Einen Kommentar melden
Danke, daß Sie sich die Zeit genommen haben, diesen Kommentar an den Administrator dieser Seite zu melden.
Bitte vervollständigen Sie dieses Formular und klicken Sie anschließend auf den Senden Button, um Ihre Meldung abzuschließen.
Fragen oder Hinweise zum Kommentar
|
12-08-2007 17:06
|
|||
|
Gewaltloser Widerstand
Ich bin nicht der Meinung von Mirko, dass Heute die Menschen in Südtirol von Italien unterdrückt werden. Ganz im Gegenteil. Die Autonome Provinz Bozen-Südtirol ist eine vorbildhafte Autonomie und es lässt sich in Südtirol auch damit gut leben. Diese heutige Autonomie haben die Südtiroler, auch mit der grossartigen diplomatischen Unterstützung aus dem Vaterland Österreich zwischen 1946 - 1992 in einem harten Kampf politisch selbst erreicht. Es geht aber bei dieser Frage auch um etwas anderes, als nur um die Autonomiefrage, nämlich um den im Völkerrecht verankerteten Grundsatz der Selbstbestimmung einer ganzen, Heute 3/4 Südtiroler Bevölkerungsmehrheit in diesem Land, die sich wiederholt in repräsentativen Petitionen, vor allem an das Vaterland Österreich für Selbstbestimmung ausgesprochen hat, letztes Mal 2006! Laut Völkerrecht, UNO-Charta, Helsinki- OSZE-Schlussakte, das alles von Italien unterzeichnet und ratifiziert, sind ausdrücklich ALLE Annexionen eines Landes als völkerrechtswidrig und nichtig zu bezeichnen, solange die davon direkt betroffene Bevölkerung in ihrem eigenen Land sich nicht in einem Referendum frei und demokratisch zu dieser Frage der staatlichen Zugehörigkeit, oder in einem anderen Votum äussern darf oder kann. Leider kann bis Heute niemand und keine internationale Organisation ausnahmslos und ohne Ansehen eines Landes diesem Recht zum Duchbruch verhelfen, wie z.B. bei der NATO-Intervention am Balkan in den 90-er Jahren. Daher ist Italien Heute vor allem bemüht diese Frage der Selbstbestimmung Südtirols zu ignorieren, oder auf Zeit zu spielen und in früheren Jahren versuchte man in einer 50% + 1%-Bevölkerungszuzug nach Südtirol dieses Land zu italianisieren, als die Assimielierung nicht die gewünschten Erfolge gezeitigt hatte. Der Anteil der Italiener ist daher von 1% im Jahr 1918 Heute auf cirka 25% gestiegen. Die Länder, die völkerrechtswidrig eine Annexion ausgeübt haben, oder Heute daran festhalten, haben naturgemäß ein Interesse daran, dass es so bleibt, wie es ist. Nach fast 89 Jahren nach der Annexion Südtirols durch Italien hofft man in diesem Land, dass Europa, die Welt und vor allem die Südtiroler selbst sich daran gewöhnen und damit abfinden, dass diese Frage nach der Selbstbestimmung einer ganzen Volksgruppe hier nicht mehr nochmals in diesem Land und in Europa laut genug gestellt wird. Ein geteiltes Volk, oder Land wird sich niemals freiwillig mit seiner Teilung abfinden können, wenn es sich selbst treu bleibt und dem eigenen ethnischen Selbsterhaltungstrieb und Instinkt einer ethnischen Zugehörigkeit zum Vaterland sich verpflichtet fühlt. Dafür gibt es auch in Mitteleuropa, nicht so weit von Südtirol gute Beispiele. Das Land Polen z.B. isch 1797, glaube ich, dreifach geteilt und erst 1916 auf Betreiben vor allem der Österreicher wieder gegründet worden. Auch die Annexion Süd-Dämemarks durch Preussen nach einem gewonnenen Krieg 1864 gehört der lang zurügliegenden Vergangenheit dieses Landes an. Die Teilung Süd-Dänemarks dauerte also von 1864 bis 1920, als sich die Bevölkerung in damals zum Dt. Reich gehörenden Dansk Slesvig in einem international überwachten Referendum für das Vaterland Dänemark und gegen weitere Staatszugehörigkeit zu Deutschland entschieden hat. Zu diesem Zeitpunkt haben sich auch die Österreicher in Deutsch-West-Ungarn 1921, Heute Burgenland in einer freien Wahl für das Vaterland entschieden. Nur dort, wo die von den Siegermächten entsandten Überwacher des Referendums aus Italien stammten, nämlich in der damaligen Hauptstadt Ödenburg, Heute Sopron hat man gegen bares als "unabhängige Überwacher aus Italien" diese Wahl gefälscht und dieses Gebiet kam daher 1921 nicht zu Österreich und gehört Heute zu Ungarn. Von diesem Zeitpunkt an gelang es diesem Staat die dort verbliebenen Alt-Österreicher völlig zu assimilieren. Ich habe gerade einen Weinführen aus dieser Region in Ungarn vor mir und kann daher einigene echt ungarisch klingende Namen der dortigen Winzer zitieren: Jandl Kálmán, Gangl Zoltán, Heiner Gábor, Luka József, Taschner Kurt, Stefanich Kornél, Katona Gusztav, Piller Pál, Molnar Tibor, Sarosi Miklos, Gimesi Szabolcs, Ameli Tibor, Miko István, Parragh László, Rez András, Hauer Erik, Szedenik Bela, Bruckner Frigyes, Ivancic Zoltán, Kovacs Miklos, Princes Ferenc, Weninger Franz, Fuchs István usw., alle etweder deutsch, kroatische oder italienische Nachnahmen mit ungarischen Vornamen. Auch ein Beispiel einer seinerzeit unverschuldet versäumten Selbstbestimmung einer österreichischen Minderheit. In Süd-Kärnten wählten ebenfalls 1921 die meisten Menschen und auch die meisten dort lebenden Slowenen in einem Referendum Österreich als ihr altes und neues Vaterland. Nur im Kanaltal in Kärnten von Pontafel/Pontebba bis Tarvis/Tarvisio, wo die Flüsse Richtung Adria fliessen passte das Italien nicht und man hat damals aus diesem Teil Kärntens fast alle Kanaltaler mit der deutschen Muttersprache, damals 1919 über 80% der Bevölkerung im Kanaltal gegen symbolische Entschädigung nach Österreich abgesiedelt. Im Jahr 1922 wurde nach einem Selbstbestimmungsreferendum in Europa auch die neue Republik Irland gegründet und gleichzeitig von G.B. in Süd- und Nord-Irland geteilt. Die Deutsche Teilung in Ost und West dauerte von 1945 bis 1990, genauso wie die Teilung Europas. Ein eigenes Kapitel ist die Wiederherstellung der Souveränität der Baltischen Staten in den 90er Jahren, oder am Balkan bis Heute 2007, sprich Montenegro, Kosovo. Solche Beispiele einer zerbrochenen und wiederhergestellten Landeseinheit gibt es immer wieder. Es liegt nur an den davon direkt betroffenen Menschen selbst, ob und wann sie dieses Recht auf Selbstbestimmung und mit welchen politischen Mitteln ausüben wollen. Ich hoffe, dass es hier in Südtirol weiterhin eine demokratisch legitimierte Mehrheit für die Selbstbestimmung weiterhin gibt und in der Zukunft auch geben wird. Abschliessend möchte ich noch eines anmerken. In der Geschichte der gelungenen Selbstbestimmungen in Europa der letzten 20 Jahre zeigt sich ganz deutlich überall ein Muster. Falls diese politischen Auseinandersetzungen um die Erlangung der Selbstbestimmung friedlich und demokratisch verlaufen sind, haben sie letztenendes Erfolg gehabt und Heute ist die Fremdbestimmung überall dort, wo sie früher von den davon betroffenen Menschen so empfunden worden ist, bereits Geschichte. Auch in den davon direkt betroffenen Ländern galt der bekannte Satz von Mahatma Gandhi. Zuerst wurden diese Selbstbestimmungen, wie z.B. im Baltikum 1989-1991 ignoriert, dann nach dem Motto belächelt, "was können die Balten schon gegen die Übermacht der Russen mit ihren Schreibereien, in Stadien Gemeinsames-Singen-Treffen für Selbstbestimmung, Blumenkränzen an den Ufern der Ostsee usw. politisch bewirken?" Später ist diese Selbstbestimmung auch mit militärischer Gewalt kurz bekämpft worden und zum Schluss war die so langersehnte Selbstbestimmung in diesen Ländern 1991 ein Faktum. Die ideologische Sprengraft der Demokratie und der friedlichen Selbstbestimmung war grösser, als die unmoralische, historisch schwer belastete und ideologisch morsche Kraft der Fremdbestimmung. Das müsste noch vielen Italienern aus der Zeit der Irredenta bis 1918 bekannt vorkommen, als sie sich auf das Recht der Selbstbestimmung berufen haben. In den Jahren 1918-19 hätten wahrscheinlich fast alle Südtiroler in einer freien Volksabstimmung die ihnen neue und fremde italienische Staatsmacht abgelehnt, genauso, wie meiner Meinung nach die absolute Mehrheit der Trentiner Welsch-Tiroler. Mögen andere hier und anderswo daraus ihre Lehren ziehen und danach zum Wohle Südtirols politisch handeln! Ich glaube, dass man aus jeder in Europa bis Heute erfogten Selbstbestimmung etwas nützliches dazulernen kann.
IP: 195.3.113.177
|
|||
![]() |


