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20-05-2008 12:50
 
@ Matteo G.C.
Das "Problem" mit den Minderheiten haben die meisten Länder der EU, nur die Namen sind austauschbar. Der ethnische Reichtum der Sprachen und Kulturen ist etwas worauf wir alle in Europa stolz sein sollten, das ist aber nur ein frommer Wunsch. Stattdessen gehen immer wieder kleinere Minderheiten zurück oder manchmal in der Mehrheitsbevölkerung ganz unter. Ich bin kein Italiener, aber für mich ist das immer noch ein schrecklicher Anblick, wenn ich wieder einmal in Istrien an der Küste verweile und aus der Geschichte weiss, dass diese Gegend einmal italienisch war und die Menschen sind von dort in den Kriegswirren aus ihrer über Jahrhunderte angestammten Heimat, die sie geprägt haben und natürlich auch umgekehrt, gewaltsam vertrieben worden sind. In ihren Häuser leben jetzt ganz andere Menschen, die man an dieser Adriaküste erst einsiedeln musste, damit sie nicht leer stehen. Ich habe neulich im Elsaß in Frankreich erlebt, wie stark die Sprache und Kultur dieser einst rein deutschsprachigen Landschaft zurückgegangen ist, also eine ethnische Mehrheit ist auch nicht vor einer Assimilierung sicher. Das "Problem" der Minderheiten in Europa haben am besten die Nordischen Länder gelöst, falls eine Minderheit weg von einem Staat will, muss sie das begründen und einen entsprechenden Antrag stellen: a) sind wir ein unterscheidbares Volk mit eigener Sprache, Kultur, Geschichte und Identität, b) haben wir ein eigenes Land oder autonome Provinz, wo wir die Mehrheitsbevölkerung sind, c) ist das der demokratisch legitimierte Wille der Mehrheit der Bürger oder der politischen Parteien im Landesparlament, eine Sezession anzustreben. Wenn diese Voraussetzungen klar vorhanden sind, steht der Selbstbestimmung nichts im Wege. So war das bei Gründung von Norwegen 1907 bei der Sezession von Schweden, 1945 bei Island bei der Sezession von Dänemark, in den 70er Jahren gab es eine Abstimmung auf den dänischen Insel Färöer im Nordatlantik, in einem Referendum hat die Bevölkerung die Selbstbestimmung aber mehrheitlich abgelehnt. Im Jahre 2008 findet wieder eine ähnliche Entwicklung in Grönland statt, das ein Teil Dänemarks ist. Anderswo in Europa gibt es auch genug Minderheiten, die ihre Frage der Selbstbestimmung immer noch nicht klären konnten. Dazu gehören auch die Süd-Tiroler. Im Jahre 1946 konnten die Griechen auf den bis dato italienischen Dodekanes-Inseln die Frage der eigenen Selbstbestimmung bejahen und zum Vaterland Griechenland zurückkehren. Im Jahre 1957 konnte das französische Saarland nach einem demokratischen Referendum die Staatszugehörigkeit zur BRD ändern, ein Teil von Frankreich im Maghreb wurde 1962 selbstständig. Ich denke da an weitere Selbstbestimmungen in Europa von Malta oder Zypern von GB, oder an die über 20 Selbstbestimmungen in Ost-Europa zwischen 1989-2009, die letzte erst einige Monate jung. In Süd-Tirol geht es um die Klärung der Frage der Selbstbestimmung und die der Tiroler Einheit. In einem Europa und in der EU der freien und selbstbestimmten Völker müsste das langsam überall politisch möglich sein. Die Betonung liegt auf demokratische Klärung, da keineswegs sicher ist, dass in einem Fall der tatsächlichen Abstimmung die absolute Mehrheit tatsächlich für die Selbstbestimmung stimmen würde. Man würde aber dann Schwarz auf Weiss wissen, wohin man in Zukunft gehören möchte, vorausgesetzt so ein Referendum, wie in dem Gesetzesentwurf Cossigas vorgesehen, einmal wirklich in der AP Bozen Südtirol stattfinden könnte, und alle Seiten würde dieses demokratische Votum vorbehaltslos auch respektieren wollen. Dafür wird aber früher oder später die EU mit allen ihren Institutionen sorgen, dass demokratische Entscheidungen zu so wichtigen Fragen in jedem Land der Eu auch respektiert und vollzogen werden. Vieleicht erst dann könnte einmal der Landeshauptmann von ST am Waltherplatz in Bozen vor den versammelten Massen verkünden, "Süd-Tirol ist frei!", da diese Frage so oder so in einem künftigen Staatsvertrag demokratisch geklärt wurde.
IP: 195.3.113.177
 
Markus A.
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