| Südtiroler Spitzensportler in den Landesdienst - Landtag sagt NEIN |
| Mittwoch, 1. Juli 2009 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Die Landesregierung solle Maßnahmen für eine Übernahme der Südtiroler Spitzensportler in den Landesdienst treffen, forderte die SÜD-TIROLER FREIHEIT in einem Beschlussantrag. Der Landtag solle die Instrumentalisierung der Südtiroler Sportler zu italo-nationalistischen Zwecken verurteilen und Carabinieri und Finanzwache auffordern, die Südtiroler Sportler nicht zum Schwenken der Trikolore zu drängen.Die Südtiroler Spitzensportler sähen sich einem massiven Druck ausgesetzt, meinte Sven Knoll. Man fordere nicht eine automatische Übernahme der Sportler, die Wahl sei ihnen überlassen. Veronika Stirner Brantsch (SVP) konnte dem Antrag einiges abgewinnen. Unsere Sportler seien einem gewissen Druck ausgesetzt, manchen sei es aber auch völlig egal, wenn sie mit der Trikolore auftreten müssen. Manche Sportler habe man auch dazu gedrängt, in gewissen Situationen Italienisch zu reden. Ob eine Übernahme in den Landesdienst möglich sei, sei allerdings erst noch zu prüfen. Auch Roland Tinkhauser (F) unterstützte das Grundanliegen. Er selbst sei auf staatlicher Ebene sportlich aktiv gewesen, habe aber nie Druck vernommen. Grundsätzlich wäre es wünschenswert, wenn sich Südtiroler Sportler auch für den Landesdienst entscheiden könnten. Südtirol sollte sich einmal bedanken bei den vielen Waffengattungen, die unsere Sportler aufnehmen, meinte Florian Mussner (SVP). Die Sportler ließen sich nicht vor den Karren spannen. Der Fall Plankensteiner sei erst durch ein bestimmtes Fernsehinterview entstanden. Verschiedene Äußerungen in den letzten Jahren hätten mit dazu beigetragen, dass unsere Sportler nicht mehr so leicht zum Zuge kommen. Die Jugendlichen sollten ihren Weg gehen, man sollte ihnen diesbezüglich keine Schranken auferlegen. Alessandro Urzì (PDL) zeigte sich erfreut über die Ausführungen Mussners. Die Südtiroler Spitzensportler, gleich welcher Sprachgruppe, würden von allen ins Herz geschlossen, seien identitätsstiftend. Der STF-Antrag wolle hingegen nichts lösen, nur provozieren. Im Zusammenhang mit der ethnischen Debatte werde auch über Sport gesprochen, stellte Martha Stocker (SVP) fest. Dies zeige, welchen Stellenwert Sportler für die Identität hätten. Dass Sportler einem gewissen Druck ausgesetzt seien, weil sie Teil bestimmter Organisationen sein, könne man nicht leugnen. Mit Sport werde auch Politik gemacht, das sei das letzte, was man tun sollte. Aber die Sportler seien auch Repräsentanten dieses Landes, dieses Bewusstsein müsse man ihnen mitgeben. Südtirol gebe mehr als die meisten Regionen für den Sport aus, Sportler in den Landesdienst zu stellen, sei eine Überlegung wert. Eine direkte Übernahme, wie im Antrag gefordert, könne sicher nicht umgesetzt werden. Kaum ein Land dieser Größenordnung habe eine solche Dichte an Spitzensportlern, bemerkte Elmar Pichler Rolle (SVP). In vielen Ländern würden Militär- und Polizeieinheiten den Sportlern eine Karriere ermöglichen, dort seien sie auch nachher abgesichert. Pichler Rolle warnte davor, dass sich der Landtag noch einmal in diese Materie einmischt. Die unsägliche Geschichte mit dem Nachsingen der Nationalhymne sei auch von vielen italienischen Mitbürgern verurteilt worden. Wenn man unseren Sportlern schaden wolle, wenn man wolle, dass sie mehr leisten müssten als gesamtstaatliche Sportler, um in die Nationalmannschaft aufgenommen zu werden, dann müsse man diesen Weg gehen, den dieser Antrag vorschlage. Politik solle nicht auf dem Rücken der Sportler ausgetragen werden. Die Frage sei nur, ob man ein Alternativangebot schaffen wolle, erwiderte Eva Klotz (STF). Alle seien stolz auf die Leistungen der Südtiroler Sportler, deswegen sei man ihnen eine Entscheidungsmöglichkeit schuldig. Der Antrag sei nicht als Provokation gedacht, antwortete Klotz auf den Einwand von Mussner, die Sportler würden zu einer fremden Identität genötigt. Südtirol habe für so vieles Geld übrig, nur nicht für die besten Botschafter des Landes. Er könne den Antrag aus ganzem Herzen mittragen, erklärte Thomas Egger (F), eine eigene Mannschaft sei eine sportpolitische Vision. Es müsse aber festgehalten werde, dass die Aufnahme in den Landesdienst allen Sprachgruppen offen stehe. Durch eine Absicherung nach der Sportkarriere könnte das Land ihnen für ihre Verdienste danken. Auf Vorschlag von Martha Stocker und Thomas Egger änderte Knoll seinen Antrag ab: Die Landesregierung solle die Möglichkeit für eine Übernahme in den Landesdienst überprüfen, der allen Sprachgruppen offen stehe. Die Sportler seien nicht begeistert davon, wenn sie zum Spielball der Politik würden, meinte LH Luis Durnwalder. Man verspreche ihnen zuerst eine eigene Mannschaft, dann ein eigenes politisches Komitee. Die Unterbringung etwa beim Forstkorps sei unrealistisch, es gehe auch um gemeinsames Training. Wer mit der Mannschaft antrete, entscheide nicht das entsprechende Polizeikorps. Man sei immer gegen Missbrauch, vor allem gegen eine Minderheit, aber hier einen Missbrauch hineinzuinterpretieren, sei nicht richtig. Südtirol tue viel für die Sportförderung, die Sportler können nach ihrer Karriere auch in den Landesdienst übernommen werden. Durnwalder dankte allen Einheiten, Carabinieri, Finanz, Polizei u.a., dass sie unsere Sportler unterstützen. Aus der Sachdebatte sei leider eine ethnische Debatte geworden, bemängelte Sven Knoll. Er habe eigens die Möglichkeit für alle Sprachgruppen betont, um zu zeigen, dass es kein ethnisches Anliegen sei. Auch der Landeshauptmann habe einmal von einem eigenen Sportteam geredet, und Sportlerinnen wie Isolde Kostner hätten das unterstützt. Der Antrag sei nicht gegen Carabinieri oder Polizei gerichtet, man wolle den Sportlern nur eine Wahlmöglichkeit geben. Der Antrag wurde mit 9 Ja-, 19 Gegenstimmen und 2 Enthaltungen abgelehnt. Aufgerufen: 1495 | Drucken
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