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25-01-2008 11:39
 
Selbstbestimmung eine Frage von Tagen
In Süd-Tirol wird die Frage diskutiert, ob man das politische Ziel der Selbstbestimmung des Landes gerade jetzt verstärkt verfolgen sollte. Anderswo in Europa nicht gerade sehr weit von dieser allerbesten Autonomien wird das gerade in diesen Tagen national und international eindrucksvoll vorgelebt. Dazu nicht im noch so demokratischen und hochentwickelten Westen, sondern gerade am Balkan, wo man die Demokratie erst lernt, und wo man noch Hunger nach Leben im eigenen Land ohne ewige Fernbestimmung kennt, in voller Freiheit der Wahl und der eigenen Selbstbestimmung. Der Premier der Autonomen (noch) serbischen Region Kosovo Hashim Thaci sagte gestern vor den versammelten Medien in Brüssel nach einem Treffen mit dem EU-Aussenbeauftragten Javier Solana, die Selbstbestimmung und die Unabhängigkeit dieser bis dato serbischen Provinz Kosovo ist nur noch "eine Frage von Tagen. (...) Der Kosovo ist bereit. Wir werden die Unabhängigkeit sehr bald proklamieren. (...) Wir erwarten massive Unterstützung vonseiten der USA und Europas." Es seien noch bestimmte Abläufe und Konsultationen vor der Unabhängigkeitserklärung einzuhalten, um einen genauen Tag der Proklamation festzulegen. Aus Diplomatenkreisen wurde bekannt, dass die Führer der Kosovo-Albaner die gerade anstehende Präsidenten-Stichwahl am 3.Feber in Serbien bei der Ausrufung der Unabhängigkeit Kosovos abwarten wollen. Diese Unabhängigkeit wird wahrscheinlich nur ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Kosovo-Albaner sein, einmal in einem vereinten Staat für alle Albaner zu leben, aber er ist heute absolut notwendig, damit es überhaupt dazu einmal kommt. Die alte serbische Staatsmacht der ewigen Fernbestimmung lehnt bekanntlich jede Selbstbestimmung der Kosovo Albaner in dieser Region ab, obwohl dieses Land zu 4/5 nicht von Serben besiedelt ist, und diese alte serbische Staatsmacht vor allem in den 90er Jahren furchbares Leid und Unheil über die Menschen im Kosovo gebracht hat. Alles was Serbien dem Land heute anbieten will und kann, nachdem es die direkte Kontrolle 1999/2000 über dieses kleine Land verloren hat, ist das Modell der Autonomie aus Süd-Tirol. Die Kosovo Albaner haben aber seinerzeit dankend abgelehnt, sie wollen diesen alten Hut nicht, und fahren keinen "rostigen alten Fiat", wenn ihnen die EU schon andere funkelnagelneue Modelle zur Wahl stellt. Die meisten westlichen Staaten sind bereit die Kosovarische Selbstbestimmung und Unabhängigkeit Zug um Zug anzuerkennen. Die EU bereitet sich gerade darauf vor, für die Übergangszeit weitere Sicherheits- und Verwaltungsaufgaben nach der Ausrufung der Unabhängigkeit im Kosovo zu übernehmen, falls sich dieses Land wie angekündigt von Serbien ofiziell in den nächsten Tagen oder Wochen abspaltet. Man kann gespannt sein, ob es danach noch weitere geglückte Selbstbestimmungen in Europa geben wird. Höchstwahrscheinlich ja, wenn ein Volk und seine Führung es als realpolitisch realisierbar betrachten werden. Deutliche Anzeichen dafür gibt es bereits in Schottland, Baskenland, Katalonien, Flandern und diese Länder mit ihrer politischen Führung warten nicht, bis ihnen die Selbstbestimmung wie ein reifer Apfel von alleine in den Schoss fällt, sondern handeln auch politisch danach. Diese realpolitische Ausgangslage anderswo in der EU ist auch nicht um so vieles anders, als die heutige realpolitische Ausgangslage der Selbstbestimmung der AP Bozen Südtirol. Die anderen oben genannten Länder und ihre Völker haben die gleichen Probleme der eigenen Selbstbestimmung, wie auch das Land Süd-Tirol sie hat. Die Menschen selbst und ihre politische Führung zeigen vieleicht mehr Idealismus und Antriebskraft bei der Umsetzung dieses Ziels und handeln auch Schritt für Schritt sichtbar und glaubwürdig für alle Seiten danach. Am Schluss werden nur die Länder und autonome Regionen in der EU die Selbstbestimmung bekommen, die sich auch rechtzeitig drum politisch bemühen, und diesen einmaligen Zug der Zeit nicht verpassen. Allen Menschen in Süd-Tirol ist wohl der Begriff "verkaufte Heimat" aus der Geschichte bekannt, hoffentlich gesellt sich nicht dazu in Zukunft ein neuer Begriff, nämlich "die verschlafene Selbstbestimmung". Bei der Wiedervereinigung von Deutschland 1989/90 hat es geheissen, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben, vieleicht auch dann, wenn man zu früh kommt, man müsste sich aber irgendwann in Bewegung setzen und auf den Weg machen, wenn man noch die Selbstbestimmung für Süd-Tirol politisch will, es sei denn es wäre nicht mehr der Fall. Die Selbstbestimmung ohne Wenn und Aber ist immer wieder überall möglich, und das leben uns allen gerade wieder einmal andere Länder und Völker in diesen Tagen und Wochen eindruckvoll vor!
IP: 195.3.113.166
 
Markus A.
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