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07-02-2008 17:06
 
erwiderung
@Markus A.:  
 
Italien befindet sich in einer Krise, aber nicht in der größten, wie sie behaupten; der Faschismus war beispielsweise eine größere politische Krise. Zu den Wirtschaftsdaten: Der Tabelle auf http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Bruttoinlandsprodukt_pro_Kopf können sie entnehmen, dass 11 Länder der EU ein größeres BIP pro Kopf haben und 13 weitere ein kleineres als Italien. Aber ich teile ihre Interpretation und sehe wie sie die wirtschaftliche Schwäche Italiens und sähe selbst Italien gerne noch vor Luxenburg als Nummer 1. Die EU-Neulinge, die Italien in diesem Punkt übertreffen, sind: Deutschland (wegen der Annexion der DDR), Österreich, Vereinigtes Königreich, Finnland, Schweden, Dänemark und Irland. Keines dieser Länder (mit Ausnahme Deutschlands) gehörte dem Warschauer Pakt an. Mir ist nicht ganz klar, in welchem Punkt außer Wachstum ein postkommunistisches Land Italien übertroffen haben sollte. 
 
Italien war stets ein Nettoeinzahler in die EG und EU. Ihre diesbezügliche Aussage ist falsch. 
 
In der Geschichte der EG hat es noch nie Grenzveränderungen gegeben und ich sage ihnen voraus, dass es dazu auch nicht kommen wird. 
 
Natürlich wäre es politisch klüger gewesen, 1918 die Grenze an der Salurner Klause zu ziehen, also die heutige Provinz Bozen bei Österreich und die heutige Provinz Trient bei Italien zu lassen. Und ein Grund, warum nach dem 2. Weltkrieg im Vertrag von Paris Südtirol bei Italien belassen wurde, war wohl auch, dass Italien NATO-Territorium war und Österreich neutral. Die Provinz Bozen hätte sich als Verteidigung der Appeninhalbinsel vor einem konventionell mit Landstreitkräften geführten militärischen Angriff des Warschauer Paktes gut gegeignet.  
 
Francesco Cossiga meinte in einer neulich auf dem Senatskanal übertragen Dokumentation anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der Costituzione della Republica Italiana, dass Italien das letzte Ansehen verloren hätte, wenn es im Vertrag von Paris nach den Gebietsverlusten an Frankreich und Jugoslawien auch noch (das verglichen mit letzteren Gebieten) größere Südtirol eingebüßt hätte. Er wählte (falls ich mich richtig erinnere) dabei die Formulierung: "avrebbe perso ogni credibilita" 
 
Aber nun sind die Grenzen vertraglich eingefroren und es wäre ein absoluter Präzedenzfall in der über 50-jährigen Geschichte der EG, wenn Südtirol an Österreich abgegeben würde. Italien vorzuwerfen, nicht freiwillig auf ein Teil seines Territoriums zu verzichten, würde die Raison eines jeden Staates verleugnen. 
 
@Heinz Pichler: 
Zur Frage "hr Zitat: "Mehr Staaten führen zu mehr Bürokratie und zu mehr Geldverschwendung."  
Können Sie solche Aussagen denn mit Zahlen belegen?" 
 
Nein, kann ich nicht. Vielleicht gibt es Studien dazu am Fallbeispiel der Balkanisierung Jugoslawiens. Der gesunde Menschenverstand hat mich zu dieser Aussage geführt. Staaten müssen z.B. einen diplomatischen Korps unterhalten. Die Anzahl der Beziehungen zwischen n Staaten geht quadratisch mit n (n über 2). Das macht den Sprachendienst der EU so teuer. Darüberhinaus leisten sich Staaten allerhand Firlefanz und Symbolik für ihre Repräsentation mit mindestens zweifelhaftem Wert für die Bürger, auch wenn man das nicht wie in Italien mit den Corazzieri zur Perfektion treiben muss. Ein Staat, der aus einer Sezession hervorgeht, muss Aufgaben bewältigen, die vorher im alten Verbund erledigt wurden. Dabei tritt das Gegenteil dessen ein, was bei einer Fusion als Synergieeffekt bezeichnet wird. 
 
@Tommy: Italien macht sich nicht nur lächerlich, wie sie behaupten. Italien hat jüngst in der UNO eine Initiative ins Spiel gebracht, mit dem Ziel, ein weltweites Moratorium für die Todesstrafe durchzusetzen. Die Abstimmung war erfolgreich. Die Länder, die dagegen stimmen, wie die USA, machen sich lächerlich.
IP: 141.2.247.109
 
Stefan Rennert
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