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16-03-2008 01:50
 
@ Doppelbürger aus CH
Wenn Sie in der Schweiz leben, dann haben sie gerade als Doppel-Staatsbürger etwas wertvolles anderen Menschen voraus, nämlich Sie können sich in beide Lager hineinversetzen, auch wenn es gerade in der Schweiz nicht im Geringsten Probleme im Umgang miteianander der Sprachgruppen gibt. Das würde ich mir persönlich vom Herzen auch für den Alpenraum und für Tirol vor allem zwischen Salurn und Kufstein für die Zukunft wünschen, nämlich ein unverkrampftes Miteinander, wo alle Menschen die gleichen Chancen und gleiche Voraussetzungen der individuellen Entwicklung haben. Ich habe bis jetzt noch so viele Menschen italienischer Muttersprache aus Süd-Tirol kennengelernt, die sich oft genug darüber bitter beklagen, dass sie bei vielen Gelegenheiten von der Mehrheitsgesellschaft auf irgendeine Art ausgegrenzt werden, auch wenn das nicht ausdrücklich von den Süd-Tirolern selbst zugegeben wird. Meiner Meinung nach es ist aber so. Diesen Umstand müsste man dringend ändern, je schneller umso besser. Ich sehe diese Chance auf ein neues gesundes zwischenethnisches Klima vor allem in der Klärung der Selbstbestimmungfrage, wo alle Parteien und alle Sprachgruppen in diesem demokratischen Streit endlich es schwarz auf weiss bekommen würden, entweder man will die Selbstbestimmung als solche, oder auch eben nicht mehr. Gerade die Italiener in Süd-Tirol mussten so oft dafür büssen, was Rom einmal in seiner Politik gegenüber Süd-Tirol den Menschen an Chancen verbaut hat. Für mich persönlich zählt in erster Linie der historisch gewachsene und einwandfrei begründete Wunsch der Süd-Tiroler nach Ausübung der Selbstbestimmung und nicht die endlose Bevormundung aus Rom. Ich stehe persönlich der italienischen Sprache und Kultur auch in Süd-Tirol sehr wohlwollend gegenüber, wenn sie nicht von nationalistisch verblendeten Politikern für ihre Zwecke missbraucht wird. In Süd-Tirol leben heute 25% Italiener, d.h. würde sogar die Selbstbestimmung dem Land einmal glücken, es wäre ein absolutes muss, dass das Land weiterhin offiziell zwei oder dreisprachig bleiben muss. Italianità kann man überall leben, wo genug Italiener leben, im Kanton Tessin in der Schweiz sowieso, aber auch in Bozen und Umgebung in Süd-Tirol. Ich kann zwar nur für mich sprechen, aber nach der Klärung der Frage der Selbstbestimmung würde, wie ich glaube, endlich ein unverkrampftes Klima zwischen allen Sprachgruppen einziehen und dauerhaft herrschen. Ich würde mich sogar sehr freuen, wenn dann mehr Italiener in Tirol südlich oder nördlich des Brenners leben wollten, da auch sie einen sehr wertvollen Beitrag zur gemeinsamen Kultur in diesem Land leisten. Ein Land Süd-Tirol ohne die Italiener ist für mich völlig unvorstellbar, Süd-Tirol der Zukunft auch ohne italienische Staatsmacht aber schon, das kann man aber nur auf einem einwandfrei demokratischen Weg einmal gemeinsam entscheiden. Die EU macht das doch immer mehr möglich und so sollte es auch sein. Die Stadt Bozen zum Beispiel könnte erst dann nach einer Selbstbestimmung zu ihrer Rolle als Vermittlerstadt zwischen dem teutonischen Norden und romanischen Süden Europas wieder richtig finden. Was glauben Sie, wie die Süd-Tiroler mit den Italienern umgehen würden, wenn man den Menschen in einer freien Abstimmung die politische Klärung der Selbstbestimmungfrage endlich ermöglichen würde? Dass sie immer noch nicht geklärt ist, das halte ich für einen Anachronismus ersten Ranges und politischen Skandal. Solche Fragen dürfen ganz einfach zwei so einmalige, kulturell verwandte und befreundete Völker, wie die Italiener und Tiroler/Österreicher nicht mehr trennen und entzweien. Das hat vor zwei Jahren der ital. Altpräsident Cossiga begriffen und er hat aus diesem Grund ein Referendum zur Klärung der endgültigen staatlichen Zugehörigkeit Süd-Tirols im Mai 2006 vorgeschlagen, und sogar einen entsprechenden Gesetzesentwurf im Römischen Senat eingebracht. Die Selbstbestimmung als politisches Ziel findet man auch in allen Parteiprogrammen der süd-tiroler Parteien, sind sie deswegen "extremrecht", wie der Yvan vieleicht meinen könnte? Wenn man schon so wie ich die Zivilcourage hat, offen die Meinung zu dieser Frage öffentlich kundzutun und diese auch mit Argumenten zu begründen, dann tut man das doch in bester Absicht niemand zu schaden, sondern das zu reparieren, was einmal kaputt gegangen ist. Ich bejahe persönlich ohne Wenn und Aber den einmaligen grossen Wert der italienischen Kultur und Zivilisation, die aber in diesem heutigen Kontext Süd-Tirols aufgrund der ungeklärten Frage der süd-tiroler Selbstbestimmung vom Staat der Fremdbestimmung Italien getrennt gesehen werden muss. Sollte Italien einmal diese Klärung der Frage der Selbstbestimmung den Bürgern der AP Bozen ermöglichen, egal wie dann das Ergebnis lauten würde, wird sich diese Staatsmacht nicht mehr vorhalten müssen, dass sie die Süd-Tiroler zum Verbleib bei Italien zwingt. So einfach ist das, wir leben in einer demokratischen Gesellschaft und jeder darf mit erlaubten Mitteln für seine Meinung werben oder schreiben. Ich bin auch der Meinung, dass wir noch die Zeit in Süd-Tirol, in der EU erleben werden, wo man die Frage der Selbstbestimmung des Landes und Volkes Süd-Tirols auch so wird lösen können, wie seinerzeit das bei der geglückten Selbstbestimmung des Kantons Jura in der Schweiz Ende der 70-er Jahre geschehen ist. Das könnte bedeuten, dass zwar der Diskurs und die politische Auseinandersetzung unter Umständen heftig sein könnte, aber nur mit friedlichen und demokratischen Methhoden, wie damals im Kanton Jura. Nach der Selbstbestimmung wird man damit zur Tagesordnung übergehen und das Leben GEMEINSAM als Italiener und Süd-Tiroler in einem Land weiter leben, das Trennende wird man vergessen, das Gemeisame wird dann in Vordergrund treten. Der Kanton Jura ist der Schweiz als jüngster 26. Kanton erst im Jahre 1979 beigetreten. Es war eine erfolgreiche Selbstbestimmung, die niemand mehr in Bern in Frage stellt. Ich möchte in diesem Zusammenhang ein Zitat anbringen, der Begriff "das Jurassische Volk" könnte man bei Bedarf durch das "Süd-Tiroler Volk" ersetzen, um sich ein Bild machen zu können, was ich genau damit meine: Zitat: Verfassung der Republik und des Kanton Jura vom 20.März 1977 Geändert durch Volksabstimmungen 1987, 1993, 1998, 2004. Das Jurassische Volk im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, in der Absicht, seine Souveränität wiederherzustellen und eine geeinte Gemeinschaft zu gründen, gibt sich folgende Verfassung: Präambel. Das jurassische Volk beruft sich auf die Menschenrechtserklärung von 1789, auf die Allgemeine Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen von 1948 und auf die Europäische Menschenrechtskonventiom von 1950. Gestützt auf diese Grundsätze fördert die Republik und der Kanton Jura, grundgelegt im Akt freier Selbstbestimmung vom 23.Juni 1974, die soziale Gerechtigkeit und die Zusammenarbeit unter den Völken und wirkt aktiv in den Gemeinschaften mit, auf die sie sich beruft. I. Souveränität. Artikel 1. 1.Staatsform. Die jurassische Republik ist ein auf Brüderlichkeit gegründeter demokratischer und sozialer Staat. 1.2.Sie ist ein souveräner Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Artikel 2. Ausübung der Souveränität. Die Souveränität steht dem Volk zu, das sie unmittelbar oder durch seine Vertreter ausübt. (...) Artikel 4. Zusammenarbeit 1. Die Republik und der Kanton Jura arbeitet mit den anderen Kantonen der Schweizerischen Eidgenossenschaft zusammen. 2. Sie ist bestrebt, mit ihren Nachbarn eng zusammenzuarbeiten. 3. Sie ist weltoffen und arbeitet mit den um Solidarität bemühten Völkern zusammen. Ende des Zitats. Die Süd-Tiroler sind ebenso ein Volk mit eigenem Land und mit einer weitgehenden Autonomie, die das Land zum Subjekt des Völkerrechtes macht, aber die keine Souveränität in der Selbstbestimmungfrage ermöglicht. Die Autonomie als solche ist heute in Vereinten Europa eher dort angebracht, wo es echte ethnische Minderheiten unter einer anderen ethnischen Mehrheit gibt, wie z.B. die Slowenen in den Provinzen Triest und Gorizia. Die Süd-Tiroler sind im eigenen Land auch nicht nur eine relative oder absolute Mehrheit, sondern sogar eine 3/4 ethnische Mehrheit dazu noch im eigenen Land. Dem italienischen Machtanspruch haben die Menschen bei entsprechenden historischen Gelegenheiten klar und deutlich widersprochen, das letzte mal erst 2006 bei der Petition der süd-tiroler Bürgermeister an das Vaterland Österreich. Europa als multinationale überstaatliche Gemeinschaft ist auch dazu berufen, im gegenseitigen Einvernehmen zwischen Rom, Bozen, Wien und Innsbruck solche Unstimmigkeiten ersten Ranges in der Auslegung des Menschenrechtes auf die eigene Selbstbestimmung einer süd-tiroler 3/4 Bevölkerungsmehrheit dazu im eigenen Land zu bereinigen und alles dafür zu tun, damit diese so lange aufgeschobene Frage der Selbstbestimmung Süd-Tirols endlich demokratisch geklärt wird. Wenn man aber den Standpunkt einnimmt, Alto Adige haben wir seinerzeit erobert und geben es nicht her, auch wenn dort nicht viele Italiener leben, dann erweist man weder der Demokratie noch dem europäischen Gedanken einen guten Dienst. Die Rechnung dafür werden auch die Menschen in Süd-Tirol bezahlen, die nicht Deutsch als Muttersprache haben. Das Klima des latenten gegenseitigen Misstrauens und der gegenseitigen ethnischen Belagerung wird weiterhin in diesem Land herrschen. Ich würde meinen, dass das Land sich eine bessere Zukunft und bessere Politik, vor allem vieleicht bessere Politiker verdient hätte, aber das bleibt wohl der La Casta in Rom egal und in Süd-Tirol wird weiter gegeneinander autonomisiert. Damit sich das ändert, dafür lohnt es sich den Kopf zu zerbrechen und für den eigenen Standpunkt auch in diesem Forum zu werben. Ich oder wir bejahen ohne Wenn und Aber alle zivilisatorischen Werte einer anderen Sprachgruppe und suchen keinen Streit mit ihr, sondern einen endgültigen Frieden, damit die Zukunft für uns alle besser als jetzt sein wird, und damit Nebeneinander der Sprachgruppen durch echtes und kulturell immer sehr wertvolles Miteinander ersetzt wird.
IP: 195.3.113.170
 
Markus A.
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