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12-03-2008 14:11
 
Moralische Aspekte in der Politik
Re.: Georgos Egger. Ich verstehe sehr gut die moralischen Postulate, die Sie in Ihren Postings zum Ausdruck bringen. In der praktischen Politik sollte dies auch viel mehr eine Rolle spielen. Leider ist das in praktischer Politik nur zu wenig der Fall. Es war im "Nürnberger Prozess" gegen das deutsche Reich und sicher auch gegen die serbische Großmachtpolitik unter Milosevic so. Moralische Kriterien werden jedoch häufiger mißachtet als beachtet. In zwangloser Aufzählung: Was hat der Palästinenser verbrochen, der aus der Heimat verjagt wird und dessen Land gestohlen wird? Was können die Tibeter dafür, dass ihnen das Selbstbestimmungsrecht verweigert wird? Warum darf Bhutan selbstständig bleiben und wurde die Selbstständigkeit von Sikkim durch Indien mit Gewalt beendet? Und so weiter. Die Hauptstadt von Tibet Lhasa hat zwischenzeitig nur noch ca.40% tibetanische Einwohner, 60 % sind chinesische Zuwanderer. Da ist Lhasa doch noch besser dran als Bozen, wo die Südtiroler nur noch 22% ausmachen! Es gibt unzählige Beispiele der Verletzung von moralischem Verhalten in der Politik. Die Geschichte ist voll davon! Leider sind auch die Probleme sehr vielschichtig und nicht mit Schwarz/Weiß Betrachtung zu lösen. Zwei weitere Beispiele aus diesem Forum: 1.) Kosovo. Noch um die Zeitenwende nach dem zweiten Weltkrieg waren Serben und Albaner im Kosovo etwa gleich stark. Dann begannen sich viele Kosovo-Serben auf den Höfen der verjagten donauschwäbischen Bevölkerung breitzumachen. Gleichzeitig änderten sie damit auch die ethnische Zusammensetzung der Wojwodina auch zum Nachteil der dort die relative Mehrheit stellenden Ungarn. Mit dem Fortzug dieser Serben aus dem Kosovo setzte eine beispiellose Geburtenschlacht der albanischen Bevölkerungsgruppe ein. Jede albanische Frau fünf, sechs Kinder! Heute (2008) stellen die Albaner 90% der Einwohner des Kosovos. 2.) Schmunzeln muss ich immer wenn es um die Einwohner von Triest geht. Unzählig waren die Denkschriften, die die ehemalige Zone A zu Italien bringen sollte. Was wurde nicht alles vorgebracht! Italienisch, Slowenisch. Bevor Österreich-Ungarn die Stadt zu ihrem Kriegshafen gemacht hatte, sprachen die Ureinwohner dieses Fischerdorfes einen rätoromanischen (ladinischen) Dialekt.  
Ich könnte noch viel mehr Beispiele aufzählen, will es aber dabei bewenden lassen. Für Südtirol gibt es nur einen Weg der weg von Italien führt: Das beharrliche Arbeiten an den Zielen der Unabhängigkeit, das Werben in der Bevölkerung für diese Ziele, bis eines Tages eine Mehrheit aktiv dafür ist. (Im Völkerecht: Eine verhältnismäßig beträchtliche Anzahl!)
IP: 87.180.92.190
 
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