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06-03-2008 01:21
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@ Literat J.Franzot
Na und? Die ethnische Mehrheit war in Triest zum damaligen Zeitpunkt und Jahrhunderte zuvor doch immer italienisch, warum sollten also die Italiener in der damals international verwalteten Zone A kein Recht auf Selbstbestimmung bekommen haben? Das kann man als Befürworter des Menschenrechtes auf demokratische Selbstbestimmung nur begrüssen, genauso wie heute dies im Falle von Süd-Tirol politisch immer noch angebracht wäre. Zum gleichen Zeitpunkt der Geschichte nach 1945 verweigerte Italien den Süd-Tirolern das gleiche Recht auf demokratische Selbstbestimmung, auf das man sich gerade in Triest vor der Welt so dramatisch berufen hat, und letztenendes 1954 auch durchgesetzt hat. In der Zone B waren die Slowenen und Kroaten in Istrien die zahlenstärkste Bevölkerung und daher ist diese Zone damals im Sinne der Selbstbestimmung der Völker bei Jugoslawien auch verblieben. Die brutale und grausame Vertreibung der Italiener bis nach dem Ende des Zweiten WK darf man dabei genauso wenig vergessen wie die Vorgeschichte im Zweiten Weltkrieg und die faschistische Agression sowie Annexionspolitik des faschistischen Italien in Jugoslawien, wo sogar zeitweise die slowenische Stadt Lubljana (ital. Lubiana) vom Duce zu "citta italiana" erklärt wurde. In Triest und im Umland gab es und gibt es immer noch eine starke slowenische Minderheit, meines Wissens so an die 25%, aber es ist und war eine Minderheit und keine ethnische Mehrheit. Dieser Landstrich ist nach der Auflösung von "Free Territory of Trieste" 1954 endlich langsam über Jahrzehnte zur Ruhe gekommen, und dabei sollte man es auch belassen. Ich finde es persönlich schade, dass die starke slowenische Minderheit in Triest aus dem öffentlichen Leben so gut wie ausgeblendet wurde. Das hängt auch vieleicht ein wenig mit der Einstellung mancher Menschen in Slowenien zusammen, "Triest gehört uns - Trst je nas". Ähnliche Konflikte gibt es auch in Süd-Kärnten in Österreich, wennauch heute meistens nur um zweisprachige Ortschilder. Slowenisch-nationalistische Sprüche kann man aber noch so oft als Ansagen hören oder als Graffitis manchmal in Triest selbst lesen, daher kann ich manches dort nachvollziehen, was man mit anderen Vorzeichen gerade in Süd-Tirol erleben muss. Ich kann aber beim besten Wissen nicht beurteilen, was wirklich dahinter steht, da ich diese Stadt aus mehreren Aufenthalten nur kenne, vor allem Sistiana, Duino und Rilke-Schloss. Das führt nur zu Verstimmungen zwischen ethnischen Gruppen, wenn eine Minderheit sich die Herrschaft über die Mehrheit anmaßt, auch wenn das heute gerade in Triest als utopisch erscheinen muss. Was das alt-österreichische Erbe in Triest und Istrien betrifft, da kann man die Italiener nur loben. Sie gehen mit diesem Erbe überall sehr sorgsam um. Sie waren bis 1918 fast genauso lang bei Österreich, wie das heutige Land Süd-Tirol, also über 600 Jahre. Ohne Österreich und die k.&k. Monarchie wäre aus Triest keine wichtige Stadt geworden. Das war damals der wichtigste Hafen der Monarchie und das Tor zur Welt eines ganzes Landes. Mit dem Untergang der Monarchie begann auch der Untergang der Bedeutung von Triest als internationaler Hafen, da Italien über genug Häfen auf seiner langen Küste verfügte. Ich bin jedes mal in Triest von der Vielfalt dieser Stadt fasziniert. Diese Stadt war und ist zwar italienisch, aber sie war und ist ein Schmelztigel von so vielen Kulturen und Nationalitäten. In Triest fühlt man sich Zuhause. Die Triestiner waren und sind wahre Freunde der Österreicher und sie sind das bis heute auch geblieben, nach meinem Empfinden sogar auf Platz zwei nach Süd-Tirol, da keine andere Gegend in Italien dermassen starke geschichtliche Bindungen und Wurzeln der eigenen Identität mit Österreich vorweisen kann wie gerade diese einmalige Stadt. Die Monarchie war ein Vielvölkerstaat, aber man konnte zum Beispiel gerade in Triest, in Istrien und Dalmatien oder im Trentino selbstverständlich Italiener und zugleich auch Tiroler und Österreicher sein. Das kann man heute in unserer Zeit so gut wie gar nicht mehr nachvollziehen, man kann aber doch etwas daraus für die Zukunft lernen, wenn man nur ein wenig guten Willen hat, gerade in Tirol südlich des Brenners, wo die Frage der Selbstbestimmung der Süd-Tiroler von Italien niemals beantwortet worden ist, und wo eine Minderheit oft genug einer überwältigenden Mehrheit in manchen Fällen vorschreiben will, als was sich diese Mehrheit zu definieren hat. "Die gute alte Zeit" war in diesem Fall doch wirklich für alle Menschen viel besser und vieleicht kommt sie irgendwann in Zukunft unter anderen Vorzeichen auch wieder, da die Geschichte bekanntlich ein Rad ist.
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