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04-01-2008 19:34
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Antwort, wo waren die Österreicher...
Ich möchte gerne auf die Frage antworten, wo waren die Österreicher, als es den Süd-Tirolern vor mehr als 40-50 Jahren schlecht ging. Zuerst aber eine Gegenfrage, wo war Italien, als es Österreich in der Geschichte sehr schlecht ging? Auf die kontroverse Auslegung der Geschichte des Ersten Weltkrieges möchte ich nicht eingehen. Die Tatsache ist, der südliche Teil von Tirol, nämlich das heutige Land Süd-Tirol von Salurn bis Brenner ist ohne jede ethische, kulturelle oder ethnische Begründung einer neuen und bis dato unbekannten Fremdherrschaft ausgesetzt worden. Dazu hat damals die italienische "Diplomatie" anderswo an den Grenzen dieses Landes ihre Vermittlerdienste in einem Selbstbestimmungreferendum der Alt-Österreicher an der Ostgrenze zu Ungarn 1920/21 in Burgenland (in einem Landstrich, wo fast 80% der Bevölkerung damals deutschsprachig waren) "angeboten" und von Ungarn gekauft die Ergebnisse dieses Referendums nach dem Wunsch aus Budapest gefälscht, sodass ein Gebiet in der Grösse des St. Unterlandes mit einer Stadt mittlerer Grösse und Hauptstadt dieses Bundeslandes, nämlich Ödenburg/Sopron von Burgenland und damit von Österreich abgetrennt werden musste. Das Beispiel des von Kärnten abgetrennten Kanaltales 1918 fast ohne Italiener (Tarvis bis Pontebba) mit Absiedlung der deutschsprachigenen Bevölkerung nur aufgrund der Wasserscheide der Adria ist in der Geschichte einmalig und spricht eindeutig für sich. Kurz nach dem Beginn der Fremdherrschaft in Süd-Tirol versprach man den Menschen eine gewisse Autonomie innerhalb des Königreichs Italien, wir wissen alle wie sie bis 1939-43 ausgesehen hat. Dieses kleine Land Österreich, das Vaterland der Süd-Tiroler versuchte in der Zwischenkriegszeit seine Unabhängigkeit vor allem vor Nazi-Deutschland auch mit der Unterstützung aus Italien zu wahren. Der Duce Italiens fürchtete zuerst den wachsenden Machtzuwachs des Deutschen Reiches und versicherte mehrmals Österreich seine internationale Unterstützung, sogar einen Marsch nach Berlin im Falle eines Anschlusses, der "nur über seine Leiche" vor 13. März 1938 angeblich möglich war. Als der andere Diktator aus Berlin die Unantastbarkeit der Brennergrenze dem Duce garantierte, liess dieser Österreich im Regen stehen und lieferte dieses kleine ohnmächtige Nachbarland anderen Faschisten aus. Erst dadurch kam die Wahnideologie der Nazis richtig in Fahrt und überzog ganz Europa mit Krieg und Verderben. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Österreich ein vierfach besetztes Land und konnte sich daher nur begrenzt in der Süd-Tirol Frage international vor den Allierten durchsetzen. Damals waren die Britten und Franzosen bekanntlich für die Selbstbestimmung Süd-Tirols, Amerikaner dagegen, da man bei der Landung auf Sizilien 1943 und davor entsprechende Zusicherungen Italien gemacht hat, im Falle die Italiener würden selber den Duce entmachten, was auch geschehen ist. Das Vaterland der Süd-Tiroler Österreich reklamierte das Land Süd-Tirol nach 1945 für sich, nach allierter Auslegung als "Erstes Opferland des Krieges" gegenüber dem Verursacher und Agressor des Krieges dem Königreich Italien. Vor dem Krieg und bis 1943 trieb der Duce mit seinen Statthaltern in Bozen mit seiner Unterdrückungspolitik alle Süd-Tiroler beinahe in den Wahnsinn und erzwang die sog. Option entweder für Italien oder Deutsche Reich und als 86% der Süd-Tiroler nicht für Italien optieren wollten, hat man das ihnen nach 1945 zu ihrem Nachteil in Italien und international im Sinne des Staatsangehörigkeitsgesetzes ausgelegt und behauptete es gäbe "nur noch" 14% deutschsprachige Süd-Tiroler in Alto Adige, also eine klassische Minderheit. Im übertragenen Sinne würde es bedeuten, man drangsaliert jemand auf seinem eigenen Grund und Boden über Jahrzente und wenn man anderso glaubt Abhilfe gegen dieses Horrorregiment zu finden, behauptet man, man wäre nicht mehr für diesen Fall zuständig, vor allem deswegen, weil der alte Diktator schon weg wäre. Im Pariser Autonomie-Vertrag für Süd-Tirol von 1946 versicherte man der Bevölkerung Süd-Tirols vor der Schutzmacht Österreich und vor der UNO, das Land wird bald eine echte Autonomie bekommen. Was danach kam wissen auch die meisten noch, Italianisierung mit dem Instrument der Zuwanderung und Zusammenlegung zu einer Autonomen Provinz Bozen Trient. Ab dem Jahr 1956 nach dem Staatsvertrag ist Österreich endlich souverän geworden und konnte daher sich verstärkt endlich international für die Interessen Süd-Tirols einsetzen. Vor allem vor der UNO und anderen Gremien Europas ist das auch geschehen. Die massivsten Verletzungen der Menschenrechte in der Zeit der "carta bianca", der sog. "Südtiroler Bombenjahre" in Süd-Tirol durch Italien führten letztenendes dazu, dass die Schutzmacht Österreich die UNO-Vollversammlung in den 50er und 60er Jahren mit der Lage in Süd-Tirol befassen musste, und Italien ist auch wegen dieser Übergriffe auch verurteilt worden. So ähnlich war das vor einigen Jahren im Fall von Kosovo im Konflikt mit Serbien seitens der EU. Auch hier gibt es eine Paralelle. Das so lange fremdbestimmte Land Kosovo wird wohl in den nächsten Wochen und Monaten mit der Unterstützung aus der EU und USA seine Unabhängigkeit ausrufen und Österreich wird wohl nach der Aussage des heutigen Kanzlers Alfred Gesenbauer als erstes Land der EU das auch anerkennen. Das Modell der Süd-Tiroler Autonomie für Kosovo war noch vor einem Jahr im Gespräch als mögliche Lösung dieses Konfliktes, die Kosovaren haben diese Lösung aber aus verständlichen Gründen abgelehnt. Seit dem Staatsvertrag 1956 setzt sich Österreich daher unermüdlich mit allen diesem kleinen Land zur Verfügung stehenden vor allem diplomatischen Mitteln dafür ein, erstens, dass die Autonomie in der Provinz Bozen eingeführt wird, und zweitens, dass diese nicht verletzt wird, und drittens, dass die Süd-Tiroler gegenbenenfalls einmal frei und ohne Zwang aus Italien über die Frage der eigenen Selbstbestimmung entscheiden werden können, und viertens in den nächsten Monaten wird hoffentlich diese alte Schutzmachtfunktion des Österreichischen Vaterlandes für Süd-Tirol in der Präambel der gerade ausgearbeiteten neuen Österreichischen Bundesverfassung festgeschrieben werden. Diese Frage ist in Österreich über alle Parteigrenzen hinweg unumstritten und die Lage in Süd-Tirol ist für jeden Buneskanzler und jeden Aussenminister/in Chefsache und eine Angelegenheit des Herzens. Österreich macht alles nur erdenkliche für eine bessere Zukunft für Süd-Tirol und seine Menschen und das ohne dabei gross davon zu reden und seine Verdienste um die Verwirklichung der Autonomie hervorzuheben oder grosszureden. Eines ist in der Geschichte unumstritten, ohne den grossen Bundeskanzler und Sozialdemokraten Bruno Kreisky ware die Autonomie Süd-Tirol nicht in heutiger Form 1972-1992-2008 und nicht so bald, wenn überhaupt zustande gekommen. Abschliessend noch eine letzte Anmerkung, wo war Italien als Österreich sich um die EU Mitgliedschaft bemühte, und Rom ultimativ 1992 von Wien eine Streitbeilegungserklärung in der Süd-Tirol Frage verlangt hat? Mich persönlich wundert es daher sehr, dass die Österreicher trotz des in der Geschichte von Italien wiederholt erlittenen furchtbaren Verrats und Unrechts dieses Land Italien, seine Menschen, seine Sprache und Kultur noch so sehr zu mögen scheinen. Die Italiener haben wohl wie immer diese eigene schwierige Geschichte wenn überhaut, dann nur oberflächlich und einseitig behandelt. Das Wort Vergangenheitsbewältigung ist in diesem Land leider bis heute ein Fremdwort geblieben. Eine letzte Gegenfrage, was hat eigentlich Italien gegenüber Österreich in den letzten 90 Jahren geleistet, um von den Menschen gemocht zu werden? Worin hat dieses Land Italien seine Verdienste erworben, die es natürlich auch gibt. Eine Gewissenserforschung würde allen interessierten Menschen sicherlich einen viel mehr klaren Blick in der Gegenwart und Zukunft in den Fragen dieser schwierigen Nachbarschaft ermöglichen. Gehen so miteiander zwei befreundete Völker und Länder um, wie Italien mit Österreich umgegangen ist, bzw. welchen Grund hat Österreich dem Stiefelstaat gegeben, um oft genug so schäbig und ungerecht behandelt zu werden? Nur Dank dem Europagedanken und der Politik der EU scheinen diese alten Gegensätze mehr oder weniger als überwunden, aber so lange die Frage der Selbstbestimmung Süd-Tirols noch nicht restlos geklärt ist, so lange wird Italien kein ruhiges und gutes Gewissen dabei haben können, falls diese Kategorie der politischen Moral in zwischenstaatlichen Beziehungen überhaupt noch zulässig wäre. Trotzdem, wenn man Freunde im Ausland als Italiener haben will, muss man auch etwas von Bedeutung dafür geleistet haben, die Selbstbestimmung in Süd-Tirol zum Beispiel einmal politisch möglich machen, das wäre schon eine einmalige Leistung und Bekundung der Freundschaft zu einem Nachbarland, das Italien trotz aller seiner Schwächen und Verfehlungen in der Geschichte wie kein anderes geradezu liebt und schätzt, wenn man mit Italien die Menschen und ihre Kultur meint und eines bitte noch nicht vergessen, Austria ist nicht Germania, sondern ein eigenes Land mit einer grossartigen Kulturnation und einem stolzen und selbstbewussten Volk, das auf diese Feststellung grössten Wert legt, und laut Aussagen zum Beispiel des Landeshauptmanns von Süd-Tirol sind auch die Süd-Tiroler als die Österreichische Minderheit in Italien ein Teil dieses unverwechselbaren Volkes in Europa, das sich die Österreicher nennt.
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