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12-04-2008 13:34
 
@ Matthias
Ich sehe das mit Italien nicht so pessimistisch wie Sie. Die meisten Süd-Tiroler haben auch kein Problem mit den Italienern im eigenen Land, sondern meistens mit der überheblichen Einstellung von vielen Repräsentanten dieser Staatsherrschaft, wie zum Beispiel die Polizei- und Sicherheitskräfte verschiedenster Art, die am liebsten nichts in Alto Adige neben dem Gefühl "siamo in Italia" dulden würden. Auch hier ist das ein Querschnitt der Gesellschaft, nur mit dem Unterschied, dass gerade Süd-Tiroler extrem unterrepräsentiert sind. Es sind auch oft genug Postfaschisten und Duce-Nostalgiker, die gerade in Süd-Tirol an eine nationalistische Mission der Italianità glauben, und ein geeignetes Exorzierfeld für ihre wirren Ideen vorzufinden suchen, da sie anderswo in Ober-Italien nicht so bald und so leicht so viel Spielraum für diesen Wahnsinn vorfinden. Es gibt aber Gott sei Dank genug Italiener, die aufrichtige Demokraten und Europäer sind, die solche Umtriebe verurteilen, die in Süd-Tirol sich heimisch fühlen, die die Sprache der Mehrheit gut bis sehr gut gelernt haben, und dieses Land auch mögen. Die Zuneigung die vom Herzen kommt, kann man daher nur mit gegenseitiger Symphatie beantworten. Das ist schon eine gute Basis für eine unverkrampftere Zukunft Miteinander der Sprachgruppen. Man kann auch unmöglich ewig die Italiener in Süd-Tirol für die Fehler ihres Landes in der Geschichte verantwortlich machen, aber sie ist lebendig, wie in keinem anderen Land, gerade in Süd-Tirol. Wäre die demokratische Selbstbestimmung einmal in Zukunft politisch möglich, und die Klärung dieser Frage würde dem Land und Volk Süd-Tirols auch gelingen, würden höchstwahrscheinlich viel mehr Italiener in ganz Tirol leben wollen im Vergleich zu heute, da in diesem Fall die Autonomiebestimmungen obsolet werden würden. Das Land müsste in so einem Fall offiziell per neue Landesverfassung Deutsch, Italienisch und Ladinisch-sprachig für immer bleiben, damit sich die Frage der Minderheitenschutzes nie mehr stellt, sonder nur die der gleichberechtigten Staatsvölker, entweder eines wiedervereinten Landes Tirol, oder eines neuen Landes Süd-Tirol, wenn das der demokratische Wille der Bevölkerung sein sollte. Dabei müssten die Italiener zwei Minimalanforderungen im Umgang der Sprachgruppen erfüllen, erstens demokratische Mehrheitsentscheidungen der Bevölkerung der AP Bozen Südtirol ohne Wenn und Aber akzeptieren, und zweitens mit keinen unlauten Methoden diese zu hintertreiben versuchen. Im Vordergrund muss immer für alle Bürger das Wohlergehen der näheren Heimat stehen, und nicht das, was man in ferner Hauptstadt dieses Staates in Rom dafür hält. Die Politik der Autonomie hat, glaube ich, bis jetzt ausreichend und für alle überzeugend bewiesen, dass gerade sie mit ihrer Politik in allen Bereichen der Gesellschaft im Gegensatz zu Italien das Land Süd-Tirol exzellent regieren kann, daher allen Menschen kann es nur besser und nicht schlechter gehen, wenn man die Landespolitik auch als Bürger unterstüzt. Dabei ist es keinesfalls gesichert, dass eine Volksabstimmung oder ein Referendum zur Frage der Selbstbestimmung die Seite der Befürworter dieser auch wirklich gewinnen würde, da es dabei wie immer auf so viele Faktoren ankommt. Es ist nur wahrscheinlich, aber nicht gesichert, dass die Süd-Tiroler mehrheitlich in so einem Fall die Selbtbestimmung bejahen würden. Die Landesregierung in Bozen müsste dann das kurz- und langfristig national und international in der eigenen Politik berücksichtigen und im Sinne der Ausübung der Selbstbestimmung des Landes umsetzen. Man würde dann endlich Schwarz auf Weiss genau wissen, woran man ist, und das würde sicherlich als Orientierungshilfe für viele Jahre oder Jahrzehnte allen Seiten genügen. Die Zwei- oder Dreisprachigkeit der Ämter oder von topographischen Namen ist nur dort erforderlich, wo es genug Menschen gibt, die diese Sprache auch im Alltag verwenden. In einem Staat der Fremdbestimmung ist das eine Maßnahme, die diesen Anspruch der Fremdherrschaft über ein anderes Volk legitimieren, und sichtbar aufzeigen sollte. Das ist auch z.B. in Spanien im Baskenland oder Katalonien nicht anders, bzw. in Frankreich in Bretagne, Elsass, Korsika etc. Die ethnischen Minderheiten, die im eigenen Siedlungsgebiet grosse Mehrheiten sind, werden oft genug zu Exoten eines Landes degradiert, wie die Indianer in Amerika, die man mit Interesse für das Fremde und unbekannte bestaunt. Auch das müsste einmal in Zukunft der europäische Gedanke der Zusammenarbeit über alle Grenzen und durch Einsatz der Politik für Ideale der Gleichkeit und Brüderlichkeit der freien und selbstbestimmten Völker überall in Europa zufriedenstellend für alle Seiten lösen können. Ist das zu viel verlangt, wenn man die EU beim Wort nimmt, oder sind das immer nur fromme Sonntagsreden? Das hat es schon sogar einmal zum Beispiel zwischen Frankreich und Deutschland gegeben, als im Jahre 1956 bis dahin das französische Saarland in einem Referendum zu über 84%, glaube ich, für das deutsche Vaterland und gegen Frankreich in einer freien und demokratischen Wahl der eigenen Selbstbestimmung abgestimmt hat, und am 01.Jänner 1957 dem Geltungsbereich des deutschen Grundgesetzes und der Bundesrepublik Deutschland beigetreten ist. Das hat es also bereits zeitgleich mit der Gründung der EWG schon einmal in West-Europa gegeben, dass ein fremdbestimmtes Volk selbst über die eigene Selbstbestimmung frei entscheiden durfte. Dazu vor 50 Jahren, in der Nachkriegszeit und in einer ganz anderen demokratiepolitischen Landschaft in Europa. Die unzähligen gelungenen Selbstbestimmungen in Ost-Europa seit dem Fall der Berliner Mauer 1989 lehren uns, dass jede Selbstbestimmung eines Volkes sogar unter schwierigsten Bedingungen zur Gänze möglich ist. Dazu braucht es einen festen Willen der Bevölkerung, und eine politische Führung an der Spitze der Autonomie oder eines Landes, die entschieden diesen Weg verfolgt, und die Selbstbestimmung glaubwürdig nach innen und aussen politisch, ethnisch, kulturell, sprachlich oder aus anderen Gründen, wie z.B. die Wiederherstellung der historisch-ethnischen Landeseinheit des Landes, begründet. Der Weg dorthin kann sehr lang sein, dazu müsste man aber den ersten Schritt tun, danach schaut es aber gerade jetzt in der Landesregierung Süd-Tirols nicht aus, es sei denn, das würde sich einmal in Zukunft ändern. Das hat natürlich auch damit sehr viel zu tun, in welche Richtung sich Italien nach der Wahl jetzt bewegen wird. Manche Beobachter in Italien meinen aber, in dieser Wahl geht es um nichts, ausser Macht für La Casta, daher wird sich nach der Wahl auch nichts ändern, es kann nur noch schlechter werden, bis es wieder, wie im Schnitt seit 1946 jedes Jahr, wieder eine Neuwahl in Italien gibt.
IP: 195.3.113.168
 
Markus A.
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