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19-05-2008 17:37
 
Staatssprache / lingua di Stato
@Markus A. 
Servus! 
Ich verstehe, ehrlich gesagt, die ständigen Vergleiche mit Aosta nicht. 
In Aosta hat es keine Zerstörung oder gewaltsame Ausradierung einer Kultur, sondern eine Modifizierng diese gegeben. 
Das Aostatal war nie ein Teil der französischen Nation, es war immer Teil eines italienischen Staates - Königreich Piemont-Sardinien einst, Königreich und Republik Italien danach. 
Die Italianisierung, wenn man diese so nenne will, begann dort shcon um 1860 rum, Schuld war der italienischer Zentralismus nach der Einheit, nach dem Motto: "Fatta l' Italia, bisogna fare gl' italiani!". 
Heute wäre es für jeden inakzeptabel, die Sprache eines Volkes ändern zu wollen oder einem Volk eine andere Sprache aufzuzwingen, aber 1860 war es nichts unübliches: Man denke an das bismarcksche Kulturkampf, was zur Zwangsgermanisierung in Westpreußen und Teilen Ostpreußens stattgefunden hat; an die Entnationalisierungsmaßnahmen der Briten in Irland, oder die Französisierung Nizzas und des französischen Baskenlandes, um mal nur diese Beispele zu erwähnen. 
Das Aostatal ist eine sehr vielfältige Region: Die Aostaner sprechen nach wie vor ihr Patois, ihr provemzalisches Dialekt, und die Mehrheit der italophonen in der Stadt Aosta resultiert vom Einwanderungsprozeß des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts aus Piemont und Kalabrien. 
Die Aostaner beherrschen nach wie vor die französische Sprache und unterhalten kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen zu Frankreich. 
Aosta wurde nicht, im Gegensatz zu Südtirol, einem anderen Land gewaltsam entrissen und unterworfen, wie es euch 1918 passiert ist. 
Du hast noch die Cimbern erwähnt: Das Aussterben vieler Cimberninseln ist leider ein Schicksal, den andere Sprachinseln weltweit auch erlitten haben. Viele Dorfbewohner sind im Laufe der Jahrzehnte in den größeren Städten ausgewandert und haben sich somit ihrem neuen Umfeld angepaßt, also auch sprachlich, und in vielen Gemeinden ist die Sprache einfach friedlich ausgestorben, ohne jegliche Gewalt oder Zwänge. Gleiches geschah vielen deutschen Inseln im Trentino sowie italienischen Inseln im Bozner Unterland oder den einstigen romanischen Sprachinseln um München, Salzburg, Regensburg und an der Mosel, sowie den Slawen zw. Elbe und Oder. 
Was die Triester Slowenen betrifft: Denke bitte an die Triester Geschichte, insbesondere die zw. den Jahren 1943-1954. 
Damals war Triest Schauplatz eines politischen und ethnischen Konfliktes zugleich. 
Viele Slowenen und Kroaten, die nicht unter der Tito-Diktatur leben wollten, entschieden sich für Italien als kleineren Übel. 
Zumal muss man sagen, da es in der Region Friaul-Julisch Venetien keine Volkszählung wie in Südtirol gibt, kann man nur grob die Zahl der Slowenen schätzen, und die stellen in einigen Gemeinden der Provinzen Görz, Triest und Udine die Mehrheit der Bevölkerung. 
In den Provinzen Triest und Görz gibt es staatliche Schulen, die auf Slowenisch unterrichten und seit 2001 gibt es einen "Comitato istituzionale parittetico per i problemi della minoranza slovena" mit Sitz in Triest. 
In vielen friaulischen Gemeinden, wird slowenisch als amtliche Sprache mit dem italienischen benutzt. 
Was das Furlanische betrifft, die Sprache ist im Sinne des Gesetztes Nr. 482 vom Jahre 1999 eine vom italienischen Staat offiziell anerkannte Sprache und wird auch in Schulen beigebracht. 
Mein Vater hat viele friaulische Freunde und die haben unter sich immer Furlan gesprochen, ohne sich dafür schämen zu müssen. 
Friaulisch wird sogar an den Universitäten Triest, Udine, Prag, Moskau und Laibach studiert! 
Ich finde, Deine Ängste sind übertrieben, mit Verlaub.
IP: 62.96.4.34
 
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