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16-03-2008 00:00
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Österreich
Es ist legitim, wenn Deutschtiroler südlich der Brennergrenze ihr Land an Österreich angliedern und mit dem nördlichen Landesteil vereinigen wollen. Sie dafür als rückständig, lächerlich, rechtsradikal usw. zu beschimpfen, wie es hier einige Kommentare tun, zeugt von mangelnder Achtung vor persönlichen Empfindungen der Vaterlands– und Heimatliebe.
Eine andere Sache ist es, ob die rückkehrwilligen südlichen Deutschtiroler in jedem Fall zu Österreich wollten. Würden sie das auch wollen, wenn Österreich keine demokratische Republik, sondern eine rechts– oder linksextremistische Diktatur wäre? Auch scheint mir beachtenswert, daß die italienisch beherrschten Deutschtiroler, durch andere Voraussetzungen bestimmt, eine andere Entwicklung als die Österreicher durchgemacht haben. Wollen die Heimkehrwilligen sich dennoch in die österreichische Volksseele integrieren? Bevor man eine Entscheidung trifft, sollte man sich umfassend informieren. Zu diesem Thema wäre in erster Linie beherzigenswert, was uns der bekannte österreichische Psychiater Dr. Erwin Ringel in seinen Vorträgen über die Österreicher hinterlassen hat, veröffentlicht in seinem Buch „Die österreichische Seele“. Dazu sollte man aber auch noch das Nachfolgebuch lesen: „Österreichs verwundete Seele — 20 Jahre nach Erwin Ringel“, von einem Kollektiv führender österreichischer Seelenkundiger verfaßt. Hier wird die Perspektive vorgeführt, daß alles noch erheblich Schlimmer geworden ist, als Erwin Ringel es gezeichnet hatte. Meine eigenen langjährigen Beobachtungen fügen sich hier stimmig ein, denn ich meine, daß der Durchschnittsösterreicher unter Freiheit versteht, sich ungehindert selbst zugrunde zu richten zu dürfen. Was für den einzelnen gilt, ist für die Gesamtheit nicht minder zutreffend. Als Befürworter der drei Prinzipien, auf die die Zweite Republik gegründet wurde, nämlich den demokratischen, den rechtsstaatlichen und den föderalistischen Grundsatz, kann man nur staunen, mit welcher Gleichgültigkeit die große Mehrheit der österreichischen Bevölkerung die Grundlagen ihres Staates preisgibt, im Glauben an ein paar triviale Vorteile, die ihnen von Protagonisten der EU versprochen wurden und werden. Um die achtzig Prozent an Gesetzen, die in Österreich gelten, werden bereits nicht mehr von den gewählten Abgeordneten im österreichischen Nationalrat gegeben, sondern von der EU-Kommission Österreich aufgezwungen. Das Recht geht also zum größten Teil nicht mehr vom Volke aus, und die rechtsstaatliche Gewaltentrennung ist damit aufgehoben. Auch die judizielle Gewalt verliert zusehends an Unabhängigkeit und wird in diese rechststaatswidrige gigantische Machtkonzentration hineingezogen. In Europa ist längst ein Konsolidierungsprozeß im Gange, der eine Räteunion heranbildet, in der die Freiheit einen ähnlichen Begriff darstellt wie in der ehemaligen Sowjetunion (was auf Deutsch nichts anderes heißt als Räteunion). Man braucht nicht lange herumzurätseln, ob eine europäische Diktatur links- oder rechtsorientiert ist — diese Kategorien sind anachronistisch geworden und nur noch hohle Phrasen polemischer Straßenschreier — es geht nämlich um den mit Recourcenausbeutung verbundenen Wachstumsgötzen, egal ob in den USA, in Rußland, in China oder in Europa, egal ob von links oder von rechts. Der Wettlauf dieser Giganten beschleunigt nur den zu erwartenden und unvermeidbaren Einbruch einer apokalyptischen Weltkatastrophe. Aber wer will das hören? Der Vogel Strauß läßt grüßen. In diesem unwiderstehlichen Sog, in den auch Österreich gemäß abstimmungsbekundetem Volkswillen geraten ist, kann der Vaterlandsbegriff nur noch in Sehnsüchten und Erinnerungen mancher einzelner weiterbestehen. Nicht einmal vor dem Schritt Österreichs in seine europaorientierte Auflösung hatte dieser Begriff in der Rechtsordnung seinen gebührenden Platz mehr gefunden — die Väter spielten und spielen keine Rolle mehr, sie wurden in der Verfassung vergessen, und die Tiroler Landesverfassung hat zu wenig Gewicht, um diesen Mangel auszugleichen. Würde der Staat die Väter noch in irgend einer Weise ehren, gäbe es wenigstens eine gentis causa von Amts wegen zu verleihende Staatsbürgerschaft. Aber das ist kein Wert mehr, und deshalb fehlt dem vaterländischen Denken und Fühlen ein notwendiges Minimum an Entsprechung in der staatlichen Rechtsordnung. Ich bedauere das mit einem „Schade um Österreich“. Die Deutschtiroler Landsleute mögen bedenken, daß sie ihr Vaterland nur noch in sich selbst finden können, längst aber nicht mehr in der äußeren Wirklichkeit. Man kann nicht alles haben: Sicherheit und Freiheit, materielle Sorglosigkeit und ideelle Werte, kosmopolitische Lebensweise und heimatliche Geborgenheit. Deshalb sollten sie erkennen, was das österreichische Volk verkauft und was es sich eingehandelt hat. Selbstbestimmung ja — aber würde die Mehrheit der Wähler sich diesen Wirklichkeiten stellen, würde sie das Format zeigen, die Opportunitätskosten ihrer Entscheidung abzuwägen? Das würde für mich ein Wunder sein, das allen meinen bisherigen Beobachtungen zuwiderliefe. IP: 80.109.167.201
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