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27-03-2008 12:32
 
Tiroler Geschichte, Gott schütze Österrr
Warum das Land Süd-Tirol im November 1918 bis zum Brenner von italienischen Truppen besetzt wurde, das ist weitgehends bekannt. Das Königreich Italien hat im Ersten WK 1915 heimlich die Bündnisseiten gewechselt und Österreich ohne Grund den Krieg erklärt. Das geschah in Italien im Zeichen von Irredenta, wo man damit spekuliert hat, dass wenn Österreich an der Seite Deutschlands den Krieg mit England und Frankreich verlieren würde, Italien dann die italienischsprachigen Gebiete nach dem Friedensschluss zugeschlagen bekäme, was nach 1918/19 auch geschehen ist, vor allem aber im Trentino, in ehem. Österr. Kronland Küstenland, sprich um Triest bis nach Pola, Fiume, Zara etc. Bis zum Waffenstillstand zwischen Italien und Österreich im Nov. 1918 hat aber kein einziger italienischer Soldat den Boden des heutigen Landes Südtirol betreten oder erobert. Der letzte österr. Kaiser Karl I. zeigte sich in Geheimverhandlungen mit Italien zwar Gesprächbereit, aber nur über Trentino und nur auf dem Wege der Abstimmung, Triest, Dalmatien und Istrien waren für ihn nicht verhandelbar. Letztenendes hat Österreich den Krieg verloren und musste sich dem Willen der Sieger fügen, dazu ist dieses Land auf seinen deutssprachigen Teil und die heutigen neun Bundesländer reduziert worden, und musste noch dazu die Teilung in Tirol und Annexion Süd-Tirols im deutschsprachigen Teil hinnehmen. So einen Zusammenbruch der sich gewaschen hat, muss man zuerst einmal in einem Land mental verkraften, das über Jahrhunderte ein Riesenreich war. Das wäre so, als ob z.B. Italien irgendwann auf die Grösse von Rom und Umgebung schrumpfen würde, was würde dann so ein Land international zu melden haben. An der Küste Dalmatiens und Istriens lebten damals fast nur Italiener. Im Hinterland lebten immer schon die Slawen, Kroaten und Slowenen, trotzdem wurden sie nach dem Zusammenbruch der Österr. Monarchie 1918 auch dort ungefragt und ungewollt in den italienischen Staat hineingezwungen, nicht anders als die Menschen in Süd-Tirol im heutigen Sinne zwischen Salurn und Brenner. Bis 1918 hat man in Österreich und in ganz Tirol diesen Begriff "Südtirol" eben nur im geografischen Sinne verwendet und verstanden, und meinte vor allem damit Welsch-Tirol-Trentino und den südlichen Teil der heutigen AP Bozen. Schon damals hat man in Europa das Menschenrecht auf Selbstbestimmung der Völker gekannt und überall in einer langen Reihe von Referenden auch praktiziert, sogar in Österreich selbst in Süd-Kärnten und im Burgenland, wo Österreich diese Abstimmungen gewonnen hat, mit Ausnahme der Wahlfälschung in der Stadt Ödenburg/Sopron. Da war vor allem der US-Präsident Wilson federführend, der vielen Ländern in Mittel- und Ost-Europa damals zur ethnischen Selbstbestimmung und Unabhängigkeit tatkräftig und aktiv verholfen hat. Nach dem Ersten WK 1918-20 verlangte Italien eben den versprochenen Preis für den Seitenwechsel und der wurde auch auf Kosten der Selbstbestimmung der Süd-Tiroler und der Slawen in Istrien und Dalmatien von den Siegermächten ausgezahlt, sogar die Griechen auf den damals zu Italien gehörenden Dodekanes Inseln mussten daran glauben. Man hat international zugunsten Italiens eine ethnisch ungerechte und absurde Grenze ohne Abstimmung gezogen und das hat sich nur 20 Jahre später bitter gerächt. Die italienischen Duce-Faschisten erhofften sich auf der Seite Hitlers durch gemeinsame Raub- und Eroberungszüge noch mehr territoriale Gewinne in Europa. Das hat z.B. die Situation zwischen Slawen und Italienern so eskalieren lassen, dass gegen Ende des Zweiten Weltkrieges Italien nicht nur Dalmatien und Istrien verloren hat, sondern auch die italienische Bevölkerung, ich glaube an die 320 Tausend Menschen, von den Tito Partisanen aus ihrer angestammten Heimat brutalst vertrieben wurde. Unzählige auch unschuldige Italiener haben damals in dieser kriegerischen Auseinandersetzung mit Tito-Partisanen nicht nur Hab und Gut, sondern sogar das Leben verloren. Das war letztenendes der wirkliche Preis, den das Königreich Italien bis 1946 für die Ziehung von 1918 einer ethnisch ungerechten Grenze bezahlen musste. Die Tito-Partisanen haben auch kurzfristig sogar die Stadt Triest besetzt, und hätten die West-Allierten sie von dort nicht mit Androhung der Waffengewalt vertrieben, wäre heute Triest und Gorizia, sogar vieleicht Friaul und Udine, wahrscheinlich ein Teil von Slowenien. Die Zwischenlösung mit der "Freien Stadt Triest" dauerte bis 1954 und erst dann ist dieses kleine Land international als ein Teil Italiens anerkannt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg, ich glaube 1946, hat es auch eine Abstimmung auf den bis dahin zu Italien gehörenden griechischen Dodekanes-Inseln mit Rhodos gegeben, diese sind so ählich wie Süd-Tirol und damals fast zeitgleich zu Italien gekommen, und im Sinne der Ausübung der eigenen Selbstbestimmung haben sich die Griechen für das Vaterland Griechenland und gegen Italien entschieden. Nur das Land Süd-Tirol hoffte im Jahre 1946 vergeblich auf Gerechtigkeit und Selbstbestimmung. Aus dieser Zeit stammt auch eine Petition der Süd-Tiroler an Österreich, die von fast allen mündigen Bürgern unterzeichnet worden ist, und zwar für die Landeseinheit Tirols und für die Rückkehr Südtirols zum Vaterland Österreich. Damals war bekanntlich Frankreich und vor allem Grossbrittanien mit Winston Churchill für ein Referendum zu dieser Frage in Süd-Tirol, zur Klärung der endgültigen staatlichen Zugehörigkeit des Landes. Die USA waren dagegen, da man ein zweites mal in der Geschichte bei der Landung auf Sizilien 1943 anderslautende Versprechungen Rom gemacht hat, nämlich sollten die Italiener aus eigener Kraft den Duce stürzen, was auch geschehen ist, wird man mit Italien nach dem Krieg grosszügig umgehen. Wahrscheinlich war in diesem Sinne auch die alte Grenze Italiens zu Jugoslawien nicht verhandelbar, aber die Tito-Partisanen haben in Istrien und Dalmatien mit Waffengewalt vollendete Tatsachen geschaffen, daher einigte man sich zum Schluss mit diesem Nachbarland auf eine Teilung der umstrittenen Gebiete. Im Jahre 1946 war aber die Schutzmacht der Süd-Tiroler Österreich ein diplomatisches Leichtgewicht und ein vierfach besetztes Land. Das, was Wien für Süd-Tirol letztenendes damals ausverhandeln konnte, das war die 1946 im Pariser Vertrag versprochene Autonomie. Dieser Vertrag macht das Land Süd-Tirol zum ersten mal in der Geschichte zum Subjekt des Völkerrechtes und er ist noch heute sogar im Sinne der Ausübung der Selbstbestimmung des Landes anwendbar. Das deutschsprachige Land Tirol war nach 1945 dreifach besetzt. Das Königreich Italien hat bekanntlich im Frühjahr 1943 bis 1945/46 die direkte Kontrolle über Süd-Tirol gänzlich verloren, da nach dem Sturz Mussolinis die deutschen Truppen das Land besetzt haben. Die noch bis Mai 1945 verbliebene faschistische italienische Salo-Republik war in Süd-Tirol nicht anwesend. Süd-Tirol befand sich nach dem 08.05.1945 in der US-Zone, Nord-Tirol in der französischen, und Ost-Tirol in der brittischen Zone. In diesem Sinne ist damals auch die Entscheidung über die weitere Zukunft des Landes Tirol gefallen, d.h. Fortschreibung der Teilung des deutschsprachigen Teils Tirols in Süd, Nord und Ost. Erst die hart umkämpfte und hart errungene Autonomie hat eine Besserung der Lage mit der Zeit gebracht, und heute wächst das historische Land Tirol wieder zusammen, vor allem seit Österreich 1995 der EU beigetreten ist. Für viele vieleicht zu langsam, aber die europäische Perspektive macht weitere Fortschritte sicher möglich. Heute ist sogar im europäischen Geiste die Wiederherstellung der Landeseinheit zwischen Süd, Ost und Nord-Tirol möglich, aber erst dann, wenn alle Seiten das wollen und danach handeln, natürlich zuerst einmal sind damit alle Tiroler zwischen Kufstein und Salurn gemeint. Der klare Wunsch der Bevölkerung nach Einheit aller Tiroler ist auch immer noch eindeutig vorhanden, was es in unserer Zeit nicht oder noch nicht gibt, das ist ein Konzept und eine gemeinsame Politik der Wiedervereinigung Tirols der beiden Landesregierungen in Bozen und in Innsbruck. Allein aus diesem Grund ist es wichtig weiterhin demokratisch legitimierte Willensbekundungen der Bevölkerung zu fordern und zu fördern. Eine Volksbefragung zu dieser Frage in süd-Tirol würde höchstwahrscheinlich für alle Seiten eine wertvolle Orientierungshilfe schaffen. Eine Befragung ist aber nicht dasselbe wie ein Referendum, man würde dann aber wissen, wie es um den Selbstbestimmungswillen der Bevölkerung bestellt ist. Die Selbstbestimmungpetition der 99% der süd-tiroler Bürgermeister an den Österr. Nationalrat in Wien von 2006 ist noch in frischer Erinnerung. Als Folge dieser Petition wird Österreich höchstwahrscheinlich seine Schutzmachtrolle für Süd-Tirol in die Präambel der neuen Bundesverfassung festschreiben, und das heisst schon etwas. Im März dieses Jahres gedenkt gerade das Vaterland der Süd-Tiroler, Österreich den 70. Jahrestag der tragischen Auslöschung des eigenen Landes von der Landkarte Europas durch Nazi-Deutschland. Der aus Süd-Tirol stammende, in Riva geborene, letzte österreichische Bundeskanzler der Ersten Österr. Republik Kurt von Schuschnigg verabschiedete sich in einer Radioansprache an seine Landsleute und an die freiheitsliebende Welt am 12. März 1938 mit einem Ruf und Herzenswunsch, "Gott schütze Österreich!" Nach den Zweiten WK ist Österreich nach dem Willen der Sieger wiederauferstanden und heute gehört dieses kleine neutrale Land im Herzen Europas zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Aus den Ruinen des in dieses kleine Alpenland von aussen getragenen verbrecherischen Anschlusses und Krieges, sowie der eigenen Irrtümer, haben die Menschen gelernt und heute sind die Österreicher ein unverwechselbares, stolzes und selbstbewusstes Land und Volk, zu dem der Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder auch die Tiroler südlich des Brenners zählt, und zwar als die österreichische Minderheit in Italien, im eigenen Land in der AP Bozen ist man immer noch eine 3/4 Mehrheit. Das Land Süd-Tirol hat 1918 seine Selbstbestimmung verloren, Österreich 20 Jahre später 1938 nach dem Anschluss. Österreich ist spätestens nach dem Staatsvertrag 1955 wieder frei. Die Selbstbestimmung der Süd-Tiroler oder die Klärung dieser Frage bleibt heute 2008 in einem Europa und in der EU der freien und selbstbestimmten Völker weiterhin ungelöst. Das Land Tirol bleibt weiterhin in Süd, Nord und Ost geteilt, und auch wenn überall in Europa neue Selbstbestimmungen gerade in unserer Zeit stattfinden, finden sie bis heute wenig Echo und Nachahmung auf der Ebene der Landespolitik in der AP Bozen Südtirol. Die EU macht mit allen ihren Möglichkeiten langsam die Selbstbestimmung der Süd-Tiroler ohne Wenn und Aber politisch möglich, die Schotten beschreiten bereits diesen Weg mit einem Fahrplan für ihre Selbstbestimmung seit Mai 2007. Auch in Katalonien und im Baskenland tut sich vieles in dieser Frage. In Süd-Tirol hat man heute hingegen den Eindruck, die Politiker handeln nach dem Spruch, Stell dir vor, die Selbstbestimmung wird endlich national und international möglich und keiner in der Landesregierung in Bozen will als erster klar und deutlich dieses Recht einfordern, auch wenn sogar der ital. Altpräsident Francesco Cossiga dies 2006 mit von ihm im Senat in Rom eingebrachten Gesetzesentwurf vorgeschlagen hat. Die Selbstbestimmung Südtirols als solche steht in allen Parteiprogrammen immer noch, aber vor allem die grösste Partei, die SVP, wird erst dann den Selbstbestimmungsfall für die AP Bozen ausrufen wollen, wenn ein echter Autonomie-Notfall in Zukunft eintreten sollte. Die kommenden Wahlen im April 2008 und Landtagswahlen im kommenden Herbst werden vieleicht in dieser Hinsicht Orientierung bringen, wie es weiter mit der Selbstbestimmung der Süd-Tiroler gehen wird. Für mich persönlich ist dieser Notfall der Selbstbestimmung immer dann klar vorhanden, solange diese Frage nicht halbwegs geklärt wurde, und das kann man ganz sicher nicht mit dem Hinweis auf die real existierende Autonomie heute in der AP Bozen abtun. Das Recht auf die eigene Selbstbestimmung und die der eigenen Ethnie ist erstes, wichtigstes und unteilbares Menschenrecht, das scheint man fortdauernd dort zu vergessen, wo man danach handeln könnte. Die politische Bewegung der SF sorgt aber dafür, dass der Wunsch nach Selbstbestimmung politisch klar und deutlich einen Widerhall in der Landespolitik, national und international findet, hoffentlich auch einmal in der Landesregierung in Bozen, in diesem Sinne, Gott schütze Österreich und Süd-Tirol!.
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Markus A.
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