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28-01-2008 09:06
 
Markus A. schrieb: 
 
"Der Gipfel der Frechheit ist, dass man gerade Österreich vorwerfen will, die Menschen dort hätten seinerzeit versäumt den fremden Diktator in ihrem Land rechtzeitig zu stürzen." 
 
Lieber Markus, jedem Widerstandskämpfer gegen ein totalitäres Regime gebührt Achtung und Respekt. An ihnen müssten wir uns in ähnlichen Situationen messen. Ich habe lediglich geschrieben: "Das hat leider kein Österreicher geschafft." Und das ist auch so gemeint.  
 
Der Faschismus in Italien war offensichtlich weniger tödlich als der Nationalsozialismus und hat auch in der "Theorie" mehr die Kultur als die "Rasse" akzentuiert. Damit will ich nur die Aussagen derjenigen Forenteilnehmer relativieren, die immer die italienische Vergangenheitsbewältigung anprangern mit dem Argument: "Mann stelle sich nur vor, wir würden so mit Hitler umgehen." Zwischen Hitler und Mussolini liegt eben schon ein gewaltiger Unterschied. Die Voraussetzungen für die Vergangenheitsbewältigung sind anders. Es existieren Filmaufnahmen, die zeigen wie die Leiche Mussolinis vom Mob malträtiert wird. Das ist gelungene Vergangenheitsbewältigung! Die Aufnahmen wurden (so vermute ich) vom Istituto Luce durchgeführt, dass zu Lebzeiten Mussolinis unter anderem für seine propagandistischen Filmaufnahmen zuständig war und aus filmtechnischer Sicht damals Maßstäbe gesetzt hat. In Deutschland hingegen gab es bis zum Schluss keinen nennenswerten Widerstand, der vergleichbar mit der Partisanenbewegung in Italien gewesen wäre, der Leiche Hitlers ist man auch nicht habhaft geworden und nach der Niederlage wollte niemand mit den Nazis sympathisiert haben. Das ist es, was ich mit unterschiedlichen Voraussetzungen für die Vergangenheitsbewältigung meine. 
Im Übrigen hat Mussolini für Hitler in militärischer Sicht unfreiwillig mehr als Bremsklotz gewirkt denn als Unterstützung und das ist auch gut so. 
 
Der letzte Absatz ist nicht als Verteidigung des ital. Faschismus zu verstehen. Er ist ein Verbrechen gewesen und hat auch als Vorbild eines größeren Verbrechens gedient. Mich stört nur, dass von separatistischer Seite aus Südtirol das Adjektiv "faschistisch" inflationär für alles gebraucht wird, was an die Zugehörigkeit Südtirols zu Italien erinnert.  
 
Lieber Rainer: Ich weiß, dass die meisten italienischen Namen in Südtirol künstlich sind. Und das ist in Europa mit den Grenzverschiebungen nicht einzigartig. 
 
Dass im Italien der Nachkriegszeit gefoltert wurde, dafür würden mich die Quellen interessiren.
IP: 84.58.63.204
 
Stefan Rennert
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