konfliktbereinigung versuchen da lediglich Abhilfe zu schaffen.  
 
Man stelle sich vor, ein Nachbarland Italiens würde irgendwann ein Teil dieses Landes militärisch besetzen, annektieren und dann mit der angestammten Bevölkerung das machen, was Italien in Süd-Tirol über lange Strecken der Geschichte gemacht hat. Das kennt man auch in diesem Land aus der eigenen Geschichte im Falle der einmal international durchgesetzten Selbstbestimmung der Italiener im Freien Territorium Triest in der Zone A zwischen 1945 und 1954. Auf dieses Recht berufen sich auch die Süd-Tiroler seit dem Zeitpunkt der gewaltsamen Annesion vor 90 Jahren. Italien war bis jetzt zu keinem Zeitpunkt der Geschichte zum Umdenken zu bewegen. Erst die alten und die neuen Einigungsprozesse in Europa der EU ermöglichen eine völlig andere und Selbstbestimmung freundliche neue politische Sicht in dieser für die Zukunft des Landes so wichtigen Frage. Die Landespolitik der AP Bozen, die des Vaterlandes Österreich müssten nur das richtige daraus machen, was ihnen Europa an demokratiepolitischen Vorgaben bereitet. Die Beantwortung oder demokratische Klärung der Selbstbestimmungfrage der Süd-Tiroler erscheint in unserer Zeit zum ersten mal in der Geschichte überhaut gewisse Aussicht auf Erfolg zu haben.
 
Markus Anton

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