Einen Kommentar melden
Danke, daß Sie sich die Zeit genommen haben, diesen Kommentar an den Administrator dieser Seite zu melden.
Bitte vervollständigen Sie dieses Formular und klicken Sie anschließend auf den Senden Button, um Ihre Meldung abzuschließen.
Fragen oder Hinweise zum Kommentar
|
02-12-2007 15:20
|
|||
|
Ein Tirol
An den Gast aus Deutschland und alle Gäste, die es immer noch nicht verstanden haben, welche Art von Beziehungen das Land Südtirol mit Österreich unterhält. Die Bevölkerung der AP Bozen Südtirol ist heute immer noch zu 75% deutschsprachig und tirolerisch geblieben. Das Land Tirol südlich des Brenners gehört erst seit 1918 zu Italien, einem Staat, den man hier nur mit Gewalt, Verrat und diplomatischen Betrug etablieren konnte. Vor allem in der Zeit des Duce-Faschismus hat diese Fremdherrschaft die Menschen mit allen Unterdrückungsmethoden die Süd-Tiroler beinahe in den Wahnsinn getrieben, so das sie sogar kurz davor standen, nach der sog. Otion das Land geschlossen zu verlassen. Wie grausam muss eine solche Herrschaft gewesen sein, wenn damals über 80% der Süd-Tiroler auswandern wollten? Diese Fremdherrschaft des faschistischen Königreich Italien hat hier aber 1943 aufgehört, um nach einem neuen diplomatischen Akt der Verweigerung der Selbstbestimmung im Jahre 1946, diesmal unter "demokratischen" Voraussetzungen erneut in Süd-Tirol etabliert zu werden. In diesem Jahr hat es eine Petition der Südtiroler an das Vaterland Österreich mit dem Wunsch nach Selbstbestimmung und Einheit mit Tirol in seinem deutschsprachigen Teil. Diese Petiton ist damals so gut wie von allen erwachsenen und mündigen Bürgern des Landes unterzeichnet worden und später in Innsbruck dem damaligen Österreichischen Bundeskanzler Leopold Figl feierlich übergeben worden. Damals war die Republik Österreich nicht in der Verfassung und in der Lage, so kurz nach dem Kreig, sich in der Frage der Selbstbestimmung für Süd-Tirol international einigermassen durchsetzen zu können. Dennoch, Österreich konnte wenigstens mit Italien die heutige Autonomie erfolgreich ausverhandeln. Der Pariser-Autonomie Vertrag von 1946 macht daher die AP Bozen Südtirol zum Subjekt des Völkerrechts, da in diesem Vertrag die UNO als letzte und oberste Schiedsinstanz bei Streitigkeiten bei der Interpretation der Bestimmungen der Autonomie zwischen Italien und der Schutzmacht der Interessen Süd-Tirols der Republik Österreich vorgesehen ist, und jede Zeit angerufen werden kann. An diesbezüglichen Entscheidungen der UNO müssen sich demnach alle Streitparteien halten, Italien genauso wie Österreich. So war das in den 60er und 70er Jahren, als Österreich wegen der massivsten Verletzungen der Autonomiebestimmungen durch die italienische Seite die UNO anrufen musste, was damals zu Verurteilung Italiens in der Welt geführt hat. Die politische Führung der AP Bozen, vor allem die Sammelpartei, die SVP, bezeichnet die eigene ethnische Volksgruppe als DIE Österreichische Minderheit in Italien und Österreich als das Vaterland der Süd-Tiroler. Nichts anderes hört man auch von den Vertretern der anderen Parteien der deutschsprachigen Süd-Tiroler, wie Eva Klotz und Sven Knoll von der SF, Pius Leitner von der FP, oder Andreas Pöder von der UfST. Die Partei der Grünen hat als einzige eine etwas andere Vorstellung von der ethnischen Definition der Süd-Tiroler und sie möchte gerne als eine multiethnische völkerverbindende politische Bewegung angesehen werden. Die Menschen süd-tiroler Herkunft identifizieren sich gestern wie heute und morgen mit dem Land Tirol, das seit über 650 zu Österreich gehört. Die Teilung Tirols von 1918 ist erst nicht einmal 90 Jahre her, also so lang, wie ein ganzes langes Menschenleben. Sogar in 10-15 Jahren wird es in Süd-Tirol noch Menschen in einem hohen Alter geben, die noch in Alt-Österreich und in Tirol vor der Teilung 1918 geboren wurden. Es werden nur wenige sein, aber sie sind noch lebende Zeugen dafür, dass es auch einmal ein Tirol ohne die Unrechtsgrenze am Brenner gegeben hat. Ich möchte den Gast aus Deutschland in diesem Forum daran erinnern, dass gerade in dem von ihm angesprochenen Zeitraum um 1809-10 alle Tiroler unter Andreas Hofer sich heftigst gegen die bayerische, französische und italienische Fremdherrschaft in ihrem Land gewehrt haben. Die ideologische Ausrichtung dieser Tiroler Volkserhebung von 1809 war klipp und klar, die Bekämpfung der Fremdherrschaft und die Wiedererlangung der staatlichen Zugehörigkeit zum Vaterland Österreich, damals in Form einer Monarchie. Nicht anders war es im I. Weltkrieg als an der Tiroler Front die Italiener nicht einmal eine Handbreite des Süd-Tiroler Bodens erobern konnten. Damals hat bekanntlich nicht Österreich Italien, sondern Italien Österreich 1915 den Krieg erklärt. In der Zwischenkriegszeit versuchte die Erste Österreichische Republik ihre Unabhängigkeit und Souveränität, vor allem seit 1934 von Nazi-Deutschland zu wahren, wie man weiss, auch mit der Unterstützung aus Italien. Als dann später der Führer das Land Südtirol, das ihm nie gehörte, dem Duce Italiens einfach "schenkte", liess Italien Österreich wieder einmal im Regen stehen ind wie eine heisse Kartoffel fallen, der Preis war bekanntlich die weitere italienische Fremdherrschaft in Süd-Tirol. Die weiteren Folgen für Östereich 1938, Europa 1939 und die Welt bis 1945 sind bekannt und Italien als Kulturnation hat bis heute und zu keinem Zeitpunkt die Geschichte dieses schändlichen Treibens der eigenen Machthaber gegenüber Österreich 1915-1918 und 1938 so gut wie nie verarbeitet oder hinterfragt. Das Wort Vergangenheitsbewältigung ist in diesem Land ein Fremdwort und wer mit der eigenen Geschichte gerade so umgeht, der sollte sich eigentlich nicht über die herrschenden Missstände der Gegenwart in Italien wundern. Der Gast aus Deutschland hat vieleicht Recht mit dem Argument, wie ich es verstanden habe, dass man nicht so leicht eine sprachliche Grenze zwischen Österreich und Deutschland ziehen kann, da beide Länder Deutsch als Amtssprache benutzen. Dennoch, die Österreicher und die Süd-Tiroler sprechen laut Sprachkunde österreichische Dialekte, die zum Teil ident mit ober-bayerischen Dialekten sind. Die Nachbarländer der BRD, Schweiz und Österreich verwenden im eigenen Land eine nur diesen Ländern eigene Deutsche Sprache, falls man noch überhaupt Schwizerdutsch noch als ein Teil der Deutschen Sprache betrachten kann. Für mich ist das nicht der Fall, sondern es ist eine eigene neue germanische Schriftsprache. Die Deutsche Schweiz als Staat (Schweizer Geschichte, Kanton Schwyz, 1291, Rütli-Wiese) ist allemanischen Ursprungs, daher ist vieleicht dieses Land überhaupt ein allemanischer Staat schlechthin. Genau so verhält sich das mit Österreich - Ostarrichi, seit 996 urkundlich bekannt, in Hinblick auf sein alt-bajuwarisches Erbe, das im Zeichen des Österreichertum weiter in die neuen Zeiten geführt wurde und weiterhin in der heutigen Form der Österreichischen Nation fortgesetzt wird. Die Österreichische Staatsnation ist daher nach meinem dafürhalten eher eine Österreich-Bajuwarische Nation, sprachlich, kulturell und ethnisch, zu der auch die Tiroler und damit die Süd-Tiroler gehören und u.U. in eben sprachlicher Hinsicht auch viele Ober-Bayern in unmittelbarer Nachbarschaft zu Österreich, aber ich möchte hier nicht missverstanden werden und die echten bayerischen Bajuwaren zu Österreich zählen. Das können die Menschen vorort am besten entscheiden, wo sie zuerst ihr Vaterland sehen, glaube ich. Es ist aber unbestritten, dass es diese ethnische, sprachliche und kulturelle Verwandschaft gibt und sie wird in diesen Ländern auch so empfunden. Wir sind dennoch, alle die Deutsche Sprache verwenden, ein Teil der Deutschen Kulturnation, aufgeteilt auf mehrere Staaten und Nationen. Eines möchte ich noch anmerken, wenn man in irgendeinem Zusammenhang die Deutsche Kulturnation meint, dann fühlen sich manche, vor allem in Deutschland als DIE legitimen Erben und Verwalter dieses Begriffes, als ob sie sagen wollten, da sind wir die Deutschen in der BRD gemeint als der Mittelpunkt des deutschsprachigen Raumes. Das ist meiner Meinung nach grundfalsch. Die Deutsche Kulturnation gehört nicht dem zahlenstärksten Volk, den Deutschen in der BRD, sondern sie gehört allen, den kleinen und auch den grossen Nationen, Liechtenstein, Luxemburg genauso wie auch Österreich, Schweiz oder Deutschland. Also, es gibt in diesem Sinne sicherlich keinen "Klassensprecher", der für uns alle international auftreten darf oder kann, sondern jede dieser Nationen darf und will für sich selbst alleine sprechen. Genau so ist das auch bei anderen grossen Kulturnationen in Europa und es ist gut so. Das macht die ethnische und kulturelle Vielfalt und Grösse eines Sprachkreises und einer Kulturnation aus, und davon können alle nur profitieren. Die Grösse einer Kulturnation erkennt man in der Vielfalt und nicht in einem kulturellen Einheitsbrei. Übrigens, auch ausserhalb Italiens gibt es Italiener, die als ein Staatsvolk der Italienischen Kulturnation angehören, nämlich in Tessin/Ticino in der Schweiz und es geht ihnen dort in eigenem Land in Svizzera Italiana ohne Italien blendend. Italien als Staat war dort in der ganzen Geschichte dieses italienischsprachigen Landes bis heute nie eine denkbare Alternative zu status quo, auch wenn die Irredentisten in Italien sehr wohl ander Pläne für Tessin seinerzeit gehabt haben, sie sind aber an der Wehrkraft der Schweizer gescheitert! In Tirol südlich des Brenners war es stimmungsmässig auch nie der Fall gewesen, der damals fremde neue Staat ist den meisten Menschen bis heute fremd geblieben. Italien hat es bis heute nie zugelassen, dass die Menschen in Süd-Tirol über die Frage der eigenen Selbstbestimmung als Süd-Tiroler deutscher, ladinischer und italienischer Sprache abstimmen dürften. Der Landeshauptmann von Südtirol (in der BRD ein Ministerpräsident eines Bundeslandes) hat nicht vor allzu langer Zeit in einem Zeitungsinterview gemeint, man würde uns Südtirolern nur ein halbes Jahr Zeit für die Vorbereitung eines Referendums geben und er wäre sich sicher, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Süd-Tirols sich für die Landeseinheit und Rückkehr zu Österreich eintscheiden würde. Ich glaube, die Fragen des Gastes aus der BRD, sind jetzt von mir damit erschöpfend un geschichtlich korrekt beantwortet worden.
IP: 195.3.113.177
|
|||
![]() |


