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13-01-2008 12:12
 
Tiroler Geschichte
In der Zukunft ist alles möglich, jede noch so als unüberwindliche Grenze kann fallen, oder war das mit der Berliner Mauer und mit dem Eisernen Vorhang anders? Hätte man 1989 prophezeit, zum Beispiel, Estland mit 1,5 Millionen Menschen wird sich von der russischen Fremdherrschaft bald befreien, hätte man so einen Propheten zum Psychiater geschickt. Der friedliche und demokratische Widerstand gegen den schlimmsten der Totalitarismen hat dennoch zum Schluss über dieses furchtbare Unrecht restlos gesiegt, und die damalige Supermacht ist diesem Winzlingland Estland in diesem demokratischen Kampf um die Erlangung der Selbstbestimmung unterlegen gewesen. Kein Unrecht kann daher ewig währen, auch in Süd-Tirol nicht! Wie sicher waren die Grenzen Juguslawiens am Balkan, dann Rest-Jugoslawiens, dann Serbiens und Montenegros, dann heute Serbiens vor immer neuen Selbstbestimmungen sicher? Wie wahrscheinlich wird die neueste Selbstbestimmung des Landes Kosowo sein? Wird man in Schottland 2011, Baskenland 2009 und Katalonien 2010, Flandern also in den nächsten Jahren den weiteren Weg der eigenen Selbstbestimmung von der alten Staatsmacht beschreiten und Volksbefragungen in diesen Autonomen Provinzen abhalten? Die Antwort ist aus heutiger Sicht eindeutig Ja! Der Beitrag von Herrn Thaler ist meiner Meinung nach aus italienisch- nationalistischer Sicht geschrieben. Kein Volk und kein Land auf der Welt hat das moralische Recht ein anderes Land für seine Verfehlungen in der Geschichte so zu "bestrafen", wie das Italien mit Österreich in der Süd-Tirol Frage und mit der Ziehung einer ethnisch absurden Grenze 1918 und später 1946 getan hat. Als die Habsburger noch in vielen Teilen Italiens aus dynastischen Überlegungen und Verbindungen geherrscht haben, hat es die Nationalstaaten, wie wir das heut oder seit 1900 verstehen noch gar nicht gegeben. Rissorgimento und Irredenta waren nicht einmal erfunden gewesen und Italien war bloss eine Kulturlandaschaft, die es schon immer gegeben hat und die es immer geben wird. Damals sind auch die grössten zivilisatorischen Leistunden das Anendlandes gerade in dieser Landschaft entstanden. Was hat Italien nach 1918 für die Welt geleistet, ich meine einen grossen Wurf, der dieses Volk und Land würdig wäre, wie seinerzeit vor Garibaldi? Nichts dergleichen! Die Zeit des Duce und sein Regiment im Königreich Italien bis 1943, seine Bündnisse mit anderen Diktatoren hat nur Verderben über ganz Europa und die Welt erst möglich gemacht. Das erlittene oder von den Italienern vor 1914 seinerzeit subjektiv empfundene Habsbrgerunrecht erscheint im Vergleich dazu gerade noch wie ein "Lüfterl". Den Kaisern in Wien war es mehr oder weniger egal, ob jemand in ihrem Reich Deutsch Italienisch, Böhmisch oder Wendisch geredet hat, Hauptsache war, die aus dem Zeitgeist resultierende und historisch gewachsene Herrschaft des Adels war gesichert. Hätten die Herrscher damals vor 200 Jahren ethnisch korrekte Grenzen ihrer Kronländer und Provinzen gezogen, gäbe es vieleicht sogar den Zweiten Weltkrieg nicht. In der Geschichte ist es eher unschick in Konjunktiv zu sprechen, da es anders gekommen ist, wie wir alle wissen. Man kann aber ganz sicher für die Zukunft etwas daraus lernen. Die faschistisch-tolomeische Denkweise abstellen zum Beispiel Herr Thaler, wonach man andere Länder und Völker "bestrafen" muss. Das ist nicht mehr modern in Europa, schon seit 1945 nicht mehr, auch wenn der Ettore Tolomei heute noch in Italien als einer der Grössten dieses Landes verehrt wird. Wer solche für uns fragwürdigen Vorbilder aus der eigenen Geschichte hat, der darf sich nicht über die fürchterlichen Zustände von heute im Stiefelstaat wundern. In diesem Sinne Süd-Tirol war, ist und wird nie Italien werden, auch wenn es heute von diesem italienischen Nationalstaat verwaltet wird, aber in der Zukunft ist alles möglich. Die Staaten und Regime kommen und gegen, was bleibt das ist das Land und seine Menschen. Seien wir doch froh, dass wir alle in unserer Zeit endlich vernünftig miteinder umgehen und uns gegenseitig höchstens nur als politische Gegner ansehen. Das sind wir dem Land, in dem wir Leben und Europa doch ohne Wenn und Aber schuldig und eine bessere Zukunft für uns alle müsste allen von uns auch das wert sein!
IP: 195.3.113.175
 
Markus A.
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