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15-05-2008 01:04
 
@ Antwort an HE
Danke, dass Sie sich lobend über meine Beiträge äußern. Ich versuche mich ohnehin kurzzufassen. Dieses Thema bietet so viele Aspekte, dass man nicht weiss, wo man aufhören sollte. Es ist auch nicht einfach, sehr komplexe Zusammenhänge in einigen Sätzen abzuhandeln. Ich persönlich als Mitglied der Süd-Tiroler Freiheit versuche ich auch meinen Beitrag zu leisten, damit diese grossartige politische und patriotische Bewegung an Einfluss und Boden in Tirol südlich des Brenners gewinnt. Es ist eigentlich ein Glück für die Selbstbestimmung der Süd-Tiroler, dass es endlich seit einem Jahr eine neue politische Bewegung dieses Formats gibt, die man in dieser Form wirklich braucht, um diesem Ziel der Ausübung der Selbstbestimmung näher zu kommen. Wir leben in Europa und auch in der EU gerade in einer für die Selbstbestimmung sehr günstigen Zeit, daher muss man dafür mit friedlichen und demokratischen Mitteln heute und morgen couragiert kämpfen. Erst dann wird man gehört und erhört werden. Der Gesetzesentwurf des italienischen Altpräsidenten ist in dieser Hinsicht meiner Meinung nach sehr hilfreich. Zuerst aber müsste jede Landesregierung in Bozen die Selbstbestimmunginitiative selbst ergreifen und in diesem Sinne auch politisch klar handeln. Die SVP-Spitze meint aber heute, dazu müsste zuerst Italien dem Land Südtirol einen konkreten Anlass geben, z.B. Einschränkung der Autonomie. Das wird ohnehin geschehen, da die AP Bozen und Italien sich wirtschaftlich in zwei entgegen gesetzte Richtungen entwickeln. Rom wird schon bald einen ordentlichen Solidaritätsbeitrag der AP Bozen zur Sanierung des Staates abverlangen, d.h. auf Kosten des erreichten Wohlstandes der Bürger. Italien hat die schlechtesten Daten der alten Länder der EU und Besserung ist nicht in Sicht. Diese permanente Krise des Stiefelstaates ist jetzt auch immer mehr in Süd-Tirol zu spüren. Auch als reichste Provinz Italiens fällt Süd-Tirol seit Jahren in allen guten Statistiken der EU zurück. Gestern hat der alte und neue Ministerpräsident Berlusconi gemeint, Italien wird aus diesem tiefen Fall bald auferstehen. Für mich sind das leere Worte und nichts mehr. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass dieser Staat früher oder später eine ernsthafte Staatskrise erleben wird. Vielleicht wird die Italienische Republik dann neu gegründet. Das hat es schon einmal in der alten EU 1959 in Frankreich unter General Charles de Gaulle bereits gegeben, als die V. Franz. Republik nach einer tiefen Krise in diesem Land neu gegründet wurde. Bei so einer Neugründung muss nicht automatisch jede Autonome Provinz des Landes auch dabei sein. Ich erinnere auch in diesem Zusammenhang, dass damals ein Teil des franz. Staatsgebietes sich von Frankreich losgesagt hat, nämlich die Autonome Provinz Algerien zwischen 1959 - 1962. Es war auch so eine gelungene Selbstbestimmung innerhalb eines alten EU-Staates, auf die man so oft vergisst, da diese Autonomie bis 1962 zu Frankreich gehörte und es war absolut keine Kolonie. In diesem Land war Frankreich über 90 Jahre als Staatsmacht anwesend. Der franz. Präsident De Gaulle meinte damals in Hinblick auf diese Selbstbestimmung, Frankreich schenkt sie den Menschen in dieser Autonomie aus egoistischen Gründen. Damals wie heute stammt die Grösse eines Landes nicht von seiner geografischen Grösse ab, sondern von der klugen Politik der Regierenden in einer west-europäischen Demokratie, von gelebten Menschenrechten und Investitionen in die Bildung und in die eigene Infrastruktur des Staates. Der Senator Francesco Cossiga hat eine ähnliche Stellung in Italien wie seinerzeit der General und franz. Präsident Charles de Gaulle in Frankreich, auch wenn er heute kein Präsident mehr ist. Sein Wort hat Gewicht, er ist nicht irgendwer in diesem Staat, sondern einer der grössten politischen Persönlichkeiten, die dieses Land Italien in seiner Geschichte je geprägt haben. Umso mehr an politischer Bedeutung gewinnt damit sein Gesetzesentwurf im Römischen Senat zur Klärung der Frage der Selbstbestimmung Süd-Tirols. Das haben manche Politiker hinter den vielen Bergen in Alto Adige aus Vorsicht oder Opportunismus nicht ganz verstanden zu haben, daher habe ich gemeint, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Anderswo in Europa, wo es auch eine Trennungs- und Teilungsgrenze quer durch ein Land gegeben hat, seit November 1989 eine "unsichtbare Grenze", hat die lang ersehnte Selbstbestimmung eines geteilten Landes und Volkes eine Bahn gesucht und auch gefunden. Dieses Nachbarland der Österreicher und damit aller Tiroler kann sich bereits über 20 Jahre der Einheit und Überwindung der Teilung freuen. Möge das auch einmal in Tirol, in diesem Land auf der Südseite der Alpen so geschehen.
IP: 195.3.113.171
 
Markus A.
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