Antrag zur Verurteilung des faschistischen Völkermordes in Äthiopien von Mehrheit niedergestimmt
Mittwoch, 10. Juni 2009

voelkermord_abessinien.jpgDas offizielle Italien sollte der Opfer des Abessinienkrieges gedenken, die Verbrechen des Faschismus in Südtirol und anderen Gebieten verurteilen, sich bei den betroffenen Völkern entschuldigen, das Alpinidenkmal und das Siegesdenkmal entfernen, forderte die SÜD-TIROLER FREIHEIT. Die Landesregierung sollte sich dafür einsetzen, auch mit Hilfe der Südtiroler Parlamentarier.

Eva Klotz bemängelte, dass in Italien nie eine Geschichtsbewältigung wie etwa in Deutschland erfolgt sei. Altlandeshauptmann Wendelin Weingartner habe jüngst geschrieben, das Brunecker Alpinidenkmal sei zu Ehren eine grausamen Kolonialkrieges errichtet worden, nicht zu jener der hilfsbereiten Alpini der Nachkriegszeit. In Deutschland oder Österreich seien Denkmäler mit Hakenkreuz nicht denkbar.

Die deutschsprachige Jugend werde immer gemahnt, die Finger von rechtsradikalem Gedankengut zu lassen, meinte Sven Knoll (STF), und das sei auch richtig. Dasselbe müsste man aber auch den italienischsprachigen Jugendlichen sagen. Aber das sei schwer, wenn der Faschismus ständig durch Denkmäler verherrlicht werde, vor denen sich auch oft Jugendliche versammeln. Hier sollte der Landtag einmal klar Position beziehen. Es sei bezeichnend, das keine italienische Partei in Südtirol die Verherrlichung des Faschismus durch diese Denkmäler verurteile.

Innenminister Maroni habe erst alle Parteien sowie Schützen und Alpini zu einem runden Tisch eingeladen, um diese Dinge zu diskutieren, stellte Sigmar Stocker (F) fest. Wenn man diesem Antrag zustimme, erübrige sich der runde Tisch. Er sei nicht ohne weiteres für die Schleifung des Denkmals, sondern für dessen historische Aufarbeitung. Stocker schlug deshalb eine Aussetzung des Antrags vor.

Daran knüpfte SVP-Fraktionssprecher Elmar Pichler Rolle an. Südtirol sei in einer besonderen Situation, und das müsse man berücksichtigen. Der Giftgasangriff in Abessinien sei nicht der erste gewesen, auch Österreich-Ungarn habe diese Waffe eingesetzt. Wenn zwei Sprachgruppen von dieser Geschichte betroffen seien, werde es immer ein Aufrechnen geben. Der Innenminister habe die Hand ausgestreckt, man sollte sie nicht ausschlagen.

Donato Seppi (Unitalia) fragte, ob man unbedingt die Auseinandersetzung suche. Er bezeichnete den Antrag als Geschichtsrevisionismus. Deutschland müsse sich immer die Kriegsverbrechen vorhalten lassen, während jene, die die Bombe über Hiroshima abgeworfen hätten, nie vor ein Kriegstribunal gestellt worden seien. Klar habe es Kriegsgräuel gegeben, das müsse man auch nicht leugnen. Das Alpinidenkmal sei 1951 errichtet worden und verherrliche nicht den Abessinienkrieg. Kein Italiener wolle die Reinkarnation Mussolinis. Seppi gab Stocker und Pichler Rolle recht: Man müsse das Zusammenleben suchen und nicht die dunklen Seiten der Geschichte.

Alessandro Urzì (PDL)
sprach von einem Ekelgefühl, das ihn angesichts solcher Anträge befalle. Während die Menschen in diesem Lande an die Arbeit und an das Wohlergehen ihrer Kinder dächten, hätten andere nur die Vergangenheit im Sinn, um alte Wunden aufzureißen.

Man stehe wieder vor einer Denkmaldiskussion, und so langsam reiche es, meinte Thomas Egger (F). Die Initiative des Innenminsiters sei begrüßenswert, aber am besten wäre es, wenn diese Dinge im Lande geregelt werden könnten.

Es sei nicht gut, wenn dauernd im Landtag Themen diskutiert würden, die immer wieder alte Wunden aufreißen, meinte Dieter Steger (SVP). Er zitierte Bischof Karl Golser, der jüngst gewarnt habe, dass das Beharren auf dem eigenen Recht zu neuem Unrecht führen könne. Im Sinne der Ausgewogenheit ersuchte Steger (als Abgeordneter) die Einbringer, den Antrag zurückzuziehen, auch wenn darin Positionen enthalten seien, denen man auch zustimmen könnte.

Es sei erstaunlich, wie schwierig in Südtirol der Umgang mit der Geschichte sei, stellte Pius Leitner (F) fest. Jeder der vorgeschlagenen Punkte des Antrags habe seine Berechtigung, aber Denkmäler hätten als Mahnmäler einen tieferen Sinn. Man müsse sie in ihren historischen Kontext stellen. Es sei schade, dass die Landesregierung die Initiative einem italienischen Minister überlassen habe. Maronis runder Tisch sei für Juni angekündigt, bis dahin sollte man den Antrag aussetzen.

LH-Stv. Christian Tommasini
sprach sich gegen den Antrag aus. Er bringe keine Aufarbeitung der Geschichte. Natürlich seien die faschistischen wie die nationalsozialistischen Gräueltaten zu verurteilen. Der Antrag verfolge aber das Ziel, Zwietracht zwischen den Volksgruppen zu säen. Die Geschichte sei aufzuarbeiten, aber so, dass sie nicht mehr einen Keil zwischen den Volksgruppen darstelle. Dazubegrüße man alle Initiativen, auch der Regierung.

Eva Klotz lehnte eine Vertagung ab. Zu den faschistischen Denkmälern werde es einen eigenen Antrag geben, diese Punkte könne man aus dem vorliegenden Antrag streichen. Was bleibe, sei die Forderung, sich für die faschistischen Verbrechen zu entschuldigen.

Der Antrag wurde mit 6 Ja, 21 Nein und 2 Enthaltungen abgelehnt.



Die Abgeordneten haben wie folgt abgestimmt:

Artioli Elena - NEIN

Berger Hans - ABWESEND

Dello Sbarba Riccardo - ABWESEND

Durnwalder Luis - ABWESEND

Egartner Christian - NEIN

Egger Thomas - ENTHALTUNG

Heiss Hans - ABWESEND

Hochgruber Kuenzer Maria - NEIN

Kasslater Mur Sabina - NEIN


Klotz Eva - JA

Knoll Sven - JA


Laimer Michl - NEIN

Lamprecht Seppl - NEIN


Leitner Pius - JA

Mair Ulli - JA


Minniti Mauro - ABWESEND

Mussner Florian - NEIN

Noggler Josef - NEIN

Pardeller Georg - NEIN

Pichler Rolle Elmar - NEIN

Pöder Andreas - JA

Repetto Barbara - NEIN

Schuler Arnold - NEIN

Seppi Donato - NEIN

Steger Dieter - NEIN

Stirner Brantsch Veronika - NEIN

Stocker Martha - NEIN


Stocker Sigmar - JA

Thaler Zelger Rosa - NEIN

Theiner Richard - NEIN


Tinkhauser Roland - ENTHALTUNG

Tommasini Christian - NEIN

Urzì Alessandro - NEIN

Vzzali Maurizio - NEIN


Widmann Thomas - ABWESEND


Bilder vom Völkermord in Abessinien:

Link 1

 


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Kommentare (10)
1. 15-06-2009 08:33
 
Donato Seppi und Alessandro Urzi und der
Bei Donato Seppi stelle ich in seiner Aussage schon eine gewisse Bewusstseinsbildung für die Anliegen der STF bzw der deutschen Volksgruppe fest. Er bezieht sich nämlich auf das vergleichbare Los Gesamtdeutschlands und den damaligen gemeinsamen Gegner Roosevelt- bzw. Truman-Amerika, die für den Bombenkrieg und Uranbombenabwurf verantwortlich zeichnen. 
 
Alessandro Urzi dagegen hat sich mit den Anliegen der deutschen Volksgruppe noch nie befasst und zeigt überhaupt kein Verständnis. 
 
Daraus folgt: 
Bei beiden wird weiterhin Aufklärungsarbeit in Sachen der Volksgruppe zu leisten sein. 
Bei Donato Seppi und dessen Lager kann man auf ein Grundverständnis aufbauen, das heißt, in sachliche Erörterung eintreten. Mit ihm kann man zB über das Wesen des Volkstums bzw. Nationalismus reden. Ich würde Herrn Seppi also fragen, was er von folgendem Spruch Gottfried Kellers hält: "Achte jedes Mannes Vaterland, aber das deinige liebe." (Siehe auch http://de.wikiquote.org/wiki/Vaterland). Wenn er also offensichtlich sein Vaterland liebt (d.h., italienische Selbstbestimmung fordert), will er den Deutschen ihr Recht auf ihre Selbstbestimmung verweigern? 
 
Mit Herrn Alessandro Urzi und dessen Anhängern hat wohl vom Lager der STF noch keiner ein Gespräch auf Sachebene geführt. Bei ihm wird es darauf ankommen, erst einmal ins sachliche Gespräch zu kommen. Vielleicht kann Seppi, wenn er gelernt hat, den Selbstbestimmungsgedanken nicht nur auf das Italienertum sondern auch auf das Deutschtum anzuwenden, bei Herrn Urzi Aufklärungsarbeit leisten. 
 
Der Freistaatsgedanke Gesamttirols in möglicher gelöster Anbindung an die Republik Österreich könnte also auch bei jenen beiden Italienerführern guten Anklang finden, zumal dieser Freistaat mehr Rechte als ein Bundesland Italiens oder Österreichs, beiderseits halbunmündige Mitgliedsländer der EU, haben könnte und somit der italienischen Volksgruppe in jenem künftig möglichen Gesamttirol mittelbar mehr Rechte zukämen.
 
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2. 14-06-2009 15:38
 
Donato Seppi und Alessandro Urzi und der
mittlerweile ist es ja normal, dass die SVP gegen alles ist, was die italienischen Parteien bedrücken könnte. Aus Angst Macht und Geld zu verlieren wird fleissig zu Italien gehalten und der eigenen Heimat in den Rücken gefallen. 
SVP= italienische Vollblutpartei....
 
stefan
3. 12-06-2009 08:03
 
Schade... typisch für diee feiglinge
tja da sieht man mal wieder wie feige die SVP ist, und welche Auswirkung das lange Warten, dass dieser Antrag (über 2 Jahre) hat. ich glaube, dass wenn dieser Antrag Vor dem Marsch in Bruneck auf die Tagesordnung gekommen wäre, hätte es anders ausgschaut.  
Diese SVP-Hosenscheißer graußen mich.
 
Mirko
4. 11-06-2009 14:24
 
@Stefan R.
Du hast aber gefragt wieviele ERICH-Rommel-Kasernen es in Deutschland gibt und das sind auch nach Wikipedia NULL.
 
Tobias
5. 10-06-2009 19:14
 
@Stefan R.
Wie lange wird es noch dauern bis die Faschistischen Denkmäler verschwinden, Tirol ein vereintes Land wird usw. . Und die Deppen in Rom einmal kapieren, dass Süd Tirol nicht Italien ist, noch sehr lange. Wenn es noch Leute gibt die reden, nicht s tun (Rom, Wien ), … davon gibt es noch leider viele. Und die wenigen die etwas tun als Lächerliche dargestellt werden. Aber die Lächerlichen werden immer mehr (Gott sei dank )!
 
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6. 10-06-2009 15:16
 
@Stefan R.
nicht, dass wikipedia immer recht haette, aber hier mal so ein zitat: 
 
"Des Weiteren sind Straßen in zahlreichen deutschen Städten nach Erwin Rommel benannt, z. B. in seinem letzten Wohnort Blaustein-Herrlingen (die Erwin-Rommel-Steige, früher Wippinger Steige, an der sein damaliges Wohnhaus liegt), in seiner Geburtsstadt Heidenheim oder auch in Erlangen."
 
Stefan R.
7. 10-06-2009 12:28
 
Erich ? Rommel
Stefan R. 
 
hier die Antwort auf Ihre Frage: Keine - der Mann hieß Erwin !!!
 
8. 10-06-2009 11:34
 
Liste der Feiglinge
Ist das die Liste der Feiglinge, Kolonialherren und Neo-Faschisten? 
 
So wie diese Abgeordneten im Südtiroler Landtag für ein diktatorisches und verbrecherisches Italien stimmen, so werden sie es auch mit der Demokratie in Südtirol halten. 
 
„Südtirol sei in einer besonderen Situation“: Man stecke wohl in einer so „besonderen Situation“, dass man keine Aufarbeitung der Geschichte brauche oder man besser gesagt, keine Aufarbeitung haben wolle. Die Südtiroler also weiterhin im faschistischen Sumpf einer „autonomen Provinz“. 
 
Italien und die Italiener machen in Südtirol was sie wollen und das seit 90 Jahren, und die SVP trägt diesen Zustand mit.  
Der Umgang mit der Geschichte ist in Südtirol ist deshalb so schwierig, weil die Italiener Südtirol nicht als Land der 3 Sprachgruppen, sondern als ihre eroberte Kolonie betrachten.
 
ff
9. 10-06-2009 10:54
 
Liste der Feiglinge
"dass in Italien nie eine Geschichtsbewältigung wie etwa in Deutschland erfolgt sei" 
 
vielleicht sollte sich die gute Klotz mal die Frage stellen, wieviele Erich-Rommel-Kasernen es in Deutschland gibt.  
 
Die Propaganda im Text ist einfach sachlich falsch.
 
Stefan R.
10. 10-06-2009 08:20
 
Partito popolare italiano
Wie man sieht steht die SVP weider einmal auf der seite der italienischen Parteien. Es wäre aber angebracht zu bedenken, daß es die faschistischen Überbleibsel sind die die größten Gräben zwischen den Sprachgruppen schlagen! 
Liebe SVP irgendwann werden wir Südtiroler aufhören alles zu schlucken was ihr uns vorlegt!
 
ko

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