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24-12-2007 17:40
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@Miriam E. und Gleichgesinnte
Ich vermute mal das Du aus einer Mischehe (wahrscheinlich Vater Italiener) stammst, in Bozen lebst oder mit einem Italiener zusammen bist.
Ja, theoretisch wäre es doch ein großer Gewinn, eine Zweisprachigkeit, sich aus beiden Kulturen das Beste heraus zu nehmen und friedlich miteinander zu leben. Doch sieht die Realität in Südtirol anders aus. Es leben zwei Kulturen parallel neben einander her und man weiß wenig über die andere Volksgruppe. Das Zusammenleben klappt de facto immer noch nicht, man geht in getrennte Schulen, Kindergärten, Sportvereine, hat getrenntes Fernsehen (ORF und Video 33, RAI) und auch der Bekanntenkreis ist entweder so oder so. Schlussendlich ist es auch gut so, denn die deutschen Schulen und Kindergärten sind im Vergleich (PISA-Studie) zu den Italienischen gigantisch besser. Würde man auch das Gesundheitssystem trennen, würde das zu einer Verschlechterung für die italienische Bevölkerung führen. Das gilt auch für viele andere Bereiche, weil das Niveau zwischen italienischer Ausbildung (Facharbeiter,Unis) und deutschsprachigen Ländern enorm ist. Die Probleme sind heute, mehr denn je ungelöst, wir kennen die Situation, eine Gruppe von 10 Tirolern unterhalten sich, es kommt ein in Südtirol geborener Italiener dazu, spricht mit einem Selbstverständnis diese Gruppe italienisch an, obwohl er Deutsch können müsste und die Höflichkeit es ihm gebieten müsste! Aber jetzt passiert das Absurde, radebrechend bemühend antworten die Tiroler in italienisch und reden in seiner Präsenz weiter in italienisch. Dieses unterwürfige Verhalten durch Faschismus, Finanzwache, Armee und Militärpolizei mit Zivilen Aufgaben (Carabinieri) erzwungen, zeigt noch heute Wirkung. Auch ein Gesamtitalienisches Problem ist, dass die gerade genannten einen Hungerlohn erhalten und sehen müssen wie sie über die Runden kommen! Kommt ein Italiener in eine große deutschsprechende Gruppe, dann fühlt er sich unwohl, vermeidet den Kontakt, setzt sich wartend in eine Ecke, um dann in einer Kleingruppe das Italienische ein zu führen. Arbeitet man mehrsprachig zusammen, auf Kongressen, in Gremien,...vertreten die Tiroler Verbesserungen für Südtirol, während die Italiener hauptsächlich interessiert sind alles auf italienisches Niveau anzugleichen. Auch hier verlaufen die Interessen gegenläufig, die einen wollen eine Verbesserung unabhängig von Italien, die anderen eine Angleichung an Italien! Man kann das alles doch nicht ignorieren. Solange es nicht eine Gleichberechtigung der beiden Sprachen in Südtirol gibt, kann ich nicht ansatzweise von einem guten Zusammenleben reden. So sollte jeder in seiner Muttersprache reden können auch in Präsenz der anderen Sprachgruppe! Hier besteht bei den Tirolern Nachholbedarf, weil sie lernen müssen ihre Muttersprache zu gebrauchen und da sie jetzt endlich auch die Möglichkeit dazu wieder haben. Es besteht aber auch bei den Italienern ein großer Nachholbedarf. Das Problem der Italiener in Südtirol ist, dass sie Nachkommen ideologischer, faschistischer Selektion sind. Ihnen wurde versprochen hier ein Italien mit ihnen an der Spitze zu schaffen, dass müssten sie erst mal aufgeben und die geschichtliche, kulturelle Realität Südtirols sehen. An diese Revolution glaubt wohl keiner wirklich, oder? Anders der Italiener aus Italien, er kommt viel freier nach Südtirol und hat deshalb auch die Möglichkeit eine neue Kultur und Sprache zu erlernen. Dieser hätte ein anderes Problem, denn er hätte ein völlig falsches Bild von Südtirol in Italien erlernt. Und das ist das andere Extrem des Schildes „ Südtirol ist nicht Italien“, im italienischen Fernsehen wird aus Südtirol einseitig berichtet. So werden nicht Südtiroler befragt, sondern die Italiener in Bozen und diese 20% reden dann in Vertretung für die 75% der Südtiroler. So glaubt der Italiener in Italien, alles in Ordnung in „Alto Adige“, die sind doch richtig gute Italiener, d.h. sie lieben Italien, wollen natürlich zu Italien gehören und wichtig sprechen gut italienisch, das sie mit süditalienischer Aussprache reden, fällt da keinem auf. Und wenn es sich nicht vermeiden lässt, wird auch ein Tiroler gefragt und dabei denkt der Italiener: Che montanaro, non sa ne anche parlare bene la lingua! Es ist richtig, wir leben in Europa, nun zeigt sich aber gerade Italien nicht als guter Europäer. In Fremdsprachen als Entwicklungsland, absolut wichtigster Handelspartner für Italien ist Deutschland, aber wer kann schon Deutsch in Italien? Oder auch Englisch,...? Italien ist immer noch auf sich beschränkt, oft wird „mondo“ mit „Italia“ verwechselt. Selbstkritik fehlt und somit lässt sich auch für die Zukunft nicht viel hoffen. Italien lässt sich durch Europa finanziell aushalten. Was wird gegen die Steuerhinterziehung gemacht? Großteil der Steuervergünstigung für Südtirol und dem Mezzogiorno zahlt die EU! Langfristig geht es mit Südtirol und Italien, wie manchmal in der Ehe, man muß sich trennen um Freunde bleiben zu können. IP: 85.18.66.30
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