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14-02-2008 00:49
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Vergangeheitsbewältigung
@ Nickname. Vor allem in Deutschald, aber auch in Österreich gab es und gibt es eine solide Vergangenheitsbewältigung der neueren Geschichte, des deutschen Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges mit allen damit verbundenen Schrecken. Das Nachbarland der Tiroler Deutschland war dazu noch im letzten Jahrhundert von zwei Totalitarismen betroffen, nämlich von NS-Regime und Kommunismus, mit allen dazu gehörenden Folgeerscheinungen, die es nicht zu beschönigen gibt. Diese Geschichte ist tragisch genug. Man kann sich auch nicht gegenseitig lizitieren, welcher Faschismus mehr Leid und Verderben verursacht hat, beide waren für die Opfer schlimm genug, genauso wie der Stalinismus und Kommunismus in verschiedenen Formen und Zeiten. Ich habe auf die Schreckensherrschaft des italienischen Duce-Faschismus hingewiesen, aber auch darauf, dass die Süd-Tiroler, Tiroler und damit die Österreicher mit ihrem Staat der Republik Österreich zu den Opfern des Zweiten Weltkrieges und beider Totalitarismen gehörten. Das Nazi-Reich löschte alles aus, was die Menschen in der Ostmark an Österreich als eigene österreichische und unverwechselbare nähere Heimat erinnerte, Duce-Italien beseitigte auch alle Spuren in Süd-Tirol von Alt-Österreich und erzwang zwischen 1939-43 eine sog. Option zwischen Italianisierung oder Auswanderung. Letztenendes waren es auch die Deutschen, die für ihre Irrtümer bitterst bezahlen mussten, dazu noch in jeder nur erdenklichen Form. Italien ist danach als Verursacher und Agressor des Krieges noch glimpflich davon gekommen. Man darf daher jetzt nicht die Opfer mit den Tätern in der Geschichte zu vertauschen versuchen. Um eines noch ausser Streit zu stellen: Italien ist seit 1945 eine west-europäische Demokratie, es ist nach 1943 nicht aus eigener Kraft darauf gekommen, das war aber nördlich des Brenners auch nicht anders. Die italienische Gesellschaft ist heute in Anbetracht der Breite der politischen Meinungen und Strömungen nicht weniger oder mehr demokratisch und nicht anders als der Rest der Länder der EU. Diese Demokratie macht heute die Autonomie in Süd-Tirol aber immer noch unter Vorbehalt der unzureichenden Erfüllung der Zweisprachigkeitsverpflichtung in allen Behörden dennoch politisch möglich. Die Selbstbestimmungsfrage berührt natürlich die Rechtsordnung dieses Staates, zu dem die Süd-Tiroler bekanntlich seinerzeit nicht freiwillig gekommen sind. Darauf hat die Selbstbestimmungspetition der 99% der Süd-Tiroler Bürgermeister von 2006 an Österreich hingewiesen. Sie ist mit Menschenrechtskonventionen und EU-Recht assoziert und wird international so verstanden. Italien ist Aufgrund seiner internationalen völkerrechtlichen Verpflichtungen dazu verpflichtet, sich nicht der Klärung dieser Frage in den Weg zu stellen, vorausgesetzt, die Landesregierung in Bozen würde einmal aus einem Anlaß diese Frage Rom, Wien und der EU in Brüssel stellen. Das Recht auf Selbstbestimmung der eigenen Person und eigener Ethnie ist ein Grund- und Menschenrecht und ist weder links noch rechts politisch angesiedelt. Gerade als Bürger von Süd-Tirol egal welcher Sprache hätte man die theoretische Verpflichtung darauf zu achten, dass der italienische und deutsche Neofaschismus und Duce-Nostalgie keinen Boden gewinnen. In Süd-Tirol gibt es so gut wie keine süd-tiroler oder deutschen Neo-Nazis, aber sehr viele italienische Neofaschisten. Das schadet dem Sprachfrieden und Ansehen der italienischen Demokratie, die als solche derartige Bewegungen "ertragen" muss. Diese Strömung ist nicht für die grosse Mehrheit der Italiener in Süd-Tirol repräsentativ und schon gar nicht für ganz Italien. Viele Protestwähler wählen eben aus Protest bestimmte extreme Parteien. Eine Demokratie hat gelernt gut damit zu leben, und sie setzt sich bis heute letztenendes zum Schluss auch durch. Die Frage der Selbstbestimmung ist eine Frage der Demokratie und der Menschenrechte und sie kann nur demokratisch gelöst werden, wann auch immer das sein sollte, vorausgesetzt eine Landesregierung würde diese Frage einmal stellen. Nichts anderes passiert heute in den Bezieheungen zwischen Schottland und Grossbritannien, ohne dass der Englischen Königin dabei ein Stein aus der Krone fallen würde, genauso wie auch in Spanien dem König in ähnlichen Fragen. Europa macht das in seinem eigenen Machtbereich politisch heute und morgen möglich. Darüber zu debattieren und Meinungen auszutauschen müsste allen eigentlich als selbstverständlich erscheinen.
IP: 195.3.113.171
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