Es lässt einen erschaudern angesichts des offiziellen Umgangs Italiens mit seiner faschistischen Vergangenheit. Letztes Beispiel Ministerin Michela Brambilla, die auf einer Feier der Carabinieri den Arm zum römischen Gruß streckte. Ein Gruß an einen Geist, der die schlimmsten Abgründe im Menschen auftat und fundamentale Grund- und Menschenrechte negierte. Dabei ist sie bei weitem nicht die einzige hohe Staatsvertreterin die den Faschismus verherrlicht oder relativiert. Wann wird dieses Land endlich seine Geschichte aufarbeiten?
Der ehemalige Außenminister und aktuelle Kammerpräsident Gianfranco
Fini bezeichnete Mussolini einst als den "größten Staatsmann aller
Zeiten" und machte Wahlwerbung mit Faschistengruß. Der "Spiegel"
bezeichnete ihn 2001 als "Mussolinis salonfähigen Erben".
2005 stellte sich der Kapitän von Lazio Rom, Paolo Di Canio,
(wiederholt) mit gestrecktem Arm in die Fankurve um damit die als
rechtsextrem bekannten Lazio-Ultras zu grüßen. Spruchbänder wie
"Auschwitz ist eure Heimat" waren in der Lazio-Kurve an der Tagesordnung.
Di Canios Strafe lautete ein Spiel Sperre und 8.000 Euro Strafe(!).
Italiens Politik reagierte kaum. Ministerpräsident Berlusconi
bezeichnete den Mann der eine DUX-Tätowierung (lateinisch für Duce)
trägt gar als "anständigen Kerl".
Der Bürgermeister von Italiens Hauptstadt Rom, Gianni Alemanno,
bezeichnete den Faschismus letztes Jahr als gutes System, lediglich die
Rassengesetzte wären demnach zu verurteilen. Schon vorher machte er mit
Fotos vor Skinheadfahnen auf sich aufmerksam.
Eine neue Dimension wurde jedoch in letzter Zeit mit der Gründung der
Bürgerwehr "Guardia nazionale italiana" erreicht die angeblich 2.500
Mitglieder haben soll. Neofaschisten die mit Symbolen des
Nationalsozialismus und Faschismus behaftet SA spielen und einen Hauch
von 1922 versprühen. Traurig genug, dass der Staat die Bürger
auffordert sich selbst zu schützen, da er dazu offensichtlich nicht
imstande ist.
Diese Liste ließe sich ohne weiteres weiterführen. Und man weiß nicht
was einen mehr bedrücken sollte; dass solche Vorfälle nach den
Erfahrungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im Jahr 2009 noch
vorkommen oder dass kein öffentlicher Aufschrei, weder national noch
international, erfolgt. Deutschland ist ein Paradebeispiel für
Vergangenheitsbewältigung. Österreich hat sich spätestens seit der
Waldheim-Affäre Mitte der 80er Jahre den dunklen Seiten seiner
Vergangenheit gestellt. Wann wird Italien endlich sein nationales
Bewusstsein entrümpeln? Wann wird der 25. April auch die Köpfe so
vieler Italiener erreichen?
Stefan Zelger,
Hauptausschussmitglied
und Gemeinderat der SÜD-TIROLER FREIHEIT in Tramin
Bild 1+2: Kammerpräsident Gianfranco Fini, Wahlwerbung mit faschistischem Gruß, Mussolini "größter Staatsmann aller Zeiten".
Bild 3+4: Roms Bürgermeister Gianni Alemanno vor einer Skinhead-Flagge und seine Anhänger nach seiner Wahl zum Bürgermeister
Bild 5: Paolo Di Canio, Kapitän von Lazio Rom, laut Berlusconi "ein anständiger Kerl"
@G.v.E. Frau Klotz wird nicht nur teilnehmen, sondern sogar eine Rede halten. (auch Funktionäre der Schützen werden dabei sein). Da soll sich dann niemand wundern, wenn manchmal die Tendenz Tendenz entsteht, die Süd-Tiroler Freiheit oder die Schützen ins Nazi-Eck zu stellen. Mit Glaubwürdigkeit haben solche Aktionen sicherlich nichts zu tun.
@ff Wieso verhamlost du deutschnationale Bestrebungen und verurteilst nur die italienischen Faschisten? Findest du es nicht bedenklich dass der österreichische Nationalratspräsident den Präsident der jüdischen Kultusgemeinde als Drahtzieher des Linksterrorismus bezeichnet? Findeste du es nicht bedenklich wenn ein beträchtlicher Teil der österreichischen Bevölkerung eine Bewegung wählt, deren Führer selber Teil einer Burschenschaft war und alle 2 Monate dabei erwischt wird, wie er reden von reachtsnationalen Seiten kopiert?
Der Faschismus auf italienischer Seite ist aufs schärfste zu verurteilen und nicht gut zu heißen. Aber wer gleichzeitig das Auge bei österreichischen Nazis verschließt, der sollte sich schon überlegen wen er als unintelligent bezeichnet.
Werfe nicht mit Steinen, wenn du im Glashaus sitzt....
2. 20-06-2009 10:44
Der ganz normale Faschist?
@johann d Es ist schon ein Unterschied, ob man faschistische Grüße verteilt oder ob man bei einem Treffen einer Burschenschaft teilnimmt. Soweit sollte man beides als intelligenter Mensch auseinanderhalten können bzw. wollen. Ich finde es viel bedenklicher wenn der kleine Mann auf der Straße oder sogar Profi-Sportler und Bürgermeister plötzlich zu Faschisten mutieren.
3. 19-06-2009 21:29
Der ganz normale Faschist?
Ja, warum haben denn unsere Grünen und die Schedereids in dieser Sache nichts zu meckern? Und warum hackt unser neuer Bischof auf der Dornenkrone herum und kümmert sich überhaupt nicht um den altare della patria in Rom? Warum immer zweierlei Maß und Ziel? Warum?
4. 19-06-2009 18:49
Der ganz normale Faschist?
@johann.d Die Landtagsabgeordneten werden sich hüten, bei solchen Feiern dabeizusein! Das sollte man eigentlich schon mitgekriegt haben, wenn man das Thema etwas verfolgt. Und wenn nun das eine oder andere Mitglied hingeht... nun, da hat man als Bewegung ja wohl keinen Einfluss. Man kann die Leute nur immer wieder aufmerksam machen, dass das nur der Bewegung schadet!
5. 19-06-2009 18:10
...
es ist absolut richtig den faschismus anzukreiden und zu verurteilen.
aber wieso erlaubt sich eben diese bewegung so ein urteil. eine bewegung, die vor zwei monaten groß gegen faschismus aufmarschiert ist und nun ihre funktionäre zu einem treffen der deutschnationalen burschenschaften in innsbruck schickt.
zu schämen!!!gratuliere: diese bewegung hat für mich jegliche glaubwürdigkeit verspielt.
6. 18-06-2009 17:32
Los von Italien
…ja, ja. Aber die Schützen als Zündler und Nazi bezeichnen. Zerreißt sich die Dolomiten bei diesen italienischen Faschisten hier auch so das Maul? Wie lange wollen die Südtiroler noch warten?Südtirol ist nicht Italien. Lösen wir uns von diesem Staat, bevor Italien nicht mehr Europa ist und wir nur mehr Faschismus haben.
7. 18-06-2009 09:42
Los von Italien
ich will jetzt niemanden verteidigen, aber Fini hat sich in der Zwischenzeit vom Faschimsmus distanziert und gesagt, das der Faschismus und der NS das absolut Böse waren und sich für seine Aussagen entschulidgt. aber ist nur ergänzungshalber. dass italien noch ein problem mit seiner vergangenheit hat, ist nichts neues und wäre eigentlich endlich zeit, dass sie den faschísmus aufarbeiten.
8. 18-06-2009 08:10
Saluto Romano
Bin da der selben Meinung wie Herr Lang. Allerdings müssen diese Vorfälle massiv an verschiedenen europäischen Istitutionen herangetragen werden. Das Ziel muss sein: diese Ministerin muss weg (versteht ja eh nix von Politik und hat nur eine große, freche Gosch)
9. 18-06-2009 07:14
WINI
Der Faschismus ist in der italienischen Gesellschaft noch nicht verarbeitet - im Gegentei er beginnt wieder zu blühen.
Nach dem Kriegsende 1945 wurde die Beseitigung demokratischer Strukturen, die Zusammenarbeit der faschistischen Regierung unter Mussolini mit dem Nationalsozialismus und die aktive Beteiligung der darauffolgenden "Italienischen Sozialrepublik" an der Vertreibung und Ermordung von einem Vietel der italienischen Juden vollkommen unterschiedlich rezipiert und verarbeitet als in Deutschland und in Österreich. Ursachen dafür waren nicht nur der im Vergleich zum Nationasozialismus geringere Wirkungsgrad der faschistischen Innen-,Außen- und Militärpolitik, sondern auch das Ausbleiben eines öffentlichwirksamen und aufklärenden internationalen Kriegsverbrecherprozesses wie in Nürnberg. Dies war eng verbunden mit dem internen - nicht wie in Deutschland von außen herbeigeführten -Sturz des Regimes. So wird die Person Benito Mussolinis an seinen Wirkungsstätten, wie dem Amtssitz der von ihm geführten Sozialrepublik in Salo`am Gardasee, die Familiengruft der Mussolinis in Predappio oder in einem Mussolini-Museum in der Nähe von Forli, heute von neofaschistischen Gruppierungen mystifiziert und ein Peronenkult gepflegt.Auch die Pflege und Erhaltung faschistischer Denkmäler in Süd-Tirol liegt im Interesse dieser Gruppierungen. Aufrechte Demokraten würden sie, so wie in Deutschland und in Österreich entfernen. Die Verherrlichung des Faschismus ist nach heutiger italienischer Rechtslage zwar strafbar, zu einer konsequenten Anwendung kommen die Gesetze allerding nicht. Und doch sollte auf der Grundlage dieses Rechtes gegen zuwiderhandelnden Personen im Sinne der Wiedebetätigung, Anzeige erstattet werden.
10. 18-06-2009 05:13
Südländisches Temperament
„Unsichtbar wird der Wahnsinn, wenn er genügend große Ausmaße angenommen hat!“
Bertolt Brecht
11. 17-06-2009 21:44
Nein zum Faschismus
Zumindest bundesdeutsche und österreichische Urlauber sollten Italien bei dieser Tourismusministerin als Urlaubsland meiden .....
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