Wiedereinführung des Zweierlandtags „Bundesland Tirol – Süd-Tirol“
Mittwoch, 4. März 2009
landtag_tirol.jpgIm Rahmen der gestrigen Landtagssitzung wurde ein Beschlussantrag zur Wiedereinführung des Zweierlandtags „Bundesland Tirol – Süd-Tirol“ angenommen. Der Antrag wurde von den Abgeordneten der SÜD-TIROLER FREIHEIT (Erstunterzeichner Sven Knoll) sowie (über einen Ersetzungsantrag) von 15 Abgeordneten der SVP unterschrieben.

Der Dreierlandtag mit dem Trentino sei eine interessante Einrichtung, die weiterhin bestehen solle, die Gemeinsamkeiten zwischen Nord- und Süd-Tirol seien aber wesentlich größer. Im Gedenkjahr erwarte man sich auch politische Zeichen dafür, dass die beiden Landesteile wieder zusammenwachsen, meinte Sven Knoll.

Es gebe bereits lobenswerte Initiativen der Zusammenarbeit, aber die Bevölkerung habe immer noch das Gefühl, in einem geteilten Land zu leben.

Manchmal brauche es zehn Jahre, bis manche Leute umdenken, meinte Pius Leitner (Die Freiheitlichen) und erinnerte an einen Freiheitlichen-Antrag von 1999, der von der Mehrheit damals abgelehnt wurde. Er habe nichts gegen den Dreier-Landtag, wohl aber, dass darin bestimmten Parteien ein Vetorecht eingeräumt wurde.

Er sei natürlich für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, erklärte Riccardo Dello Sbarba (Grüne), man habe auch eine gemeinsame Geschichte. Der Dreier-Landtag sei schwerfällig, die Berichte zur Durchführung der Beschlüsse durch die Landesregierungen seien nichtssagend. Der Dreier-Landtag sei aber die richtige Zusammenstellung, ein Zweier-Landtag sei ein Rückschritt, eine ideologische Forderung.

Die Reaktion Dello Sbarbas sei verständlich, aber es komme nun auf die Optik an, in der der Antrag stehe, meinte Elmar Pichler Rolle (SVP). Es gehe um das Gedenkjahr und die Überlegung, wie das Land wieder zusammenwachsen könne. Es gehe darum, die Landesteile, die Politik und auch die Menschen zusammenzuführen. Die beiden Landesteile hätten sich in den vergangenen Jahren sehr auseinandergelebt. Der Dreier-Landtag sollte damit nicht ausgehebelt werden. Der Zweier-Landtag sollte die Menschen wieder zusammen bringen. Die SVP stehe zum Dreier-Landtag, zur Europaregion und zur ihrer Mehrsprachigkeit, aber hier gehe es um ein anderes, spezifisches Anliegen.

Der Pariser Vertrag sei in einem gewissen Geiste der Zusammenarbeit unterzeichnet worden, meinte Alessandro Urzì (PDL), von diesem Geist habe sich Süd-Tirol aber immer weiter entfernt. Auch die Befindlichkeiten der verschiedenen Sprachgruppen hätten sich voneinander entfernt, das Gefühl, einem gemeinsamen Territorium anzugehören, schwinde. Es gebe nicht nur die kulturellen Gemeinsamkeiten mit Tirol, sondern auch jene der italienischen Sprachgruppe mit dem Trentino und mit Italien.

Hans Heiss (Grüne)
meinte, dass die Zusammenarbeit zwischen Nord- und Süd-Tirol schlechter geworden sei, dies sei bedauerlich, aber ein Zweier-Landtag werde daran nichts ändern. Tirol müsse von unten gebaut werden, und dabei dürfe man die italienische Sprachgruppe nicht außen vor lassen. Tirol war immer mehrsprachig.

Hans Berger (SVP) erinnerte jene, die den Zweier-Landtag mit Verweis auf den Dreier-Landtag ablehnen, an den Eklat in Riva, in Bezug auf die Begnadigungsfrage. Es werde niemandem das Recht abgesprochen, den Kontakt nach Süden zu suchen. Mit dem Zweier-Landtag werde aber das auf eine breitere Ebene gebracht, was die Landesräte bereits praktizieren, nämlich die Zusammenarbeit mit dem Bundesland Tirol.

Es stelle sich einfach die Grundsatzfrage, erklärte Sven Knoll: Will man, dass die beiden Landesteile wieder zusammenwachsen oder nicht? Man kenne über den Regionalrat die Trentiner Landtagsabgeordneten, aber nicht die Tiroler Abgeordneten. Niemand spreche den Italienern ab, eine kulturelle Gemeinsamkeit mit den Trentinern zu suchen; diese dürfte aber nicht so stark sein, denn im Trentino verteidige niemand faschistische Relikte.

Der Antrag wurde bei 5 Gegenstimmen und 1 Enthaltung angenommen.


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Kommentare (14)
1. 02-11-2009 17:37
 
Ein sehr wichtiger Schritt für die Landeseinheit! Viele hobn ned unrecht mit dem das der dreier Landtag a bisl in den hintergrund geschoben wird aber was ist vom früheren Welschtirol denn noch über? a hand voll schützen die sich schwer tun die österreicher zu verstehn... traurig aber wahr!
 
Alexander Kirchler
2. 29-06-2009 16:22
 
Koa Wunder!
„Die beiden Landesteile hätten sich in den vergangenen Jahren sehr auseinandergelebt“ 
 
Wundert’s jemand, wenn im Bundesland Tirol alleweil no mehr Leit dazuakemmen, de gor koane Tiroler sein und a nit amol a deitsche Muttersprach hob’n? Was soll’n denn dö über Südtirol wiss’n und über alles, was da g’schech’n isch.?
 
Jörg Egger
3. 28-03-2009 13:55
 
verlogene SVP
Ich gebe Michael voll recht. Die SVP könnte endlich zur längst vom Großteil der Bevölkerung geforderte Selbstbestimmungrecht hinarbeiten. Stattdessen breiten sie die Vorzüge der Autonomie aus. Eine brüchige Autonomie, die erst heuer wieder schwer unter Beschuss stehen wird. Dann wird wieder nach Wien geheult und die "Schutzmacht" angerufen. Sonst will man wenig bis gar nix von Österreich wissen. Längst ist dies nicht mehr glaubwürdig, liebe SVP. 
Ihr dreht euch in Rom wie eine Fahne im Wind und wollt Staatspartei sein, nicht eine Minderheitenpartei. Für 5 Pfründe wird das Volk und die Heimat verkauft. Und Mussolini leuchtet auch weiterhin vom Relief herunter und höhnt über uns!!!
 
stefan
4. 06-03-2009 17:43
 
Richtige Richtung!
Bravo STF! Es ist extrem wichtig, dass die Tiroler Landesteile wieder zusammenfinden. Der Beschluss ist ein großartiger Schritt in die richtige Richtung, dem hoffentlich noch viele weitere folgen. Mit einer Abwertung des Dreier-Landtages hat das nichts zu tun.
 
HE
5. 06-03-2009 13:25
 
Ein kleiner Baustein
Die Annahme des Antrags kann nur ein erster kleiner Baustein gewesen sein, in der Süd-Tirol-Frage nicht nur in der Autonomie zu verharren, sondern bedacht und überlegt sich mehr und mehr der eigenen kulturelle Zugehörigkeit zuzuwenden! 
 
Sven Knoll kann sich diesen Teilerfolg auf seine Fahnen heften, er ist jung und ich bin absolut überzeugt, er hat das Potenzial sehr viel in der politischen Landschaft Süd-Tirols zu bewegen. 
Die wahre Freiheit dieses Landes kann nur mit Herz UND Hand erreicht werden! 
 
Weiter so "Süd-Tiroler Freiheit"!
 
Wieser Bernhard
6. 05-03-2009 19:20
 
@ff
Nein es hat nicht 60 Jahre gebraucht! Es heißt ja "Wieder-Einführung", das heißt wohl auf deutsch, daß es den Zweier-Landtag schon mal gegeben hat. Und daraus wurde dann der Dreier-Landtag mit dem Trentino. Anstatt diesen stärken, zieht man es vor ihn mit der Wiedereinführung eines Zweier-Landtag abzuwerten.  
 
Dies ist der Ausdruck eines Sprachnationalisimus, der den europäischen Geist und die wahre Einheit Tirols verrät. Nämlich Süd-, Nord- Ost- UND Welsch-Tirol.
 
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7. 05-03-2009 18:01
 
Richtiger Weg
Es ist ein sehr wertvoller Schritt in Richtung der Wiederherstellung der Landeseinheit in Tirol in seinem deutschsprachigen Teil zwischen Salurn und Kufstein. Etliche Spitzenpolitiker auf beiden Seiten der Grenze in Tirol müssten sich aber ein wenig anstrengen, damit diese Form der neuen Zusammenarbeit auch mit konkreten Inhalten sichtbar gefüllt wird. Eine neue Zukunft für Tirol ist möglich, man mus es aber wollen und danach auch politisch demokratisch glaubwürdig handeln. Heute schuldet Rom der AP Bozen Milliarden Euros, die man nach den Bestimmungen des Finanzausgleichs im Autonomiepaket nach Bozen zurück überweisen müsste. Bei Geldfragen hört sich sehr oft jede Freundschaft auf. Man wird sehen, wie hoch noch die Schulden Roms bei diesem Posten sein werden. In den Zeiten der knappen oder leeren Kassen in einem so gut wie bankrotten Staat ist die Versuchung sehr groß, sich die Mitteln dort zu holen, wo sie noch zu finden sind, z.B. in der AP Bozen. Die Frage ist nur, wird die politische Vertretung der Südtiroler dem tatenlos zuschauen, nur halblaut protestieren, oder gerade deswegen einen der Gründe für die notwendige Klärung der Selbstbestimmungfrage in und von Italien sehen?
 
Markus Anton
8. 05-03-2009 15:37
 
Richtiger Weg....
Richtiger Weg, na servus. Eiertanz ist Eiertanz. Und der muss doch endlich einmal ein Ende haben.  
Die SVP-Würdenträger könnten ja Nägel mit Köpfen machen und die für die Selbstbestimmung bzw. Landeseinheit notwendigen Schritte einleiten, anstatt sich weiterhin von Rom auf der Nase herumtanzen zu lassen. Man kann nicht immer wieder über Rom jammern aber dann nichts unternehmen. Was übersehe ich denn hier?? Durnwalder, Pichler Rolle & Co. sind vermutlich schon zu lange in Judas-Manier für Rom tätig, als dass sie sich endlich für die Zukunft und Interessen Tirols einsetzen könnten. Stattdessen wird eben weiter scheinheilig gejammert, oder nach Afrika geflogen, um dort irgendwelche Schulen zu eröffnen. Wäre Durnwalder doch gleich dortgeblieben, schade. In der Zwischenzeit schauen der Kapuzinerwastl und das Siegesdenkmal etc. weiterhin mit einem süffisanten Grinsen auf die Südtiroler nieder.
 
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9. 05-03-2009 13:14
 
Richtiger Weg
Na wer sagts denn. Geht ja. Endlich mal etwas was richtig Sinn macht. Bravo SF. 
Allerdings würde ich Herrn Heiss sehr wohl mit einbeziehen. Er ist eine sehr kluge und bedachte Person und ein Historiker obendrein.  
Bestimmte andere Personen haben bei der SF nichts verloren. Frau Klotz und Herr Knoll wissen bestimmt, wen ich meine. 
Gute Arbeit weiterhin
 
Leeroy
10. 05-03-2009 10:43
 
Endlich tut sich was
Hat das jetzt 60 Jahre gebraucht???? In der SVP sitzen ja richtige Machertypen. Da dauert es Generationen bis die mal über den Brenner schauen. 
Mich wundert nur der plötzliche Meinungsumschwung bei der SVP. Hat dies ihr radikaler Stimmenverlust bei den letzten Landtags- und Parlamentswahlen bewirkt? 
 
Glückwünsche an STF und Sven Knoll. Diese Leistung muss hervorgehoben werden. 
 
Hans Heiss ist der gewohnte Italophile Verteidiger der Annexion und des Faschismuses. 
Pichler-Rolle windet sich (noch) den Italienern Wahrheit und reinen Wein einzuschenken. 
Fakt ist nun mal, dass wir Tiroler sind und unsere Interessen mit Nordtirol wahrnehmen können und müssen.
 
ff
11. 05-03-2009 08:01
 
Endlich tut sich was
wichtiger und erster Schritt zu: EIN TIROL!
 
Fabl
12. 04-03-2009 21:49
 
Die SF ist nicht ANTIITALILIENISCH!!!!!
Nein, sie ist nicht gegen Italiener sondern nur für die Deutschen.  
 
Der Dreier-Landtag tagt nur alle zwei Jahre, während der Zweier-Landtag findet jedes Jahr statt. 
 
Die SF initiert somit das Tirol der zwei Geschwindigkeiten.
 
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13. 04-03-2009 20:13
 
... richtiger weg ...
Mit der Wiederbelebung des Zweierlandtages wurde ein wichtiger Schritt für ein geeintes Tirol gemacht. Danke Sven und allen, die dafür gestimmt haben! 
 
Roland Lang für den Südtiroler Heimatbund
 
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14. 04-03-2009 17:30
 
... richtiger weg ...
Respekt, endlich werden Nägel mit Köpfen gemacht. Mich wundert daß soviele SVPler mitgezogen sind. Hoffentlich wählen sie nicht den Herrn Heiss hinein...
 
H

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